PSYCHOLOGOS

Sara Taubman-Hildebrand

PSYCHOLOGOS ist ein Podcast über das gesamte Spektrum der menschlichen Psyche. Mit wechselnden Gesprächspartner:innen beleuchtet er psychische Gesundheit aus unterschiedlichen Perspektiven – wissenschaftlich fundiert, gesellschaftlich relevant und persönlich erzählt. Ein Podcast mit Tiefe. 

  1. Jun 2

    Genug ist genug. Warum Kinder und Jugend erschöpft sind. Und was wir tun können.

    Laut einer aktuellen Schweizer Jugendstudie (Pro Juventute 2024) fühlt sich jede dritte Person im Jugendalter häufig müde und erschöpft, bei Mädchen ist die Zahl noch höher. Das ist kein Zufall und kein Zeichen einer schwächeren Generation. Dagmar Pauli macht deutlich: Der Takt unserer Gesellschaft ist schlicht zu hoch geworden. Mehr Schulstoff, vollere Stundenpläne, hoher Leistungsdruck, und obendrauf ein digitales Leben, das nie pausiert. Wann ist Erschöpfung normal, wann klinisch? Dagmar Pauli erklärt den entscheidenden Unterschied: Erschöpfung nach Leistung ist gesund. Erschöpfung als Dauerzustand über Wochen und Monate ist ein Warnsignal. Wenn Kinder nicht mehr abschalten können, sich sozial zurückziehen, keine Freude mehr empfinden oder gar lebensmüde Äusserungen machen, dann geht es in Richtung Depression. Dann braucht es Hilfe. Was Eltern konkret tun können Die Psychiaterin gibt ehrliche, praxisnahe Antworten. Erst hinschauen: Ist die Überforderung objektiv (zu viel Stoff, falsches Schulniveau) oder eher subjektiv (Perfektionismus, eigene Ansprüche)? Den Familienalltag ehrlich unter die Lupe nehmen. Herausfinden, was dem Kind wirklich Freude macht, statt pauschal alle Aktivitäten zu streichen. Frühzeitig Gespräche suchen mit der Schule und mit Beratungsstellen. Und: Den eigenen Erwartungen gegenüber dem Kind ehrlich begegnen. Passen meine Vorstellungen überhaupt zu meinem Kind? Das grössere Bild Dagmar Pauli macht keinen Halt vor der systemischen Ebene. Schulen müssen sich fragen, warum immer mehr Jugendliche den Schuldruck als grössten Stressfaktor nennen. Die IV-Statistiken mit psychischen Erkrankungen bei unter 30-Jährigen sind alarmierend. Social Media verstärkt den Druck, weil er dort nahtlos weitergeht, wo die Schule aufhört.Und ihr Schlussgedanke trifft einen Nerv: Wir brauchen keine noch mehr Therapieplätze als einzige Antwort. Wir brauchen eine gesellschaftliche Diskussion darüber, ob „immer mehr, immer besser, immer perfekter“ wirklich ein erstrebenswertes Leitbild ist, für Kinder, Jugendliche und uns alle. Gut genug ist gut genug. Das wäre der erste Schritt. PSYCHOLOGOS ist ein Podcast über das gesamte Spektrum der menschlichen Psyche.  Mit wechselnden Gästen und einem offenen Blick auf psychische Gesundheit. Vielen Dank für deine Unterstützung, damit ich Psychologos auch weiterhin unabhängig produzieren kann.  Support Psychologos: https://www.psychologos.ch/support Twint: +41 76 532 55 80 Danke für deine Unterstützung.

    29 min
  2. Apr 7

    Was taugt KI bei psychischen Problemen?

