Blanker Horror

Heinz Christian Frickenschmidt

Dein Kanal für Geheimnisvolle Geschichten, mysteriöse Ereignisse, das Dunkle und Makabre. Geistergeschichten,  Desaster, Tragödien, Vermisste Menschen, Kriminalfälle und vieles mehr.

  1. 5d ago

    Woher der Leprechaun wirklich kommt — was die Forschung sagt (Irland-Special 2/2)

    Letzte Woche haben wir die alten Geschichten erzählt. Heute fragen wir, wer sie geschrieben hat. Der Leprechaun ist vermutlich nicht nach seinem „kleinen Körper" benannt, sondern nach römischen Priestern, die irische Mönche für ein Volk von Wolfsmenschen hielten. Seine älteste Geschichte ist eine Lehrerzählung über Pfändungsrecht. Er trug im 19. Jahrhundert Rot, nicht Grün. Das Buch, das ihn berühmt machte, hat sein Herausgeber verloren und von Freunden neu schreiben lassen, und die Brüder Grimm haben es übersetzt. Und als Walt Disney Irlands größtes Erzählarchiv angeboten bekam, entschied er sich für ein amerikanisches Kinderbuch. Teil 2 des Irland-Specials: die Geschichte einer Figur, an der viele Hände gearbeitet haben. Quellen — Jacopo Bisagni, "Leprechaun: a new etymology", Cambrian Medieval Celtic Studies 64 (2012), S. 47–84. Die Kernquelle der Folge. Weist nach, dass die älteste handschriftliche Form lupracán lautet, zeigt, dass die Deutung als „kleiner Körper" sprachlich kaum haltbar ist, und leitet das Wort von den Luperci ab, die irische Gelehrte über Augustinus als Volk von Gestaltwandlern verstanden. Enthält auch die Kritik an Binchys Datierung der Fergus-Saga ins achte Jahrhundert. — D. A. Binchy, "The Saga of Fergus mac Léti", Ériu 16 (1952), S. 33–48. Die Standardedition der Fergus-Saga; Quelle für die traditionelle Etymologie und Datierung. — Neil McLeod, "Fergus mac Léti and the Law", Ériu 61 (2011), S. 1–28. Zeigt, dass die Fergus-Saga als juristische Lehrerzählung zum Pfändungsrecht konstruiert ist. — Simon Rodway, "Mermaids, Leprechauns, and Fomorians: A Middle Irish Account of the Descendants of Cain", Cambrian Medieval Celtic Studies 59 (2010), S. 1–17. Edition der Erzählung von Ambia, der Sirene, und Becnait, der Mutter der Leprechauns. — Diarmuid Ó Giolláin, "An Leipreachán san Ainmníocht", Béaloideas 50 (1982), S. 126–150, und "The Leipreachán and Fairies, Dwarfs and the Household Familiar: A Comparative Study", Béaloideas 52 (1984), S. 75–150. Die grundlegende volkskundliche Untersuchung, gestützt auf über dreihundert Handschriften des irischen Folklore-Archivs; ordnet den Leprechaun den Zwergen und Hausgeistern zu statt dem Feenvolk. — Maureen Murphy, "Croker, Thomas Crofton", Dictionary of Irish Biography. Quelle für den Verlust des Manuskripts, die Mitautoren, die Auflagengeschichte und die spätere Kritik. — Thomas Keightley, The Fairy Mythology (spätere Auflage). Enthält Keightleys Eingeständnis, The Soul Cages nach einer Sage der Brüder Grimm erfunden zu haben. — Jacob und Wilhelm Grimm (Übers.), Irische Elfenmärchen, Leipzig 1826. Übersetzung von Crokers Sammlung mit der Einleitung „Über die Elfen". — Frank Kinahan, "Armchair Folklore: Yeats and the Textual Sources of Fairy and Folk Tales of the Irish Peasantry", Proceedings of the Royal Irish Academy 83C (1983), S. 255–267. Verfolgt Yeats' Feen-Klassifikation über McAnally zurück zu O'Hanlon. — Tony Tracy, "When Disney Met Delargy: 'Darby O'Gill' and the Irish Folklore Commission", Béaloideas 78 (2010), S. 44–60. Die Hauptquelle für das Killarney-Kapitel. — Diane Negra (Hrsg.), The Irish in Us: Irishness, Performativity, and Popular Culture, Durham 2006. Hintergrund für die Deutung der modernen Leprechaun-Figur als Nachfahre anti-irischer Karikaturen. — General Mills, "The History of Lucky Charms"; Atlas Obscura zu Waldo the Wizard. Quellen für Einführung und zeitweiligen Austausch des Lucky-Charms-Maskottchens. — Dáil Éireann, Debatte vom 11. Dezember 1963. John A. Costellos Kritik an der irischen Tourismuswerbung. Nächste Folge: Der Auftakt der neuen Reihe über die Brüder Grimm.

