Hausverbot im Beichtstuhl

Uwe Spieß

Der erste deutschsprachige Podcast zu den Themen spiritueller Missbrauch und sexualisierte Gewalt in christlichen Gemeinschaften

  1. #45 - „Ich bin schwul und liebe meine Frau“ - Das unlösbare Ehe-Dilemma nach 20 Jahren

    vor 16 Std.

    #45 - „Ich bin schwul und liebe meine Frau“ - Das unlösbare Ehe-Dilemma nach 20 Jahren

    In dieser tiefgründigen und hochemotionalen Folge spricht Uwe mit Andreas (Name zum Schutz seiner Familie geändert) über ein unlösbares Lebensdilemma im Spannungsfeld zwischen fundamentalistischem Glauben und der eigenen sexuellen Identität. Andreas nimmt uns mit in seine Kindheit auf dem Land, die von einer ständigen, lähmenden Angst vor der „Entrückung“ und dem Weltuntergang geprägt war – eine emotionale Last, die sich bis heute in seinen Träumen zeigt. Schritt für Schritt rekonstruiert er die Abwärtsspirale aus verdrängten Gefühlen, psychosomatischen Schmerzen, einer späten ADHS-Diagnose und der tiefen Scham über die eigene Homosexualität, die in der freikirchlichen Umgebung keinen Platz haben durfte. Er berichtet eindrücklich von dem Moment, als er seine sexuelle Orientierung zum ersten Mal aufschrieb, nur um das Blatt aus nackter Panik vor Gott und den Menschen sofort wieder zu zerfetzen. Aus nackter Angst vor der Verdammnis und unter dem Druck einer toxischen Gemeinde-Ideologie unterdrückte Andreas seine Natur jahrzehntelang und flüchtete sich in religiösen Aktivismus. Um sich zu „retten“ und den Schein einer gottgefälligen Existenz zu wahren, heiratete er schließlich mit 29 Jahren eine Frau – bestärkt durch die fatalen Ratschläge eines homophoben christlichen Seelsorgers. Das zutiefst Tragische daran: Diese Ehe war keine lieblose Fassade. Andreas und seine Frau bauten eine echte, tiefe Liebesbeziehung auf, bekamen drei Kinder und meisterten schwerste Krisen. Doch die jahrzehntelange, erzwungene Verdrängung seiner wahren Identität hinterließ tiefe Spuren. Nach 20 gemeinsamen Jahren bricht das mühsam aufrechterhaltene Kartenhaus zusammen: Seine Homosexualität drängt unaufhaltsam ans Licht und lässt sich nicht mehr wegbeten. Weil das fromme Zwangssystem ihn einst zwang, seine Natur zu verleugnen, steht die Ehe, in der sich beide Partner eigentlich immer noch lieben, heute vor dem unvollendeten, schmerzhaften Aus.

    1 Std. 47 Min.
  2. #040 - Schiffbruch mit Jesus - Keusch bis zur Krise (Nana Myrrhe)

    22. März

    #040 - Schiffbruch mit Jesus - Keusch bis zur Krise (Nana Myrrhe)

    Keusch bleiben. Warten. Durchhalten. Und dann wird alles gut – oder? Nana Myrrhe hat genau das geglaubt. Und sie hat alles „richtig“ gemacht. Doch statt der versprochenen Belohnung kam die Krise. Wie zerbricht man an etwas, das eigentlich heilig sein sollte? Was ist Purity Culture eigentlich? Nana erklärt, was hinter diesem Begriff steckt: eine Kultur, in der Sexualität außerhalb der Ehe als Verunreinigung gilt – verpackt in Bilder von zerknüllten Kaugummis, beschädigten Neuwagen oder verlorenen Hochzeitstortenstücken. Was macht es mit einem jungen Mädchen, wenn sie lernt: Dein Wert hängt an deiner Unberührtheit? Wenn der Körper nicht mitspielt Nana hat gewartet. Bis zur Ehe. Doch in der Hochzeitsnacht kam nicht Nähe, sondern Schmerz. Die Diagnose: Vaginismus. Eine körperliche Schutzreaktion, die besonders häufig bei religiös geprägten Frauen vorkommt. Wenn Sexualität jahrelang mit Angst, Schuld und Sünde verknüpft wurde – wie soll der Körper plötzlich umschalten?Was passiert mit einer Ehe, wenn das „Versprechen Gottes“ nicht aufgeht? Der eigentliche Schiffbruch Der größte Bruch war nicht körperlich, sondern innerlich. Depression. Selbsthass. Das Gefühl, trotz aller Disziplin nicht zu genügen. Wenn ich alles richtig gemacht habe – warum fühlt sich dann alles falsch an? Und was bleibt vom Glauben? Nana hat ihren Glauben dekonstruiert. Sie hat toxische Gottesbilder hinterfragt und gelernt, zwischen Gott und religiösem Druck zu unterscheiden. Kann es sein, dass Gott bleibt – auch wenn fromme Systeme zerbrechen? Für wen ist diese Folge? Für alle, – die mit Scham rund um Sexualität kämpfen – die lange Single sind und sich fragen, ob mit ihnen etwas nicht stimmt – die verheiratet sind und merken: Nach der Hochzeit wird nicht automatisch alles heil – oder die sich ehrlich fragen, was Jesus eigentlich wirklich über unseren Körper denkt Bist du bereit, genauer hinzuhören – auch wenn es unbequem wird? Nana hat das Buch „Feucht und Fromm“ geschrieben und spricht offen über ein Thema, über das viele schweigen. Diese Folge ist keine Abrechnung – sondern eine Einladung. Traust du dich, dich dieser Spannung zu stellen?

