Morgenimpuls

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

  1. 6h ago

    Das Jetzt ist gefragt und die Vorfreude

    Es ist herrlich sommerlich und warm, aber nicht zu heiß. Aber es ist auch ein bisschen die Luft raus, bei mir und vielen anderen. Irgendwie denken wir mit vielen Menschen in Schuljahren und Ferienzeiten und hoffen auf den Urlaub und sind vorfreudig. Aber es ist noch eine Weile hin und da kommt die Frage auf, was ist denn jetzt noch Schönes, worauf ich mich freuen kann. Und der Blick in den Kalender zeigt da erstaunlich viel: die Wallfahrt nach Werl, das Sommerkonzert unserer Franziskusschule, Wochenendbesuch meines frischverheirateten Neffen mit seiner Frau, eine Einladung zu einem Festabend einer anderen Ordensgemeinschaft im Nachbarstädtchen, das geliebte Schützenfest, das die ganze Stadt in Freudentaumel versetzt, das Finale der Fußball-WM, dass man ohne Herzklopfen schauen und genießen kann, weil die eigene Mannschaft schon raus ist, der 90. Geburtstag einer Bekannten, der Besuch eines guten Freundes nach überstandener Krankheit, das Liborifest in Paderborn und und und.Vorfreude ist etwas Tolles und belebt und macht munter und vital, aber die Gegenwart darüber nicht zu versäumen, ist auch gut. Denn es heißt nicht für umsonst: "Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde. Heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt – wenn ER kommt."Er, der Herr, wird kommen und es wird Alltag sein oder Sonntag, Festtag oder Ferientag, in Urlaubsvorfreude, schon in den Bergen oder an der See, zu Hause auf Balkonien oder im langweiligem Arbeitsalltag, in der Hitze der Großstadt oder der kühlen Brise über den Feldern. Ist da auch Vorfreude, wenn der Herr kommt? Das ist für viele Menschen ein fremder Gedanke aber für manche ein sehr sehnsuchtsvoller. Bei unseren alten Schwestern höre ich nicht selten: "Es ist jetzt gut. Ich bin bereit. Er kann kommen." – Und dabei sind sie meist sehr zufrieden und in wirklicher Erwartung. Das Jetzt ist gefragt und die Vorfreude. Auf alles.

    4 min
  2. 1d ago

    Radikal von Herzen

    Radikal – ein Wort, das heute fast nur noch negativ besetzt ist: Radikalisierung im Internet, emotionale Übertreibung, Verharmlosung, Fake News. Doch das Wort "radikal" kommt vom lateinischen "radix", die Wurzel, und bedeutet ursprünglich: von Grund auf, vollständig, gründlich. Radikal zu sein heißt also eigentlich: an die Wurzel gehen.Der heilige Paulus schreibt: "Wir verkünden Weisheit unter den Vollkommenen, aber nicht Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt, die einst entmachtet werden." Jesus zeigt, wie Radikalität wirklich aussieht: nicht Regeln blind befolgen wie die Pharisäer, sondern das Gesetz Gottes von Herzen her leben. Radikal zu handeln heißt, nicht nur die Folgen eines Problems zu bekämpfen, sondern seine Wurzel zu erkennen. Es bedeutet, das Richtige zu tun – nicht aus Angst, nicht um Anerkennung zu bekommen, sondern weil es von Herzen kommt.Die Radikalität Jesu ist kein Aufstand gegen Gott oder gegen das Gesetz, sondern ein Aufruf: Lebe die Gebote Gottes von Herzen her. Lebe sie in Freiheit. Lebe sie im Vertrauen auf Gott. Wer nur nach äußerer Vollkommenheit strebt, wer Regeln befolgt, um Sicherheit oder Anerkennung zu bekommen, verliert das Wesentliche. Wer Gott von Herzen folgt, der findet ihn – und mit ihm auch das wahre Leben.Vielleicht hilft ein altes Sprichwort aus dem Talmud, um das einzuordnen:Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.  Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.  Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.  Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.  Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.Radikal zu sein heißt also nicht Härte oder Rücksichtslosigkeit. Radikal zu sein heißt im Sinne des Glaubens: die Wurzel erkennen, den Mut haben, das Richtige zu tun, und so den Weg zu Gott und mit Gott zu gehen. Paulus schreibt: "Wir verkünden Weisheit unter den Vollkommenen, aber nicht Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt, die einst entmachtet werden."Nehmen wir das von Jesus wirklich an. Nehmen wir an, was er in unseren Herzen wirken will. Leben wir die Gebote von Herzen her – aus der Freiheit und im Vertrauen auf Gott.