    Woher der Leprechaun wirklich kommt — was die Forschung sagt (Irland-Special 2/2)
  2. Sep 25

    Die alten Leprechaun-Geschichten: Nimm die Augen nicht von ihm! (Irland-Special 1/2)

    Vergiss den grünen Anzug. Vergiss den Regenbogen. In seinen ältesten Geschichten ist der Leprechaun kein Maskottchen, sondern ein einsames, gerissenes und gelegentlich mörderisches Wesen. Er kommt aus dem Meer, um schlafende Könige zu ertränken. Er wohnt im Weinkeller und weigert sich auszuziehen. Und er gewinnt jedes einzelne Mal, nicht durch Kraft, sondern weil er genau weiß, wohin ein Mensch schaut, wenn man ihn ablenkt. Teil 1 des Irland-Specials ist eine Märchenstunde in Überlänge. Keine Analyse, keine Einordnung, nur die Geschichten, so wie man sie sich in Irland erzählt hat. Die Einordnung kommt in Teil 2. Quellen — D. A. Binchy, "The Saga of Fergus mac Léti", Ériu 16 (1952), S. 33–48. Die maßgebliche Edition und Übersetzung der altirischen Erzählung, in der die lúchorpáin auftreten. Binchys Übersetzung liegt der Nacherzählung in Kapitel I zugrunde, einschließlich der Einzelheiten zum Blasebalg-Vergleich, zum siebenjährigen Verschweigen des Makels und zu Fergus' letzten Worten. — Thomas Crofton Croker, Fairy Legends and Traditions of the South of Ireland, London 1825. Die früheste große Sammlung irischer Feenerzählungen. Aus ihr stammen drei der heutigen Geschichten: "The Haunted Cellar" (Ballinacarthy und Naggeneen), "The Field of Boliauns" (Tom Fitzpatrick) und "The Little Shoe" (Molly Cogan). Croker verwendet für all diese Wesen durchgehend das Wort Cluricaune. — Thomas Crofton Croker, "Seeing is Believing", ebenda. Quelle für die Erzählung der Moirna Hogaune sowie für die Erläuterungen zum spré na skillenagh und zum Trick mit den zwei Börsen. — Lady Morgan, O'Donnel: A National Tale, London 1814. Von Croker in den Anmerkungen zitiert; enthält die Beschreibung des Wesens als Hüter von Schätzen, die "in den Unruhen" vergraben wurden, und die Erklärung, warum jede Markierung, die man setzt, sich über Nacht vervielfacht. — D. R. McAnally Jr., Irish Wonders, Boston 1888. Quelle für die regionalen Varianten in Kapitel VI: der nordirische Leprechaun, der Lurigadawne von Tipperary, der Luricawne von Kerry, der Cluricawne von Monaghan und die Friesmantel-Fassung der Westküste. — W. B. Yeats (Hrsg.), Fairy and Folk Tales of the Irish Peasantry, London 1888. Ordnet den Lepracaun zusammen mit Cluricaun und Far Darrig unter die "einzelgängerischen Feen" ein — eine Einteilung, auf die wir in Teil 2 zurückkommen. Teil 2 folgt: Woher der grüne Anzug kommt, wer ihn dem Leprechaun angezogen hat, und was ein amerikanisches Filmstudio damit zu tun hat. ----Kanalmitglied werden:https://www.youtube.com/channel/UCVOHv0EU1d-B5szK53LumEA/join-----Author: Cris FrickenschmidtMehr zu "Blanker Horror": www.blankerhorror.de

    Die alten Leprechaun-Geschichten: Nimm die Augen nicht von ihm! (Irland-Special 1/2)
  3. Sep 18

    Trolle – Teil 2: Warum Norwegens mythische Riesen immer verlieren müssen.

