47 episodes

Was verraten Netflix-Kochshows über unsere Gesellschaft? Ist woke das neue narzisstisch? Und warum trinken jetzt eigentlich alle Ingwershots? Wir sprechen über Phänomene, die unsere Gegenwart ausmachen – die ZEIT-Feuilleton-Redakteure Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod und Apples Sprachassistentin Siri begleiten die Hörerinnen und Hörer durch die Jetztzeit.

Dieser Podcast wird produziert von Pool Artists.

Die sogenannte Gegenwart ZEIT ONLINE

    • Society & Culture

Was verraten Netflix-Kochshows über unsere Gesellschaft? Ist woke das neue narzisstisch? Und warum trinken jetzt eigentlich alle Ingwershots? Wir sprechen über Phänomene, die unsere Gegenwart ausmachen – die ZEIT-Feuilleton-Redakteure Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod und Apples Sprachassistentin Siri begleiten die Hörerinnen und Hörer durch die Jetztzeit.

Dieser Podcast wird produziert von Pool Artists.

    Warum der Oktopus kein Zentrum hat

    Warum der Oktopus kein Zentrum hat

    "Things fall apart; the centre cannot hold", so klagte der irische Dichter William Butler Yeats vor 100 Jahren. Heute hingegen warten viele gebannt darauf, dass das Zentrum endlich fällt – denn möglichst dezentral soll die Welt in Zukunft aufgebaut sein, so viel scheint klar. Vor allem natürlich dort, wo es um technischen Fortschritt geht: Da hofft man auf ein neues, dezentrales Internet, das Web3, das auf der Blockchain-Technologie aufbauen soll. Aber auch in der Natur sehnen wir uns heute nach dezentralen Vorbildern, wenn uns Fischschwärme und Oktopusse faszinieren, weil sie ohne Mittelpunkt und zentrale Steuerung auskommen – genauso wie die Pilze, von denen man sich inzwischen nichts weniger erwartet als gleich die Rettung der ganzen Welt. Ihr unterirdisches Mycelnetz gilt als Wunderwerk der dezentralen Architektur; sogar in der Neuauflage der Science-Fiction-Serie Star Trek fliegt man jetzt nicht mehr mit Antimaterie-Reaktor durchs All, sondern mit Mycel-Antrieb durchs Pilznetzwerk.

    Alle wollen "dezentrale Systeme", alle wollen "dezentrale Lösungen". Aber warum ist Dezentralität zu einem Leitbegriff der Gegenwart geworden? Welche gesellschaftlichen Utopien verbinden die Menschen mit dieser Idee? Geht es in Wirklichkeit um ein Bekenntnis zur dezentralen Marktwirtschaft, die der zentralen Planwirtschaft überlegen ist? Um die Überwindung nicht nur des Euro-, sondern auch gleich des ganzen Anthropozentrismus, der die Rolle des Menschen übertreibt? Und was war an der alten Zentralität eigentlich so verkehrt? Über diese Fragen diskutieren Ijoma Mangold und Lars Weisbrod in der neuen Folge des Feuilletonpodcasts "Die sogenannte Gegenwart".

    In dieser Folge sprechen Lars und Ijoma über folgende Artikel:

    Shroom Boom: Wie Pilze die Welt retten sollen (https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/der-shroom-boom-wie-pilze-die-welt-retten-sollen-18078848.html)

    Evgeny Morozov: Digital Socialism? (https://newleftreview.org/issues/ii116/articles/evgeny-morozov-digital-socialism)

    Biennale in Venedig: Im Zauberwald der Kunst (https://www.zeit.de/2022/17/biennale-venedig-zeitgenoessische-kunst-ausstellung)

    William Butler Yeats: The second coming (https://www.poetryfoundation.org/poems/43290/the-second-coming)

    • 1 hr 13 min
    Sylt: Früher Koksen, heute Darmspiegelung

    Sylt: Früher Koksen, heute Darmspiegelung

    Schon 1988 grölten die Ärzte "Ich will zurück nach Westerland!", in den Neunzigern ließ dann Christian Kracht seinen Roman "Faserland" am Fischbrötchenstand in List beginnen. Jetzt wollen linke Krawallos angeblich die Insel stürmen: Sylt, so viel ist klar, ist für Deutsche ein besonders emblematischer Ort: als Metapher für das ungestörte Leben der Reichen, die hier unterm Reetdach sitzen und sich abschotten, aber auch für eine überwältigend schöne Natur, die von Menschen droht verwüstet zu werden.

