Letzte Woche haben wir die alten Geschichten erzählt. Heute fragen wir, wer sie geschrieben hat. Der Leprechaun ist vermutlich nicht nach seinem „kleinen Körper" benannt, sondern nach römischen Priestern, die irische Mönche für ein Volk von Wolfsmenschen hielten. Seine älteste Geschichte ist eine Lehrerzählung über Pfändungsrecht. Er trug im 19. Jahrhundert Rot, nicht Grün. Das Buch, das ihn berühmt machte, hat sein Herausgeber verloren und von Freunden neu schreiben lassen, und die Brüder Grimm haben es übersetzt. Und als Walt Disney Irlands größtes Erzählarchiv angeboten bekam, entschied er sich für ein amerikanisches Kinderbuch. Teil 2 des Irland-Specials: die Geschichte einer Figur, an der viele Hände gearbeitet haben. Quellen — Jacopo Bisagni, "Leprechaun: a new etymology", Cambrian Medieval Celtic Studies 64 (2012), S. 47–84. Die Kernquelle der Folge. Weist nach, dass die älteste handschriftliche Form lupracán lautet, zeigt, dass die Deutung als „kleiner Körper" sprachlich kaum haltbar ist, und leitet das Wort von den Luperci ab, die irische Gelehrte über Augustinus als Volk von Gestaltwandlern verstanden. Enthält auch die Kritik an Binchys Datierung der Fergus-Saga ins achte Jahrhundert. — D. A. Binchy, "The Saga of Fergus mac Léti", Ériu 16 (1952), S. 33–48. Die Standardedition der Fergus-Saga; Quelle für die traditionelle Etymologie und Datierung. — Neil McLeod, "Fergus mac Léti and the Law", Ériu 61 (2011), S. 1–28. Zeigt, dass die Fergus-Saga als juristische Lehrerzählung zum Pfändungsrecht konstruiert ist. — Simon Rodway, "Mermaids, Leprechauns, and Fomorians: A Middle Irish Account of the Descendants of Cain", Cambrian Medieval Celtic Studies 59 (2010), S. 1–17. Edition der Erzählung von Ambia, der Sirene, und Becnait, der Mutter der Leprechauns. — Diarmuid Ó Giolláin, "An Leipreachán san Ainmníocht", Béaloideas 50 (1982), S. 126–150, und "The Leipreachán and Fairies, Dwarfs and the Household Familiar: A Comparative Study", Béaloideas 52 (1984), S. 75–150. Die grundlegende volkskundliche Untersuchung, gestützt auf über dreihundert Handschriften des irischen Folklore-Archivs; ordnet den Leprechaun den Zwergen und Hausgeistern zu statt dem Feenvolk. — Maureen Murphy, "Croker, Thomas Crofton", Dictionary of Irish Biography. Quelle für den Verlust des Manuskripts, die Mitautoren, die Auflagengeschichte und die spätere Kritik. — Thomas Keightley, The Fairy Mythology (spätere Auflage). Enthält Keightleys Eingeständnis, The Soul Cages nach einer Sage der Brüder Grimm erfunden zu haben. — Jacob und Wilhelm Grimm (Übers.), Irische Elfenmärchen, Leipzig 1826. Übersetzung von Crokers Sammlung mit der Einleitung „Über die Elfen". — Frank Kinahan, "Armchair Folklore: Yeats and the Textual Sources of Fairy and Folk Tales of the Irish Peasantry", Proceedings of the Royal Irish Academy 83C (1983), S. 255–267. Verfolgt Yeats' Feen-Klassifikation über McAnally zurück zu O'Hanlon. — Tony Tracy, "When Disney Met Delargy: 'Darby O'Gill' and the Irish Folklore Commission", Béaloideas 78 (2010), S. 44–60. Die Hauptquelle für das Killarney-Kapitel. — Diane Negra (Hrsg.), The Irish in Us: Irishness, Performativity, and Popular Culture, Durham 2006. Hintergrund für die Deutung der modernen Leprechaun-Figur als Nachfahre anti-irischer Karikaturen. — General Mills, "The History of Lucky Charms"; Atlas Obscura zu Waldo the Wizard. Quellen für Einführung und zeitweiligen Austausch des Lucky-Charms-Maskottchens. — Dáil Éireann, Debatte vom 11. Dezember 1963. John A. Costellos Kritik an der irischen Tourismuswerbung. Nächste Folge: Der Auftakt der neuen Reihe über die Brüder Grimm.