    Letztes Mal haben ich nur erzählt. Diesmal betrachten wir das alles einmal ausgiebig. Teil 2 meines Norwegen-Specials fragt nach dem Warum hinter den Trollsagen: Woher kommt der Troll? Warum tötet ihn die Sonne? Warum flieht er vor der Kirchenglocke? Was stand wirklich an jener Wiege – und warum verliert dieses übermächtige Wesen in fast jeder Geschichte? Eine Reise durch Etymologie, Nationalromantik und den ehrlichsten, dunkelsten Volksglauben Norwegens.📚 QUELLEN & ZUM WEITERLESEN Ármann Jakobsson, Arbeiten zur Bedeutung des Wortes „troll" im Mittelalter (u. a. The Troll Inside You, 2017) – zur Breite des altnordischen Begriffs. Vladimir Orel, A Handbook of Germanic Etymology (2003) – zur Herkunft von trǫll und zum Verhältnis zu jötunn und þurs. Andreas Faye, Norske Folke-Sagn (1833/1844) – die frühe Grundsammlung der Ortssagen. Peter Christen Asbjørnsen & Jørgen Moe, Norske Folkeeventyr (ab 1841); Asbjørnsen, Norske Huldreeventyr og Folkesagn (1845–48) – Ursprung der Unterscheidung von eventyr und sagn/huldreeventyr. Oscar J. Falnes, National Romanticism in Norway (1933) – zum Zusammenhang von Folklore und nationaler Identität nach 1814. Reidar Th. Christiansen, The Migratory Legends (1958) – Standardkatalog norwegischer Wandersagen (Versteinerung, Kirchensagen, Wechselbalg). D. L. Ashliman, Studien und Textsammlung zum Wechselbalg – zur Deutung des Glaubens als Erklärungsmodell für nicht gedeihende und behinderte Kinder. Zur Bildtradition: Theodor Kittelsen (1857–1914) und Erik Werenskiold (1855–1938).----Kanalmitglied werden :https://www.youtube.com/channel/UCVOHv0EU1d-B5szK53LumEA/join-----Author: Cris FrickenschmidtMehr zu "Blanker Horror": www.blankerhorror.de

    Trolle – Teil 2: Warum Norwegens mythische Riesen immer verlieren müssen.
  4. Sep 11

    Trolle – Teil 1: Warum Norwegens Berge Gesichter haben

    Norwegen ist voll von Trollen. Man muss nur wissen, wie man die Berge liest. In diesem ersten Teil unseres Norwegen-Specials gibt es keine Analyse, keine Erklärung – nur Geschichten. Eine ganze Märchenstunde in doppelter Länge: die großen Versteinerungssagen der Küste, die klassischen Troll-Märchen von Asbjørnsen & Moe und der uralte Glaube vom Kind in der Wiege. Die Deutung folgt in Teil 2, in der nächsten Woche. Setz dich, mach das Licht klein, und komm mit hinauf in die Berge. 📚 QUELLEN & ZUM WEITERLESENDie heute erzählten Märchen stammen aus der klassischen Sammlung von Peter Christen Asbjørnsen & Jørgen Moe, Norske Folkeeventyr (ab 1841 ff.): „De tre bukkene Bruse" (Die drei Böcke Bruse), „Askeladden som kappåt med trollet" (Der Junge, der mit dem Troll um die Wette aß), „Risen som ikke hadde noe hjerte på seg" (Der Troll/Riese ohne Herz) und „Kjetta på Dovre" (Die Katze von Dovre).– Andreas Faye, Norske Folke-Sagn (1833/1844) – die frühe Grundsammlung norwegischer Ortssagen und des Volksglaubens.– Reidar Th. Christiansen, The Migratory Legends (1958) – der Standardkatalog norwegischer Wandersagen, u. a. zu Versteinerung, Wechselbalg und Kirchenglocken.– Die Torghatten-/Sieben-Schwestern-Sage ist die bekannte Ortssage der Helgeland-/Nordlandküste (Brønnøysund, Alsten, Leka, Lofoten).– Zur Bildtradition: Theodor Kittelsen (1857–1914), der Norwegens Trollbild bis heute prägt.Hinweis: Diese Folge erzählt die Sagen nach. Die Herkunft, Deutung und Quellenkritik behandeln wir ausführlich in Teil 2. 🔔 Teil 2 (die Analyse) folgt in Kürze. Abonniert, um ihn nicht zu verpassen.🎧 Blanker Horror gibt es auch als Podcast auf Spotify, Apple Podcasts und podcast.de. #Trolle #NorwegischeSagen #Folklore #Mythologie #Norwegen #Märchen #BlankerHorror ----Kanalmitglied werden :https://www.youtube.com/channel/UCVOHv0EU1d-B5szK53LumEA/join-----Musik: LuvcraftAuthor: Cris FrickenschmidtMehr zu "Blanker Horror": www.blankerhorror.de

