eMobility Insights - der Podcast von electrive

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Hier hören Sie, was hinter den Kulissen der Elektromobilität passiert: Spannende Interviews mit ExpertInnen und EndscheiderInnen, Hintergrundinfos zu aktuellen Debatten und die großen Trends der Elektromobilität.

  1. Wie können Städte und Gemeinden Elektromobilität ideal fördern?

    FEB 22

    Wie können Städte und Gemeinden Elektromobilität ideal fördern?

    Hohe Rabatte, neue Förderung, politische Richtungswechsel – und mittendrin die Städte. Wie gelingt Elektromobilität dort, wo sie am sichtbarsten ist: im urbanen Raum? In der neuen Episode von „eMobility Insights“ spricht electrive-Chefredakteur Peter Schwierz mit Christoph Steinkamp, Geschäftsführer von hySOLUTIONS, über Hamburg als Reallabor der Verkehrswende – und über die Frage, was andere Kommunen daraus lernen können. Hamburg steht beim Hochlauf der Elektromobilität über dem Bundesschnitt. Mehr als 43.000 E-Pkw sind unterwegs, der Anteil wächst kontinuierlich. Für Steinkamp ist das kein Zufall, sondern Ergebnis strategischer Steuerung: frühzeitiger Ausbau der Ladeinfrastruktur, klare politische Zielsetzungen und eine Verwaltung, die nicht nur reguliert, sondern selbst vorangeht. „Wir sind, was die Elektrifizierung des Pkw-Bestands angeht, über dem Bundesschnitt – und das trägt sich seit Jahren“, sagt er. Doch in der „Bubble“ der Elektromobilität ist Geduld Mangelware. Und deshalb hätte auch Steinkamp noch viel mehr erreicht: „Man denkt immer, es könnte alles schneller gehen.“ Besonders eindrucksvoll ist der Blick auf einzelne Nutzergruppen. Hamburg hat den Taximarkt konsequent elektrifiziert – mit Förderanreizen, Übergangsfristen und klaren Vorgaben. Das Ergebnis: Ein Viertel der Taxis fährt bereits elektrisch. Und das ohne Proteste! „Hättest du mich vor fünf Jahren gefragt, hätte ich mit einer großen Taxidemo gerechnet“, so Steinkamp. „Aber wir haben das kommunikativ gut begleitet – und die Branche kann rechnen.“ Auch bei Bussen, Carsharing, Hafenlogistik und sogar im Fährverkehr auf Elbe und Alster geht Hamburg elektrische Wege. Reine Batteriefähren sind bestellt, die Ladeinfrastruktur für den Schwerlastverkehr wird datenbasiert geplant und Ladehubs entstehen dort, wo sie tatsächlich gebraucht werden. Eine Erkenntnis aus Hamburg gilt für Pkw wie Lkw gleichermaßen: Nicht jede Ladesäule gehört in den öffentlichen Raum. „Wenn wir bei ‚Wünsch dir was‘ wären, würde ich Ladeinfrastruktur am liebsten nur auf halböffentlichen Flächen aufbauen – dann hätten wir den öffentlichen Raum für andere Zwecke.“ Aber das reicht natürlich insbesondere für private E-Autos nicht aus. Deshalb baut auch Hamburg – mit sechs Anbietern – weiterhin kontinuierlich aus. Gleichzeitig zeigt das Gespräch mit Christoph Steinkamp, wie fragil der Fortschritt ist. Politische Signale aus Berlin sorgen für Verunsicherung. „Warum soll ich mir jetzt ein Elektrofahrzeug zulegen, wenn gleichzeitig über Technologieoffenheit im Pkw-Verkehr gesprochen wird?“, fragt Steinkamp. Sein Appell an die Bundespolitik ist deutlich: „Im Pkw-Verkehr noch über Technologieoffenheit zu sprechen, ist nicht hilfreich – auch nicht für die deutsche Automobilwirtschaft.“ Die Hamburger Bevölkerung hat sich unterdessen mit einem erfolgreichen Volksentscheid noch ambitioniertere Klimaziele gesetzt: Klimaneutralität bis 2040. Das erhöht den Druck – und macht deutlich, dass Elektromobilität in der Hansestadt vom „Nice-to-have“ zum „New Normal“ werden muss. Nur so lässt sich der CO2-Ausstoß senken. Wie Städte regulatorisch steuern können, warum Wettbewerb bei Ladeinfrastruktur entscheidend ist, welche Rolle Parkraum spielt – und weshalb selbst Toiletten an Ladepunkten ein Thema sind – all' das beleuchtet diese Episode mit überraschender Offenheit. Eine Folge für alle, die Elektromobilität nicht nur als Technologie, sondern als kommunale Gestaltungsaufgabe verstehen. Und für alle, die wissen wollen, ob Hamburg wirklich einen Schritt voraus ist – oder einfach nur konsequenter handelt. Und darum geht es auch bei der ersten Hamburger E-Mobilitätskonferenz am 18. März, bei der Experten aus ganz Deutschland und Europa ihre Ideen für die Zukunft teilen.