    Fast alle von uns haben Künstlicher Intelligenz schon sehr persönliche Fragen gestellt. Vielleicht bei Konflikten, bei Sorgen oder auch bei psychischen Belastungen, die tiefer gehen (könnten). Im Gespräch mit Kinder- und Jugendpsychiaterin Dr. med. Dagmar Pauli versuche ich herauszufinden, was KI diesbezüglich leisten kann und welche Gefahren sie bringt. KI kann unterstützen, strukturieren, erste Impulse geben. Sie ist jederzeit verfügbar und für viele eine erste Anlaufstelle. Gerade bei Lebensthemen oder zur ersten Orientierung kann das hilfreich sein. Gleichzeitig zeigen sich aber auch Grenzen, die zentral sind: KI immitiert Menschlichkeit und Nähe, kann aber keine echte Beziehung eingehen. Sie kann bestätigen, ohne ein Gegenüber zu sein. Und sie bleibt ein System, das auf Muster reagiert, nicht auf den Menschen selbst. Das birgt Risiken. Vor allem dann, wenn KI zur primären Anlaufstelle wird. Wenn sie echte Begegnung ersetzt statt ergänzt. Kurzfristig kann sie entlasten, langfristig kann sie Distanz verstärken. Ein weiterer Punkt: KI ist oft stark bestätigend. Das kann sich gut anfühlen. Aber Entwicklung braucht manchmal auch Reibung, Perspektivwechsel, Irritation. Genau hier bleibt die menschliche und auch therapeutische Beziehung unersetzbar. In Therapie-Apps wird KI aber bereits mit Erfolg eingesetzt. Sie kann beispielsweise als erweitertes Tool zwischen den Therapiesitzungen die Patient:innen begleiten und motivieren. Eine spezialisierte KI kann sinnvoll unterstützen, wenn sie in eine therapeutische Beziehung eingebettet ist. Ohne diesen Rahmen bleibt sie vorerst noch eher ein Spiegel. Mit Rahmen kann sie ein Werkzeug sein. PSYCHOLOGOS ist ein Podcast über das gesamte Spektrum der menschlichen Psyche.  Mit wechselnden Gästen und einem offenen Blick auf psychische Gesundheit. Vielen Dank für deine Unterstützung, damit ich Psychologos auch weiterhin unabhängig produzieren kann.  Support Psychologos: https://www.psychologos.ch/support Twint: +41 76 532 55 80 Danke für deine Unterstützung.

    24 min
  3. Mar 10

    Nordliecht - ein Ort für Begegnung

    Das Nordliecht in Zürich ist ein ganz besonderer Ort. Seit über drei Jahrzehnten treffen sich dort Menschen mit psychischen Problemen. Das Nordliecht wird betreut von Fachpersonen. Die Trägerschaft ist die Stiftung Pro Mente Sana, welche sich für die psychische Gesundheit in der Schweiz einsetzt. Die Stiftung finanziert das Nordliecht unter anderem über Spenden.   Das Nordlicht ist vor einiger Zeit umgezogen an die Wehntalerstrasse 400. Einsam ist man im Nordliecht nie. Es gibt Zeitschriften und eine Tageszeitung, Kaffee und Kuchen, einen Arbeitsplatz mit einem Computer und ein Büchergestell mit Büchern und Gesellschaftsspielen.  Ausser am Samstag ist der Treffpunkt täglich geöffnet. Das Küchenteam im Nordliecht zaubert während sechs Tagen einmal täglich eine warme Mahlzeit auf den Tisch. Essen in Gesellschaft tut vielen Menschen gut. Das Zwischenmenschliche steht im Nordliecht im Vordergrund. Für viele Besucher:innen ist der Treffpunkt ein Fixpunkt in der wöchentlichen Struktur. Das gibt Halt. Seit gut zweieinhalb Jahren bietet Pro Mente Sana zudem eine kostenlose und anonyme Walk-In-Beratung im Nordliecht an. Es ist eine interdisziplinäre fachliche (psychosoziale und rechtliche) Beratung ohne Voranmeldung. Eine unglaublich wertvolle Dienstleistung.  Ich war wieder im Nordliecht zu Besuch und habe reportagenartig eingefangen, was ich konnte. Entstanden ist ein authentischer Bericht über einen Treffpunkt, der über die Jahre zur Institution geworden ist. Für alle und insbesondere für Menschen mit psychosozial besonderen Bedürfnissen.  Weitere Informationen: – Nordliecht: Allgemeine Infos, Öffnungszeiten, Menuplan und Spenden: https://promentesana.ch/selbstbestimmt-genesen/alltag-gestalten/nordliecht– Walk-In-Beratung: weiterführende Infos, Öffnungszeiten: https://promentesana.ch/ueber-uns/aktuelles/news/walk-in-beratung-in-zuerich – Aktion Spenden statt Schenken: https://promentesana.ch/mitmachen-und-unterstuetzen/spenden/spenden-statt-schenken – Pro Mente Sana Stiftung: https://promentesana.ch PSYCHOLOGOS ist ein Podcast über das gesamte Spektrum der menschlichen Psyche.  Mit wechselnden Gästen und einem offenen Blick auf psychische Gesundheit. Vielen Dank für deine Unterstützung, damit ich Psychologos auch weiterhin unabhängig produzieren kann.  Support Psychologos: https://www.psychologos.ch/support Twint: +41 76 532 55 80 Danke für deine Unterstützung.

