EinBlick – Der Podcast

meko factory Redaktionsbüro für Berlin-Chemie AG

»Einblick – Der Podcast«, der Podcast für den tieferen aber dennoch knackigen Einblick in die relevanten Ereignisse des Gesundheitswesens der vergangenen Woche vom Gesundheitsmanagement der Berlin-Chemie. »EinBlick – nachgefragt« präsentiert Praktiker:innen im Gesundheitswesen die wichtigen Nachrichten in einer knappen Viertelstunde im Dialogformat. Immer freitags um 12 Uhr auf den bekannten Podcast-Kanälen.

  1. 4d ago

    Merz und die Privatversicherung: Kürzungen auch in der Beihilfe PLUS Pflegereform, Standortklausel sowie GeDIG

    Das Kabinett beschließt die Pflegereform, der Kanzler stößt eine Debatte über die Privatversicherung an, Pharmafirmen sollen bis zu 8,5 Prozentpunkte weniger Herstellerabschlag zahlen – die Woche im Gesundheitswesen. Dazu: Organspende und Beihilfe. »Einblick – Der Podcast«, der Podcast für den tieferen und dennoch knackigen Einblick in die relevanten Ereignisse des Gesundheitswesens der vergangenen Woche vom Gesundheitsmanagement der Berlin-Chemie. Immer freitags um 12 Uhr. In dieser Ausgabe: - Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann fordert, dass die Krankenkassen ihre Mitglieder wieder über steigende Beiträge informieren – die Koalition hatte die Mitteilungspflicht erst kürzlich gestrichen. Die Information ist entscheidend für das Sonderkündigungsrecht: Wer wechseln will, muss bis zum Ende des Monats kündigen, in dem der höhere Beitrag erstmals gilt. - Der Orientierungswert für ärztliche und psychotherapeutische Leistungen steigt 2027 um 2,2 Prozent und bleibt damit deutlich unter der vom Sparpaket gedeckelten Obergrenze von rund 3,4 Prozent. Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV: »Das ist wahrlich kein Jubelergebnis.« - Nach den Wahlniederlagen der CDU in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sieht Bundeskanzler Friedrich Merz ein Gerechtigkeitsproblem zwischen gesetzlich und privat Versicherten. Linnemann hält eine Abschaffung der privaten Krankenversicherung für verfassungsrechtlich schwierig – die Kürzungen aus dem Sparpaket sollen aber auch für die Beihilfe der Bundesbeamt:innen gelten. - Die Lücke im Sparpaket schließt die Koalition unter anderem mit dem Ende der zusätzlichen Kinderkrankentage aus der Pandemie, das 100 Millionen Euro bringt. Brechen Versicherte eine digitale Gesundheitsanwendung DiGA in den ersten 4 Wochen ab, sollen die Kassen 20 Prozent weniger zahlen – der Bundestag stimmt Mitte Oktober ab. - Krankenhausgipfel: Die zugesagten 550 Millionen Euro des Bundes für die Kliniken sollen über die Notfallreform fließen. Bei Kliniken mit mindestens 90 Prozent fehlerfreien Abrechnungen soll der Medizinische Dienst nur noch 1 Prozent der Rechnungen prüfen dürfen. - Das Bundeskabinett beschließt das Pflegeneuordnungsgesetz PNOG: Der Zuschlag für Kinderlose steigt ab Januar von 0,6 auf 0,9 Prozent, im Pflegegrad 1 entfällt die Leistung vollständig. Über zwei Forderungen der SPD -– einen Deckel für die Eigenanteile im Pflegeheim und einen Finanzausgleich mit der privaten Pflegeversicherung – berät eine Kommission bis Ende Januar. - Bis zu 8,5 Prozentpunkte weniger Herstellerabschlag sollen Pharmaunternehmen zahlen, die in Deutschland forschen, investieren und produzieren – das Fachgremium zur Standortklausel hält sein Modell selbst europarechtlich nicht für vollständig abgesichert. Die Krankenkassen warnen vor Mehrkosten von bis zu 1,3 Milliarden Euro pro Jahr. - Mehr als 250 Abgeordnete von Union, SPD, Grünen und Linken unterstützen die Widerspruchslösung bei der Organspende, rund 60 setzen in einem Gegenantrag auf mehr Aufklärung. Im vergangenen Jahr spendeten knapp 1.000 Menschen nach ihrem Tod Organe, rund 8.200 standen Ende des Jahres auf den Wartelisten. - Digitalgesetz GeDIG: Der Bundesrat fordert kürzere Fristen für die elektronische Heilmittelverordnung und die elektronische Überweisung; die gematik soll zu einer »echten Digitalagentur« werden. Die Ausschüsse empfehlen, die geplante Strafe von 50 Cent je Mitglied für Kassen zu streichen, die Anwendungen der elektronischen Patientenakte ePA nicht fristgerecht umsetzen. - Ausblick: Das Gesetz für die Gesundheitsversorgung in Krisen steht laut Linnemann kurz vor dem Abschluss – das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung Zi fordert, die Praxen einzubeziehen: Gut 4 von 5 haben keinen Notfallplan für einen Stromausfall. Zudem tritt eine Verordnung der Europäischen Kommission zum europäischen Gesundheitsdatenraum in Kraft.

