Keep Calm & Learn On

Im Podcast Keep Calm and Learn On redet Simon Dückert mit Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis zu Themen rund um Wissensmanagement, Lernende Organisationen, Digitalisierung und die New Ways of Working. Den Podcast kannst du überall abonnieren, wo es gute Podcasts gibt. Auf fyyd kuratieren wir weitere Podcast-Episoden zu Wissensmanagement.

  1. vor 1 Tag

    40 Jahre Wissensmanagement, 10 Jahre bis 2036: Gestaltet das Menerva-Programm mit!

    In der letzten Session des Knowledge Camps stellt Simon Dückert das Menerva-Programm vor. Er will das Wissensmanagement (KM) damit nach rund 40 Jahren Praxis und Forschung aus der Stagnation holen. Ausgangspunkt ist seine Beobachtung, dass Organisationen trotz demografischem Wandel und KI-Umbruch kaum anders arbeiten als vor zehn Jahren. Das Programm ist als offene Bewegung mit 40 Sprints (ab 1. Januar 2027) angelegt und erinnert an das Apollo-Programm. Es beginnt mit einer Charta aus sieben Thesen, die Einzelpersonen unterschreiben können, und mit einem Kick-off am 20. Oktober. Das Plenum diskutiert Bündnisse, Bildung und Hochschulcurricula und die Frage, warum vorhandenes Wissen nicht umgesetzt wird. Es gibt viel Zustimmung und Bereitschaft zur Mitarbeit. Shownotes: Ausgangslage: Stillstand im Wissensmanagement Seit Mitte der 1990er Jahre in der Disziplin aktiv: Dückert würde heute ein ganz anderes Bild des Erreichten zeichnen als damals. Noch immer geht es darum, Führungskräfte zu überzeugen und Wissensbewahrung (z. B. beim Ausscheiden von Mitarbeitenden) in Prozesse zu integrieren. Bekannte Treiber ohne Wirkung: Die Babyboomer gehen bis 2036 in Rente, und KI verändert die Wirtschaft. Trotzdem wird laut Dückert weitgehend weitergemacht wie bisher. Frühere Initiativen (Bildungsrepublik, Lissabon-Agenda) und die Verankerung in der ISO 9001 (Qualitätsmanagement) brachten keinen Durchbruch. Dückert kennt bislang keinen ISO-30401-Zertifizierer. ISO 30401 ist der Standard für Wissensmanagementsysteme. Dückerts Befürchtung: Auch bei seinem Renteneintritt könnte noch dieselbe Frage offen sein, wie man Organisationen zur Beschäftigung mit Wissen bringt. Für Deutschland sieht er KI vor allem dort als Chance, wo sie mit der starken Industrie (Automotive, Maschinenbau) verbunden wird, die durch China unter Druck steht. Das Menerva-Programm: Idee, Name und Struktur Die Story lautet „40 Jahre Wissensmanagement“ (Hashtag #4010KM). Als Geburtstag dient der Vortrag von Karl Wiig vom 20. Oktober 1986. Das Programm soll international wirken und die Welt außerhalb der Fachcommunity erreichen („Preaching to the Converted“ vermeiden). Das Apollo-Programm dient als Vorbild für ein ähnlich ehrgeiziges Zehnjahresziel. Der Name “Menerva“ geht auf die Göttin der Weisheit (etruskisch: Minerva) zurück, die Eule ist das mögliche Maskottchen. Das Programm ist in 40 Learning Sprints zu je drei Monaten gegliedert. Der erste Sprint startet am 1. Januar 2027, der Rest von 2026 dient der Ideensammlung. Es soll keine zentrale Steuerung geben. Gewünscht ist ein offener Rahmen mit Co-Creation und Selbstorganisation, ähnlich der Lern-OS-Community. Dückert nennt als Vorbilder Bündnisse wie Chaos macht Schule, Wikimedia und die Open Knowledge Foundation. Am Anfang stehen eine kuratierte Sammlung der besten KM-Bücher und Leitfäden und eine Toolbox mit den Top-10-Methoden (z. B. Communities of Practice). Die Charta: Sieben Thesen als gemeinsame Grundlage Die Charta passt auf eine DIN-A4-Seite und soll online mit Unterschriftsmöglichkeit erscheinen. Das Ziel von 100 Unterschriften bis Ende 2026 nennt Dückert „bescheiden“. Die Charta