    5 min
  3. 2d ago

    Gehen oder bleiben?

    Gehen oder bleiben? – Jeder und jede von uns kennt solche Momente: in einem Streit, in einer Beziehung, in einer Lebensphase. Plötzlich steht die Frage im Raum: Gehe ich oder bleibe ich? Für viele junge Menschen, die studieren, ist das keine theoretische Frage: Bleibe ich in dieser Stadt? Ziehe ich mein Studium durch? Halte ich an einer Beziehung fest, an einem Engagement, an der Kirche? Oder ist es Zeit, weiterzugehen und etwas zu verändern?Diese Spannung zwischen gehen und bleiben ist so alt wie der christliche Glaube selbst. Schon Petrus und Paulus haben sie erlebt. Und wir haben sie in dieser Woche – vielleicht etwas versteckt – an ihrem Hochfest gefeiert. Von Petrus erzählt eine alte Legende, dass er Rom verlassen will, um der Verfolgung zu entkommen. Auf der Via Appia begegnet er Christus und fragt: "Domine, quo vadis? Herr, wohin gehst du?" Und Jesus antwortet: "Ich gehe nach Rom, um mich erneut kreuzigen zu lassen." Diese Begegnung bewegt Petrus zur Umkehr. Im Gehen bleibt er. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Liebe zu Christus und zu den Menschen.Paulus lebt in gewisser Weise das Gegenteil – und doch dasselbe. Er bleibt nie lange an einem Ort. Er geht weiter und weiter, immer getragen von seiner Berufung. Sein Bleiben liegt darin, beim Auftrag zu bleiben: hinauszugehen in die ganze Welt und allen Menschen das Evangelium zu verkünden. Am Ende seines Lebens kann er sagen: "Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt." Gehen ist für ihn keine Flucht, sondern Sendung.Unser christlicher Glaube kennt kein einfaches Entweder-oder. Er lebt aus der Spannung: Bleiben bei Christus und gehen in die Welt. Petrus und Paulus stehen für diese beiden Bewegungen. Und beide bleiben am Ende dort, worauf es ankommt. Vielleicht ist das eine Ermutigung für uns: Es gibt kein sinnvolles Gehen ohne Verankerung und kein echtes Bleiben ohne innere Bewegung. Ob wir gehen oder bleiben – wir dürfen fragen wie Petrus: "Herr, wohin gehst du?" Und wir dürfen vertrauen wie Paulus: "Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft." Was auch kommt: Wir sind gehalten und bewegt in Christus – ob wir gehen oder bleiben. Wir sind in ihm.

    4 min
  4. 3d ago

    Angst vor Kontrollverlust?