  2. Wie wollen zwei Rebellen aus der Autoindustrie das Aus vom Verbrenner-Aus stoppen?

    FEB 8

    Wie wollen zwei Rebellen aus der Autoindustrie das Aus vom Verbrenner-Aus stoppen?

    Das geplante Aus für den Verbrennungsmotor ab 2035 erhitzt weiter die Gemüter. In Brüssel könnte die Aufweichung der CO₂-Flottengrenzwerte deutlich schneller durch die EU-Gesetzgebung getrieben werden als gedacht. Doch ausgerechnet aus der deutschen Automobilindustrie selbst kommt nun Widerspruch – laut, organisiert und überraschend klar pro Elektromobilität. In dieser Folge von eMobility Insights spricht electrive-Chefredakteur Peter Schwierz mit Christian Eder und Gregor Schmitt. Beide sind seit Jahrzehnten in der Zuliefererindustrie tätig, beide haben an Schlüsseltechnologien der Elektrifizierung gearbeitet – und beide haben eine Petition gestartet, die sich explizit gegen eine deutsche Abkehr vom EU-weiten Verbrenner-Aus 2035 richtet. Mehr als 27.000 Menschen haben bereits unterschrieben – vor allem aus der Autobranche. Warum setzen sich erfahrene Brancheninsider gegen politische Verwässerungen ein, während Teile der Industrie öffentlich auf Plug-in-Hybride und synthetische Kraftstoffe setzen? Eder und Schmitt sprechen offen über Investitionen, die auf dem Spiel stehen, über verlorene Planungssicherheit – und über Elektromobilitäts-Arbeitsplätze, die ausgerechnet jetzt unter Druck geraten. „Diese Transformation ist seit Jahren beschlossen – sie jetzt aufzuweichen, bringt genau die Unsicherheit, die wir nicht brauchen“, sagt Christian Eder mit Blick auf den politischen Kurswechsel. Gregor Schmitt wird noch deutlicher: „Wir reden hier von Elektromobilitäts-Arbeitsplätzen, die abgebaut werden, weil der politische Rahmen nicht klar ist.“ Das Gespräch geht weit über die Petition hinaus. Es geht um die Realität in Zulieferer-Clustern wie der Region Nürnberg, um gescheiterte Skalierung, um chinesische Wettbewerber – und um die Frage, warum Plug-in-Hybride aus Sicht der Ingenieure eher ein Feigenblatt als eine Zukunftstechnologie sind. „Wenn man Elektromobilität wirklich voranbringen will, bringt der Ausbau der Ladeinfrastruktur mehr als jede Plug-in-Förderung“, so Schmitt. Am Ende steht ein Appell, der selten so aus der Branche selbst zu hören ist: Elektromobilität braucht kein weiteres Zögern, sondern klare Entscheidungen. Oder, wie Eder es formuliert: „Planungssicherheit ist kein ideologischer Wunsch – sie ist die Grundlage dafür, dass Industrie funktioniert.“ Eine Episode über politischen Mut, industrielle Verantwortung und die Frage, ob Deutschland aus früheren Technologiebrüchen gelernt hat. Viel Spaß beim Hören! Und wenn Sie die Petition der beiden Profis unterstützen wollen, bitte hier entlang.

