Morgenimpuls

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

  1. 10h ago

    Wunsch nach Frieden über Jahrhunderte hinweg

    Am Samstag haben wir mit vielen hundert Menschen in Dortmund ein wunderschönes Fest gefeiert. Und dabei ging es um ein Todesjahr. Vor genau 800 Jahren ist Franziskus von Assisi gestorben und der Titel des Festes war: 800 Jahre einfach leben – Franz von Assisi.Also nicht den Tod feiern, sondern das einfache Leben dieses beeindruckenden Menschen, der in den Wirren am Ende des zwölften und am Anfang des Dreizehnten Jahrhunderts so vieles so anders gemacht hat, dass er bis heute nicht vergessen ist und unendlich viele Menschen in ihm ein Vorbild sehen, eben auch für ein einfaches Leben.Das Theaterstück zum Beginn des Festes zeigte einige witzige Szenen. Zwei jugendliche Touristen spazieren durch Assisi und plaudern über diesen komischen Typen, der damals seine coolen Klamotten gegen ein Gewand eintauscht, das wie ein Kartoffelsack aussieht. Der scheinbar von Jesus vom Kreuz herab persönlich den Auftrag zum Kirchenbau bekommt, ob wohl er davon keine Ahnung hat. Und zwei dieser Kirchen stehen bis heute. Und die Schauspieler, eine Truppe junger Erwachsender, machen in pantomimischen Szenen, die beeindruckend synchron getextet werden, deutlich, wie Franziskus im Laufe der Zeit immer besser versteht, dass er die Kirche gestalten soll, die aus Menschen besteht, die der Hilfe bedürfen. Ein Gespräch auf der Bühne mit einem Franziskanerbruder und dem Bruder Bischof, dem Paderborner Erzbischof Benz, aktualisiert diese uralten Geschichten in die Gegenwart. Zum Schluss des Festes gab es beim Wortgottesdienst eine Szene, die mich zutiefst beeindruckt hat. Das Gebet um den Frieden, dass Franziskus so sehr am Herzen lag, und in dem auch der Opfer der Attentate vom 11. September 2001 gedacht wurde, wurde von einer Frau gelesen, in der Version, die es seit dem ersten Weltkrieg gibt. Und eine zweite Version, die von einem muslimischen Gelehrten aus dem 16. Jahrhundert stammt, gelesen von einem muslimischen jungen Mann. Das waren die stillsten Minuten dieses Tages. Und da wurde mir deutlich, was Stille mitten in einer Großstadt, mitten in einem Fest, mit vielen hundert Menschen bedeuten kann: Pause, Aufatmen, Hören, Schweigen, Aufnehmen, Staunen, nachhallen lassen. Unglaublich eindrucksvoll. Und nach der Einzelsegnung aller, die das für sich annehmen wollten, und den Liedern dazu und dem Abschluss und dem Adieu, blieb eine beschwingte Leichtigkeit und eine heitere Gelassenheit, die so wohltuend war, wie es Franziskus vielleicht erahnt hat – mit dem Wunsch zum einfach leben.

  2. 1d ago

    Der Klang Gottes

    Ich denke, dass kennst Du auch. Ab und zu muss man all die Kleinigkeiten, die sich so auf dem Schreibtisch oder auf dem Regal stapeln, mal durchsehen und aufräumen. Bei so einer Aktion sind mir ein paar Kärtchen in die Hand gefallen, die mich sofort wieder erinnert haben. Beim Liborifest in Paderborn Ende Juli war eine Kirche von der Citypastoral Paderborn als Klangraum gestaltet, in dem es Musik und Klang, Konzerte, Lesungen, Gespräche und stille Zeiten gab. Es gab Liegestühle zum Verweilen und schöne Klänge und Farben. Das Ganze war den verschiedenen Klängen gewidmet und sehr eindrucksvoll dargestellt.Die erste Station hatte den spannenden Titel "Der Klang Gottes". Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. So steht es in der Bibel. Gott als schöpferische Kraft, die alle Existenz in Gang gebracht hat, aus dem Chaos, dem Nichts in die Unendlichkeit. Aber wie hat sich das angehört, wie klang der Beginn von allem? Der Soundtrack des Anfangs ist nicht mehr nachvollziehbar, aber der Klang der danach entstanden ist: der Klang der Natur, der Klang des Alltags, die Musik, die wir Menschen kreativ erschaffen, unsere Sprache und Laute. All das und noch viel mehr klingt in uns und um uns, weil es uns gibt, weil wir Teil dieser wunderbaren Schöpfung sind. Der Klang Gottes – wir alle sind Teil davon. Soweit diese Einleitung zur Ausstellung.Und wenn heute, am Montag, der Alltag wieder losgeht, ist natürlich der Klang des Alltags mit all seinen Geräuschen sehr präsent: eine Zugdurchfahrt oder das Klicken der Ampeln, lautes Motorraddonnern auf Kopfsteinpflaster, eine knarrende Tür oder eine tickende Uhr, das Muhen der Kühe im Stall, Telefonklingeln, Schritte im Flur, Geschirrklappern, Kinderlärm auf dem Spielplatz, Baustellenlärm oder Tastaturklappern und noch viel mehr. Ich finde es eine gute Idee, heute mal auf zwei oder drei dieser vielen Alltagsgeräusche zu achten, ihnen bewusster zuzuhören und mal nachzuspüren, welche Gefühle das jeweilige Geräusch in mir auslöst.Jedes Geräusch, jeder Klang ist Teil unseres Lebens und Umfeldes, das sich in Jahren, Jahrhunderten und Jahrtausenden entwickelt hat und in jedem von uns andere Gefühle und Emotionen auslöst. Und dann zu wissen, dass das alles im Klang Gottes verbunden ist, weil wir ein Teil dieser wunderbaren Klangschöpfung sind, ist schon wunderschön.

