Morgenimpuls

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

  1. 14h ago

    Zufrieden sein

    In den Ferien mag ich besonders die Tage, an denen wir keinen Plan haben. Tage, an denen nichts im Kalender steht. Tage, an denen ich keine Armbanduhr trage. Für viele meiner Schüler sowieso eher ein unnötiges Schmuckstück.An solchen Tagen weiß ich morgens manchmal noch gar nicht, was ich später tun möchte. Und genau das liebe ich.Ausschlafen. Kaffee trinken. Irgendwann überlegen, ob man lesen möchte, spazieren geht oder einfach nur in der Hängematte liegen bleibt.Irgendwie stelle ich mir so manchmal das Paradies vor. Keine Termine. Kein Zeitdruck. Kein "Ich muss noch schnell…".Und gleichzeitig merke ich ziemlich schnell: So ganz würde ich vermutlich gar nicht ins Paradies passen. Zumindest nicht in meiner Vorstellung davon. Nach ein oder zwei Tagen ohne Aufgabe werde ich unruhig. Dann mache ich doch wieder irgendwas für die Schule. Nicht offiziell natürlich. Aber ich lese Fachliteratur oder notiere Ideen. Dann liege ich mit schwerer pädagogischer Kost, gerne auch theologischer, in der Hängematte und rede mir ein, das wäre Erholung.Und vielleicht ist genau das der Punkt: Ich glaube nämlich gar nicht mehr, dass das Paradies einfach nur ein Ort ist, an dem man nichts tut. Ich glaube, das Paradies ist eher ein Zustand. Ein Zustand, in dem der Mensch zufrieden ist. Nicht dauerhaft glücklich oder euphorisch. Ich glaube, das würde mich auf Dauer sogar anstrengen. Aber zufrieden.In dem Wort Zufriedenheit steckt für mich auch Frieden.Und Frieden bedeutet vielleicht gar nicht, dass alles perfekt ist. Sondern dass etwas in mir ruhig wird. Dass mein eigenes Ich befriedet ist. Dass Ansprüche und Erholung, Sehnsucht und Wirklichkeit irgendwie in Balance kommen.So wie ich in der Hängematte liege, mit einem Buch auf dem Bauch und plötzlich merke: Genau jetzt muss ich gerade nirgendwo anders sein. Hier bin ich richtig.Und ich glaube, genau in solchen kleinen Momenten kann man Gottes Gegenwart spüren. Nicht laut. Nicht spektakulär. Sondern leise. Wie Frieden eben manchmal ist. Eben leise, schnell zu überhören.

  2. 2d ago

    Suche nach Orientierung

    Hier gegenüber von uns zwei Straßen weiter liegt das St. Martinus-Hospital. Und weil zwei Autobahnen in Stadtnähe sind, hören wir häufig Hubschrauber, die von Rettungseinsätzen kommen, Unfallopfer bringen oder Schwerkranke in andere Krankenhäuser verlegen. Es geht da immer um Geschwindigkeit, weil sie erheblich schneller sind als die Rettungswagen im oft dichten Straßenverkehr. Und die meisten der Rettungshubschrauber heißen "Christoph" und tragen zur Unterscheidung eine Nummer.In Deutschland gibt es aktuell 37 Rettungshubschrauber, die den Namen "Christoph" tragen. Die Bezeichnung geht auf den ersten deutschen Rettungshubschrauber zurück, der 1970 von der Deutschen Luftrettung in Betrieb genommen wurde. Und der Name erinnert tatsächlich an den heiligen Christophorus. Im Kölner Dom gibt es eine riesige Figur des Christophorus, der das Jesuskind trägt. Die Legende erzählt, dass er gelobt hatte, nur dem höchsten und wichtigsten Herrn dienen zu wollen und dann, wegen seiner Größe und Kraft, an einer tiefen Furt Menschen durch den reißenden Fluss getragen hat. Eines Tages trägt er ein Kind zur anderen Seite und es wird ihm immer schwerer und schwerer und es outet sich ihm dann als Jesus Christus, der der Herrscher der Welt ist.So wie also Christophorus, dessen Name übersetzt "Christusträger" bedeutet, Menschen aus den Gefahren des Reisens gerettet hat, so sind es die Besatzungen der Rettungsflieger, die Menschen nach Unfällen und schweren Krankheiten retten und begleiten. Heute können wir selbst in wenigen Stunden oder Tagen an fast jeden Ort der Welt gelangen. Diese technische Entwicklung vergrößert unsere Freiheit. Zugleich hilft uns die Technik aber nicht bei der Entscheidung, wie wir mit diesen Möglichkeiten umgehen. Sie nimmt uns keine Wahl ab. An diesem Punkt kann uns der Blick auf den heiligen Christophorus helfen. Er suchte ebenso nach einer Orientierung in seinem Leben. Er fand sie in der Beziehung zu Jesus und dessen Botschaft. Die Ausrichtung des heiligen Christophorus auf Jesus hin kann für uns eine Inspiration sein.

