Stunde Null - Digitale Zeitenwende

Oliver Rößling, Prof. Dr. Henning Vöpel und Wilbert Hirsch

Drei Köpfe, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf aktuelle und neue Themen schauen und doch immer wieder zusammenfinden. Die Gesellschaft befindet sich in einem Wandel, wie es ihn so noch nicht gegeben hat. Die digitale Zeitenwende steht ins Haus und jeder steht in ganz unterschiedlicher Weise dieser Herausforderung gegenüber. Henning, Oliver und Wilbert teilen ihre Erfahrung und Meinungen ganz offen und unverblümt mit ihrer Hörerschaft, reißen gelegentlich ideologische sowie interdisziplinäre Silogrenzen ein und philosophieren über künftige oder alternative Entwicklungen und Trends.

  1. vor 3 Tagen

    Geborgtes 𖦹 Wachstum

    Wir zahlen, wir verteidigen, wir mieten. Besitzen tun wir immer weniger. Es fängt harmlos an, mit einem Rosé, bestem Wetter und einem Tankvorgang, der zum ersten Mal dreistellig war. Eine Stunde später sind die drei bei der Frage, ob wir gegenüber einer künftigen Intelligenz die Rolle des Schimpansen im Cockpit einnehmen. Wer glaubt, das seien zwei verschiedene Gespräche, hat den roten Faden noch nicht gesehen. Denn dazwischen liegt immer dieselbe Frage: Wer zahlt und wem gehört am Ende der Ertrag. Die Inflationswelle ist längst nicht durch, sie arbeitet sich noch durch die Produktionsstufen bis zum Konsumenten. Die Miete holt sich bei vielen die Hälfte des Nettos. Der Staat springt ein, aber als Nachfrager, nicht als Investor. Und der gefeierte Gründungsboom hängt an genau dieser Nachfrage. Warum ein Panzer keinen einzigen Euro Wachstum erzeugt, warum Dual Use kein Nebeneffekt ist, sondern gebaut werden muss, und warum eine ehrliche Statistik der Neugründungen ziemlich nüchtern ausfiele: alles in der ersten Halbzeit. In der zweiten wird es unbequem. Souveränität ist technisch machbar, das Modell läuft im eigenen Keller, ab etwa zweieinhalb Millionen Hardware. Nur endet Souveränität dort, wo das erste Kabel beginnt. Ob eine Sandbox jemals wirklich dicht ist, darüber gehen die Meinungen in dieser Folge deutlich auseinander, und das ist die beste Viertelstunde des Gesprächs. Am Ende steht der eigentliche europäische Hebel, und er ist nicht das Modell, sondern die Quelle. Reinhören lohnt für alle, die verstehen wollen, warum hohe Preise, Rekordschulden und die KI-Debatte dasselbe Thema sind. Aus der Folge: Warum die Inflation den Konsumenten zuletzt trifft und was das für die nächsten Monate heißtWarum Mieten bei 50 Prozent des Nettos ein volkswirtschaftliches Problem sind und nicht nur ein sozialesWeshalb Verteidigungsausgaben Nachfrage schaffen, aber kein WachstumWas vom Gründungsboom übrig bleibt, wenn man die staatliche Nachfrage herausrechnetWarum kapitalgedeckte Rente richtig ist, ein staatlich gemanagter Fonds aber riskantWas europäische Souveränität wirklich kostet und woran sie tatsächlich scheitertWarum IP heute nicht mehr Source Code ist, sondern Daten mit nachweisbarer HerkunftWarum der Alltag mit KI trotz aller Benchmarks weiterhin acht bis achtzehn Iterationen braucht

  2. 20. Juli

    KI-Schock⚡ Mini-Gründungen hängen die Industrie-Dinos 🦕 ab!