ist versioniert und damit änderbar. Open by Default statt Need to Know: Wissen soll geteilt werden. Das Gegenmodell stammt aus Militär- und Bürokratietheorie (Max Weber). Komplexe Berechtigungsstrukturen (z. B. in Microsoft 365) machen Wissen für KI unzugänglich. Praktische Beispiele sind die Wikipedia und Creative-Commons-Lizenzen für Videos. Selbstgesteuertes Lernen und Neugier („Lust auf Zukunft“ statt Nostalgie). Verantwortung: „Wissen ist Macht, Macht verpflichtet“. Das schließt die Gestaltung von KI und ihrer gesellschaftlichen Folgen ein. Nachhaltiges Wissen: Gemeint ist Wissen über Generationen hinweg. Aus dem Plenum kommt die Anregung, auch Wissen über Nachhaltigkeit aufzunehmen. Das Thema soll über die Organisation hinaus auf die gesellschaftliche Ebene. Historische Wurzeln und Schirmherren Karl Wiig war einer der frühen Pioniere. Er arbeitete bei Arthur D. Little im Bereich symbolische KI. Sein Vortrag von 1986 enthält schon Wissenslandkarten, Wissensstrategie und KI-Integration. Dückert erreichte ihn zunächst nicht und hielt ihn für verstorben. In der Nacht vor der Session meldete sich Wiig doch noch per E-Mail und bot ein Gespräch an. Empfohlene Bücher von Wiig: Knowledge Management Foundations (1993) und People-Focused Knowledge Management. Vieles davon ist auf ResearchGate verfügbar. Leif Edvinsson (Pionier des Intellectual Capital und der Wissensbilanz, Mitgründer des New Club of Paris) hat die Schirmherrschaft zugesagt. Das bringt eine internationale Anbindung. Dückerts Beobachtung: Moden wie „Community“ oder „Yammer“ kommen immer wieder, während das ältere Wissen (z. B. die Community-of-Practice-Theorie) verloren geht. Die NASA könne laut einem Artikel heute nicht mehr zum Mond, weil das Wissen fehlt. Der Kick-off findet am 20. Oktober von 14 bis 15 Uhr online statt. Geplant sind eine Analyse des Wiig-Papers, eine kuratierte Linkliste, ein Gast Edvinsson und Crowdsourcing von Ideen. Diskussion: Mitwirkung, Bildung und die Warum-Frage Bündnisse und Unterstützung: Es wird empfohlen, Unterstützerorganisationen und lokale Bündnisse einzubeziehen und Fürsprecher zu gewinnen. Außerdem soll mit der Wissensagenda Österreich (Andreas Brandner, Portal wissensmanagement.gov.at) zusammengearbeitet werden, um Erfahrungen zu nutzen und Parallelarbeit zu vermeiden. Für Schule und Universität braucht es Kontakte, die Dückert nach eigener Aussage nicht hat. Bildung: In Deutschland gibt es keinen Masterstudiengang Wissensmanagement mehr, was Dückert „unhaltbar“ nennt. Er schlägt vor, KM in BWL- und Wirtschaftsinformatik-Curricula zu verankern (z. B. mit dem GfWM-Curriculum von 2001, Gastvorlesungen und Materialien). Auch Fachwirt-Ausbildungen (DQR-Niveau 6, vergleichbar mit dem Bachelor) behandeln KM bisher zu wenig. Knowing-Doing-Gap: Dückert hält Mensch und Organisation für „auserforscht“. Neu seien nur die Technikwellen (Portale, Cloud, Microsoft 365, KI). Statt der „137. Methode“ gehe es um die Umsetzung. Dazu gibt es einen Einwand: Es fehle Wissen darüber, warum Methoden nicht angewendet werden (z. B. wegen intrinsischer Motivation). Man könne die Methoden der letzten 40 Jahre analysieren und auf wenige Muster reduzieren, auch mit KI-Unterstützung. Mehrere Teilnehmende unterstützen es, die Warum-Frage zu vertiefen. Stimmung und Mitmachen: Die Reaktionen sind überwiegend positiv. Genannt werden Lust auf konkrete Beiträge, die Skalierbarkeit bis in Regionalgruppen (z. B. Rhein-Main) und ein Bezug zum Demokratieerhalt. ID-Ideen wurden in einem offenen Pad (HedgeDoc, Markdown) gesammelt, zum Beispiel VHS-Kurse. Am Ende wird zur Mitarbeit eingeladen.

  2. 26. Aug.