    Trolle – Teil 1: Warum Norwegens Berge Gesichter haben
  5. Sep 3

    Die Hexen von Zugarramurdi :7.000 Angeklagte, ein Skeptiker. Wie Spanien den Hexenwahn beendete!

    Im November 1610 verbrennt die Spanische Inquisition in Logroño Menschen aus dem baskischen Dorf Zugarramurdi als Teufelsanbeter – der Höhepunkt des größten Hexenprozesses der Geschichte, bei dem am Ende rund 7.000 Menschen unter Verdacht geraten. In dieser Folge verfolgen wir, wie aus einer zurückgekehrten Nachbarin mit einer Geschichte eine Lawine aus Angst, Geständnissen und Scheiterhaufen wird – und wie ausgerechnet ein Inquisitor, Alonso de Salazar Frías, „der Anwalt der Hexen", mit nichts als Beweisen und einer einzigen Frage den Wahn zum Stillstand bringt. Eine Geschichte darüber, wer die Hexe erfindet, warum Menschen gestehen, was sie nie getan haben – und wie selten der Mut zum Zweifel ist. 📚 QUELLEN & WEITERFÜHRENDE LITERATUR Gustav Henningsen, The Witches' Advocate. Basque Witchcraft and the Spanish Inquisition, 1609–1614 (University of Nevada Press 1980) – das grundlegende Standardwerk zum Fall; prägte den Beinamen „Anwalt der Hexen".Gustav Henningsen (Hrsg.), The Salazar Documents. Inquisitor Alonso de Salazar Frías and Others on the Basque Witch Persecution (Brill 2004) – Salazars fünf Berichte an die Suprema (1612–1614) in zweisprachiger Edition.Emma Wilby, Invoking the Akelarre. Voices of the Accused in the Basque Witch-Craze, 1609–1614 (Sussex Academic Press 2019) – neuere Nahlesung der Geständnisse und der vorchristlichen baskischen Schicht.Lu Ann Homza, Village Infernos and Witches' Advocates. Witch-Hunting in Navarre, 1608–1614 (Penn State University Press 2022) – die dörflichen Sozialdynamiken und die Logik des Geständnisses.Pierre de Lancre, Tableau de l'inconstance des mauvais anges et démons (1612) – die einflussreiche, ausschweifende Sabbat-Schilderung des französischen Richters; Quelle für das „Drehbuch" der Epoche.Instruktionen der Suprema von 1614 – die von Salazars Berichten geprägte Anweisung, die Hexenhinrichtungen in Spanien faktisch beendete.Zur baskischen Mythologie (Mari, Akerbeltz, sorginak): die ethnografischen Sammlungen von José Miguel de Barandiarán (1889–1991).----Kanalmitglied werden:https://www.youtube.com/channel/UCVOHv0EU1d-B5szK53LumEA/join-----Author: Cris FrickenschmidtMehr zu "Blanker Horror": www.blankerhorror.de

    Die Hexen von Zugarramurdi :7.000 Angeklagte, ein Skeptiker. Wie Spanien den Hexenwahn beendete!
  6. Aug 28

    Der Trommler von Tedworth – Spuk oder Schwindel? Der erste Poltergeist Englands.