  2. Sep 23

    Werte kennen, Herzinfarkt verhindern: Warum Prävention beim Blutfett beginnt – Prof. Ksenija Stach (HMU Potsdam)

    80 Prozent der Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall erreichen ihren LDL-Zielwert von unter 55 Milligramm pro Deziliter nicht. Dabei sind Herzerkrankungen die Todesursache Nummer 1. Bei Krebs gibt es Vorsorge, Diagnose, begleitete Therapie, Nachsorge und Register. Warum fehlt das beim Herzen – und wo muss Prävention ansetzen? Darüber spricht EinBlick-Redakteur Christoph Nitz mit Prof. Ksenija Stach. Sie leitet seit Juli 2025 das Department für Endokrinologie und Diabetologie am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam und ist Professorin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie der HMU Health and Medical University Potsdam. Zuvor leitete sie die Lipidambulanz der Universitätsmedizin Mannheim. Beim Kongress für Gesundheitsnetzwerker sprach sie im März 2026 über Investitionen in die Herzgesundheit. Die Themen der Folge: – Warum LDL zählt: LDL-Cholesterin ist der am besten beeinflussbare Risikofaktor, denn ohne LDL-Cholesterin entsteht kein Plaque. Der erste Schritt ist, die Werte zu messen. Doch den Check-up 35 nehmen nach Stachs Angaben nur 30 Prozent der Bevölkerung wahr, weil die Information zu wenige Menschen erreicht. – Register wie bei Krebs: Hierzulande gibt es Kampagnen wie ›Auf Ziel‹ der Deutschen Gesellschaft für Lipidologie DGFL, aber nach ihren Worten keine Register. In Schweden werden alle Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt erfasst. Die Kliniken stehen mit ihren Ergebnissen beim LDL-Zielwert in der Zeitung. Die Besten werden ausgezeichnet, und der Letztplatzierte muss bei ihnen lernen. – Netzwerk in Potsdam: Ein niedergelassener Kollege, der auch bei Kindern das Cholesterin misst, hat dort ein Kompetenznetzwerk aufgebaut. Wer das bezahlt? »Na, niemand.« – Wearables und die »Cholesterinlüge«: Schritte, Herzfrequenz, EKG und Blutdruck haben viele per Wearable im Blick. Das Gesundheitsbewusstsein wächst, aber nicht in allen sozialen Schichten. Cholesterin hat an Ansehen verloren, auch durch Fernsehsendungen, die die Warnungen davor als Humbug abtun. Mehr Aufmerksamkeit bekommt Lipoprotein(a). – Sparen bei der Früherkennung? »Genau das ist das, was wir nicht tun dürfen«, sagt Stach. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz empfindet sie als Rückschritt – kein gutes Signal, denn frühzeitige Prävention spare später Milliarden Euro. – Kinderscreening ab 6 Jahren: In den Gesprächen zum Gesundes-Herz-Gesetz war man mit der Politik nach ihren Worten schon weit. Ein solches Screening findet genetisch bedingte Fettstoffwechselstörungen früh und schützt zugleich das Kind und einen Elternteil. – Prävention ab der Kita: Kinder sollen früh lernen, was ein gesunder Lebensstil ist und welche Werte wichtig sind. In den Niederlanden entsteht so Gesundheitsbewusstsein von klein auf. Und der 60-jährige Hochrisikopatient? »Nein, um Gottes willen, da ist noch gar nichts verloren.« LDL-Senkung, Blutdruckeinstellung, Lebensstil und Reha helfen auch nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. – Was die elektronische Patientenakte ePA leisten könnte: Befunde sind dort abrufbar. Es fehlen eine Abfrage zur Familienanamnese, die bei Risiko zum Check-up 35 einlädt, und die Messwerte aus Apotheken samt Hinweis, sich ärztlich abklären zu lassen. Die Schnittstellen funktionieren noch nicht gut. Ksenija Stach: »Wir müssen an einem Strang ziehen, Fakten auf den Tisch legen und nicht irgendwelche Märchen.« Stachs Vorschlag an Gesundheitsminister Carsten Linnemann: ein Kinderscreening ab 6 Jahren und Aufklärung über Risikofaktoren in Kitas, Schulen und Studiengängen. Ihr Rat an alle Hörerinnen und Hörer: die eigenen Werte kennen – Blutdruck, Langzeitblutzucker, LDL-Cholesterin und Lipoprotein(a). Wer sie nicht kennt, lässt sie bei nächster Gelegenheit in der Hausarztpraxis messen.