    Personal Knowledge Mastery mit Harold Jarche

    ℹ️ Info: The shownotes are in 🇩🇪 German but the episode is in 🇨🇦 English. Harold Jarche hat seine Karriere im kanadischen Militär gestartet und sich dort auf Entwicklung von Trainings und Computer Based Training spezialisiert (formelles Lernen). Nach einer kurzen Station bei einem E-Learning-/LMS-Anbieter hat er sich selbständig gemacht und. ist Partner der Internet Time Alliance geworden. Das Lernen in und mit dem Internet hat Harold für seine persönliche Entwicklung kennen und lieben gelernt (informelles Lernen). Mit Seek > Sense > Share hat er ein weltweit bekanntes Framework für das persönliche Wissensmanagement (PKM) entwickelt, die Geschichte dazu erzählt er in dieser Episode. PKM sieht er dabei eng mit der eigenen Arbeit integriert, was er im bekannten Zitat “Work is learning and learning is the work“ beschreibt und wofür sein Weblog mit über 3.700 Beiträgen seit 2004 ein schöner Beleg ist. Seit 2014 bietet Harold den Personal Knowledge Mastery Online-Workshop an, dessen Namen aus der Disziplin “Personal Mastery” aus Peter Senge’s fünf Disziplinen der Lernenden Organisation abgeleitet ist. Der Workshop läuft über sechs Wochen und bietet 18 Lernaktivitäten, die asynchron bearbeitet werden können. Am 5. Oktober 2026 startet der letzte Durchlauf des Personal Knowledge Mastery Workshops und ich werde auch mit dabei sein. Wer dabei sein will, kann sich hier anmelden (€ 405,-). Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele von Euch dabei sein werden und wir das Finale gemeinsam mit Harold feiern 🥳

  3. 6. Mai

    Projektmanagement trifft Künstliche Intelligenz

    KI verändert die Arbeit von Projektmanagerinnen und Projektmanagern grundlegend – von der einfachen Chat-Unterstützung bis hin zu autonomen KI-Agenten als vollwertige Teammitglieder. Marc Widmann, Transformation Director bei TCS (Tata Consultancy Services) und Fachgruppenleiter bei der GPM (Gesellschaft für Projektmanagement), zeigt, wo KI im Projektmanagement heute wirklich steht. Der Schlüssel liegt nicht in der Technologie, sondern im bewussten Umgang: zuerst Human Intelligence (HI), dann KI – und danach nochmals HI. Inhalt: GPM und klassische Projektmanagement-Phasen KI-Einsatz heute: Stufen und Praxisbeispiele Do’s & Don’ts beim KI-Einsatz Zukunft: Hybride Intelligenz-Teams GPM und klassische Projektmanagement-Phasen Die GPM ist die deutsche Vertretung der IPMA (International Project Management Association) mit einem Zertifizierungssystem von Level D (Einsteiger) bis Level A (Programm- und Portfolio-Verantwortung). Die fünf klassischen Projektphasen umfassen Initialisierung, Definition, Planung, Umsetzung/Steuerung und Abschluss. Besonders die Lessons Learned am Projektende werden zu selten durchgeführt – oft weil Zeit und Budget dafür in der Planungsphase nicht eingeplant wurden. KI-Einsatz heute: Stufen und Praxisbeispiele In einem Workshop mit 20 Projektleiterinnen und Projektleitern erhob Widmann den KI-Reifegrad anhand von vier Stufen: einfacher Chat (1), Agenten mit festen Workflows (2), teamweite Agenten (3) und vollständig autonome KI-Systeme (4). Das Ergebnis: Die Gruppe verortete sich bei 1,75 bis 2. Konkrete Use Cases, die Widmann nicht mehr missen möchte: Projektstrukturpläne und Risikowahrscheinlichkeiten vorab von der KI ausarbeiten lassen sowie KI-gestützte Konfliktmoderation, die er im GPM-Barcamp 2024 mit ChatGPT simulierte – mit wissenschaftlich fundierten Methoden zur Verhandlungsführung. Wachsender Bereich: automatisches Transkribieren von Meetings und die KI als Projektgedächtnis für vergangene Entscheidungen. Do’s & Don’ts beim KI-Einsatz Widmann empfiehlt, vorab klar zu definieren, welche Entscheidungen die KI treffen darf. Er entwickelte dafür ein Future Leadership Canvas für hybride Führung. Klare Don’ts: keine vertraulichen Daten in ungeschützte Systeme eingeben, die Lernfunktion in KI-Abos deaktivieren und Halluzinationen stets kritisch prüfen. Beim Thema AI Slob – massenhaft KI-generierter Output, der ungefiltert weitergereicht wird – warnt Widmann vor Qualitätsverlust. „Zuerst die HI einsetzen, dann die KI – und dann nochmals die HI.“ Zukunft: Hybride Intelligenz-Teams Widmann erwartet in zehn Jahren hybride Teams aus Human Intelligence und KI mit klar definierten Rollen – etwa ein bis zwei Menschen plus mehrere KI-Systeme pro Projekt. Teams werden kleiner, aber schneller und anpassungsfähiger. Eine vollständige Verdrängung von Arbeitskräften hält er für unwahrscheinlich, da demografischer Wandel und Fachkräftemangel gegenläufig wirken. „Durch die KI ist meine Arbeitslast nicht weniger geworden. Sie ist aber besser geworden.“ Fazit KI im Projektmanagement ist kein Zukunftsthema mehr – der Einstieg gelingt heute schon mit einfachen Chat-Tools. Entscheidend sind klare Governance-Regeln und das bewusste Einbringen menschlicher Erfahrung. Weiterführende Ressourcen: YouTube-Kanäle von Christoph Magnussen und Lars Thomsen sowie der Newsletter auf marc-widmann.de. Eigene Projekte mit dem Prinzip „HI → KI → HI“ strukturieren Governance klären: Was darf die KI entscheiden, was nicht? KI als Projektgedächtnis für Meetings und Entscheidungen nutzen Täglich einen neuen Use Case bewusst ausprobieren