    Wiltshire, 1662: Ein Friedensrichter nimmt einem fahrenden Bettler die Trommel weg – und danach trommelt es zwei Jahre lang in seinem Haus. Aus dem Nichts. Der „Trommler von Tedworth" gilt als der erste dokumentierte Poltergeist Englands. Doch hinter dem Spuk steckt ein viel größerer Kampf: um Gott, um die Seele und um die Frage, wer entscheiden darf, was wirklich geschehen ist. In dieser Folge graben wir unter der Gruselgeschichte und fragen, was diese ganze Reihe zusammenhält: Wer erzählt eine Geschichte – und warum? Quellen & weiterführende Literatur (Auswahl) Joseph Glanvill, A Blow at Modern Sadducism (1668) und Saducismus Triumphatus (posthum 1681, hrsg. von Henry More) – die zentralen zeitgenössischen Berichte, die den Fall überhaupt berühmt machten.John Webster, The Displaying of Supposed Witchcraft (1677) – die skeptische Gegenschrift zu Glanvill.Samuel Pepys, Tagebuch, Eintrag vom 25. Dezember 1667 – zeitgenössische Rezeption des Falls.Increase Mather, An Essay for the Recording of Illustrious Providences (1684) und George Sinclair, Satans Invisible World Discovered (1685) – die Weiterverbreitung des Falls, bis nach Neuengland.Joseph Addison, The Drummer; or, The Haunted House (1716) – die komödiantische, rationalisierende Bühnenfassung.Charles Mackay, Extraordinary Popular Delusions and the Madness of Crowds (1841) – die Deutung als Betrug.Michael Hunter, „New light on the 'Drummer of Tedworth': conflicting narratives of witchcraft in Restoration England", Historical Research 78 (2005), S. 311–353 – die maßgebliche moderne Studie, die die frühen, teils ungedruckten Fassungen des Falls offenlegt.Owen Davies, The Haunted: A Social History of Ghosts (2007) – historische Einordnung der Poltergeist-Überlieferung. #Poltergeist #Tedworth #Spukhaus #Folklore #Geistergeschichte #BlankerHorror ----Kanalmitglied werden:https://www.youtube.com/channel/UCVOHv0EU1d-B5szK53LumEA/join-----Author: Cris FrickenschmidtMehr zu "Blanker Horror": www.blankerhorror.de

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  7. Aug 21

    Lamia, Lilith, Lamaschtu: Die Dämonin, die niemand loswird

    Sie steht am Wegrand, sie ist schön, sie liebt dich — und sie mästet dich, um dein Blut zu trinken. Die Lamia ist eine der ältesten Schreckgestalten der Menschheit und zugleich eine der traurigsten. In dieser Folge folgen wir ihr von einer antiken Vampirbraut in Korinth über eine libysche Königin, der eine eifersüchtige Göttin alle Kinder nahm, bis hinab zu den Flüssen Mesopotamiens, wo ihre Urahnin Lamaschtu schon tausend Jahre früher gefürchtet wurde. Und wir fragen, was diese Dämonin über eine Angst verrät, die nie verschwunden ist – die Angst um die Kinder, den Tod ohne Grund, und die Frau, der man das Gesicht des Ungeheuers gab. 📚 QUELLEN & WEITERFÜHRENDE LITERATUR • Duris von Samos (um 280 v. Chr.), Fragment (FGrH 76 F 17) – überliefert die archetypische Lamia-Sage von der libyschen Königin, Tochter des Belos. • Aristophanes, Der Frieden (421 v. Chr.) und Scholien dazu – früheste literarische Erwähnungen; der Scholiast leitet den Namen von laimós („Schlund") her. • Diodor von Sizilien, Bibliotheke 20,41 (um 30 v. Chr.) – rationalisierte Fassung der Lamia als grausame, trunksüchtige Königin; Deutung der „herausnehmbaren Augen". • Plutarch, Über die Neugier 2 (um 100 n. Chr.) – die Fabel von den Augen, die die Lamia in ein Gefäß legt. • Philostrat, Das Leben des Apollonios von Tyana 4,25 (um 220 n. Chr.) – die Vampirbraut von Korinth und Menippos; nennt das Wesen Empousa/Lamia. • Antoninus Liberalis, Metamorphosen 8 (um 150 n. Chr., nach Nikander) – die Sage von der Lamia/Sybaris am Berg Kirphis bei Delphi und ihrer Tötung durch Eurybatos. • Statius, Thebais 1,562–669 (92 n. Chr.) – das kindermordende Scheusal, das Apollon gegen Argos sendet und das der Held Koroibos erschlägt. • Byzantinische Sisinnios-/Gyllou-Beschwörungstexte – die Dämonin muss ihre „zwölfeinhalb Namen" preisgeben; Hintergrund der Schutzamulette gegen Kindstod. • Sappho, Fragment 178 (um 600 v. Chr.) – früheste Nennung der verwandten Gello. • Hieronymus, Vulgata, Jesaja 34,14 (um 400 n. Chr.) – übersetzt das hebräische Lilith mit Lamia. • Walter Farber, Lamaštu. An Edition of the Canonical Series (Eisenbrauns 2014) – Standardwerk zur mesopotamischen Vorläuferin Lamaschtu. • Sarah Iles Johnston, Restless Dead. Encounters Between the Living and the Dead in Ancient Greece (University of California Press 1999) – deutet Lamia, Gello und Mormo als „reproductive demons", die Geister der zu früh oder im Kindbett Gestorbenen. • John Keats, Lamia (1819), nach Robert Burton, The Anatomy of Melancholy (1621) – prägt das moderne Bild der schlangengestaltigen Verführerin. Anmerkung: Die antiken Quellen widersprechen sich in vielen Einzelheiten. Dieses Video gibt die wichtigsten Überlieferungsstränge wieder ----Kanalmitglied werden:https://www.youtube.com/channel/UCVOHv0EU1d-B5szK53LumEA/join-----Author: Cris FrickenschmidtMehr zu "Blanker Horror": www.blankerhorror.de