    25 min
  4. Jan 12

    Arbeit & Psychologie III: Was konkret tun, gegen Stress bei der Arbeit

    Chronischer Stress ist kein individuelles Versagen, sondern ein Zustand, der entsteht, wenn Anforderungen dauerhaft die verfügbaren Ressourcen übersteigen. Im Gespräch mit Brian Gardini wird klar: Stress zu normalisieren ist ein wichtiger erster Schritt. Denn erst wenn wir Stress als menschliche Reaktion verstehen, können wir konstruktiv mit ihm umgehen. Brian zeigt konkrete Coping-Strategien auf, die sich unmittelbar in den Alltag integrieren lassen: einfache Atemübung, die Fünf-Sinne-Übung zur Regulation, Bewegung als natürlicher Stresspuffer, Mikropausen etc.. Nicht irgendwann, sondern bewusst eingeplant und getimt. Zentral ist dabei der Gedanke des Energiemanagements: Es geht weniger darum, immer leistungsfähig zu sein, sondern die eigene Energie klug einzuteilen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der organisationalen Ebene. Autonomie, Aufgabenvielfalt und das Gefühl von Kompetenz sind zentrale Schutzfaktoren für Mitarbeitende. Führungskräfte haben hier eine starke Vorbildfunktion. Regelmässige Check-ins, eine ressourcenorientierte Haltung und echte Beziehungsgestaltung machen einen Unterschied. Besonders spannend ist der Blick auf junge Mitarbeitende. Sie bringen neue Erwartungen an Arbeit, Führung und Rahmenbedingungen mit. Brian versteht das nicht als Problem, sondern als gesunden Impuls: Humane Führung, echtes Interesse und der Versuch, junge Menschen zu verstehen, sind heute entscheidender denn je. Ein Gespräch über Stress, das entlastet und zeigt, wie psychische Gesundheit im Arbeitsalltag konkret gefördert werden kann. CAS FHNW: Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz PSYCHOLOGOS ist ein Podcast über das gesamte Spektrum der menschlichen Psyche.  Mit wechselnden Gästen und einem offenen Blick auf psychische Gesundheit. Vielen Dank für deine Unterstützung, damit ich Psychologos auch weiterhin unabhängig produzieren kann.  Support Psychologos: https://www.psychologos.ch/support Twint: +41 76 532 55 80 Danke für deine Unterstützung.

    36 min
  5. 12/16/2025

    Arbeit & Psychologie II: Neue Arbeitsformen - wie können wir die Chancen nutzen?

    New Work verändert unsere Arbeitswelt und fordert uns heraus. Im zweiten Gespräch mit Lea Waldner, Arbeitspsychologin an der FHNW, gehen wir der Frage nach, wie moderne Arbeitsformen gelingen können, ohne dass Mitarbeitende in Erschöpfung, Überforderung oder ständige Erreichbarkeit rutschen. New Work schafft Freiräume: mehr Selbstbestimmung, mehr Autonomie, mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Gleichzeitig steigen aber auch die Anforderungen: klare Abgrenzung fehlt, Schlaf und Erholung geraten unter Druck, mentale Last nimmt zu. Lea Waldner zeigt auf, warum Selbstorganisation und bewusste Abgrenzungsstrategien heute zentrale Schutzfaktoren sind. Physische Trennlinien, soziale Regeln im Team und klare Kommunikationsrituale helfen, Beruf und Privatleben nicht ineinanderfliessen zu lassen. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs: Team-Resilienz. Teams werden widerstandsfähiger, wenn sie… Erwartungen transparent machen und besprecheneine offene Gesprächskultur pflegenpsychologische Sicherheit fördernBeziehungen bewusst stärkenWissen und Modelle miteinander teilenkontinuierlich lernenDenn: Ein gut funktionierendes Team ist eines der wirksamsten Instrumente in der heutigen Arbeitswelt. Gleichzeitig erinnert Lea daran, wie wichtig Eigenverantwortung ist. Es ist entscheidend den eigenen Rahmen einzufordern, Belastungen zu ordnen und sich ehrlich zu fragen: Woher bekomme ich wieder Energie? Nur wer gut für sich sorgt, kann auch im Team kraftvoll wirken. New Work bietet die Chance, das eigene Potenzial zu entfalten, wenn wir lernen, mit inneren und äusseren Grenzen bewusst umzugehen. Weiterbildungsangebote FHNW: FHNW CAS Resilienz: CAS Resilienz – Mensch, Team, Organisation | FHNW Abgrenzung von Privatleben und Erwerbsarbeit: My Digital Balance | FHNW PSYCHOLOGOS ist ein Podcast über das gesamte Spektrum der menschlichen Psyche.  Mit wechselnden Gästen und einem offenen Blick auf psychische Gesundheit. Vielen Dank für deine Unterstützung, damit ich Psychologos auch weiterhin unabhängig produzieren kann.  Support Psychologos: https://www.psychologos.ch/support Twint: +41 76 532 55 80 Danke für deine Unterstützung.