  4. 27.07.2025

    Lerncoaching mit Angelika Raab und Jürgen "Latti" Latteyer

    Zusammen mit Angelika und Latti habe ich in dieser Episode mal das Thema Lerncoaching besprochen. Die beiden sind schon lange Corporate Learning Coaches bei der DATEV und ich wollte wissen, was die Rolle ausmacht und welche Rolle KI im Lerncoaching spielt oder spielen kann. Zusammenfassung Im Podcast geben Angelika und Latti Einblicke in ihre Arbeit als Corporate Learning Coaches bei DATEV. Sie erläutern, wie die Rolle entstanden ist, welche Aufgaben sie umfasst und wie sie sich von klassischem Coaching unterscheidet. Dabei beleuchten sie auch die Potentiale und Grenzen von KI als Learning Coach und geben einen Ausblick auf die Zukunft ihrer Rolle. Die Entstehung der Rolle “Learning Coach” bei DATEV Die Geschichte der Corporate Learning Coaches bei DATEV begann 2018 mit der Einführung flexibler Feature-Teams. Diese Teams arbeiteten mit einem gemeinsamen Backlog und hatten nur etwa drei Monate Zeit für ihre Arbeitspakete. Da oft erst kurz vorher bekannt wurde, welches Team welches Paket übernimmt, entstand regelmäßig eine Lücke zwischen den vorhandenen und den benötigten Fähigkeiten. Um diese “Gaps” schnell zu schließen, wurde die Rolle des Corporate Learning Coaches geschaffen. Latti, ursprünglich Mainframe-Entwickler mit einer Ausbildung zum Datenverarbeitungskaufmann, war 2019 der erste in dieser Position. Seine Transformation vom klassischen Programmierer zum Learning Coach wurde durch Erfahrungen auf Barcamps wie der SoCraTes geprägt, wo er neue Formen des Lernens und Wissensaustauschs kennenlernte. Angelika, Diplompädagogin mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung, stieß Ende 2019 zum Team und absolvierte ein Training-on-the-Job bei Latti. Die beiden ergänzen sich optimal: Während Latti den technischen Hintergrund und ein ausgeprägtes Netzwerk mitbringt, verfügt Angelika über didaktisches Know-how und Coaching-Kompetenzen. Abgrenzung und Definition der Coaching-Rolle Der Corporate Learning Coach bei DATEV unterscheidet sich deutlich von klassischen Beratungs- oder Mentoring-Rollen. Im Zentrum steht eine spezielle Haltung: Die Coaches sehen sich nicht als Wissenslieferanten, sondern als Begleiter, die davon ausgehen, dass die Lernenden selbst am besten wissen, was sie lernen möchten. Diese Haltung manifestiert sich in mehreren Prinzipien: Die Lernenden sind Experten für ihre eigene Situation Ziel ist es, Menschen zu befähigen, künftig neue Wege zu gehen Der Coach unterstützt bei der Reflexion des eigenen Weiterentwicklungsprozesses Es gibt keine vorgegebene Instanz, die Lerninhalte diktiert Bei DATEV existieren drei verwandte Rollen: Lerncoach, Lernbegleiter und Corporate Learning Coach, wobei letztere die umfassendste ist und Elemente aller anderen Rollen integriert. Aufgaben und Arbeitsweise der Corporate Learning Coaches Die Rolle der Corporate Learning Coaches bei DATEV ist bewusst vielschichtig und flexibel gestaltet. Sie arbeiten auf vier verschiedenen Ebenen: Individuelle Ebene: Klassisches 1:1-Coaching und Lernbegleitung Team-Ebene: Unterstützung ganzer Teams bei Lernprozessen Workstream-Ebene: Begleitung größerer Organisationseinheiten Unternehmensebene: Transfer von Wissen und Learnings innerhalb der gesamten DATEV Ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit ist die Kuration von Lerninhalten. Sie fungieren als “Auge und Ohr” für ihre Einheit, entdecken relevante Informationen und leiten diese gezielt an die entsprechenden Zielgruppen weiter. Dabei nutzen sie Teams-Kanäle mit spezifischen Labels, um sicherzustellen, dass nicht jeder alles bekommt, sondern nur die relevanten Informationen. Das Netzwerk spielt eine zentrale Rolle in ihrer Arbeit. Wie Angelika es formuliert: “Das Netzwerk ist der schnelle Zugriff auf das Wissen der anderen.” Statt externes Know-how teuer einzukaufen, vermitteln sie oft zu internen Experten oder nutzen ihre externen Kontakte für schnelle Lösungen. Ein konkretes Beispiel für ihre Arbeitsweise: Bei einem AWS-Schulungsbedarf konnte Latti durch sein Netzwerk innerhalb einer Woche einen Experten organisieren, während der klassische Beschaffungsprozess über die Weiterbildungsabteilung Wochen gedauert hätte. Community Management und Wissenstransfer Neben dem direkten Coaching betreiben die beiden auch aktives Community Management. Sie organisieren alle sechs Monate einen “Lerntag” für ihre gesamte Einheit, bei dem rollen- und hierarchieübergreifend voneinander und miteinander gelernt wird. Dabei bringen sie bewusst Menschen auf die Bühne, da das Erklären von Wissen den Lerneffekt für die Vortragenden selbst verstärkt. Ein wichtiger Baustein ihrer Arbeit ist das Expert Debriefing - ein Verfahren, um Wissen von ausscheidenden oder wechselnden Mitarbeitern zu sichern und zu