  3. 3d ago

    Beraterin von Adeligen und Päpsten

    Heute denken wir an eine höchst interessante Frau, die in den nordeuropäischen Ländern, besonders in Schweden sehr verehrt wird. Birgitta Birgersdotter wird 1303 in Finsta, Schweden, in eine aristokratische Familie geboren und zeigte bereits als Kind eine besondere Frömmigkeit. Mit 13 Jahren heiratete sie den Adligen Ulf Gudmarsson, mit dem sie acht Kinder hat. Trotz ihres anstrengenden Familienlebens widmet sie sich intensiv der Wohltätigkeit in ihrem Umland, lässt Kirchen und Schulen bauen, stiftet Spitäler und speist täglich 12 Bedürftige in ihrem Haus.Birgitta hatte seit ihrer Kindheit Visionen und erlebt zahlreiche Offenbarungen über das Leiden Christi. Sie entwickelt eine tiefe spirituelle Praxis und lehrt vielen Menschen einfache Gebete zu Jesus Christus. Ihre Visionen führten zur Gründung des Ordens des Heiligsten Erlösers, auch bekannt als Birgittenorden, dessen erste Äbtissin ihre Tochter Katharina wird. 1341/1342 unternimmt Birgitta mit ihrem Ehemann eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela und später ins Heilige Land. Sie wirkt als Beraterin von Adeligen und Päpsten, setzt sich für Friedenspolitik ein und engagierte sich für die Einheit der Kirche während politischer und kirchlicher Krisen.Birgitta stirbt am 23. Juli 1373 in Rom, wo sie für ihre Nächstenliebe und ihren Einsatz für die Armen als "Engel von Rom" verehrt wird. 1999 erhebt Papst Johannes Paul II. sie zusammen mit Katharina von Siena und Edith Stein zur Patronin Europas. Sie galt in ihrer Zeit als sehr prophetische Frau, die immer wieder vor Fürsten und Könige getreten ist, um zu mahnen und zu bitten und viele ihrer Vorhersagen sind eingetroffen.Ich bin auch hier wieder beeindruckt von einer Frau, die ihre vielfältigen Möglichkeiten und Gaben eingesetzt hat. Und allein der Gedanke, dass diese Frau mit ihrem Mann zu Fuß von Schweden nach Santiago de Compostela und ins Heilige Land und wieder zurück pilgert, imponiert mir zutiefst. Und dieser so einfach klingende Satz "Sie wirkt als Beraterin von Adeligen und Päpsten, setzt sich für Friedenspolitik ein und engagierte sich für die Einheit der Kirche während politischer und kirchlicher Krisen" sagt nur rein äußerlich, was ihr im tiefsten Inneren wichtig ist: Aus ihrer Verehrung des Leidenden Christus wird ihr Engagement für die leidenden Völker und die leidende Kirche.