    30 min
  6. 11/18/2025

    Arbeit & Psychologie I: Zwischen Sinngebung und Überforderung

    In der Schweiz fühlen sich laut Job-Stress-Index rund 30 Prozent der Erwerbstätigen emotional erschöpft. Jede dritte Person erlebt mehr Stress als Ressourcen im Arbeitsalltag. Fast die Hälfte der Arbeitnehmenden fühlt sich von ihrem Arbeitgeber in psychisch belastenden Situationen nicht ausreichend unterstützt. Die Gründe sind vielfältig. Hohe Arbeitsdichte. Ständige Erreichbarkeit. Fehlende Pausen. Unsichere Teamstrukturen. Viele Menschen arbeiten heute über ihre Grenzen, ohne dass jemand es von ihnen verlangt. Man spricht von interessierter Selbstgefährdung: Aus Engagement oder Angst, andere zu enttäuschen, setzen sich viele selbst unter Druck.Dazu kommt: Präsentismus ist weit verbreitet. Man erscheint zur Arbeit, obwohl man krank ist. Aus Pflichtgefühl. Aus Sorge. Oder weil es niemanden gibt, der einspringt. Was brauchen Menschen, um gesund zu bleiben? Was können ARbeitnehmende und Führungskräfte konkret tun? Welche Rolle spielen Kultur, Sprache und das soziale Miteinander im Team? In dieser Podcast-Reihe spreche ich mit Fachpersonen der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW und einer Expertin für Arbeitspsychologie: Über Arbeitsgestaltung, Resilienz, Führung, Selbstfürsorge und über das, was gute Arbeit ausmacht. Vier Gespräche. Viele Impulse. Und eine Frage im Zentrum: Wie gestalten wir Arbeit so, dass sie nicht auslaugt, sondern trägt? Vielen Dank für deine Unterstützung per TWINT.  Weiterführende Links und Infos: Das Institut für Mentale und Organisationale Gesundheit an der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW wurde am 1.1.2025 gegründet. 25 Mitarbeitende forschen zu mentaler Gesundheit in Organisationen und kooperieren hierzu mit zahlreichen Betrieben.  Zur Stärkung der Mentalen und Organisationalen Gesundheit werden drei Weiterbildungen angeboten:  CAS Betriebliches Gesundheitsmanagement: Gesundheitsförderliche Prozesse und Strukturen aufbauen, Gesundheit nachhaltig im Unternehmen verankern.CAS Mentale Gesundheit in der Arbeitswelt: Aufbau individueller Kompetenzen zur Stärkung der Mentalen Gesundheit in der Organisation; frühzeitig handeln und Präventionsmassnahmen umsetzen.CAS Resilienz – Mensch, Team, Organisation: Umgang mit Druck und Unsicherheit gesundheitsförderlich gestalten. Nicht allein individuelle Resilienz stärken, sondern gleichzeitig auch Teams und die Organisation befähigen.   Im Kooperation mit Gesundheitsförderung Schweiz wird alle drei Jahre ermittelt, wie verbreitet Massnahmen zur Gesundheitsförderung in Schweizer Betrieben sind: Aktuelles Faktenblatt hierzu.  Beispiel für eine Massnahme in einem Schweizer Grossbetrieb, die zur Reduktion der Absenzen führte. Zusammen mit Schweizer KMU und dem Bundesamt für Gesundheit werden Beispiele aus KMU für KMU aufbereitet: Mit konkreten Beispielen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Nachahmen.  Beispiel für eine evidenzbasierte Intervention, für die gesundheitsförderliche Wirkung nachgewiesen wurde (SNF-Projekt Digital Balance: Material zur Intervention ist kostenfrei verfügbar): Balance zwischen Arbeit und Privatleben gestalten(u.a. mit Absprachen im Team)  Im Dezember werden neue Ergebnisse zum Zusammenhang von neuen Zusammenarbeitsformen («New Work») und psychischer Gesundheit vorgestellt: Informationsseite vom BAG. PSYCHOLOGOS ist ein Podcast über das gesamte Spektrum der menschlichen Psyche.  Mit wechselnden Gästen und einem offenen Blick auf psychische Gesundheit. Vielen Dank für deine Unterstützung, damit ich Psychologos auch weiterhin unabhängig produzieren kann.  Support Psychologos: https://www.psychologos.ch/support Twint: +41 76 532 55 80 Danke für deine Unterstützung.

    31 min

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