transferieren. Dabei geht es nicht nur um dokumentiertes Wissen, sondern vor allem um die Erfahrungen und impliziten Kenntnisse, die in den Köpfen der Menschen gespeichert sind. Die Coaches haben auch eine “Sprechstunde” etabliert - einen festen virtuellen Raum, in dem sie zu bestimmten Zeiten ansprechbar sind. Interessant dabei: Oft entstehen zufällige Begegnungen zwischen verschiedenen Personen, die zu unerwarteten Wissenstransfers führen - sogenannte Serendipity-Effekte. Fähigkeiten und Werkzeugkasten eines Corporate Learning Coaches Die Anforderungen an einen Corporate Learning Coach sind vielfältig und lassen sich nicht in einer klassischen Stellenausschreibung abbilden. Die wichtigsten Fähigkeiten umfassen: Grundlegende Kompetenzen: Zuhören und Beobachten Veränderungsbereitschaft und Flexibilität Neugierde und die Fähigkeit, “vor der Welle zu schwimmen” Netzwerkfähigkeiten (intern und extern) Transfer von Theorie in die Praxis Spezifische Skills: Verständnis für Lernprozesse (bei Angelika durch das Pädagogikstudium) Technisches Verständnis (bei Latti durch den Entwicklerhintergrund) Coaching-Kompetenzen für Soft Skills und Stärkenanalysen Agile Arbeitsweisen und Softwareentwicklung Interessant ist, dass typische Coaching-Ausbildungen oft wichtige Aspekte wie Netzwerken nicht abdecken. Die beiden betonen, dass viel Intuition und Offenheit im Umgang mit Menschen erforderlich ist, was sich schwer in standardisierten Ausbildungsprogrammen vermitteln lässt. KI als Learning Coach - Möglichkeiten und Grenzen Das Thema künstliche Intelligenz als Learning Coach wird von beiden differenziert betrachtet. Sie nutzen KI bereits als Unterstützung in ihrer eigenen Arbeit, etwa für die Texterstellung oder zur Vorbereitung von Vorträgen. Auch bei der Kuration von Lerninhalten kann KI hilfreich sein, um schnell Überblicke zu verschaffen. Potentiale der KI: Personalisierung von Lerninhalten Sofortiges Feedback Individuelle Lernpläne Unterstützung bei der Kuration Expert Debriefing mit Transkription und Strukturierung Grenzen der KI: Fehlendes soziales Netzwerk und keine Verkörperung Keine Empathie und emotionale Intelligenz Schwierigkeiten beim Aufbau zwischenmenschlicher Verbindungen Reaktive statt proaktive Arbeitsweise Umfangreiche Eingaben erforderlich für gute Ergebnisse Ein zentraler Punkt ist, dass KI derzeit nicht die Fähigkeit besitzt, Menschen zu vernetzen oder ein soziales Netzwerk aufzubauen. Während eine KI theoretisch auf alle Unternehmensdaten zugreifen und dadurch Expertise identifizieren könnte, fehlen noch die technischen und datenschutzrechtlichen Voraussetzungen dafür. Messbarkeit und Wirkung Die Messung der Wirkung von Learning Coaching ist eine bekannte Herausforderung. Bei DATEV haben sie einen pragmatischen Ansatz gewählt: Sie rechneten die gesparten Prozesskosten gegen ihre eigenen Kosten. Beispielsweise konnten sie bei AWS-Schulungen durch ihr Netzwerk Wochen an Beschaffungszeit sparen. Nach dem ersten halben Jahr hatten sich ihre Kosten bereits amortisiert. Allerdings geben sie zu, dass die eigentliche Lernwirkung schwer messbar bleibt - ein Problem, das auch bei formellem Lernen besteht. Positive Effekte zeigen sich oft indirekt: Wenn Teams nach einem Townhall-Meeting andere Teams kontaktieren, weil sie gehörte Tools benötigen, oder wenn Wissen zwischen Abteilungen transferiert wird. Diese “stillen” Erfolge sind schwer quantifizierbar, aber für die Organisation sehr wertvoll. Ausblick und Zukunftswünsche Für die Zukunft ihrer Rolle haben die beiden klare Vorstellungen: Sie möchten ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bewahren. Angelikas größter Wunsch ist es, “dass diese Veränderungsmöglichkeiten bestehen bleiben” und sie nicht in starre Prozesse gepresst werden. Die Wirksamkeit ihrer Rolle hängt davon ab, dass sie organisch dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen entfalten können. Eine zu starke Formalisierung würde ihrer Ansicht nach die Effektivität reduzieren. Bezüglich der Skalierung sehen sie den größten Hebel darin, gezielt dort zu wirken, wo sie den maximalen Impact erzielen können, anstatt die Anzahl der Coaches zu multiplizieren. Empfehlungen und Ressourcen Für alle, die sich für das Thema Learning Coaching interessieren, empfehlen die beiden verschiedene Ressourcen: Communities: Corporate Learning Community New Learning Lab von Jan Foelsing Software Craft Community (für technische Bereiche) Experten und Influencer: Jan Foelsing Werner Sauter Josh Bersin (Learning Analyst) Unternehmen als Vorbilder: Maibornwolff (für die Verankerung von Lernen im Unternehmen) Beide betonen die Wichtigkeit von externen Impulsen und Netzwerken, um nicht im “eigenen Saft zu schmoren” und kontinuierlich neue Ideen und Ansätze zu entdecken. Disclaimer: Die Zusammenfassung ist mit KI-generiert.