    Welche dieser Bilder stimmen eigentlich heute noch? Wird die Idee von Sylt zerstört oder im Gegenteil endlich wunderbar demokratisiert, wenn in diesem Sommer alle mit dem ÖPNV auf die Insel kommen? Trägt man dort immer noch Wachsjacken oder brennen bald die Strandkörbe? Und was ist das eigentlich für eine komische teure Klinik, die dort neu gebaut wird und die eine Rundum-Premiumvariante medizinischer Vorsorge anbietet, von Schlaftherapie bis Darmspiegelung?

    In der neuen Folge des Feuilletonpodcasts "Die Sogenannte Gegenwart" widmen sich Lars Weisbrod und Nina Pauer einem Ort, der für Deutschland einzigartig und immer wieder Gegenstand politischer Debatten unserer Gegenwart ist, egal ob sie sich an Zugtickets entzündet oder an Gambas mit Knoblauchsoße.

    In dieser Folge sprechen Lars und Nina über die Bücher:

    - Christian Kracht: "Faserland", Kiepenheuer und Witsch, 1995
    - Fritz J. Raddatz: "Mein Sylt", Mare, 2006

    • 1 hr
    Der große Lauschangriff

    Der große Lauschangriff

    Die jüngste Folge von "Die sogenannte Gegenwart" kommt frisch vom Spotify-Podcastfestival All Ears – direkt von der Bühne mit echtem Publikum. Endlich einmal zu dritt nutzen Nina Pauer, Ijoma Mangold und Lars Weisbrod den besonderen Anlass, um einmal über sich selbst, also das Medium der Podcasts, nachzudenken.

    Wie kommt es, dass ausgerechnet Podcasts heute so wahnsinnig erfolgreich sind, wo doch unsere Gegenwart eigentlich von einer harten Aufmerksamkeitsökonomie geprägt ist, in der nichts knapper und wertvoller ist als Zeit und deshalb längst kein Raum übrig sein sollte für stundenlanges Zuhören?

    Offenbar haben Podcasts überhaupt eine Art Sonderstellung in der medialen Landschaft und auch in der Perzeption. Ein Grund für "Die sogenannte Gegenwart", genauer hinzuschauen und dem Phänomen Podcast endlich einmal eine Folge zu widmen!

    • 40 min
    Linke Lockdowns, rechte Pazifisten

    Linke Lockdowns, rechte Pazifisten

    Früher war Linkssein gleichbedeutend mit antiautoritären und anarchischen Positionen und einem Misstrauen gegen den Staat und seine Gewalten, während die Rechten für Law and Order standen. Das hat sich spätestens mit Corona gedreht: Plötzlich war es eher das linksliberale Milieu – die Lauterbach-Ultras –, das gar nicht genug Lockdown, staatliche Supervision und Impfpflicht bekommen konnte, während man am rechten Ende des politischen Spektrums, bei den Schwurblern und Covidioten, gegen den Staat aufmuckte und die Maßnahmen infrage stellte.

    Eine ähnliche Verschiebung ist seit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine zu beobachten: Die Grünen, einst die Fackelträger des Pazifismus, gehören jetzt zu den entschiedensten Befürwortern von Waffenlieferungen an die Ukraine. Aber wo im politischen Spektrum sind dann die Russland-Freunde und Putin-Versteher zu verorten, die von Diplomatie reden und sich gegen eine Militarisierung des Konflikts positionieren, und wie kann Björn Höcke mit dem alten Slogan der Friedensbewegung ("Frieden schaffen ohne Waffen") werben?

    In der neuesten Folge des Feuilletonpodcasts "Die sogenannte Gegenwart" gehen Ijoma Mangold und Lars Weisbrod der Frage nach, wie sich die politische Kartografie Deutschlands in den vergangenen Jahren verschoben hat, was rechts und links heute bedeuten und wer sich wo auf der Achse Freiheit versus Autoritarismus wiederfindet. Führt die neue Unübersichtlichkeit zu neuem Denken?

    • 1 hr 1 min
    Was Veganer und Fleischesser wirklich wollen

    Was Veganer und Fleischesser wirklich wollen

    Noch vor einigen Jahren galt eiweißreiche Nahrung als Nischeninteresse, das Kraftsportlern, Muskelrappern und pickeligen Jugendlichen vorbehalten war, die grell beschriftete Tonnen mit Nahrungsergänzungsmittel zu Hause unterm Bett lagerten. Inzwischen ist die Protein-Begeisterung in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Kaum ein Schokoriegel, der nicht in einer mit Eiweiß angereicherten Variante auf dem Markt ist. Auch Diätkonzepte richten sich am Protein aus – spätestens seit der Ernährungsguru Bas Kast uns in seinem Bestseller erklärt hat, warum Protein für unseren Stoffwechsel so zentral ist und Heuschrecken sich deswegen sogar gegenseitig aufessen.