    Lamia, Lilith, Lamaschtu: Die Dämonin, die niemand loswird
  8. Aug 14

    Das Haus der Toten: Das jahrtausendealte Geheimnis der Moura

    Am Rand einer Quelle, in der kürzesten Nacht des Jahres, sitzt eine Frau von unwirklicher Schönheit und kämmt ihr goldenes Haar. Sie bietet dir einen Schatz – für einen einzigen Kuss ohne Angst. Fast niemand besteht diese Probe. Die Moura Encantada ist eine der bekanntesten Gestalten der portugiesischen und galicischen Volkssage – und zugleich eine der am meisten missverstandenen. In dieser Folge folgen wir ihr von der Quelle bis in echte, aufgegrabene Gräber und entdecken, dass ihr Name eine ganz andere Geschichte erzählt als die von der maurischen Prinzessin: eine Geschichte über die Toten, über das Umbenennen der Besiegten – und darüber, warum manche Grenzen nicht überschritten werden dürfen. 📚 QUELLEN & WEITERFÜHRENDE LITERATUR • José Leite de Vasconcelos, Tradições Populares de Portugal (1882) – Grundwerk der portugiesischen Ethnografie; liefert die klassische Definition der Moura als Wesen in „Belagerungszustand" und die Vermutung einer Verschmelzung mit älteren Quell- und Naturgottheiten. • José Leite de Vasconcelos, Etnografia Portuguesa (posthum 1933–1988) – vielbändiges Standardwerk; ordnet die Moura in den weiteren Kontext des Volksglaubens ein. • Zófimo Consiglieri Pedroso, Contribuições para uma Mitologia Popular Portuguesa (1882) – bezeichnet die Mouras als „weibliche Wassergeister". • Teófilo Braga, Contos Tradicionais do Povo Português (1883) – frühe Sammlung der Erzählstoffe, u. a. Varianten der Entzauberungssagen. • Alexandre Herculano, Lendas e Narrativas (1851) – literarische Bearbeitung der Reconquista-Legende von der maurischen Prinzessin. • Francisco Martins Sarmento – Ausgrabungen der Citânia de Briteiros (ab 1875); nutzte Moura-Sagen und -Flurnamen als Hinweis auf lusitanische und keltiberische Fundstätten. • Isidoro Millán – philologische Herleitung von Mouro/Moura aus der keltischen Wurzel mrvos („der/die Tote"), verwandt mit lat. mortuus. • Isabel Cardigos, The Enchanted Calendar of the Mouras Encantadas – Deutung der Schlangenfrau als der „unverfügbaren" Frau und Analyse, warum die Erlösung strukturell scheitern muss. Anmerkung: Volkssagen existieren in unzähligen regionalen Varianten. Dieses Video gibt die verbreitetsten Motive wieder.

    Das Haus der Toten: Das jahrtausendealte Geheimnis der Moura

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