  3. 2d ago

    Positives Denken

    Heute ist der Tag des positiven Denkens. Eigentlich interessant, dass man einen solchen Tag braucht. Der Glaube will aber genau auch das in unserem Leben erwirken, positives Denken. Dabei beginnt der Glaube oft nicht am helllichten Tag, sondern in der Nacht, so wie bei Nikodemus. Er kommt zu Jesus mit Fragen, mit Unsicherheit, mit einer Sehnsucht nach mehr. Nicht als Gegner, sondern – das macht ihn besonders – als Suchender.Das Johannesevangelium beschreibt Glauben dabei nie als Besitz. Glauben ist kein Substantiv, kein Haben, es ist ein Verb. Glauben heißt sich anvertrauen, sich binden, sich in Bewegung setzen, nicht nur etwas für wahr halten, sondern jemandem das eigene Leben anvertrauen, positiv zu denken, könnte man auch sagen. Jesus spricht mit Nikodemus von einer neuen Geburt, von einem Leben aus dem Geist und er benutzt ein starkes Bild: Der Wind weht, wo er will. Der Geist Gottes ist nicht verfügbar. Er ist kontrollierbar, aber nicht erfahrbar, wie der Wind unsichtbar und doch mit spürbarer Wirkung.Dieses Leben aus dem Geist steht quer zu vielem, was unseren Alltag prägt, zu Selbstoptimierung, Leistungsdruck, ständiger Vergleichbarkeit. Ein Leben aus dem Geist lebt nicht aus reiner Selbstüberzeugung. Es lebt aus Beziehung, aus dem Vertrauen, dass mein Wert nicht gemacht, sondern geschenkt ist, positives Denken eben. Im Zentrum steht dabei ein Wort Liebe, nicht irgendeine Liebe, sondern Agape, eine Liebe, die nicht berechnet, nicht festhält, nicht sich selbst sucht.So liebt Gott die Welt, nicht als heile Idylle, sondern in all ihrer Ambivalenz und Gottesferne. Und das Ziel dieser Liebe ist nicht bloß ein Leben nach dem Tod. Es ist ewiges Leben, Leben in Gemeinschaft mit Gott. Nikodemus bleibt ein Suchender. Er versucht positiv zu denken und darin wächst er und am Ende tritt er ins Licht.Vielleicht ist das auch unsere Frage: Wo suche ich nach Sinn, Wahrheit, Orientierung? Wo beginnt mein Glaube vielleicht noch in der Nacht und wo lädt Gott mich ein, einen Schritt ins Licht zu wagen, auch wenn sich manches verändert? Denn wo wir uns dem Geist öffnen, da beginnt Leben, nicht perfekt, aber echt, eben positives Denken.