    KI-Souveränität, Legacy-IT und die Zukunft der Mobilität: In dieser Episode dreht sich alles um die rasanten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, die Herausforderungen für etablierte Industrien und die Frage, wie Europa seine technologische Souveränität zurückgewinnen kann. Von der intelligenten Verwaltung von Datenströmen bis hin zu visionären Mobilitätskonzepten wird beleuchtet, wo die Chancen und Risiken der aktuellen Tech-Landschaft liegen. Key Learnings: KI Harnessing als Brücke: Große Konzerne können ihre über Jahre gewachsene (und als Firmenwert aktivierte) Legacy-IT nicht einfach durch neue KI-Lösungen ersetzen, ohne massive Abschreibungen zu riskieren. Die Lösung ist ein „Harness“ (Mantel), der als intelligentes Management-System fungiert und entscheidet, welche Daten sicher lokal, über europäische Server oder durch externe KI-Modelle verarbeitet werden – stets im Einklang mit Regularien wie dem EU AI Act. Vibe Coding verändert die Startup-Szene: Die Möglichkeit, Software durch KI-Befehle ohne tiefgehende Programmierkenntnisse zu entwickeln („Vibe Coding“), führt zu einem Boom an agilen Nebenberufsgründungen. Mit geringem Budget können so schnell neue Geschäftsmodelle und Software-as-a-Service-Lösungen getestet werden. Datenabfluss als Souveränitätsrisiko: Die Nutzung amerikanischer oder chinesischer „Frontier-Modelle“ für kritische Geschäftsprozesse birgt massive Gefahren in Bezug auf Industriespionage und den Verlust von geistigem Eigentum (IP). Echte Innovation erfordert geschützte Datenräume. Europas Stärke liegt im Expertentum: Während die USA und China stark auf generalistische Brute-Force-Modelle setzen, findet Europa seine Nische in hochspezialisierten „Small Language Models“ (SLMs) und On-Premise-Lösungen. Diese Modelle trainieren auf tiefem Industrie-Know-how und liefern für spezifische Anwendungsfälle (z. B. Anlagenwartung) exakte, verlässliche und mit Quellen belegte Ergebnisse. Regulierung als Innovationstreiber: Vergangene Industriedaten sind enorm wertvoll, liegen aber oft noch analog oder unstrukturiert vor. Neue Regulierungen wie das „Right to Repair“ zwingen Hersteller nun dazu, proprietäre Maschinendaten zu standardisieren und dem Markt zugänglich zu machen. Verpasste Visionen in der Mobilität: Die europäische Autoindustrie fokussiert sich zu stark auf die bloße Elektrifizierung bestehender Fahrzeugdesigns. Echte Zukunftsvisionen, wie vollautonome, bedarfsgerechte Fahrkabinen für den urbanen Raum (Level 5), werden vernachlässigt, während US-Unternehmen oder asiatische Marken vor allem durch Software und Usability punkten. Geopolitischer Weckruf für Europa: Das Fehlen eigener Infrastruktur-Dominanz (etwa das Scheitern von Galileo gegenüber Starlink) und die geopolitische Unsicherheit zwingen zum Umdenken. Der Druck von außen führt aktuell zu massiven Investitionsplänen und einem neuen Bewusstsein dafür, dass Europa eigene, technologische Führerschaft aufbauen muss, um auf globaler Ebene wieder auf Augenhöhe agieren zu können.

    KI-Schock⚡ Mini-Gründungen hängen die Industrie-Dinos 🦕 ab!
  3. 3. Juni

    Im Zugzwang♟️Europa zwischen Erstarrung und drittem China-Schock

    Es gibt Phasen, in denen jede Option ein Risiko ist und Stillstand das größte. Genau dort verorten Henning, Wilbert und Oliver die Lage Europas: im Zugzwang. Man muss ziehen, doch fast jeder Zug kann die Stellung verschlechtern. Aus dieser Diagnose entwickelt sich ein Gespräch, das von der Vorstandsetage bis zur Geopolitik reicht und unbequeme Fragen nicht ausspart. Die drei sprechen darüber, warum Governance weniger Bürokratie als Haltung ist, und warum Regulatorik wie der AI Act oder Right to Repair gleichzeitig bremst und Innovation erzwingt. Sie diskutieren, weshalb etablierte Anbieter ihre Geschäftsmodelle bequem aussitzen können, solange echter Wettbewerbsdruck fehlt und warum Langfristigkeit am Ende schneller macht als der politische Aktionismus im Vier-Jahres-Takt. Im Zentrum steht China: vom ersten Schock, von dem Deutschland noch profitierte, über den zweiten, der die Autoindustrie und das deutsche Selbstbild trifft, bis zum dritten, der sich bereits ankündigt. Daran knüpfen die verschenkten Souveränitätsprojekte an, von Galileo über GaiaX bis zum nächsten möglichen Ausverkauf beim Quantencomputing, ebenso die Lücke zwischen exzellenter Grundlagenforschung und ihrer Verwertung. Zum Schluss wird es grundsätzlich: Wie transaktional regieren die USA unter Trump, wie resilient ist eine im Wohlstand aufgewachsene Generation, und ist die Demokratie ein Scheinriese, der erst stark wird, wenn er muss? Worum es geht: Governance als strategische Haltung statt PflichtübungRegulierung als Bremse und Taktgeber zugleichDer dritte China-Schock und das schließende ReaktionsfensterNischenmärkte und Hidden Champions als deutsche DNAVerschenkte digitale Souveränität und die fehlende Verwertung von ForschungTrump, transaktionale Machtpolitik und die Zukunft der regelbasierten OrdnungResilienz, Demokratie und die Frage, wie stark Europa wirklich istEine Folge über fehlenden Mut, verpasste Entscheidungen und die Trümpfe, die Europa trotz allem noch in der Hand hält.