  3. Sep 11

    Kein Puffer mehr: Gesundheitsetat sinkt auf rund 14 Milliarden PLUS Notfallreform, AMNOG 2.0 sowie Feinstaub

    Der Gesundheitsetat sinkt um etwa ein Drittel, die Ersatzkassen wollen die Leitstellen von 240 auf 80 reduzieren, das Ministerium plant ein AMNOG 2.0 – die Woche im Gesundheitswesen. Dazu: Feinstaub durch Brände und Gesundheitsdaten für die Forschung. »Einblick – Der Podcast«, der Podcast für den tieferen und dennoch knackigen Einblick in die relevanten Ereignisse des Gesundheitswesens der vergangenen Woche vom Gesundheitsmanagement der Berlin-Chemie. Immer freitags um 12 Uhr. In dieser Ausgabe: • »Es gibt keinen Puffer mehr«: Der Bundesrechnungshof hält den Haushaltsentwurf für unfertig. Das Bundesgesundheitsministerium erhält 2027 rund 14 Milliarden Euro, etwa ein Drittel weniger als im laufenden Jahr – der Bundeszuschuss an den Gesundheitsfonds sinkt auf gut 13 Milliarden Euro, ein Darlehen für die Pflegeversicherung ist zunächst nicht eingeplant. Paula Piechotta, Haushaltsexpertin der grünen Bundestagsfraktion, spricht von »Buchungstricks«. • Anhörung zur Notfallreform: Der Entwurf verbindet die Notrufnummer 112 mit der 116117 der Kassenärztlichen Vereinigungen und plant Integrierte Notfallzentren an Krankenhäusern. Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende der Ersatzkassen, will die Zahl der Leitstellen von rund 240 auf etwa 80 reduzieren – die Ausgaben für den Rettungsdienst stiegen 2025 auf gut 8 Milliarden Euro. • Das Bundesgesundheitsministerium plant ein AMNOG 2.0 mit zweistufiger Nutzenbewertung: Arzneimittel mit unvollständiger Evidenz werden zunächst anhand vorläufiger Endpunkte bewertet, nach 3 bis 4 Jahren überprüft der Gemeinsame Bundesausschuss G-BA die Entscheidung mit Versorgungsdaten. Die neue G-BA-Vorsitzende Sonja Optendrenk will das Orphan-Privileg kippen – das Ministerium vertagt die Entscheidung. • Fast 100.000 zusätzliche Todesfälle jährlich zwischen 2010 und 2018 schätzt eine von der Weltorganisation für Meteorologie WMO zitierte Studie – seit den 1990er-Jahren hat sich die Zahl extremer Brände weltweit verdreifacht, ihr Feinstaub bedroht die Fortschritte bei der Luftqualität. • Hitzeschutz: Die Betriebskrankenkassen unterstützen die ›European Declaration on Heat and Health‹ und ihre Forderung nach einem europäischen Hitze-Gesundheitsaktionsplan. Die Hitzewelle von Mitte bis Ende Juni verursachte laut Prognos einen volkswirtschaftlichen Schaden von gut 6 Milliarden Euro. • Rund 74 Millionen Versicherte, mehr als 100 Forschungsanträge: Das Forschungsdatenzentrum Gesundheit FDZ beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte wächst, spätestens Anfang 2027 sollen Daten aus der elektronischen Patientenakte ePA für Forschende verfügbar sein. Nick Schneider, Referatsleiter im Bundesgesundheitsministerium, über den europäischen Gesundheitsdatenraum: »Er ist zugleich ein Standortfaktor und ein Motor für Wertschöpfung.« • Öffentlicher Gesundheitsdienst digital: Köln nutzt als erste Millionenstadt die Open-Source-Software GA-Lotse aus Frankfurt am Main. Berlin ist dagegen der Kooperation von Bayern und Baden-Württemberg auf der Plattform ÖGDigital beigetreten – dort sind weder Code noch Verträge bisher öffentlich. • Ausblick: Das Digitalgesetz GeDIG kommt am 9. Oktober zur ersten Lesung in den Bundestag, die Pflegereform wartet auf den Kabinettsbeschluss. Das Klinikum Oldenburg stellt für schwer kranke Kinder Kautabletten aus dem 3D-Drucker her – exakt auf das Körpergewicht abgestimmt.

  4. Sep 4

    Im Oktober ist die Kasse leer: Der Pflege fehlt eine halbe Milliarde PLUS Diagnose-Prüfung, Pharma-Klausel, Hitzetote

