Vorab: Der Podcast hat Potenzial. Die Übersicht der parlamentarischen Aktivitäten verschafft im besten Sinne Transparenz. Die Redeausschnitte sind gut gewählt, ebenso ist die Strukturierung der Sendungen professionell. Das wäre fünf Sterne wert.
Allerdings folgt die Setzung der Schwerpunkte und die Kommentierung sehr deutlich einer progressiv-liberalen Agenda und weist drastische Zeichen eines entsprechenden Kulturkampfes auf. Das überrascht nicht.
Sabrina Gehder war Kandidatin bei der Bremen Wahl 2011 für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und ist in diesem Sinne nach wie vor aktivistisch tätig. Im Sinne der Transparenz, die sie selbst Dank ihrer technisch-fachlichen Expertise fördert, ist es unverständlich, dass dem Zuhörer diese persönliche Vernetzung kaum vermittelt wird und statt dessen die private Initiative betont wird. Wer ohnehin aus dem gleichen sozioökonomischen Umfeld kommt, wird sich daran nicht stören. Alle anderen sollten eine erhebliche ideologische Verzerrung bei diesem Postcast einpreisen.
Die Illusion liegt in der Annahme, dass durch civic tech activism die Demokratie zu retten oder der Kulturkampf zu gewinnen wäre, indem man einfach das Volk mehr „aufzuklären“ hätte.
Die Leute wissen jedoch bereits, dass das System korrupt ist, dass Politiker lügen und dass Lobbyisten die Gesetze schreiben.
Mehr Information ändert daran nichts!
Gemeint ist übrigens die Korruption der Demokratie selbst durch das Kapital.