    In der neuen Folge des ZEIT-Feuilleton-Podcasts Die sogenannte Gegenwart analysieren Nina Pauer und Lars Weisbrod das Eiweiß als Molekül – und gesellschaftliche Großmetapher. Denn die Schlacht ums Protein ist längst zum Kulturkampf geworden: Konservative Fleischesser und progressive Veganer stehen einander feindlich gegenüber, bringen Steaks und Bratwürste gegen Seitanschnitzel und Kichererbsen in Stellung und bringen damit unsere Vorstellungen von Genuss, Gesundheit, Fortschritt und Männlichkeit durcheinander.

    Nina Pauer und Lars Weisbrod diskutieren, warum wir ausgerechnet jetzt so sehr dem Eiweiß als Grundstoff des Lebens verfallen sind und wagen einen Blick in die Zukunft: Was ist, wenn wir das Tier bald gar nicht mehr brauchen, weil wir Fleisch in der Petrischale züchten können?

    Weitere Lektüre zum Thema der Folge:

    Bas Kast: Der Ernährungskompass: Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung, C. Bertelsmann, 2018.

    Eva Barlösius: Soziologie des Essens: eine sozial- und kulturwissenschaftliche Einführung in die Ernährungsforschung, Beltz Verlag, 1999.

    Vegetarismus: Was kommt nach dem Fleisch? (https://www.zeit.de/2019/39/vegetarismus-fleischverzicht-massenmarkt-agrarkonzerne-macht)

    Studie: In-vitro-Fleisch. Eine technische Vision zur Lösung der Probleme der heutigen Fleischproduktionund des Fleischkonsums? (Böhm et al. 2017): https://www.itas.kit.edu/pub/v/2017/boua17b.pdf

    Studie: Plant-based and cell-based approaches to meat production (Rubio et al., 2020): https://www.nature.com/articles/s41467-020-20061-y.pdf

    • 59 min
    Können Männer lustig sein?

    Können Männer lustig sein?

    In den Zeitungen und auf Twitter diskutiert man gerade wieder über alte und neue Männerrollen. Wollen wir Väter, die zum Babyschwimmen gehen, oder "echte Kerle", die notfalls auch ihre Familie verteidigen können? Oder gar beides? Es passt eigentlich ganz gut in die seltsame Debatte, dass gerade auch noch ein Komiker zurückkehrt, der sich in seinem Werk wie kaum ein anderer mit den schlechten Seiten seines Geschlechtes auseinandergesetzt hat: Louis CK. In Berlin trat der 54-jährige New Yorker gerade in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena auf, vor Tausenden Zuschauern. Auf seiner Website veröffentlichte er vor Kurzem sogar ein neues Stand-up-Special, der Titel lautete schlicht: "Sorry".

    Dabei sah es eigentlich so aus, als sei die Karriere von Louis CK vorbei. 2017 berichteten in der "New York Times" mehrere Kolleginnen, dass der Komiker sie gefragt hatte, ob er vor ihnen masturbieren dürfe. Netflix und sein Sender FX beendeten daraufhin jede Zusammenarbeit mit Louis CK, der zuvor mit seinen Stand-up-Specials und einer viel gelobten Fernsehserie prägend für die US-Comedyszene gewesen war.

    Im Feuilleton-Podcast sprechen Ijoma Mangold und Lars Weisbrod über einen Künstler, dessen Biografie mindestens so viel über unsere Gegenwart verrät wie sein Werk. Welche seiner Witze werden bleiben? Welche waren nie lustig? War Louis CK eigentlich nur ein Mario Barth mit anderen Mitteln? Oder konnte man, wenn man seinen Gags zuhörte, tatsächlich etwas lernen über Authentizität, Depressionen, Familie – und Männlichkeit?

    In dieser Folge sprechen Lars und Ijoma über:

    + Louis CK neues Special Sorry, das neben älteren Specials wie dem im Podcast erwähnten Chewed Up auf seiner Website www.louisck.com zu sehen ist. Ausschnitte gibt es auf YouTube (https://www.youtube.com/watch?v=XLGzFQg_1xc)

    + Louis CK Erfolgsserie "Louie" (https://www.youtube.com/watch?v=MoHpUokjGJM)

    + die Recherche zu Belästigungsvorwürfen gegen Louis CK in der "New York Times" (https://www.nytimes.com/2017/11/09/arts/television/louis-ck-sexual-misconduct.html)

    • 1 hr 12 min

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