    **Den Pflegekassen geht im Oktober das Geld aus, den Krankenkassen droht eine zehnstellige Korrektur, 15.800 Menschen starben an der Hitze – die Woche im Gesundheitswesen. Dazu: die Standortklausel für Pharma und der Streit um die Primärversorgung.** »Einblick – Der Podcast«, der Podcast für den tieferen und dennoch knackigen Einblick in die relevanten Ereignisse des Gesundheitswesens der vergangenen Woche vom Gesundheitsmanagement der Berlin-Chemie. Immer freitags um 12 Uhr. In dieser Ausgabe: - »Wir könnten wahrscheinlich viel Regulierung abschaffen«: Sonja Optendrenk, neue Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses G-BA, will das System einfacher machen – das Spargesetz sei ein Jahr zu spät gekommen. - Die Finanzkommission Gesundheit lädt für den 17. September den GKV-Spitzenverband und die Pharmaverbände zum Fachgespräch über die Arzneimittelvergütung; im Dezember folgt ihr Bericht zu den Strukturreformen. Ferdinand Gerlach und Jonas Schreyögg sagen: Das System könne »nicht so arztzentriert bleiben wie bisher«. - Sechs Forderungen für die Primärversorgung: Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband will die Hausarztzentrierte Versorgung HzV mit ihren mehr als 11 Millionen Teilnehmenden zur Grundlage machen – wer ohne Überweisung direkt in die Facharztpraxis geht, soll sich an den Kosten beteiligen. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin DEGAM fordert eine verbindliche Einschreibung. - »Die Pflege ist akut in Not«: Die Mittel der Sozialen Pflegeversicherung sind im Oktober aufgebraucht – trotz eines Bundesdarlehens über 3,2 Milliarden Euro. Für das kommende Jahr rechnet der GKV-Spitzenverband mit einer Lücke von 10 Milliarden Euro. - Milliardenrechnung aus dem Risikostrukturausgleich: Das Bundesamt für Soziale Sicherung BAS prüft, ob Kassen das Diagnoseverhalten von Ärzt:innen unzulässig beeinflusst haben. Der GKV-Spitzenverband erwartet Korrekturen in zehnstelliger Höhe, der AOK-Bundesverband hält die Prüfungen für rechtlich unhaltbar und will klagen. - Klarheit für die Praxen: Die Befüllung der elektronischen Patientenakte ePA wird bis Jahresende weiter vergütet. Sieben Krankenkassen mit 34 Millionen Versicherten erproben zugleich die digitale Verordnung von Hilfsmitteln – rund 175.000 Versicherte haben die App geladen. - Standortklausel für die Pharmaindustrie: Ein Fachgremium unter Michael Vassiliadis und Michael Hüther soll bis Ende September eine Formulierungshilfe liefern, damit Unternehmen, die in Deutschland forschen und produzieren, vom verdoppelten Herstellerabschlag von 15,5 Prozent entlastet werden. Der GKV-Spitzenverband hält dagegen: Standortförderung sei keine Aufgabe der Krankenversicherung. - 15.800 Hitzetote bis Mitte August: Das Robert Koch-Institut RKI meldet deutlich mehr Todesfälle als in den Rekordjahren 2018 und 2019 – die SPD will Klimaanpassung ins Grundgesetz schreiben, die Union bremst.