  4. 3d ago

    Du bist geliebt und Du bist gerufen

    Kennst Du das Gefühl, wenn Dir alles über den Kopf wächst, wenn Deine Kraft, Dein Wissen und selbst Dein Glaube Dich im Stich lassen? Genauso ging es einmal einem jungen Studenten in Paris. Er hieß Franz von Sales und wurde später dann ein berühmter Heiliger, aber damals war er einfach nur verzweifelt. Er steckte mitten in einer tiefen Glaubenskrise, gequält von der Angst, von Gott verlassen zu sein. In dieser absoluten Dunkelheit seines Glaubens ging er in eine Kirche, kniete sich vor ein Marienbild und betete. Er sprach ein altes Gebet, das Memorare. Es beginnt mit den Worten: "Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, es ist noch nie gehört worden, dass jemand, der zu Dir seine Zuflucht nahm, von Dir verlassen worden ist."Und mitten in dieser Ohnmacht wendete sich etwas. Franz spürte keine Angst mehr, sondern tiefes Vertrauen. Diese Erfahrung wurde zum Wendepunkt seines Lebens. Er begriff: Gott ruft uns nicht durch Druck, sondern durch Liebe, nicht aus einer perfekten Fassade heraus, sondern mitten aus unserer menschlichen Zerbrechlichkeit.Heute feiern wir das Fest Mariä Namen, ein Fest, dass uns genau daran erinnern will. Der Name Maria steht für diesen Zufluchtsort. Er steht für das Versprechen, dass wir in den dunkelsten Stunden nicht alleine sind. Berufung, also das, wozu Gott dich und mich im Leben ruft, beginnt genau dort, wo wir aufhören, uns selbst retten zu wollen. Und sie geschieht in drei einfachen Schritten: Erstens wirst Du gesehen, so wie Du bist. Zweitens darfst Du Dich rufen lassen und die Richtung deines Lebens neu auf Gott ausrichten und schließlich bist Du drittens gesandt ganz konkret in Deinen Alltag, in deine Familie, deinen Beruf, deinen Freundeskreis.Du musst kein fehlerfreier Überflieger sein. Heiligkeit beginnt im Ernstnehmen deines Menschseins – man könnte im Sinne des heutigen Tages auch sagen, im Annehmen deines eigenen Namens, bei dem Gott dich gerufen hat. Wenn Du das nächste Mal nicht weiterweißt, dann denke an den jungen Franz von Sales. Suche Dir einen Moment der Stille und vertrau Dich diesem Namen an, denn Maria erinnert uns, Du wirst gesehen. Du bist geliebt und Du bist gerufen – genau so, wie du bist.

  5. 4d ago

    Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst

    Nine-eleven ist zu einem Synonym geworden. Nine-eleven meint den 11. September 2001. An diesem Tag, das sind schon sagenhafte 25 Jahre her, sind in den USA vier Flugzeuge entführt worden, um damit einen beispiellosen Terrorakt zu vollziehen: die Nutzung von Passagierflugzeugen als menschengesteuerte Angriffsmaschinen, um so viele Menschen wie möglich zu töten und quasi den USA den Krieg zu erklären. Und das in der unglaublich verqueren Logik von Osama bin Laden und Al Quaida – im Namen Gottes. Im Namen Gottes töten? Das widerspricht dem Empfinden von gläubigen Christen, die an einen liebenden und lebensspendenden Gott glauben. Ja, auch Christen haben im Laufe der zwei Jahrtausende im Namen Gottes getötet. Und wir sind bis heute beschämt darüber. Es gibt ein Wort, das seit vielen Jahren die Runde macht und das gut erklärt, worum es wirklich geht. Da heißt es: "Wenn Dein Gott Dir befiehlt zu töten, dann such Dir einen anderen Gott."In unserer heutigen Lesung steht genau das Gegenteil von machtvoller Demonstration von Überlegenheit und kriegerischer Kraft. Da steht im 2. Korintherbrief: "Ich will mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn, wenn ich schwach bin, dann bin ich stark."Der Briefschreiber macht deutlich: Nicht meine eigene Kraft soll mich leiten, sondern die Kraft, die von Gott kommt und von Jesus Christus. Und noch mehr, er sagt sogar ja zu aller Ohnmacht und allen Nöten und Verfolgungen, die er für Christus erträgt, weil dann die Kraft Christi in ihm wirken kann. Wer aber aus der Kraft Christi wirken will, wird tun, was Christus getan hat: den Armen beistehen, die Kranken pflegen, Kinder segnen, Trauernde trösten und allen Menschen das Reich Gottes verkünden.Dieser 11.9. kann uns helfen, darüber nachzudenken, was ich, was jede und jeder von uns im Namen Gottes tut und das wichtigste Gebot dabei keinesfalls zu vergessen: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.

  6. 5d ago

    Harte Zumutung in Jesu Auftrag

    Am Abend lese ich oft schon das Tagesevangelium des kommenden Tages und schaue nach, was mich darin anspricht. Beim heutigen Text aus dem Lukasevangelium dachte ich, eigentlich ist der gesamte Text so, dass er mich geradezu anspringt. Da gibt es so viel, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Da heißt es:"In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln. Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück. Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder. Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen. Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne und Töchter des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.“Das ist echt keine Anleitung für ein weichgespültes Wohlstandschristentum, sondern harte Zumutung in Jesus Auftrag – an alle, die an ihn glauben.