    Immer noch passiert es mir, dass mich ein Bibeltext, den ich im Gottesdienst höre, plötzlich völlig verblüfft und mir den Anschein erweckt, als hätte ich ihn noch nie gehört. So ging es mir dieser Tage in der Morgenmesse. Der Abschnitt aus dem Matthäusevangelium erzählt die bekannte Begebenheit, dass zwei Besessene, also von bösen Geistern Beherrschte, die Gegend eines Ortes so unsicher machen, dass es lebensgefährlich wird, ihnen übern Weg zu laufen. Als Jesus in die Gegend kommt, rennen beide auf ihn zu und die bösen Geister erkennen ihn sofort und bitten ihn, wenn er sie schon vertreiben will, sie in die Schweineherde zu schicken. Jesus kommt dem Wunsch nach.Schweine galten im Judentum als unrein und so scheint es logisch, dass die unreinen und bösen Gedanken mit den Schweinen im See untergehen. So weit, so bekannt. Die Schweinehirten rennen in die Stadt und erzählen alles. Aber dann kommt ein Vers, den ich noch nie so registriert habe. Da steht doch tatsächlich: "Und die ganze Stadt zog zu Jesus hinaus; als sie ihn trafen, baten sie ihn, ihr Gebiet zu verlassen." – Ich habe das noch nie bedacht. Für die nichtjüdische Bevölkerung war die Schweinezucht eine der Haupteinnahmequellen. Es ist ihnen ziemlich egal, dass durch die Austreibung der bösen Geister die beiden Männer geheilt und wieder in die Gemeinschaft aufgenommen werden konnten. Verständlich, aber auch eine Priorität, die nachdenklich macht.Und dann die Angst, die sie plötzlich haben, weil diese Macht und Autorität, die Jesus ausstrahlt und der sogar das Böse gehorcht, sie zutiefst verunsichert. Haben die Stadtbewohner Angst, dass dieser Jesus sogar die Macht über das Böse in ihnen haben könnte? Also Sorge vor dem Kontrollverlust über das eigene Leben und TreibenDen weiteren Verlauf des Gottesdienstes habe ich nicht mehr mitbekommen, so hat es mich beschäftigt. Mir scheint also bedenkenswert für heute: Kann ich zulassen, dass der Kontakt und der Glaube an Jesus Christus mein Leben mit der Zeit verändert oder habe ich eher Angst vor Kontrollverlust und materielle Einbußen? Spannende Frage!

    4 min
  5. 4d ago

    Gott ist mit uns

    Erstmals auf Websites aus Brasilien habe ich Statuen und Gemälde gesehen, die die schwangere Maria zeigen, was hier in Europa sehr selten dargestellt wird und wenn, dann nur auf sehr alten Gemälden aus sehr frühen Kunstepochen. Dabei wird auf ein Geschehen und eine Realität hingewiesen, die das Weltgeschehen und die Sicht auf den Menschen so eindrücklich verändert hat.Ein vierzehnjähriges Mädchen, das in der Glaubensgewissheit erzogen worden ist, dass eine aus ihrem Volk die Mutter des Messias werden wird, hat diese Begegnung mit dem Engel Gabriel, der genau ihr diese unglaubliche Botschaft bringt. Und der Engel gibt ihr – quasi als Ermutigung – Tipp und Trost die Nachricht, dass ihre Verwandte Elisabeth, die ja schon älter und kinderlos ist, jetzt einen Sohn erwartet. Sie sei schon im sechsten Monat, weil bei Gott nichts unmöglich ist.Maria macht sich auf den Weg ins Gebirge, zu ihrer Verwandten. Was will sie dort? Ihre eigenen Eltern ahnen wahrscheinlich noch nichts von dem Unbeschreiblichen, was sich da anbahnt, ihr Verlobter Josef auch nicht. Braucht sie vielleicht doch noch den Beweis, dass sie das alles nicht geträumt hat, dass stimmt, was der Engel gesagt hat. Oder will sie den Abstand von Zuhause, um sich selbst wieder sicher zu werden? Vielleicht braucht sie eine mütterliche Schulter, an der sie sich anlehnen und ausweinen kann wegen all dem Ungeheuerlichen, was ihr da zugetraut wird? Fragen über Fragen, die wir uns stellen, würden.Dann aber, im Augenblick, da sich diese beiden Frauen, die ganz junge und die schon ältere begegnen, geschieht eine Explosion und eine Revolution: eine Explosion in Freude, Glück und Überraschung, die beide Frauen und ihre Ungeborenen erfasst und jubeln lässt. Und eine Revolution. Denn aus Maria, diesem gesegneten jungen Mädchen, bricht ein Gebet hervor, dass bis heute nachhallt. Sie verkündet, dass Gott auf die Niedrigen schaut, die Hochmütigen verjagt, die Mächtigen von ihren Thronen stürzt und kleine Leute erhöht und sich immer seines Volkes erbarmt, weil er es Abraham, Sara und allen ihren Nachkommen verheißen hat. Und sie sagt nicht, dass dieser Gott es in Zukunft tun wird, sondern jetzt, heute, immer. Aus dieser Begegnung von Maria und Elisabeth, an die wir uns heute erinnern, geht eine Kraft und Freude aus, weil es allen klarmacht: Dieser Gott ist mit uns, heute, immer und in alle Ewigkeiten.