  5. Aug 28

    Reparieren statt Vorbeugen – warum Deutschlands Herzvorsorge ein Update braucht – Udo Schauer (ImPuls.Think Tank)

    Deutschland gibt pro Kopf fast am meisten Geld für Gesundheit in der EU aus – bei der Herzgesundheit liegt es seit Jahrzehnten nur im europäischen Mittelfeld. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mit rund 64 Milliarden Euro im Jahr der größte Kostenblock im deutschen Gesundheitswesen. Der EU Safe Hearts Plan setzt jetzt Ziele: Bis 2035 sollen 75 % der 25- bis 64-Jährigen und 90 % der über 65-Jährigen jährlich ihren Blutdruck messen lassen. Warum belohnt unser System die Behandlung stärker als die Vermeidung – und was muss sich ändern? Darüber spricht EinBlick-Redakteur Christoph Nitz mit Udo Schauder, Mitinitiator und Vorsitzender des ImPuls Think Tank Herz-Kreislauf. Schauder studierte Medizin, war in leitenden Funktionen der Industrie tätig und stand dem Patientenunterausschuss des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller vfa vor. Den Think Tank hat er 2017 mit ins Leben gerufen – eine gesamtgesellschaftliche Initiative mit heute 29 Mitgliedern, die fordert, Vorbeugung politisch verbindlich zu verankern. Die Themen der Folge: – Systemfehler seit 1883: Die Krankenversicherung bezahlt seit Bismarck die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, nicht die Gesunderhaltung – und ob Vorbeugung gewirkt hat, lässt sich 20 Jahre später kaum nachweisen. – Aufklärung oder Regulierung? Schauder will beides: weniger Werbung für zucker-, fett- und salzhaltige Produkte, eine nach Zuckergehalt gestaffelte Abgabe – und die Einnahmen in die Prävention, etwa in eine Bundesstiftung. – Marmelade mit 60 % Zucker ist billiger als die mit 30 %: Warum Obst, Gemüse und gesunde Schulverpflegung günstiger werden müssen. – Blick nach Europa: Norwegens Public Health Act verpflichtet alle Ressorts auf Gesundheit, Frankreich startet 2026 eine nationale Strategie mit frühen Screenings bis zum Neugeborenen, Dänemark organisiert Prävention wohnortnah. – Lipoprotein(a): ein Wert, der bei Männern nur einmal im Leben gemessen werden muss und 15 bis 25 Euro kostet. – Früherkennung mit Augenmaß: Warum Messwerte nicht automatisch zur Medikation führen dürfen – und die ePA zum Gamechanger werden könnte. – Wearables: Warum die Smartwatch den ärztlichen Rat nicht ersetzt und junge Menschen ihren hohen Blutdruck unterschätzen. Udo Schauder: »Wir wollen nicht, dass dadurch mehr Menschen Patienten werden, sondern wir wollen, dass mehr Menschen einfach gesund sind.« Das fordert der ImPuls Think Tank: Vorbeugung politisch verbindlich verankern. Schauders Rat an die Bundesregierung: ein nationales Programm zur Senkung des Blutdrucks, weniger Salz in Lebensmitteln – und Gesundheit als Aufgabe aller Ressorts, nicht nur des Gesundheitsministers.