    Im Zugzwang♟️Europa zwischen Erstarrung und drittem China-Schock
  4. 20. Apr.

    Die Scherben und der Schwarm 🏺 Warum 99 Prozent nicht sehen, was gerade passiert 👁️

    Henning, Wilbert und Oliver treffen sich nach kurzer Pause zu einer Bestandsaufnahme: zwischen politischer Ratlosigkeit, wirtschaftspolitischen Rückschritten und der unterschätzten Dynamik agentischer KI. Die Runde diskutiert, warum das aktuelle Entlastungspaket der Bundesregierung weder konjunkturell noch strukturell trägt, warum die eigentliche Disruption des Arbeitsmarktes erst ab Herbst 2026 im öffentlichen Bewusstsein ankommen dürfte und ob der westliche Kapitalismus in seiner heutigen Form überhaupt noch eine Antwort auf die kommende Automatisierungswelle hat. Besonders zugespitzt ist die Systemfrage: Während China in einer Mischung aus staatlicher Steuerung und skaliertem Kapitalismus ein überraschend robustes Modell entwickelt, droht Europa und insbesondere Deutschland ein verlorenes Trippeldrei-Jahre-Fenster. Die Debatte um Wertschöpfung jenseits klassischer Lohnarbeit mündet in Hennings Vorschlag eines neuen Begriffs: nicht Resilienz, sondern Transilienz, also die Fähigkeit, Stabilität und Transformation gleichzeitig zu leisten. Parallel zeichnen die drei den Alltag des Umbruchs nach: Oracle-Kündigungen per E-Mail vor Arbeitsbeginn, Vibe-Coding als Abitrage-Moment für eine kleine Gründergeneration, Schatten-KI in Konzernen, die an Governance und Mut scheitern. Die europäische Regulatorik wird dabei nicht als Bremse, sondern als potenzieller Exportschlager eingeordnet, sofern Europa eigene Alternativen schafft, statt sie ex ante zu verhindern. Key Learnings Politische Rückabwicklung statt Transformation. Das Entlastungspaket (Prämie plus temporäre Mineralölsteuersenkung) gilt der Runde als Symbol einer bewahrerischen, rückwärtsgewandten Wirtschaftspolitik.Arbeitsmarkt kippt im Herbst. Die These: Ab Herbst 2026 wird die agentische Automatisierung im Massenbewusstsein ankommen, der Arbeitnehmermarkt kippt final in einen Arbeitgebermarkt.Wertschöpfung entkoppelt sich von Lohnarbeit. Klassische sozialpolitische Instrumente, Betriebsräte, Generationsverträge, verlieren an Wirkmechanismus, wenn Arbeit ersetzt statt geteilt wird.Transilienz statt Resilienz. Stabilität ohne Wachstum reicht nicht, Wachstum ohne Stabilität auch nicht. Die neue Aufgabe ist beides gleichzeitig.Europäische Emanzipation statt Souveränitätsrhetorik. Eigene Infrastruktur, Open Source, Buy European, dazu eine Regulatorik, die Alternativen zulässt, statt sie vorab zu verhindern.Systemfrage neu gestellt. China zeigt, dass ein nicht-demokratisches Modell gleichzeitig stabilisieren und skalieren kann. Der Westen hat darauf bisher keine überzeugende Antwort.