    27 min
  3. Gebrauchte Elektroautos: Warum ticken die Käufer anders?

    JAN 25

    Gebrauchte Elektroautos: Warum ticken die Käufer anders?

    Gebrauchte Elektroautos bleiben bei der neuen Bundesförderung außen vor. Überhaupt kommt der Markt langsamer in Schwung als vielfach erwartet. Doch woran liegt das wirklich? In dieser Ausgabe von eMobility Insights spricht Chefredakteur Peter Schwierz mit Dr. Axel Sprenger, Geschäftsführer von UScale, über die Ergebnisse der großen EV-Gebrauchtwagenstudie. Es ist die vielleicht detaillierteste Untersuchung zum Kaufverhalten von gebrauchten E-Autos überhaupt. Ein zentrales Ergebnis: Gebrauchtwagenkäufer ticken deutlich anders als Neuwagenkäufer! Der wichtigste Unterschied: Während sich Neuwagenkunden häufig für Mittel- und Oberklassemodelle interessieren, suchen Gebrauchtkäufer vor allem Klein- und Kompaktwagen. Genau diese Segmente sind jedoch bislang kaum in relevanten Stückzahlen als gebrauchte E-Autos verfügbar. „Wenn die Fahrzeuge, die gesucht werden, schlicht noch nicht da sind, hilft auch keine Förderung“, bringt Sprenger das Kernproblem auf den Punkt. Hinzu kommt eine neue Käufergruppe mit deutlich geringerem Vorwissen zur Elektromobilität. Viele Gebrauchtwagenkäufer entscheiden sich spontan – und treffen dabei oft auf Verkäufer, die selbst noch nicht ausreichend geschult sind. „Da haben wir eine ungünstige Melange aus wenig informierten Kunden und nicht ausreichend vorbereiteten Verkäufern“, so Sprenger. Bei den Kaufmotiven ähneln sich Neu- und Gebrauchtkäufer zunächst: Technologieinteresse, geringere Betriebskosten und Fahrkomfort spielen eine Rolle. Bei Gebrauchten rückt jedoch der Preis klar in den Vordergrund. Variable Kosten wie für Ladestrom oder Wartung werden in der konkreten Kaufentscheidung deutlich weniger berücksichtigt. Gleichzeitig sehen viele Käufer eine Besonderheit von Elektroautos als Vorteil: „Der große Wertverlust ist beim Gebrauchten schon weg.“ Zu den größten Hemmnissen zählen weniger die Reichweite als vielmehr die Ladeleistung älterer Modelle. Den Kunden sei bewusst, dass die Reichweiten gebrauchter Elektroautos nicht so groß sind wie bei Neuwagen mit der aktuellsten Batterietechnik. Daraus folgt eine Ableitung: „Wenn ich häufiger laden muss, wird entscheidend, wie lange das dauert.“ Weitere Unsicherheiten betreffen Batteriealterung, Reparaturfähigkeit, Garantien und die langfristige Ersatzteilversorgung – insbesondere bei Elektroautos, die nur kurz auf dem Markt waren. Ein weiterer entscheidender Unterschied zeigt sich auch beim Laden: Gebrauchtwagenkäufer wohnen häufiger in Städten und können deutlich seltener zu Hause oder am Arbeitsplatz laden. Sie sind stärker auf öffentliche Infrastruktur angewiesen – und genau dort sieht Axel Sprenger den größten Handlungsbedarf. „Das Sorgenkind sind die Städte. Besser als Autos zu fördern, sollte die Politik die Rahmenbedingungen für Ladeinfrastruktur verbessern.“ Förderprogramme für gebrauchte E-Autos bewertet Sprenger daher skeptisch: Sie könnten zwar helfen, seien aber nicht der entscheidende Hebel. Wichtiger seien passende Fahrzeuge, mehr Transparenz zu Batteriezustand und -haltbarkeit, gezielte Schulungen im Handel und Vertrauen durch belastbare Daten. Dass die Bundesregierung also beim neuen Förderprogramm die Gebrauchten ignoriert, ist verkraftbar. Axel Sprenger findet: Der Hochlauf des Elektro-Gebrauchtwagenmarkts braucht Geduld – aber auch konkretes Handeln. „Es gibt viel mehr zu tun, als einfach nur zu warten.“ Schulungen für Händler sowie Aufklärung und Transparenz für die Kunden zum Beispiel.

