Wieder einmal sitzen Tom Rottenberg und Egon Theiner im Café Zartl, und wieder einmal bringen sie einen Gast mit, den zumindest der eine der beiden vorher erst googeln musste: Es ist Patrick Hübl-Neschkudla, CEO von Common Labs, Gründer von Pulse Running Vienna und Organisator der Pulse Trail Series. Klingt sperrig, ist aber im Kern eine einfache Geschichte: ein Mann, der 2018 aus einer Bürowette heraus mit dem Laufen begann – "für mich war Laufen, zur Straßenbahn laufen" – und heute eine App baut, die die Wiener Lauf-Community (und später gerne mehr in Österreich und der Welt) sichtbarer machen soll. Bevor "Runs Near You" entstand, experimentierte Hübl-Neschkudla mit der Pulse Trail Series – einem selbstgebauten Eventformat, irgendetwas zwischen klassischem Wettkampf und lockerem Community-Lauf, inklusive eigens entwickeltem NFC-Chip-Zeitmesssystem und einer exklusiven Ausgabe, die Bowling mit Rundenlaufen kombinierte. Die eigentliche App entstand aus einer simplen Beobachtung: Die unzähligen losen Community-Läufe in Wien – rund 20 bis 30 pro Woche, mit einem klaren Cluster im ersten Wiener Bezirk – sind nirgendwo verlässlich gebündelt. Sie leben in Instagram-Storys, die nach 24 Stunden wieder verschwinden. "Runs Near You" will genau das lösen: ein Kalender und eine Karte sein, auf der Läuferinnen und Läufer sehen, was diese Woche in ihrer Nähe läuft. Die eigentliche Schwierigkeit dabei ist ein klassisches Henne-Ei-Problem: Größere Veranstalter wollen zwar sichtbar sein, aber nicht, dass die Konkurrenz vom selben Traffic profitiert. Rund 140 Nutzerinnen und Nutzer zählt die App aktuell, organisch gewachsen, ohne großes Marketing. Besonders profund wird das Gespräch, wenn es um die Schattenseiten der Lauf-Community-Kultur geht. Marken verteilen Goodies, Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden bewusst oder unbewusst zu unbezahlten Markenbotschafterinnen – mit dem Kaffee in der Hand, dem Logo zur Kamera. Träumt auch Patrick von einem großen Exit – so wie einst zwei Studenten mit einer kleinen Laufapp namens Runtastic? Die Antwort kommt ohne Umschweife: Er wolle von seinem Projekt leben können, aber nicht um jeden Preis wachsen. Nach elf Jahren als Software-Entwickler, mit drei Kindern und dem klaren Wunsch, niemandem Rechenschaft schuldig zu sein, der nur aufs schnelle Geld schaut, baut er bewusst langsamer, als es das große Playbook vorschlagen würde. Reinhören lohnt sich, gerade für alle, die selbst überlegen, wie sich Laufgemeinschaft und Kommerz vertragen können, ohne dass eine Seite die andere verschlingt. Weiterlesen: https://runsnearyou.com/ Und herzlichen Dank an RUNNING & Fitness, Österreichs Laufmagazin Nummer eins unterstützt LAUF ALTER in dieser Season 3!