  5. 01.06.2025

    30 Jahre Wissensmanagement bei Siemens mit Manfred Langen

    Am 28. Mai 2025 habe ich mich an seinem letzten Arbeitstag mit Manfred Langen bei Siemens in München getroffen und diesen Podcast zu 30 Jahre “Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß …” aufgenommen. Shownotes Vorstellung Manfred Manfreds Werdegang: Studium der Elektrotechnik und Promotion in Aachen, Schwerpunkt User Interface in der Medizintechnik Einstieg bei Siemens über das Thema User Interface Design in den 90er Jahren Einfluss der KI-Welle der 80er Jahre und Erfahrungen mit Explainable AI/Expertensystemen Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Technik und Medizin, Fokus auf Benutzerfreundlichkeit für Ärzte und Fachpersonal Bedeutung von User Experience als Grundlage für soziotechnische Systeme und Wissensmanagement Wissensmanagement bei Siemens von 1995 bis heute Erste Begriffe: “Knowledge-Based Business”, “Knowledge-Flow-Management” Innovationsfeld Informations- und Kommunikationstechnik als Treiber Frühe Visionen: Universal Personal Networking, Vorläufer moderner mobiler Technologien Einfluss von Internet und Vernetzungstechnologie auf Wissensmanagement Rolle der Zentralabteilungen (Personal, Unternehmensplanung, zentrale Technik) Schrittweise Professionalisierung: Von Community-Treffen zu zentralen Projekten und CKM (Corporate Knowledge Management) Boomphase ab 2000: E-Business, Intranet- und Employee-Portale, Einführung von Blogs (Siemens Blogosphere), Wikis (Siemens Wikisphere), Enterprise Social Network (Siemens TechnoWeb) Intranetportal als digitaler Marktplatz/Anlaufpunkt für Wissen im Unternehmen Technologische Weiterentwicklung: Enterprise Search, Web 2.0, Social Collaboration Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) Organisatorische Verankerung von Wissensmanagement Zentrale Rolle der CKM-Gruppe und des Fachzentrums für Knowledge Management Bedeutung von Sponsoren im Top-Management (z.B. Prof. Peter Pribilla) Umorganisationen und deren Auswirkungen: Auflösung der zentralen Einheiten, Verschiebung der Schwerpunkte zu Prozessmanagement und Social Collaboration Herausforderungen durch fehlendes Mandat und Ressourcen nach Umorganisationen Überleben des Themas durch Plattformen wie Wikis, trotz organisatorischer Hürden Diskussion: Was braucht die organisatorische Verankerung? Bottom-up, Top-down und „Middle-up-Down“-Ansatz, Notwendigkeit von Management-Attention UND Community Bedeutung der Anbindung an Strategie und Kernprozesse Wissensmanagement als Teil von Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit, idealerweise in der Unternehmensstrategie verankert Wenn Siemens wüsste … Ursprung und Bedeutung des Zitats: „Wenn Siemens wüsste, was Siemens alles weiß, dann wäre Siemens unschlagbar“ (Karlheinz Kaske, 1988) Verbreitung des Mottos in der Wissensmanagement-Community und Adaption durch andere Unternehmen Zentrale Aussage: Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz als Ziele von Wissensmanagement Plädoyer: Wissensmanagement als strategisches Unternehmensziel, nicht nur als Tool-Thema Idee: Investoren und Finanzanalysten als neue Stakeholder für Wissensmanagement-Engagement Kontinuität als Herausforderung – Wissensmanagement braucht nachhaltige Aufmerksamkeit und Einbindung Tipps für den Einstieg ins Wissensmanagement Technologische Entwicklungen im Blick behalten, aber immer mit Blick auf die langfristigen Grundlagen des Wissensmanagements Aktueller Hebel: KI und Verknüpfung mit