    27 min
  4. Bremst das Aus vom Verbrenner-Aus das Elektroauto aus?

    JAN 11

    Bremst das Aus vom Verbrenner-Aus das Elektroauto aus?

    In dieser Episode von eMobility Insights spricht electrive-Chefredakteur Peter Schwierz mit Sebastian Bock, Geschäftsführer von Transport & Environment (T&E) Deutschland, über das neue "Auto-Paket" der EU-Kommission und seine Folgen für Elektromobilität, Industrie und Klima. Bock ordnet den kurz vor Weihnachten vorgestellten Vorschlag ein und kommt zu einem kritischen Fazit: Die geplante Flexibilisierung der CO₂-Regulierung schafft vor allem neue Unsicherheit – für Autohersteller, aber auch für das gesamte Ökosystem der Elektromobilität, von Ladeinfrastruktur über Batteriezellfertigung bis hin zum Netzausbau. Investitionssicherheit gehe verloren, während Mobilität für Kunden eher teurer werde. Zudem warnt Bock vor einer realen Klimaschutzlücke, da Einsparungen teilweise doppelt angerechnet würden. Zentral ist die geplante „10-Prozent-Flexibilität“ ab 2035: Statt eines klaren Null-Emissionsziels dürfen Hersteller einen Emissions-„Rucksack“ füllen – etwa mit Plug-in-Hybriden, Range Extendern oder sogar klassischen Verbrennern. Problematisch ist dabei der große Unterschied zwischen Prüfstands- und Realemissionen, insbesondere bei Plug-in-Hybriden, die auf der Straße bis zu fünfmal mehr CO₂ ausstoßen als offiziell angegeben. Entscheidend wird daher die Weiterentwicklung des sogenannten Utility Factors, der reale Fahrdaten stärker berücksichtigen soll – und politisch heftig umkämpft ist. Anhand konkreter Szenarien diskutieren Bock und Schwierz ganz konkret, wie Hersteller von BMW bis Volkswagen die neuen Regeln strategisch nutzen könnten. Bock warnt aber davor, den elektrischen Hochlauf zu verlangsamen. Denn global – insbesondere in China – sei Elektromobilität längst industriepolitische Realität. Ohne klare Regulierung drohe Europa weiter zurückzufallen. Positive Impulse sieht Bock bei den geplanten Super Credits für kleine, in Europa produzierte Elektroautos sowie bei verbindlichen E-Auto-Quoten für große Unternehmensflotten ab 2030. Gerade der Dienstwagenmarkt könne ein starker Hebel für Nachfrage, Gebrauchtwagenmarkt und heimische Produktion sein. Sein Fazit: Elektromobilität wird sich langfristig durchsetzen – die entscheidenden Fragen sind wie schnell und wer davon profitiert. Die aktuelle Debatte um Technologieoffenheit bremst vor allem den Fortschritt und kommt zur Unzeit. Während Europa zögert, setzt China längst konsequent auf die Technologie der Zukunft.

  5. Technologieoffenheit oder Transformation: Wird Stuttgart das neue Detroit?

    11/23/2025

    Technologieoffenheit oder Transformation: Wird Stuttgart das neue Detroit?