    Die Scherben und der Schwarm 🏺 Warum 99 Prozent nicht sehen, was gerade passiert 👁️
  5. 20. März

    Des Kaisers neue KI: und warum 99,9 Prozent noch applaudieren 👑

    Alle reden über KI. Kaum jemand versteht, was gerade wirklich passiert. In dieser Folge von Stunde Null sitzen Henning, Oliver und Wilbert zusammen und ziehen eine ehrliche Bestandsaufnahme, ohne Buzzword-Bingo, ohne Weltuntergangsstimmung, aber auch ohne die beruhigende Illusion, dass ein Microsoft Co-Pilot irgendwie reicht. Der entscheidende Schritt, der gerade vollzogen wird, ist der von der KI als Werkzeug zur KI als Akteur. Agentische Systeme handeln nicht mehr auf Zuruf – sie führen aus, planen, orchestrieren. Wer das noch nicht auf dem Schirm hat, gehört zur schweigenden Mehrheit von rund 99,9 Prozent. Die Folge erklärt, warum das ein Problem ist. Daneben geht es um die Fragen, die sich die wenigsten laut stellen: Was passiert mit einem Rentensystem, wenn hochqualifizierte White-Collar-Jobs in Tranchen verschwinden? Wer bezahlt das Handwerk, wenn die Mittelschicht wegbricht? Und welche Gesellschaftsmodelle stehen eigentlich zur Wahl – massive Umverteilung, KI-Kommunismus oder feudaler KI-Kapitalismus? Konkret wird es beim Blick in die Medizin, wo KI bereits in 40 Prozent der Fälle onkologische Diagnosen nachkorrigiert, und beim Quantencomputing, das zeigt, warum manche Probleme – Hamburgs Ampelsteuerung zum Beispiel – mit klassischen Rechnern schlicht unlösbar sind. Am Ende steht eine Hausaufgabe für alle drei: den Zauberlehrling lesen. Ob im Hardcover oder von der KI vorgelesen – das, so heißt es, sei eine Frage der Haltung. Stunde Null: überall, wo es Podcasts gibt.

  6. 5. Jan.

    Krisenmodus ⚠️ Deutschland: Ohne Schmerz kein Fortschritt

    In der Weihnachts- und Jahresabschlussfolge 2025 von „Stunde Null“ ziehen die drei Hosts eine ernüchternde Bestandsaufnahme: Wirtschaft, Politik und Verwaltung wirken blockiert, es fehlt das Gefühl, dass es wirklich vorangeht. Der zentrale Gedanke kreist um die Frage nach der „Stunde Null“ - also dem Punkt, an dem echte Erneuerung beginnt. Provokant formuliert: Braucht es erst einen richtigen Zusammenbruch, bevor sich etwas grundlegend ändert, oder schaffen wir es, vorher einen Kurswechsel hinzubekommen? Ein zentrales Motiv ist das fehlende „Licht am Ende des Tunnels“. Hoffnung wird als entscheidender Faktor beschrieben, weil sie Verhalten verändert: Wer Perspektive sieht, plant, investiert und denkt langfristig. Fehlt diese Perspektive, lebt man im Krisenmodus von Tag zu Tag. In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff „Resilienz“ kritisch gesehen - oft bedeute er nur, sich an schlechte Zustände zu gewöhnen, statt sie zu verändern. Resilienz könne aber auch heißen, trotz negativer Dauerreize handlungsfähig zu bleiben. Sehr konkret wird die Kritik am deutschen Innovations- und Kapitalmarkt: Risikokapital ist extrem vorsichtig, viele Investoren wollen erst ein funktionierendes Geschäftsmodell mit Umsatz sehen. Für Startups ist das paradox und bremst Erneuerung. Gleichzeitig droht ein Ausverkauf, weil Kapital aus Saudi-Arabien, China oder Dubai in Europa investiert, während heimische Akteure zögern. Als strukturelle Ursachen sehen sie Bürokratie, Föderalismus und eine Politik, die in kurzen Legislaturperioden denkt. Echte Reformen brauchen längere Horizonte. Historisch seien große Veränderungen oft erst durch massive Krisen ausgelöst worden - die unbequeme Frage lautet daher, ob Europa erst an den Rand gedrängt werden muss, bevor es handelt. Die Diskussion streift auch Ethik, Demokratie und Protestwahl: AfD-Wähler pauschal als unmoralisch abzustempeln sei falsch, viele handelten aus Frust und Perspektivlosigkeit. Gleichzeitig zeigt sich ein gefährliches Dilemma, wenn demokratische Korrekturmechanismen nicht mehr greifen und Extreme attraktiver werden. Zum Schluss bleibt trotz allem ein Rest Optimismus: Unerwartete Dynamik („Emergenz“) ist möglich, neue Generationen könnten Bewegung bringen. Weihnachten wird als kurzer Moment des Innehaltens gesehen - mit der Hoffnung, dass danach mehr Mut zur Veränderung entsteht.