gepflegten, offenen Wissensquellen wie Corporate Wikis Empfehlung: Offenheit und Freigabe für alle Mitarbeitenden als Erfolgsfaktor für Wissensplattformen Klassiker lesen: Nonaka (), Probst (), „Wissen gewinnt“ von Zucker/Schmitz, Peter Druckers Postkapitalistische Gesellschaft Kombination aus Tradition (Grundlagen verstehen) und Innovation (neue Technologien nutzen) Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen: Wellen reiten, aber auch Rückschläge aushalten und am Thema dranbleiben Community-Management und strategische Einbindung als Erfolgsrezepte Tipp: KI und Wissensmanagement kreativ kombinieren und klassische Prinzipien neu interpretieren Der im Podcast erwähnte “Artikel” wird im Rahmen einer Jubiläumsschrift der Gesellschaft für Wissensmanagement im Lauf des Jahres auf gfwm.de erscheinen.

  6. 02.04.2025

    Barcamps und andere Peer Learning Formate mit Jöran Muuß-Merholz

    Ich habe mich mit Jöran getroffen und wir haben über das Lernen und Lehren mit einem Mindset “aus dem Internet” gesprochen. Es ging konkret um das Barcamp-Format, weitere Peer Learning Formate wie Meetups, MOOCs, Hackathons & Co. sowie moderne Formen der Zusammenarbeit. Shownotes: Vorstellung Jöran Muuß-Merholz Jöran & Konsorten GmbH JRA100: How did you invent the flame logo at the very first barcamp? Format: Barcamp Barcamp Nürnberg 2006 PolitCamp 2009 in Berlin educamp seit 2008 - Die “Mutter” vieler Bildungs-Barcamps MOOCcamp und MOOC-Beratung New York Times: The Year Of The MOOC (2012) TheRulesOfBarcamp auf barcamp.org Barcamp Good Practices Session Pitch und “Vorankündigung” von Sessions 10 Goldene Barcamp Regeln A-, B- und C-Räume Session-Abstimmung (Voting) wieder abgeschafft Buch Barcamps & Co - Peer-to-Peer Methoden für Fortbildungen (2018) Andere Peer Learning Formate Meetups, meetup.com Buch: Die Kraft der Learning Circles: Umsetzung, Wirkung und Einsatzmöglichkeiten (2025) (*), z.B. bei WOL und lernOS Cogneon Knowledge Jam mit LEXthink und IBM Innovation Jam als Vorbilder Learning Circles der P2PU E-Learning vs. Peer Learning (Definiton Wikipedia) Buch: Freie Unterrichtsmaterialien finden, rechtssicher einsetzen, selbst machen und teilen (2018) (*) Beispiel edunautika Website edunautika.de, seit 2018, in Corona “Edunauten” eBildungslabor von Nele Hirsch Finanzierung über Tickets (mit Free- und Soli-Tickets) Website mit Kommentaren für ein Barcamp (früher auch mixxt, Camper) Sessionplan mit Google Docs und Papier Erweiterung von pretix und pretalx um Barcamp-Funktionen, aber Trennung zwischen Teilnehmenden und Speaker schwierig Sessionplanung als Prozess mit klarem “Gatekeeper” (Das Klemmbrett von Blanche) DIY Hybrid (Leute müssen sich selber um hybride Technik kümmern) Dokumentation von Barcamps mit Etherpads, Experiment mit KI vom Corporate Learning Camp, Rolle Dokukümmer:in und CC0-Lizenz, Pre-Workshops zur Dokumentation Experiment Flipped Barcamp (Doku vorher als Video aufnehmen) Edunautika Süd in Hanau im Herbst 2025 Neues Buch: Digitale Zusammenarbeit 4.0 Buch Band 1 und Band 2 (*) Bücher im ZLL21 Non-Profil-Verlag Prinzipien und Praktiken der modernen Zusammenarbeit Buch-Rezension im Weiterbildungsblog von Jochen Robes Video Paulas Freundebuch von Eure Mütter Beispiel Prinzip: Pre-Empathie Glossar Digitale Zusammenarbeit 4.0 als PDF Website the-way-we-work.de Linkedin-Gruppe Digitale Zusammenarbeit 4.0 - die Gebrauchsanleitung Buch: Duden Digital erfolgreich kommunizieren (*) Hinweis: Mit (*) markierte Links sind Affiliate-Links.