    Zulieferer wie ZF und Mahle unter Druck, Mercedes und Porsche nicht mehr auf Elektro-Kurs: Im Vorfeld des nächsten Top-Level-Meetings des Strategiedialogs Automobilwirtschaft Baden-Württemberg spricht electrive-Chefredakteur Peter Schwierz mit Franz Loogen über die vielleicht entscheidendste Phase der deutschen Automobilindustrie. Ein Reality-Check des Geschäftsführers der e-mobil BW nach 8,5 Jahren SDA – mit klaren Worten, nüchternen Zahlen und einem Blick auf das, was wirklich zählt: die Zukunftsfähigkeit im Ländle! 2017 gestartet, sollte der Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg die Branche sicher durch die Transformation führen – hin zu Elektromobilität, Digitalisierung und neuer Wertschöpfung. Es galt, eine Strukturkrise wie in der verfallenen Autometropole Detroit zu vermeiden. Achteinhalb Jahre später steht der SDA vor einem harten Realitätsabgleich – und der ist so kompex wie spannend! Franz Loogen ordnet im Gespräch die Lage ein: globale Überkapazitäten in der Autoindustrie, Local-for-Local-Produktion, geopolitische Verschiebungen, Preis- und Energiefragen, aber auch echte Erfolge aus Baden-Württemberg – von E-Motorenfertigung über Batterierecycling bis hin zu landesweiter Ladeinfrastruktur. Der Experte erklärt, warum die Diskussion um den Verbrenner aus deutscher Perspektive oft verzerrt ist („Physik kann man anmeckern, aber sie geht nicht weg.“), weshalb die Ökologie-Ökonomie-Balance alternativlos bleibt und wieso der Markt trotz aller Debatten klar Richtung Elektroauto fährt. Im zweiten Teil geht es auch um Produktperspektiven: neue E-Modelle aus Deutschland und den realen Fortschritt in der Kundennachfrage etwa. Loogen meint: „Die Leute kaufen kein E-Auto oder Verbrenner – sie kaufen ein Auto. Das Produkt muss überzeugen!“ Außerdem geht es um die Frage, ob die Zulieferer entlang des Neckars wirklich bereit sind – oder ob der Strukturwandel härter zuschlägt als gedacht. Franz Loogen ist jedenfalls überzeugt: „Weinen über die Vergangenheit hat noch nie geholfen.“ Dementsprechend erwartet er auch vom Top-Level-Meeting des SDA am Mittwoch (26.11.2025) frische Visionen für die Zukunft der Mobilität statt Debatten über das Verbrenner-Aus auf EU-Ebene ab 2035. Ein Gespräch über Chancen, Grenzen und die Zukunftsfähigkeit einer Schlüsselindustrie – ohne Schönfärben, aber mit Blick nach vorn.

    42 min
  6. Wie kann man mit Ladestationen und Speichern Geld verdienen?

    11/02/2025

    Wie kann man mit Ladestationen und Speichern Geld verdienen?