  7. 6d ago

    Ein paar Schritte gehen

    Du kennst wahrscheinlich einen Activity Tracker? Vielleicht nicht unter diesem englischen Begriff. Im Deutschen ist das schlicht und einfach auch ein Schrittzähler. Die App auf dem Handy installiert, mit ein paar Daten versehen und immer in der Tasche parat, zählt er vom Aufstehen an alle Schritte, die ich so gehe. Irgendwann war mir klar, ein bisschen mehr Bewegung wäre sicher nicht so schlecht, wenn ich viel am Schreibtisch sitze und es ist da natürlich ziemlich reizvoll, sich ein Ziel zu setzen. Also die Marke bei 5.000 Schritten gesetzt und los. Und dann merke ich, dass die ganzen Morgenrituale wie Frühstück machen, Laudes in der Kapelle beten, Frühstücken, die ersten Sachen im Haushalt machen schon einige hundert Schritte sind. Und dann schnell zum Einkaufen nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß, den Brief nicht mitgeben, sondern zum Briefkasten laufen, eine Runde spazieren gehen mit einer unserer alten Mitschwestern und noch eben in die Pfarrkirche gehen und ein paar Minuten verweilen und schon sind 5.000 Schritte erreicht.Und mitten in meiner Schrittzähleuphorie ist mir dann die Frage eingefallen: Wie viele Schritte mache ich eigentlich bewusst zu meinem Nächsten hin? Gehe ich mal eben eine Meile mit jemandem mit, der es gerade braucht? Bei einer Abendrunde durch die Stadt fällt mir auf, wieviel leichter es ist, abends kurz stehen zu bleiben und zu plaudern, einander zuzuhören oder einen Umweg mit zu laufen, weil gerade ein gutes Gespräch zustande gekommen ist. Mit einer indischen jungen Familie habe ich mich lange über die Tücken der deutschen Sprache unterhalten und habe ihnen nebenbei erklärt, warum gerade so viel Sperrmüll an den Häusern liegt, der am nächsten Morgen abgeholt wird. In einer Nebenstraße saßen fünf ältere Herren Pfeife rauchend auf einer Bank vor dem Haus und der Duft hat mich an den Pfeifentabak meines Vaters erinnert. Ich bin stehengeblieben und habe das erzählt und schon waren wir in der schönsten Plauderei. Es ist eine ziemlich gute Idee, vieles zu Fuß zu machen. Es tut der Gesundheit gut, man bekommt viel mehr zu sehen und zu hören, wenn man gemächlich geht, man trifft ganz andere Leute und man sieht ganz andere Dinge. Wenn es möglich ist, geh heute mal eine Runde und tu Dir an Leib und Seele etwas Gutes. Auch ganz ohne Activity Tracker.

  8. Sep 8

    Streitfall Maria

    Maria ist zum Streitfall geworden. Erst Maria 2.0 als Titel für eine hervorragende Fraueninitiative, die um die Gleichberechtigung von Frauen in unserer Kirche kämpft und als Antwort darauf Maria 1.0, die besagt, dass die Gottesmutter kein Update braucht und so verehrt werden kann wie immer.Hm. Und nun? Wenn ich darauf schaue, wer dieses junge Mädchen war, das in dem Glauben aufgewachsen ist, dass ein jüdisches Mädchen den Messias zur Welt bringen wird, die zu dieser Ungeheuerlichkeit der Verkündigung durch den Engel ja gesagt hat, obwohl sie genau wusste, dass sie dafür gesteinigt werden könnte, dann sehe ich keine stumme, liebliche, demütige und im stillen Kämmerlein lebende Frau, sondern einen Ausbund an Mut und Courage. Wer sich in der damaligen patriarchalischen Gesellschaft als Frau zutraut, mehr auf Gott als auf die Menschen zu hören, hat mehr als Mut. Sie hat ein Gottvertrauen, das über den Tod hinausgeht. Und wenn man ihr Gebet liest, das wir als Magnificat kennen und das sie beim Besuch ihrer Base Elisabeth jubelt, dann kann man nicht nur zwischen den Zeilen eine sehr offene Gesellschafts- und Religionskritik heraushören.Sie preist Gott, der auf sie als nichtsbedeutende Frau ihrer Zeit schaut, und weiß schon da, dass man in Jahrhunderten und Jahrtausenden von all den männlichen Herrschern kaum noch etwas wissen wird, aber sie selbst von allen gepriesen werden wird. Sie weiß, dass Gott auf alle schaut, die als niedrig und nichtssagend in Welt und Kirche gelten, und dass er die hochhebt, die vor ihm Achtung haben. Sie ahnt, dass Gott die Hochmütigen in alle Winde zerstreut, weil er alle Machthaber, egal welcher Couleur, von ihren Thronen stürzen wird. Denen, die nach Ihm und seiner Gerechtigkeit hungern, wird er beschenken, und die, die glauben alles zu besitzen, werden mit leeren Händen dastehen. Eine solche Frau, die aus der Kraft des Heiligen Geistes so leben und beten und mit ihrem Sohn bis unters Kreuz gehen wird, ist es mehr als wert, sie zu beachten und zu feiern und als Vorbild für Frauen und Männer in unserer Kirche zu sehen.

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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