  4. 4d ago

    Lichtblick für andere

    Die Fußballweltmeisterschaft ist vorbei und jetzt gilt für die wirklichen Fußballfans die kurze Pause bis zum Bundesligastart Ende August zu überbrücken. Was bleibt von dieser Weltmeisterschaft? Vor allem – ehrlicherweise – Gott sei Dank, dass Spanien Weltmeister geworden ist und nicht Argentinien mit seiner Spielzerstörung und den vielen kleinen und großen Fouls und Unsportlichkeiten, die sich sogar noch nach Abpfiff des Finales weiter ereignet haben. Und es bleiben die Erinnerungen an manche kleine Mannschaft, die bei diesem Megaturnier die Chance hatten sich zu präsentieren. Und das hat beispielhaft Kap Verde wunderbar getan und mit Energie, Siegeswillen und Lust am Spiel, einige große Mannschaften an den Rand einer Niederlage gebracht. Deren Torwart hat so großartige Paraden gezeigt und war so ein großer Rückhalt seiner Mannschaft, dass er fast allein so viel möglich gemacht hat. Das ist es, glaube ich, was weltweit, trotz allem politischen Desaster um Infantino und Trump, so viele Milliarden Menschen am Fußball so begeistert: Man weiß nie, wie es ausgeht und die Hoffnungen der Fans und die Unterstützung für die eigene Mannschaft macht so vieles möglich.Wie ist das so – jenseits vom Fußball – bei Dir und mir? Wo fühle ich mich verbunden, begeistert, gesehen und unterstützt? Und wo unterstütze ich selbst Gruppen und Kreise, Vereine und Gemeinden? "Was Du von den anderen erwartest, dass tu ebenso für sie," ist die goldene Regel in der Bibel, in allen anderen Weltreligionen und im Zusammenleben der Völker, der Gesellschaften, der Nachbarschaften und Familien. Und das ist manchmal ganz groß und notwendend und friedensstiftend und manchmal kleiner aber ebenso notwendig für das Leben von benachteiligten Menschen.Ein schönes Beispiel war dafür am vergangenen Wochenende ein Ausflug in den Panoramapark hier im Sauerland für mehr als 100 alleinerziehende Elternteile und ihre Kinder, ausgerichtet und unterstützt vom Sozialdienst katholischer Frauen und dem Dekanat Siegen. Gefördert mit kirchlichen Finanzmitteln, einer Bank und einer Bürgerstiftung wurde möglich gemacht, dass Eltern und Kinder diese Auszeit vom Alltag erleben und einen Tag lang ihre schwierigen Lebensumstände mal hinter sich lassen konnten. Mit dem großem Engagement Einzelner ist so viel möglich und schenkt dem Leben vieler einen Lichtblick.Wo bist Du heute ein Lichtblick für Menschen in Deiner Umgebung?

  5. 5d ago

    Gott gibt jedem Menschen seine Würde

    Vor einigen Wochen habe ich euch von unserem Rosenstrauch in Olpe erzählt, der hier bei uns im Garten beim Konvent wächst. Eigentlich war der komplett hinüber. Eine riesige Holzkabeltrommel wurde auf den Rosen über Wochen wegen einer Baustelle gelagert und als die weg war, war auch von den Rosen nichts mehr zu sehen. Aber nach einiger Zeit kamen sie doch wieder und in diesem Jahr haben sie so wunderbar geblüht, als wäre nichts gewesen.Es geht aber auch in die andere Richtung. So eine Sonnenblume sieht ja toll aus, sie steht sinnbildlich für den Sommer. Oft wachsen sie sehr schnell und werden richtig groß. Dann bilden sie mit ihrer großen Blüte und den Kernen drin eine wirklich beeindruckende Pflanze.Jetzt ist aber eine so genannte Zwergsonnenblume gerade im Topf eingegangen. Aber warum? Sie hatte genug Wasser bekommen, viel Sonne, aber auch nicht zu viel, die Erde war gut, der Topf auch nicht zu klein, außerdem soll sie für Topfhaltung besonders geeignet sein und es war kein Ungeziefer an ihr. Und trotzdem: Die Blätter werden welk, sie lässt den Kopf schon etwas hängen und bald ist sie hin, ein wundersames Comeback wie bei den Rosen ist ausgeschlossen.Ohne das Bild von der Sonnenblume überstrapazieren zu wollen: Geht es uns nicht oft ähnlich? Die Voraussetzungen stimmen, die Umstände scheinen zu passen und trotzdem scheitern wir. Man fängt einen neuen Job an, der genau zu passen scheint, die Kollegen sind nett. Und doch bekommt man recht schnell das Gefühl: Das passt ja doch nicht und nach einigen Monaten merken beide Seiten: Das geht beruflich so nicht weiter.Oder ich muss an die vielen Paare denken, die am Anfang ganz verliebt sind, alles scheint zu passen, die Voraussetzungen für eine harmonische Partnerschaft sind da, gemeinsame Interessen, ähnliche Vorstellungen und Erwartungen an das Leben. Und trotzdem kommt es oft genug zu einer schmerzhaften Trennung und eine große Enttäuschung darüber, dass das Leben zu zweit gescheitert ist.Wir können vieles in unserem Leben kontrollieren, zu unseren Gunsten beeinflussen. Oder wir werden sogar positiv überrascht; um im Bild zu bleiben: die platt gewalzten Rosen treiben doch wieder aus.Schwieriger wird es, wenn wir unser Bestes gegeben haben, wenn wir uns wirklich bemüht haben und trotzt allem steht da eine Enttäuschung.Wie können wir damit umgehen? Mir hilft der Gedanke, dass da einer ist, der uns vorbehaltlos liebt und immer bei uns ist. Der in seinem am Kreuz gescheiterte Sohn zeigt, dass am Ende das Leben, die Hoffnung und nicht der Tod, die Verzweiflung gewinnt.Gott gibt jedem Menschen seine Würde und liebt jede und jeden von uns, egal ob vermeintlich erfolgreich oder gescheitert. Das nimmt die Enttäuschung nicht weg – aber kann uns helfen, damit und mit all den schwierigen Phasen in unserem Leben umzugehen.