  7. 09.12.2025

    KI 🤖, Klone 👥 & Kontrollverlust – warum Echtheit zum neuen Luxus wird

    Zwischen Weinflasche und Weltlage gehen wir der Frage nach, wohin das alles führt: von geopolitischen Machtspielen, Narrativen à la „Follow the Money“ und Plattformen wie X bis hin zu einer Gesellschaft, in der KI-Inhalte zur neuen Normalität werden – und Echtheit plötzlich zur knappen Ressource. Wir sprechen darüber, wie geschickt politische Narrative gebaut werden, warum viele Menschen sich vom kapitalistischen System abgehängt fühlen und wie Medienmacht und Plattform-Ökonomie unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit verschieben. Ein roter Faden: Wer das Narrativ kontrolliert, kontrolliert zunehmend auch Macht. Im zweiten Teil drehen wir stark ins KI-Thema:Ein selbst geschriebener Song mit KI-Stimme wird zum Testfall für Authentizität. Wir diskutieren Skepsis gegenüber KI-generierten Inhalten, Kennzeichnungspflichten, GEMA, AI-Slop und die Gefahr, dass das Netz sich mit mittelmäßigen KI-Inhalten selbst zuschüttet. Gleichzeitig zeigt sich: KI als „Sidekick“ macht Schreiben und Denken oft strukturierter und effizienter – ersetzt aber nicht den eigenen Kopf, sondern verschiebt, wie und wo wir denken. Ein weiteres Motiv ist die wachsende Bedeutung von Imperfektion: Rechtschreibfehler als Echtheitsmerkmal, schräge Töne in der Musik, Unschärfen in der Kunst – all das gewinnt an Wert, je glatter KI-Ergebnisse werden. Wir sprechen über KI-Bands, zukünftige Trennung in „KI-Charts“ und „Human-Charts“ und darüber, warum ein Gesicht, eine Biografie und eine erlebbare Person hinter einem Werk für viele unverzichtbar bleiben. Zum Schluss wird es futuristisch: digitale Zwillinge, Lifelogging-Devices und die Idee, nach dem Tod als trainiertes Modell weiter mit den Enkeln „reden“ zu können. Daraus entstehen Fragen nach Identität, Bewusstsein und Konstruktion von Wirklichkeit: Wie weit lässt sich ein Mensch simulieren – und wo bleibt der Teil, der nur im gelebten Leben entsteht? Gleichzeitig zeigt sich eine starke Gegenbewegung: volle Räume bei analogen Formaten, mehr Sehnsucht nach „Meat Space“, echten Begegnungen, echten Events. KI überall – aber genau deshalb wird das Unperfekte, Analoge und Menschliche zum eigentlichen Luxusgut.