  3. #039 - Die Höllenlehre - das spirituelle Stockholm-Syndrom - mit Amy

    23. Feb.

    #039 - Die Höllenlehre - das spirituelle Stockholm-Syndrom - mit Amy

    Was passiert, wenn der eigene Glaube nicht mehr trägt, sondern erdrückt? In dieser bewegenden Folge erzählt Amy ihre ganz persönliche Geschichte: von einem Glauben, der von Angst, Perfektionismus und falschen Erwartungen geprägt war – hin zu einer mühsamen, ehrlichen Dekonstruktion. Sie spricht offen über toxische Theologien, über das Frauenbild in kirchlichen Kontexten und ihre Erfahrungen in der Landeskirche. Dabei wird spürbar: Dekonstruktion ist kein intellektuelles Hobby. Es ist ein existenzieller Prozess. Zwischen Höllenangst und Selbstzweifeln Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Höllenlehre – und was sie im Inneren anrichten kann. Wenn Glaube vor allem mit Drohung, Druck und „Nicht-genug-Sein“ verbunden ist, hinterlässt das Spuren: im Selbstwert, im Gottesbild, im eigenen Körper. Wir sprechen über religiöses Trauma, über Trauma Bonding in geistlichen Kontexten und über die oft schmerzhafte Realität von Traumatherapie. Amy beschreibt ehrlich, wie tief diese Prägungen reichen – und wie schwer es ist, sie zu lösen. Die Entdeckung einer größeren Hoffnung Und doch bleibt es nicht bei der Dunkelheit. Amy erzählt von ihrer vorsichtigen Annäherung an neue theologische Perspektiven – unter anderem an die Hoffnung der Allversöhnung. Eine Theologie, die nicht mit Angst arbeitet, sondern mit bedingungsloser Liebe. Eine Sicht auf Gott, die heilt statt klein macht. Es geht um die Frage: Was, wenn Gott besser ist, als wir gelernt haben? Dekonstruktion als Weg zur Heilung Dieses Gespräch ist ehrlich, verletzlich und zugleich hoffnungsvoll. Es zeigt: Dekonstruktion kann Verlust bedeuten – aber auch Befreiung. Sie kann Glaubenssätze zerbrechen – und Raum schaffen für einen reiferen, freieren Glauben. Eine Folge für alle, die mit Angsttheologie gerungen haben die ihr Gottesbild hinterfragen die unter religiösem Perfektionismus leiden oder die sich fragen, ob nach dem Zerbruch noch etwas Tragfähiges bleibt

    1 Std. 23 Min.
  4. #038 - Hohe Suizidraten, heiliger Druck – Queere Menschen im evangelikalen Umfeld - mit Dr. Elis Eichener

    2. Feb.

    #038 - Hohe Suizidraten, heiliger Druck – Queere Menschen im evangelikalen Umfeld - mit Dr. Elis Eichener

    In dieser Folge von Hausverbot im Beichtstuhl sprechen Elis und Uwe über die spannungsreiche Beziehung zwischen Queerness und konservativen christlichen Glaubenswelten. Sie verbinden persönliche Erfahrungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und machen sichtbar, warum queere Menschen in religiösen Kontexten überdurchschnittlich häufig unter Suizidgedanken, Schuldgefühlen und Isolation leiden. Im Zentrum steht die Frage, wie theologische Narrative wirken: Was passiert, wenn Botschaften von Liebe und Annahme mit moralischer Abwertung kollidieren? Welche Folgen hat das für das Selbstbild queerer Jugendlicher – und warum ist elterliche Unterstützung oft der entscheidende Schutzfaktor zwischen Halt und Verzweiflung? Elis und Uwe nehmen zudem die Bibel selbst in den Blick. Sie sprechen über selektive Bibelauslegung, über betonte und verschwiegene Verse, über Sexualität, Geschlechterrollen und die Widersprüche kirchlicher Praxis. Dabei wird deutlich: Die Bibel ist kein eindimensionaler Text – und verantwortungsvolle Hermeneutik ist keine Bedrohung des Glaubens, sondern seine Voraussetzung. Auch gesellschaftliche Ängste kommen zur Sprache: die Behauptung, Queerness gefährde Familie und Kinder. Mit Blick auf aktuelle Forschung räumen die beiden mit diesen Mythen auf und zeigen, wie sehr ideologische Debatten oft den Blick auf reale Menschen verstellen. Diese Folge ist ein Plädoyer für Empathie, Differenzierung und Beziehung statt Angst. Sie lädt dazu ein, festgefahrene Narrative zu hinterfragen – und gibt konkrete Impulse, wie Gespräche über Queerness auch mit Andersdenkenden respektvoll und menschlich geführt werden können

    1 Std. 19 Min.
4,3
von 5
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Der erste deutschsprachige Podcast zu den Themen spiritueller Missbrauch und sexualisierte Gewalt in christlichen Gemeinschaften

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