51 Jahre ÖVP, ein Prozess gegen Kickl: Gabriele Beierl über Stocker – „da kommt es nicht an als Mitte rechts, sondern es kommt an als Nachgeben.” Gabriele Beierl ist seit 51 Jahren in der ÖVP und hat 2016 die Facebook-Gruppe „ÖVP – die kritische Basis” gegründet – nach eigener Darstellung, weil sie keine Artikel mehr über Sebastian Kurz posten sollte. Heute lesen dort Mitarbeiter aus Bundespartei und Kanzleramt mit. Im Gespräch mit Martin Engelberg sagt sie, was an der Basis ankommt: ein Kanzler, den sie schätzt, der aber „ein bisschen zu nett” sei und in der Dreierkoalition „immer ein bisschen nachgeben” müsse – bei der Dürrehilfe, beim Klimagesetz, bei der Mindestsicherung. Es geht um die defensive Logik, die laut Beierl in der Partei kursiert – Babler sei „der beste SPÖ-Obmann, den die ÖVP je hatte” – und warum sie das für einen Irrtum hält. Um Herbert Kickl, den sie als „im Kern in seinem Wesen auch ein kleiner Marxist” beschreibt, obwohl sie bei politischem Islam und Kopftuchverbot „ganz klare Überschneidungen” mit der FPÖ sieht. Um Sebastian Kurz, dessen Rückkehr sie sich wünscht, aber nicht erwartet – und die aus ihrer Sicht das sofortige Ende der Koalition bedeuten würde. Und um die Landeshauptleute: Drei Länder regieren mit der FPÖ, verlangen vom Bund aber Distanz zur FPÖ – während vier Landtagswahlen anstehen und der Bundestrend gegen die ÖVP läuft. Relevant ist das Gespräch, weil hier keine Oppositionspolitikerin spricht, sondern eine Loyale, die ihre Partei seit einem halben Jahrhundert kennt. Engelbergs These am Ende: Ohne substanzielle Neuaufstellung kommt eine Neuordnung der Parteienlandschaft. Beierls Antwort: Die Volkspartei muss sich neu erfinden – und darf keine Seniorenpartei werden. Kapitel: 00:00 — Was gibt es an der ÖVP zu kritisieren? Dürrehilfe und Klimagesetz 01:51 — Stockers Kurs: Mitte-rechts oder Nachgeben? 03:08 — Wirtschaft: Abwanderung, Lohnnebenkosten, Regulierung, „Austro-Milei” 05:54 — Social-Media-Verbot: Elternverantwortung statt Staat 07:34 — Steht die Volkspartei noch für das Volk? Gender, Woke, Medien 09:42 — Die drei Säulen der ÖVP – und was in der Umsetzung fehlt 11:30 — Familienbonus, Pensionen, Leistungsträger 16:50 — Mindestsicherung: „Sollen sie arbeiten gehen” 17:32 — FPÖ und Kickl: „kleiner Marxist”, Prozess, Russland-Frage 25:57 — Die kritische Basis: Gründung 2016, Kontakt ins Kanzleramt 29:56 — „Babler ist der beste SPÖ-Obmann, den die ÖVP je hatte” – die defensive Logik 33:04 — Sebastian Kurz: Ausnahmepolitiker, Comeback, Neuwahlen 40:26 — Die Landeshauptleute: vier Wahlen, FPÖ-Koalitionen, Impfpflicht-Kränkung 48:19 — Neuaufstellung oder neue Partei? ORF, politischer Islam 51:54 — Wordrap: Kurz oder Stocker, schwarz oder türkis, was der ÖVP fehlt 🎙 Über den Gast: Gabriele Beierl ist seit 51 Jahren Mitglied der ÖVP und Gründerin der 2016 entstandenen Facebook-Gruppe „ÖVP – die kritische Basis” mit rund 3.000 Mitgliedern. Die pensionierte Kindergartenpädagogin gilt als eine der aktivsten ÖVP-Stimmen in den sozialen Medien; ein von Herbert Kickl angestrengtes Verfahren gegen sie lief über mehrere Jahre. 📚 Über Martin Engelberg: Martin Engelberg ist Psychoanalytiker und ehemaliger ÖVP-Nationalratsabgeordneter. FOLGE MARTIN ENGELBERG - das kostet nichts und unterstütz unsere Arbeit! ► Facebook: https://www.facebook.com/martin.engelberg.9/ ► Instagram: https://www.instagram.com/martinengelberg/?hl=de ► X: https://twitter.com/MartinEngelberg ► YouTube: https://youtube.com/@Politics_Psychoanalyse?si=BT6D0pzywjeKstNe