Alle haben ADHS. Hochsensibel, traumatisiert, neurodivers, ein unsicherer Bindungstyp, ein Narzisst in der Familie: Die Sprache der Diagnose ist zur Sprache der Selbstbeschreibung geworden. Diese Folge fragt, was passiert, wenn aus einem Wort, das etwas beschreibt, ein Wort wird, das man ist. Wann ein Etikett Halt gibt und wann es zum Käfig wird. Und was die Stoa dem entgegenzusetzen hat: eine Praxis ohne Identität, die vor jedem Begriff die Aufmerksamkeit setzt. Erleben vor Benennen. Es geht um die vier Bedürfnisse, die jedes Etikett bedient, um die Ökonomie einer Bewegung, die keine Produkte verkauft, sondern Identitäten, um Hybris und Standeserhebung, und um die Frage, wie man sich selbst kennt, ohne sich zu etikettieren. Mit einem ehrlichen Wort auch an die andere Seite: an alle, für die eine Diagnose kein Käfig war, sondern der erste Schritt ins Freie. Der Song zu BeginnDas Intro stammt aus einem Stück des Kabarettisten und Musikers Friedemann Weise. Mit freundlicher Genehmigung. Mehr von ihm auf Instagram. Quellen und Studien zur FolgeDie in der Folge genannten Zahlen und Befunde stammen aus den folgenden Arbeiten. Wer nachlesen möchte, findet hier die Originale. Zur Zahl, dass ein Viertel der Erwachsenen bei sich ein unerkanntes ADHS vermutet, während tatsächlich nur ein Bruchteil diagnostiziert ist: eine landesweite Befragung von 1.006 Erwachsenen der Ohio State University (2024). wexnermedical.osu.edu Zur Beobachtung, dass sich fachlich saubere und fachlich irreführende Videos gleich gut verbreiten und dass häufiger Konsum solcher Inhalte mit einer verzerrten Wahrnehmung von ADHS einhergeht: eine Analyse der hundert meistgesehenen ADHS-Videos auf TikTok, zwei vorab registrierte Studien von Karasavva und Kollegen, PLOS ONE (2025). doi.org/10.1371/journal.pone.0319335 Zum Befund, dass Menschen, die sich selbst ein Etikett geben, sich als weniger fähig erleben, ihre eigenen Zustände zu beeinflussen, und zwar bei gleicher Symptomschwere: eine Untersuchung zur Selbstetikettierung mit Depression von Ahuvia und Kollegen, Journal of Affective Disorders (2024). Der Zusammenhang ist ein statistischer, kein bewiesen ursächlicher. doi.org/10.1016/j.jad.2024.01.229 Zum Gedanken, dass die Deutung einer Erfahrung diese Erfahrung selbst verändern kann, und dass mehr Wissen über psychische Not zugleich die Bereitschaft erhöht, Hilfe zu suchen: die Arbeit von Foulkes und Andrews zur sogenannten Prevalence-Inflation-Hypothese, New Ideas in Psychology (2023). doi.org/10.1016/j.newideapsych.2023.101010 Mehr zum ThemaWenn dich das Thema Hochsensibilität weiter beschäftigt, findest du dazu zwei frühere Folgen: Hochsensibilität ist keine Superkraft — wie ein Begriff dich kleiner macht und Du bist nicht zu sensibel. Du bist zu verfügbar. Weiterführende AngeboteWebsite | Coaching & Beratung | Audio-Masterclass | Meditations-Abo Die Signation wurde von Fabien Tell komponiert und von Constanze Weltmann eingesprochen. Das Song-Intro stammt von Friedemann Weise und wird mit seiner Genehmigung verwendet.