    Die Ladeinfrastruktur in Deutschland wächst, allein der Netzausbau hinkt hinterher. Stefan Hahn von ELMI Power hat dafür eine Lösung: Im Podcast erklärt er, wie Batterie-gestützte Ladestationen die E-Mobilität voranbringen – technisch, wirtschaftlich und strategisch. Ein Gespräch über Sektorenkopplung, Netzengpässe und neue Geschäftsmodelle. Als electrive-Chefredakteur Peter Schwierz seinen Gast begrüßt, ist klar: Hier spricht ein Praktiker mit Visionen. Stefan Hahn hat bei Pionieren wie e.Go und StreetScooter gearbeitet, ehe er bei ABB einstieg und nun bei ELMI Power als Director Product Management den Marktstart in Deutschland verantwortet. Wer ELMI Power noch nicht kennt: Das Startup für Batterie-gestützte Schnellladesäulen hat seinen Sitz in Frankfurt und Shanghai und konnte im April eine Seed-Finanzierungsrunde abschließen, die von Sequoia China/HongShan angeführt wurde. Smarte Systeme statt reiner LadepunkteELMI Power versteht sich als Entwickler integrierter Energiesysteme. Hahn erklärt: „Wir produzieren eine Kombination aus schneller Ladeinfrastruktur und Batteriespeicher.“ Ziel sei es, „smarte Energiesysteme in den Markt zu bringen, die neue Geschäftsmodelle ermöglichen“. Dabei geht es nicht nur um Ladeleistung ab 350 kW, sondern um die Verbindung von PV-Anlagen, Pufferspeichern und digitalen Werbeflächen. So entsteht eine vernetzte, wirtschaftlich flexible Infrastruktur, die mehr kann als Strom durchleiten. Ein Kernproblem im Ausbau: der Netzanschluss und seine Kosten! Mittelspannungstransformatoren kosteten bis zu 140.000 Euro, hinzu kommen oft Baukostenzuschüsse an den Netzbetreiber, so dass in Summe bis zu 200.000 Euro zusammen kämen. Zudem dauere die Genehmigung bis zu zwei Jahre. Batteriespeicher ersetzen den teuren Netzausbau und ermöglichen Schnellladen auch bei schwachen Anschlüssen. „Wir können mit einem 40-kW-Netzanschluss dadurch auf 400 kW Ladeleistung puffern.“ Heißt: Man braucht den teuren Netzanschluss gar nicht, spart sich ca. 150.000 Euro und kann bereits nach drei Monaten statt nach zwei Jahren live gehen. Batteriespeicher als Rendite-BoosterDass Batteriespeicher mehr sind als eine Notlösung, zeigt Hahns wirtschaftlicher Ansatz: „Ein Batteriespeicher lädt sich aus dem Netz voll, wenn der Strompreis niedrig ist“, erklärt er. So entstünden Margen durch Arbitrage: „Ich kaufe Strom günstig und verkaufe ihn zu guten Konditionen an Elektroautofahrer.“ Noch lukrativer werde es, wenn PV-Anlagen eingebunden werden. Zudem ermögliche die Integration in den Energiemarkt zusätzlichen Ertrag: „Wir können an der Strombörse handeln – im Day-Ahead- und Intraday-Markt – und mit unserem Speicher Geld verdienen.“ Vom Supermarkt bis zur BaustelleDie Flexibilität der Systeme ist groß. „Wir haben Kunden im Einzelhandel, Flottenbetreiber und Industrieunternehmen“, sagt Hahn. Sogar mobile Varianten für Baustellen seien gefragt: „Da kommt der elektrische Bagger, holt sich seine Schnellladung ab – und in der Zwischenzeit puffert die Batterie wieder.“ Zum Schluss blickt Stefan Hahn nach Asien: Autonome Roboter-Batteriepacks oder der Batterietausch im Lkw-Sektor seien dort längst Standard. Auch Doppel-Ladekabel für höhere Ladeleistungen seien im Einsatz. „Viele Städte sind schon zu 60 bis 100 Prozent elektrifiziert – da sehen wir, wo das weltweit hingehen kann.“ Was ihn wundert, ist das zögerliche Tempo in Deutschland: „Ich habe manchmal das Gefühl, dass man hier zu sehr an der Verbrennungsmaschine festhält.“ Gleichzeitig bleibt er optimistisch: „Wie schnell sich die Technologie verbessert hat, ist Wahnsinn – und wir stehen erst am Anfang.“

    33 min
  7. Elektro-Lkw im Mittelstand: Vom Brummi zum Summi?

    10/12/2025

    Elektro-Lkw im Mittelstand: Vom Brummi zum Summi?