  8. 08.11.2025

    💀 Der große Job-Exodus: Wenn KI 🤖 Karrieren frisst⚡️

    Zusammenfassung Diese Podcast-Folge widmet sich der existenziellen Krise des deutschen Arbeitsmarkts. Die KI-Revolution und multiple Wirtschaftskrisen haben eine perfekte Sturm-Situation geschaffen, die besonders gut ausgebildete Akademiker trifft. Das Gespräch entwickelt sich von konkreten Jobängsten zu philosophischen Fragen über Bewusstsein und Empathie. Besonders brisant: Die Diskussion mündet in einer dystopischen Vision, in der KI-Kapitalismus zum Kommunismus konvergiert. 🚨 Massenentlassungen & Strukturwandel Der deutsche Arbeitsmarkt erlebt eine beispiellose Krise. Selbst gut ausgebildete Akademiker finden nach monatelanger Suche keine Jobs mehr. Unternehmen führen Pauschalentlassungen ganzer Abteilungen durch, ohne Einzelfälle zu prüfen. Der "zweite China-Schock" trifft die deutsche Industrie im Automobil- und Maschinenbau, während Europa wirtschaftlich ins Abseits gerät. 🤖 KI als Jobkiller Programmierer waren "die ersten", deren Job obsolet wurde. Werbefilme, die früher 500.000 Euro kosteten, entstehen heute in fünf Minuten für 100 Euro. Bereits 60-70% des Social Media Contents sind KI-generiert. Die jüngere Generation trifft es am härtesten – sie kommt gar nicht erst in Positionen hinein. 🧠 Philosophie: Mensch vs. Maschine Kann KI echte Gefühle haben oder nur simulieren? KI kennt weder Tod noch Schmerz noch Angst – ihr fehlt die existenzielle Dimension. Wenn KI uns perfekt spiegelt und denselben Effekt wie menschliche Empathie erzielt – ist der Unterschied noch relevant? Besorgniserregend ist die Selbstreferenzierung: KI trainiert sich mit KI-generierten Inhalten. 💡 Der Fachkraft-Paradox Exzellente Fachkräfte sollten KI nutzen, um von guter zu herausragender Arbeit zu gelangen. Ein Fehler ist der Versuch, ungeschulte Werkstudenten mit KI-Prompts Fachkräfte ersetzen zu lassen. Generalisten haben bessere Chancen als Spezialisten. Der Schlüssel: komplementär zur KI werden statt substituierbar. 💰 Der KI-Kapitalismus & seine Folgen Es zeichnet sich extreme Vermögenskonzentration bei wenigen Tech-Oligarchen ab. Zuckerbergs unterirdischer Bunker wirkt wie ein Vorbote. Die These: Wenn Produktionsmittel sich selbst reproduzieren, konvergiert Kapitalismus zu Kommunismus. Mit Roboter-Sklaven braucht man keinen Tauschhandel mehr. Der Machtinstinkt bleibt jedoch – und das macht die Situation gefährlich. ⚠️ Existenzangst & Sinnfrage Was bleibt vom Leben, wenn Erwerbsarbeit wegfällt? Qualifikation wird bedeutungslos, aber wozu dann studieren? Die Gesellschaft muss lernen, Sinn außerhalb des Jobs zu finden. Es geht um die fundamentale Frage nach Selbstwirksamkeit und Bedeutung. 🔮 Zukunftsszenarien Die Utopie verspricht, dass KI Ressourcenprobleme löst und Forschung um Faktor 100 beschleunigt. Die Dystopie: Wenige besitzen Roboter-Sklaven, die Masse wird überflüssig. Aktuelle Ressourcen reichen nicht für 9+ Milliarden Menschen. Grundeinkommen erscheint als logische Konsequenz. Selbst Handwerksberufe sind durch Robotik bedroht. 🚫 Die ignorierte Revolution Die Politik diskutiert Rente bis 67+, ignoriert aber die KI-Revolution. Das demografische Problem verlagert sich dramatisch. Die Diskrepanz zwischen Veränderungstempo und politischer Trägheit könnte fatal werden. 🌍 Der optimistische Kontrast Noch nie ging es so vielen Menschen so gut. Noch nie waren so viele so gut gebildet. Die Gesellschaft wird sozialer. Vielleicht entwickelt sich das Machtgelüst zurück, wenn Knappheit überwunden wird. Fazit: Nach fast 10 Jahren Podcast-Diskussionen wird es jetzt "akut" – die dystopischen Szenarien materialisieren sich schneller als gedacht. Die wichtigsten Themen

4,8
von 5
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Drei Köpfe, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf aktuelle und neue Themen schauen und doch immer wieder zusammenfinden. Die Gesellschaft befindet sich in einem Wandel, wie es ihn so noch nicht gegeben hat. Die digitale Zeitenwende steht ins Haus und jeder steht in ganz unterschiedlicher Weise dieser Herausforderung gegenüber. Henning, Oliver und Wilbert teilen ihre Erfahrung und Meinungen ganz offen und unverblümt mit ihrer Hörerschaft, reißen gelegentlich ideologische sowie interdisziplinäre Silogrenzen ein und philosophieren über künftige oder alternative Entwicklungen und Trends.

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