    4 min
  6. 5d ago

    Gemeinsam Träumen kann Neues schaffen

    Herzlich willkommen zum Gebet am Mittwoch.Ja, selbst nach einer längeren Nacht danach und einem Tag Abstand bin ich immer noch traurig über das frühe Ausscheiden der deutschen Fußballer. Ich hatte ihnen schon echt nicht so viel zugetraut, und mir war klar, dass spätestens im Achtelfinale gegen Frankreich Schluss sein wird.Aber die Art und Weise jetzt hat mich traurig gemacht. Viele gute Fußballer, die irgendwie versucht haben, gut zu spielen, obwohl manche von ihnen auf der falschen Position spielen mussten, manche einfach noch nicht oder nicht mehr fit waren, manche von den vielen widersprüchlichen Signalen des Trainers verwirrt und nicht klug ermutigt worden sind und irgendwie Herz und Leidenschaft vermissen ließen.Und es fehlte etwas oder jemand aus der Mannschaft, der das Spiel in die Hand nimmt, der ordnet, beruhigt, das Tempo bestimmt und Verantwortung übernimmt. Sie wirkten unerwachsen, mit einem Trainer, der ihnen Fesseln angelegt hat, sich mit seinen Aktionen über sie gestellt hat, statt sie befreit aufspielen zu lassen. Aber wie im realen Leben ist gerade auch der Fußball ein Mannschaftssport und kein Ding für Alleinunterhalter und Leute, die scheinbar immer recht haben.In einem Lied, dessen Text aus einem brasilianischen Sprichwort stammt und von Dom Helder Camara in Form gebracht worden ist, heißt es: „Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum, wenn viele gemeinsam träumen, dann ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“Die schöne Botschaft darin lautet, dass ein Traum allein nur eine persönliche Vorstellung bleibt, während gemeinsames Träumen die Grundlage für reale Veränderungen und neue Wirklichkeiten schafft.Ich finde es gut, wenn wir jetzt nicht in böser Manier Schuldige suchen und alles verteufeln, sondern zusammen mit allen Fußballbegeisterten und Verantwortlichen am Traum eines guten und erfolgreichen Fußballs festhalten und ihn weiterträumen.Und wirkliche Fans, wie ich eine bin, werden weiterhin Spiele dieser WM schauen und jetzt ein bisschen hoffen, dass doch mal ein Underdog, ein kleines Land, das noch nie gewonnen hat, richtig groß rauskommt.

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  7. 6d ago

    Mit Mut und Gottvertrauen handeln

    Herzlich willkommen zum Gebet am Dienstag.Am letzten Wochenende ist ganz viel ausgefallen: unser Kommunionkinderfest, die Ministrantenwallfahrt in Münster, Konzerte und Sportveranstaltungen, Kinderschützenfeste und, und, und. Und der Grund? Die Hitzewelle, die unglaublichen Temperaturen über mehrere Tage und täglich neue Rekorde.Dann gibt es die einen, die jetzt sagen: "Ja, früher war es auch heiß, und es ist halt Sommer. Bla, bla, bla. Stellt euch nicht so an." Und es gibt die Fakten. Und die sagen sehr eindeutig, dass die Gesamttemperaturen in den letzten Jahren immer mehr gestiegen sind, die Zahl der Tage über 30 Grad immer stärker steigt. Und dass es immer schneller geht, weil wir Menschen den Klimawandel beschleunigen.Und es gibt die Leugner, und es gibt die, die sagen: "Was kann ich als Einzelne und Einzelner schon tun?" Aber genau das ist, glaube ich, genau der Punkt. Wenn aber viele der 8 Milliarden Menschen sagen: "Was ich tun kann, das will ich auch tun", dann geschieht tatsächlich etwas.Dass wir hier in Europa viel tun können, muss ich nicht mehr erklären. Wir sind seit Jahren dafür sensibilisiert. So ist es ja in vielen Bereichen unseres Lebens: in Gemeinde und Stadt, in Land und Republik, in Organisationen und Vereinen und in der Kirche.Einer unserer Laudes-Mitbeter hat mir erzählt, dass er zu einem 75-jährigen Kirchbaujubiläum ins Nachbarstädtchen fahren wird. Vor Jahren sollte die Kirche geschlossen werden, aber da haben einige Gemeindemitglieder gesagt: „Nein, das ist unsere Kirche, und die wird nicht geschlossen.“ Und sie haben einen Förderverein gegründet und alles in die Hand genommen. Und es hat funktioniert.Es werden weiterhin Gottesdienste gefeiert, und es gibt immer neue Ideen, was man als kleine Gemeinde tun kann und welche Möglichkeiten es gibt, als Christen in der Gesellschaft vor Ort Angebote zu machen. Es gibt genügend Spenden, und die Leute merken, dass sie mit ihrem Engagement etwas bewirken können. Und manchmal ist es auch Widerstand gegen vorgegebene Änderungen, die unsensibel über die Köpfe der Gemeinden hinweg gefasst worden sind.Mut ist gefragt und Gemeinsinn und die Hoffnung auf einen Gott, der unsere Wege mitgeht.

