LandMEDchen

Andrea Morawe

LandMEDchen - der Podcast rund um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Dr. Andrea Morawe spricht im Podcast mit Menschen aus der Medizin, mit MFAs, Ärzt:innen, Pfleger:innen und allen, die mit den Patientinnen und Patienten arbeiten. Außerdem erklärt sie auch in ihren Episoden, wie das Leben als Landarzt ist, worauf man bei einer eigenen Praxis so achten soll und motiviert, sich als Ärztin oder Arzt auf dem Land niederzulassen. Jeden Donnerstag gibt es eine neue Folge!

  1. Das System kippt! Wie Hausarzt-Praxen gerade funktionieren | Dr. Andrea Morawe

    2H AGO

    Das System kippt! Wie Hausarzt-Praxen gerade funktionieren | Dr. Andrea Morawe

    Was passiert eigentlich hinter den Kulissen einer Hausarztpraxis? Wie läuft die Abrechnung ab, womit verdienen Ärzt:innen ihr Geld – und wie viel Zeit bleibt wirklich für die einzelnen Patient:innen? Diesen Fragen geht Dr. Andrea Morawe in einer neuen Folge von „LandMEDchen“ nach. Ihre Einschätzung ist dabei klar: Das derzeitige System gerät zunehmend ins Wanken. Die Diskussionen darüber sind oft emotional aufgeladen – umso wichtiger ist es ihr, sowohl Ärzt:innen eine Stimme zu geben als auch Patient:innen transparent zu erklären, wie der Praxisalltag tatsächlich funktioniert. Ein zentrales Thema dabei sind die steigenden Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung. Um dem entgegenzuwirken, wurde die Finanzkommission Gesundheit ins Leben gerufen. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen unter anderem eine Steuer auf Tabak und Alkohol sowie eine Zuckersteuer. Für Andrea ist das einer der wenigen Ansätze, die sie als sinnvoll bewertet. Um das Ganze besser einordnen zu können, lohnt sich ein Blick auf das GKV-System – denn darüber generieren Ärzt:innen den Großteil ihrer Einnahmen, etwa 80 bis 95 Prozent. Sobald Patient:innen einmal pro Quartal ihre Gesundheitskarte einlesen lassen, entsteht ein sogenannter Abrechnungsschein. Hinter jeder Leistung steht ein Punktwert, der in einen Geldbetrag umgerechnet wird. Gleichzeitig ist jede Leistung mit einer festen Prüfzeit verknüpft. Die Kassenärztliche Vereinigung gibt vor, wie viele Stunden Ärzt:innen pro Tag und pro Quartal abrechnen dürfen. Wird diese Zeit überschritten, entsteht schnell der Eindruck, dass Leistungen nicht ordnungsgemäß erbracht wurden. Medizin wird also nicht nur nach Inhalt, sondern auch nach Zeit bewertet. Ein Beispiel: Bei chronisch kranken Patient:innen kann eine Chronikerziffer angesetzt werden. Diese erhöht die kalkulierte Behandlungszeit um 18 Minuten und bringt eine zusätzliche Vergütung von 16,56 Euro. In der Realität reicht diese Zeit jedoch oft nicht aus. Gerade ältere Patient:innen benötigen häufig deutlich mehr Aufmerksamkeit. Sie kommen mehrfach im Quartal, ihre Krankheitsbilder sind komplexer, und selbst einfache Abläufe wie das An- und Auskleiden können viel Zeit in Anspruch nehmen. Hinzu kommt die Abstimmung mit Angehörigen. Umso wichtiger ist ein gut eingespieltes Team. Andrea betont, wie sehr sie davon profitiert, Aufgaben delegieren zu können, um sich auf die medizinischen Entscheidungen zu konzentrieren. Viele Menschen gehen davon aus, dass Ärzt:innen jede erbrachte Leistung direkt bezahlt bekommen. Dieses Prinzip gilt im System der privaten Krankenversicherung, im GKV-System jedoch nur eingeschränkt. Die tatsächlich investierte Zeit übersteigt häufig die abrechenbare Zeit – diese Differenz bleibt unvergütet. Dabei passt Verantwortung nicht in starre Zeitfenster. Gute Medizin entsteht häufig trotz der bestehenden Rahmenbedingungen – nicht aufgrund dieser. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Budgetierung. In vielen Fachbereichen sind Leistungen gedeckelt. Werden mehr Patient:innen behandelt, als das Budget vorsieht, erfolgt keine zusätzliche Bezahlung. In der hausärztlichen Versorgung gab es zwar ab Oktober 2025 eine teilweise Entbudgetierung, doch deren Auswirkungen werden sich erst verzögert zeigen, da Abrechnungen zeitlich nachgelagert erfolgen. Auch wirtschaftlich spitzt sich die Lage zu. Aktuelle Zahlen des Zentralinstituts zeigen ein Defizit von minus 13,3 Prozent. Gleichzeitig steigen die Kosten weiter – insbesondere für Personal und Mieten. Andrea betont ausdrücklich, dass höhere Gehälter für Mitarbeitende absolut gerechtfertigt sind. Ihr Ziel bleibt es, qualitativ hochwertige Medizin anzubieten und die Versorgung im ländlichen Raum zu sichern. Ein zusätzliches Problem zeigt sich im Vergleich zur Klinik: Dort sind die Gehälter oft attraktiver. Das erschwert es, junge Ärzt:innen für die Niederlassung zu gewinnen. Die Frage stellt sich also: Wie kann Selbstständigkeit im ambulanten Bereich attraktiv bleiben? Ärzt:innen treten an, um Menschen zu helfen. Oft wird dabei auch auf den ärztlichen Eid verwiesen. Doch dieser ersetzt keine wirtschaftliche Grundlage. Die Herausforderung liegt nicht im fehlenden Engagement – sondern in einem System, das aus dem Gleichgewicht geraten ist. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    40 min
  2. Mythen rund um Gicht – aufgeklärt von Dr. Andrea Morawe