  6. Aug 14

    Nur die Hälfte geht zum Check-up: Was der EU-Safe-Hearts-Plan ändern kann – Dr. Janka Schulte-Michels (vfa)

    Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland und Europa. Trotzdem geht laut RKI nur rund die Hälfte der Berechtigten zum Gesundheits-Check-up. Der EU-Safe-Hearts-Plan – der erste umfassende Strategieansatz der EU gegen kardiovaskuläre Erkrankungen – soll das ändern: mit 10 Leitinitiativen von der Primärprävention bis zur Forschungsförderung. Kann der Plan die Trendwende einleiten? Darüber spricht EinBlick-Redakteur Christoph Nitz mit Dr. Janka Schulte-Michels. Die promovierte Apothekerin verantwortet beim vfa, dem Verband der forschenden Pharma-Unternehmen, die Versorgungspolitik – und kennt die Arzneimittelversorgung aus Apotheke, Behörde und Industrie. Die Themen der Folge: – Check-up-Lücke: In Deutschland zahlt die GKV die Untersuchung einmalig zwischen 18 und 35 Jahren, danach alle drei Jahre. Die EU empfiehlt: jährlich ab 26 – mit Blutdruck, Blutfetten und Blutzucker. – LDL-Cholesterin: Warum der Wert früher und systematischer erfasst werden sollte – bis hin zur U-Untersuchung im Kindesalter. – Prävention rechnet sich: Grippeimpfungen für Ältere erzielen in Japan einen Return on Investment von 1:23; frühe Screenings könnten in UK knapp 70 Milliarden Pfund über 25 Jahre einsparen. – Vom Befund zur Behandlung: Nur ca. 20 % der Hochrisiko-Patient:innen erreichen ihre Blutfett-Zielwerte – Prävention darf nicht mit der Diagnose enden. – Adipositas: beschlossenes DMP ohne Umsetzung, Lifestyle-Paragraf § 34 SGB V und fehlende Erstattung. – DiGA: vom Pionierprojekt zum Praxisproblem – und was sich ändern müsste. – Digitalisierung: Wie ePA, digitaler Impfpass und strukturierte Gesundheitsdaten Prävention wirksamer machen. Zitat aus dem Gespräch: „Was nicht gemessen werden kann, das kann auch nicht geändert werden." Das fordert der vfa: Check-ups an die EU-Empfehlungen anpassen, das noch in diesem Jahr erwartete EU-Protokoll nutzen und die niedrigen Impfquoten steigern – ein bislang unterschätzter Faktor für die Herzgesundheit. Fragen und Anregungen: gesundheitsmanagement@berlin-chemie.de Alle Folgen: gesundheitsmanagement.berlin-chemie.de/einblick

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