  7. 11.10.2024

    Superkraft ChatGPT mit Oliver Bock und Florian Knust

    Ich habe mit den beiden Autoren von Superkraft ChatGPT Oliver Bock und Florian Knust (Clever Mangos) über die Kunst des Promptings gesprochen. Das Buch fokussiert auf ChatGPT, funktioniert aber auch mit Microsoft Copilot, Claude, Gemini & Co. Zentrales Element des Buchs ist das ChatGPT Cheet Sheet (CC BY ND), ein “Spickzettel” mit den wichtigsten Tipps & Tricks. Shotnotes: Das erste Buch (03:34) Superkraft ChatGPT: KI einfach & sicher für Texte, Bilder & Büro (Affiliate-Link) ChatGPT basiert “nur” auf Wahrscheinlichkeiten (der stochastische Papagei) Lokale KI (Meta Llama, LM Studio, GPT4All) Das ChatGPT Cheat Sheet (Spickzettel) (14:39) ChatGPT CheetSheet 2024 Version 9 Deutsch (CC BY ND) P.R.O.M.P.T.: Prompt-Ziel, Rolle, Output, Mensch, Präsentation und Ton Custom Instructions (22:40) Anwendungsbeispiele, die wirklich wirklich funktionieren (25:31) Klausuren erstellen Texte mit bestimmten Ton umformulieren Personas für Zielgruppen entwickeln Chatbot zu Buch/Dokument erstellen Brainstorming (“KI als Sparringspartner”) Datenauswertung (Namen, Postleitzahlen) Anfragen beantworten Buch-Tipp: Co-Intelligence: Living and Working with AI (Affiliate-Link) von Ethan Mollick HBR-Artikel: How people are really using GenAI Top KI-Tools neben ChatGPT (36:19) Fliki (Video) ElevenLabs (Audio) Gamma (Präsentationen) Taplio (Social Media) Bardeen (Automation) Guidde (How-to-Guides) Ideogram (Bilder) Claude (Texte) GPTEngineer (Prototyping) Suno (Songs) NotebookML (Text-to-Audio) Perplexity (Suche) KI vs. echte Menschen (39:48) Aktuelle KI Trends (42:38) KI wird in allem enthalten sein KI wird eine große Veränderung in der Arbeitswelt bringen (Industrielle Revolution 2.0) Bei KI-Tools wird es eine Konsolidierung geben Das neue Buch (48:32) Das inoffizielle ChatGPT Handbuch: In 3 Tagen zum KI-Profi (Affiliate-Link) Am Ende haben wir über Podcast-Equipment gesprochen, im Einsatz waren Rode Procaster Pro 2, Beyerdynamic DT297, Focusrite Vocaster One, Reaper, Ultraschall und Studio Link.

Bewertungen und Rezensionen

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Im Podcast Keep Calm and Learn On redet Simon Dückert mit Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis zu Themen rund um Wissensmanagement, Lernende Organisationen, Digitalisierung und die New Ways of Working. Den Podcast kannst du überall abonnieren, wo es gute Podcasts gibt. Auf fyyd kuratieren wir weitere Podcast-Episoden zu Wissensmanagement.

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