    Strom als Antrieb im Straßengüterverkehr ist kein Selbstläufer. Doch immer mehr mittelständische Speditionen erkennen das Potenzial von Elektro-Trucks – und legen los. Dr. Carl Phillip Tüllmann-de Lima von GP Joule Connect erklärt in unserem Podcast, wie die Umstellung gelingt – vom ersten E-Truck bis zum großen Lkw-Ladepark. Was zunächst simpel klingt – Diesel raus, Strom rein – ist für viele Speditionen ein komplexer Kraftakt. Denn bevor der erste elektrische Lkw bestellt wird, müssen grundlegende Fragen geklärt werden: Wo soll geladen werden? Wie viel Leistung steht zur Verfügung? Und wie integriert man die neue Technik in bestehende Abläufe? Genau dabei hilft GP Joule Connect: „Wir kümmern uns wirklich von A bis Z um Errichtung und Betrieb von Ladeinfrastruktur“, sagt Tüllmann-de Lima. Die Kunden, mit denen GP Joule Connect arbeitet, sind vor allem mittelständische Familienbetriebe. „Da sitzt man mit dem Senior, dem Junior oder dem Schwiegersohn am Tisch – und dort wird entschieden“, beschreibt Tüllmann-de Lima gegenüber electrive-Chefredakteur Peter Schwierz die Zusammenarbeit. Doch was treibt die Unternehmen dabei an? Laut Tüllmann-de Lima ist es ein Mix aus Druck von Kunden, Wirtschaftlichkeit und Technologiereife. Viele Auftraggeber verlangen heute CO₂-arme Transporte. „Die Kunden dieser Familienbetriebe sagen: Wir möchten, dass ihr eure Flotte dekarbonisiert.“ Zudem rechnen sich elektrische Lkw zunehmend – nicht zuletzt wegen Mautbefreiung und sinkender Strompreise. „Die Technik ist da, die Trucks kommen in Serie, die Ladeinfrastruktur steht bereit. Jetzt geht’s wirklich ohne Förderung.“ Wie aber läuft die Elektrifizierung ab? Tüllmann-de Lima geht in unserem Podcast das fiktive, aber typische Beispiel eines Spediteurs mit 20 Sattelzugmaschinen durch. Der erste Schritt: ein ausführliches Gespräch. „Wir fragen: Wo möchtest Du Deine Lkw einsetzen? Wie viele Kilometer fahrt Ihr am Tag? Wie lange können die Fahrzeuge stehen?“ So entsteht ein klares Bild für Ladeleistung, Netzanschluss und Betriebsabläufe. Wichtig sei, auch technische Ansprechpartner vor Ort einzubeziehen. Lange Wartezeiten für Genehmigungen und TrafosNach den ersten E-Trucks bauen die Speditionen meist rasch aus. Und dann ist auch mehr Strom gefragt: „Wenn drei oder vier Trucks mehrmals am Tag laden müssen, braucht man ein Standortkonzept“, so Tüllmann-de Lima. Dabei gehe es vor allem um Netzanschlüsse und Trafostationen, deren Lieferzeiten teils bis zu einem Jahr betragen. „Je früher man sich hinsetzt, desto besser“, rät er. Deshalb empfiehlt GP Joule Connect den Speditionen, Ladeinfrastruktur in Etappen zu planen – mit langfristigen Ausbaupfaden und frühzeitigen Genehmigungen. Neben den technischen Hürden gibt es aber auch viele Chancen. So öffnen einige Speditionen ihre Ladeparks für Nachbarbetriebe – ein Modell, das GP Joule Connect „Depot-Laden Plus“ nennt. „Die kennen sich alle vor Ort, und je früher man ein Angebot schafft, desto mehr kann man sich die angrenzenden Spediteure sichern“, erklärt Tüllmann-de Lima. So entstünden neue Kooperationen, etwa in Form von Genossenschaften wie beim Logistiker TST oder regionalen Ladegemeinschaften. „Aus Mitbewerbern werden Partner.“ Am Ende des Gesprächs blickt der Experte optimistisch in die Zukunft. Der Markt ziehe an, die Auftragsbücher füllten sich. „Ich finde es super – ein richtig guter Drive gerade. Alle haben Bock“, sagt er. Und dann fällt der Satz, der wie eine stille Verpflichtung klingt: „Wir haben die Verantwortung, diese Branche auf den Weg zu bringen und zu begleiten.“

    32 min

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