Das ist natürlich feine „Waldbewirtschaftung“, Herr Wohlleben, nur die Filetstücke rausnehmen (nicht etwa diese für die Zukunft dicker werden lassen), damit kurzfristig gutes Geld für den Waldbesitz verdienen, und ansonsten dann den Rest dem sowieso zu erwartenden Zusammenbruch überlassen. Nachhaltige verantwortungsvolle Waldwirtschaft sieht anders aus.
Der Traufbereich zur Wiese macht Arbeit und Kosten, also bleibt man da einfach ganz weg. Keine Kosten, der Waldbesitz freut sich. Der Randstreifen landet nachher ja eh im Zusammenbruch.
„Wir machen das mit Pferden, nicht mit den großen Maschinen“ - fein, aber nur das Vorliefern bis zur Gasse, ab da macht das die Maschine. Sie ersetzen also nicht die Rückemaschine, sondern nur die Seilwinde. Es wird keinen Meter weniger gefahren.
40 m Gassenabstand ist Standard, eigentlich nur Großprivatwald, der voll auf Gewinnmaximierung fixiert ist, nutzt heute noch 20m Gassen.
Rückegassen nicht dauerhaft - also auch in 5 Jahren noch sichtbar - zu markieren ist fatal, vor allem wenn man dauernd rätseln muss, wo sie denn jetzt verläuft, denn wie Sie richtig bemerken ist der Boden schon mit einmal fahren dauerhaft geschädigt. Wie soll das der Schlepperfahrer wissen wenn schon der Förster rätselt? Grundregel ist, als erste Maßnahme in der Durchforstung: die Feinerschließung zu klären und ggf festzulegen. Und falsche Übererschließung aus Vornutzungen der letzten Jahrzehnte zu sperren.
Harvester übrigens fahren in verantwortlich geführten Wäldern auf Rückegassen alle 40 m, und das weiß auch auch Peter Wohlleben, der Bereich dazwischen, den sie nicht mit dem Kran erreichen, der wird mit der Seilwinde oder dem Pferd vorgeliefert. Das kostet, und das ist es wert. Standard, fast überall.
Und den zu engen Bestand eng lassen, damit die instabilen Bäume nicht umfallen? Regelmäßige Pflege lässt es gar nicht erst so weit kommen, denn bei uns ist der Zusammenbruch nicht das Betriebsziel.
Mischbaumarten alle immer zu fördern kann Bestände mittelfristig wunderbar umbauen, weg von Fichte, hin zu Buche, Eiche, Birke, Weide, Kirsche, Ahorn usw.
Der „natürliche Zaun“ durch einen Sturmholzverhau ist eine Legende, Rehe lassen sich davon nicht aufhalten. Das ist Quatsch. Vielleicht die dicken Hirsche der Eifel.
Zumal die dann im Verhau keimenden Pflanzen leider sehr wahrscheinlich zu großen Teilen aus Nadelbäumen bestehen werden. Dann ist das Betriebsziel Zusammenbruch erreicht und der nächste Zusammenbruch bereits vorprogrammiert. Mit entsprechenden finanziellen Ergebnissen für die WalbesitzerInnen.
Subventionierte Wiederaufforstung ist mit Vorgaben verbunden. Reine „Nadelholzplantagen“ dürfen dann nicht mehr angelegt werden.
Schräge Farbstriche werden so angebracht, dass die Markierung von allen Seiten erkennbar ist, deshalb sind sie ja schräg. Also auch diese Behauptung ist Quatsch. Wenn man allerdings (zu welchem Stundenlohn?) nur ein paar Festmeter Filetstücke markieren muss, kann man auch Bändchen knüpfen.
Sie engen auch die genetische Varianz ein, Sie entnehmen die Guten, die sich dann nicht fortpflanzen können. Der Wald wird also nutzungsuntauglicher. Auch eng - aber schlechter. Und ein gut ausgebildeter Förster wird schlechtformige Altbäume und interessante Individuen gerade stehen lassen und den Nutzungsgedanken immer wieder hintanstellen. Aber das mit der Verarmung durch Bevorzugung der Schönen ist immerhin nicht ganz falsch.
Und warum werden die hier nachkommenden kleinen Buchen nicht verbissen, obwohl hier nicht der von Peter Wohlleben, so innig gewünschte geschlossene dunkle Buchenwald herrscht, sondern er selbst für Licht durch seine Maßnahmen sorgt? Man kann nur spekulieren: ich schätze, weil er nicht genau genug hinschaut, denn jede Erfahrung von hunderten von Förstern spricht dagegen. Solange wir nicht einen flächendeckenden, geschlossenen Buchenwald, ohne Wege, ohne Lichtungen, ohne Agrarflächen und Wiesen, ohne Siedlungen haben, wird es immer zu viel Rehe geben. Das ist leider so.
Und dann natürlich immer das Dogma : „wir wollen Wälder und keine Holzproduktionsanlagen.“ Wollen wir kein Holz? Dieses Dogma muss eben sein, weil sonst das Wohllebensche System nicht funktioniert. Wollen wir Häuser aus Holz oder Beton? Kochlöffel aus Plastik? Möbel auch? Fußböden PVC?
Dafür soll noch die Fichte herhalten und nach mir die Sintflut? Den Enkeln kein Holzbettchen mehr?
Die Kunst der Waldbewirtschaftung liegt eben genau darin, einen Wald so ökologisch wie möglich zu bewirtschaften und dabei gleichzeitig noch Holz zu produzieren – mit dem Schwerpunkt auf ökologisch! Unbedingt muss die Nutzung hinter der Ökologie zurückstehen. All diese Förster, die so arbeiten wollen, werden von Peter Wohlleben pauschal diffamiert und abgewertet. Außerdem vertieft er dadurch nur Differenzen und führt nicht zu einer lebendigen Diskussion, zumal er sich diesen Diskussionen in der Regel mit Fachleuten schon lange nicht mehr stellt.
Und meinen Stiftungswald wurde ich ihm ehrlich gesagt nicht anvertrauen.