  6. 6d ago

    Was Schützen mit Schwestern verbindet

    Heute ist hier in Olpe der Schützenfestmontag mit allem Drum und Dran. Ziemlich früh am Morgen der Gottesdienst für die Schützen, dann die Totenehrung, dann das Vogelschießen auf dem Schützenplatz und, und, und. Für uns Olper Franziskanerinnen hat dieser Tag noch eine andere Bedeutung. Vor 163 Jahren, am 20. Juli 1863, ist ein Brief vom Paderborner Bischof Konrad Martin angekommen der das Kloster in Olpe für selbständig erklärt und Schwester Maria Theresia Bonzel als Oberin bestätigt. Seither gilt dieses Datum als Gründungstag. Seitdem fallen das Olper Schützenfest am dritten Wochenende im Juli und unser Gründungstag meist zusammen. Ich habe hier in Olpe gelernt, dass die Aufgabe der Schützen über viele Jahrhunderte war, die Stadt und seine Menschen gegen Überfälle und in kriegerischen Handlungen zu schützen. Bevor es Polizei und Armee gab, waren die wehrfähigen Männer in den Städten für den Schutz verantwortlich. Und auch heute kümmern sich Schützen übers Jahr in einigen sozialen Angelegenheiten. Und die Gründung der Olper Franziskanerinnen ist ähnlich. Sie hat sich von Anfang an für die Hilfe und den Schutz von Waisenkindern engagiert und immer mehr Hilfesysteme aufgebaut, dass die damals ziemlich schutzlosen Kinder leben konnten, zur Schule gehen und einen Beruf lernen. Später kamen immer neue Aufgaben hinzu. Schulen für Mädchen, die vorher kein Abitur machen konnten, Frauenfachschulen, Kindergärten, Krankenhäuser, ambulante Pflege, Altenheime, Kinder- und Jugendhospiz und so weiter. Sie hat klugerweise in ihre Ordensstatuten nicht festgelegt, dass die Schwestern immer nur das eine tun sollten. Sondern sie hat geschrieben, dass sich die Schwestern immer denen zuwenden sollten, die besondere Hilfe und Schutz benötigten. Engagement für die Mitmenschen in der Stadt und den Schutz für die Schwachen verbinden also die Schützen und die Schwestern hier. Das ist echt ein Grund zum Feiern und Zusammensein.

  7. Jul 19

    Vergessen wir die verfolgten Christen nicht

    Heute Abend endet mit dem Sommerfest für die Studierenden der Katholischen Hochschulgemeinde in Düsseldorf das Sommersemester. Nach dem Gottesdienst sprechen wir offen über unseren Glauben, wir diskutieren und wir feiern, wir müssen keine Angst haben, wenn wir eine Bibel mit uns tragen oder ein Kreuz um den Hals. Doch diese Freiheit ist nicht überall auf unserer Welt Realität. in Nord-Nigeria berichten Studierende, dass sie an Universitäten bedroht werden. Manche werden im Hörsaal nach hinten gesetzt, nur weil sie Christen sind, andere werden von Prüfungen ausgeschlossen. In Pakistan müssen Studierende ihre Bibeln verstecken. Christliche Hochschulgruppen sind an vielen Orten verboten und im Iran werden junge Menschen vom Studium ausgeschlossen und verhaftet, weil sie Christen sind. Diese Beispiele stehen für viele andere, für Situationen, in denen junge Menschen ihren Glauben nur im Verborgenen leben können, ausgerechnet dort, wo Bildung und Freiheit eigentlich zusammengehören sollten. Die Bibel kennt dieses Zerstreut-sein. Im zweiten Samuelbuch sagen die Stämme Israels zu David: “Wir sind dein Fleisch und dein Bein.” Sie suchen einen König, der sammelt und der verbindet. Auch heute ist die Kirche vielerorts zerstreut. Besonders dort, wo Christinnen und Christen keine Gemeinde bilden können, keinen Gottesdienst feiern dürfen, ihren Glauben verstecken müssen. Und doch gehören gerade diese Christinnen und Christen zu uns. Christus sammelt die Zerstreuten über Länder Sprachen und politische Grenzen hinweg. Wir sind ein Leib, eine Kirche, auch, wenn manche Glieder im Dunkeln leben müssen. Vielleicht erinnert uns das daran, wie kostbar die Freiheit des Glaubens ist, in der wir leben dürfen und wie sehr wir verbunden sind mit denen die sie nicht haben.

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