Vielen Dank an das Team und alle Mitwirkenden, dass Sie sich der schwierigen Aufgabe gestellt haben, einen möglichst nachvollziehbaren Einblick in die die komplexe Geschichte der Ukraine zu geben! Auch wenn angesichts des Krieges die Ukraine mittlerweile häufig Thema in den Medien ist, fehlt es gerade an tiefergehenden und umfassenderen Informationsangeboten. Dieser Podcast ist ein guter Anfang. Es werden verschiedene Themen der jüngeren ukrainischen Geschichte in ihrer Ambivalenz und mit ihren Auswirkungen auf Menschen, die in der Ukraine leben, nachvollziehbar und weitestgehend gut recherchiert aufgezeigt. Dabei heben sich die Folgen 5 und 6 in ihrer Qualität deutlich von den vorherigen Folgen ab. Wer sich noch nie mit der Ukraine beschäftigt hat, kann durchaus eine erste Orientierung bekommen. Es werden jedoch auch einige Fragezeichen und leider auch das eine oder andere falsche Bild zurückbleiben. Daher kann der Podcast ein Baustein zu mehr Ukrainewissen sein, sollte aber nicht die einzige Quelle bleiben. Äußerst problematisch sind der Titel „Der Riss“ und die damit einhergehende, in den einzelnen Folgen immer wieder vorgenommene Betonung eines überraschenden Auseinanderdriftens von Ukraine und Russland. Es wird damit wieder ein Narrativ bedient, das von russischer Seite und durch die Sowjetunion breit und nachhaltig gestreut wurde, so dass trotz Aufzeigens aller Gewaltherrschaft, allen Unrechts und aller Unterdrückung ukrainischer Selbstbestimmung suggeriert wird, es hätte irgendwann einmal und lange eine natürliche und positive Bindung existiert. Darin hinein spielen auch das Wunschdenken einiger hinzugezogener Expert*innen sowie die unterschiedliche Reflexionsfähigkeit der einzelnen Protagonist*innen. Überhaupt fällt auf, dass die kommentierenden Wissenschaftler*innen durchweg zwar aufgrund ihrer Forschungsschwerpunkte eine (allgemeine) Osteuropaexpertise und auch einen Anteil Ukrainewissen vorweisen können, dass jedoch kein einziger ausgewiesener Ukraineexperte mitgewirkt hat. Sehr schade ist, dass der eigentlich an für sich gut Sprecher sich nicht die Mühe gemacht hat, die Aussprache der ukrainischen Namen und Ortsbezeichnungen zu erlernen. Es tut regelrecht weh, wie verhunzt immer wieder insbesondere die ukrainische Hauptstadt Kyjiw genannt wird. Aber auch andere ukrainische Wörter verlieren ihren Wohlklang durch die penetrant falsche Aussprache.