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  8. Jun 29

    Feiern wir die Phantasie Gottes

    Heute ist das Fest der beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus. Ich habe immer noch im Ohr, wie eine aus Schlesien stammende Mitschwester immer sehr energisch gesagt hat: "Petrus und sein Kamerad" und ich das schon echt witzig fand. Wenn man nach der Wortbedeutung "Kamerad" schaut steht da im Duden: "Eine Person, mit der jemand durch gemeinsame Tätigkeiten oder Interessen eng verbunden ist".Das kann man bei Petrus und Paulus ja schon sagen, obwohl es kaum verschiedenere Typen als diese beiden finden kann. Petrus stammte aus Bethsaida am See Genezareth. Ursprünglich hieß er Simon, erhielt aber durch Jesus den Beinamen Petrus (zu Deutsch: der Fels). Petrus war der Bruder des Apostels Andreas. Durch ihn lernte er Jesus kennen. Beide Brüder waren Fischer. Petrus war verheiratet und wohnte mit seiner Familie in Kafarnaum.Aus den Briefen des Paulus kann man weder sein Geburtsjahr noch seine familiäre Herkunft sicher ermitteln. Aber wenn die Apostelgeschichte recht hat, hatte Paulus zumindest eine Schwester, die in Jerusalem lebte. Dort wird auch berichtet, dass Paulus aus der Stadt Tarsus in Kilikien stammte und das römische Bürgerrecht besaß. Paulus war gebildet, war bei Gamaliel in die Schule gegangen und gehörte den Pharisäern an. Beide hatten sehr unterschiedliche Lebens- und Berufungsgeschichten: der eine kommt durch seinen Bruder zu Jesus, der andere muss vom Pferd gestoßen werden und drei Tage richtig blind sein, bis er Jesus erkennt und ihm dann um so eifriger nachfolgt.Wenn so etwas schon zum Anfang der jungen Kirche so war, so ist es ja 2000 Jahre später nicht anders: viele Menschen, die auf den unterschiedlichsten Wegen zum Glauben gekommen sind und auch auf den unterschiedlichsten Wegen ihren Glauben leben und die Kirche mitgestalten: die einen, die quasi von Geburt, Familie, Tradition und Taufe dazu gehören, die anderen, die durch Ereignisse oder Menschen dazu geholt wurden, und die dritten, die von Jesus, vom Geist so quasi vom Pferd geschubst worden sind und deren Blindheit gelöst werden muss. Ein Wort des ehemaligen Papstes Benedikt XVI. gefällt mir da sehr gut und ich halte es für eine entspannte Weise, mit den vielfältigen Wegen in der Kirche umzugehen. In einem Interview wurde er gefragt, wie viele Wege es zu Gott gibt. Und seine wunderbare Antwort darauf war: "So viele, wie es Menschen gibt!" Heute am Fest von Petrus und Paulus können wir die Phantasie Gottes feiern, der die Menschen so vielfältig geschaffen und seine Freude an ihnen hat.

    5 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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