    APR 1

    Mythen rund um Gicht – aufgeklärt von Dr. Andrea Morawe

    Spargel, Steak, Bier und nachts Schmerzen im großen Zeh? Das schieben viele auf Gicht! Doch wie passen Gicht und Ernährung überhaupt zusammen? In den Frühlingsmonaten, in denen Grill- und Spargel-Saison beginnen, sehen wir in den Hausarztpraxen viele Gicht-Anfälle. Den dahinterstehenden Mythen will sich Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“ widmen! Gicht ist eine chronische Stoffwechsel-Erkrankung. In unserer Leber findet der Purinstoffwechsel statt und in diesem Rahmen fällt Harnsäure an. Bei einer Hyperurikämie kommt es zu einer Übersättigung von Harnsäure, bei welcher der kritische Punkt von 6,8mg pro Deziliter Harnsäure überstiegen wird. Dann werden die Mononatriumurat-Kristalle schlecht löslich und fallen aus. So kommt es zu Ablagerungen in Gelenken und im Gewebe – dadurch entstehen Schmerzen. Diese entstehen meist plötzlich in der Nacht. Gicht ist chronisch progredient und unbehandelt kann es zu weiteren Gicht-Anfällen kommen, aber auch zu Nierenschädigungen, chronischer Arthritis und Gicht-Knötchen. Meist hängt Gicht auch mit metabolischen Syndromen zusammen. Andrea schaut sich die Mythen an: Mytos 1: Gicht kommt vom Fleischkonsum Fleischkonsum beeinflusst den Purinstoffwechsel, doch der metabolische Status, die renale Ausscheidung und genetische Faktoren haben einen weiteren Einfluss. Mythos 2: Spargel ist gefährlich Spargel hat weniger Purin als ihm nachgesagt wird und ist somit kein Hauptträger für akute Gicht-Anfälle. Das Problem ist nicht der Spargel, sondern das Schnitzel und das Bier dazu. Mythos 3: Nach einem Anfall hat man Gicht Ein Anfall bleibt unbehandelt selten allein und kann unbehandelt auch zu Folgeschäden führen. Mythos 4: Ernährung reicht als Therapie Ernährung ist ein wichtiger Baustein in der Therapie, doch eine medikamentöse Therapie ist die Grundlage. Mythos 5: Alkohol ist nicht relevant Alkohol reduziert die Harnsäureausscheidungen und enthält je nach Getränk zusätzliche Purine. Das Ziel der Therapie ist Treat to target – das heißt es gibt Zielwerte in der Harnsäure, die erzielt werden sollten. Diese sollte frühzeitig beginnen, die Langzeittherapie ist aber auch ein entscheidender Punkt – eine Akuttherapie alleine ist ein großer Fehler. Mehr als zwei Anfälle pro Jahr sind schon ein Grund dafür, eine Langzeittherapie zu starten. Allopurinol und Febuxostat sind die Klassiker. Fructose hat einen großen Einfluss auf die Entstehung von Gicht, denn diese wird fast vollständig in der Leber verstoffwechselt. Das Problem: Fructose ist nicht nur in Obst, sondern auch in Honig und in vielen hoch-verarbeiteten Lebensmitteln, z.B. Softdrinks. Die Ernährungsempfehlung ist zunächst: Gemüse! Außerdem hilft es, viel Wasser zu trinken, Alkohol, rotes Fleisch, Innereien und Zucker zu reduzieren. Fastenkuren können sogar zum Auslöser von Gicht-Anfällen werden! Eine Ernährungstherapie kann in diesem Fall unterstützen. Andrea’s Tipps für die Grillsaison sind: Fleischmenge reduzieren, mehr Gemüse auf den Grill, möglichst keine Kombination mit Softdrinks, möglichst kein Alkohol und ein Verdauungsspaziergang! Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    15 min
  3. Ernährungsberatung oder -therapie? Das große Feld der Ernährung! | Dr. Andrea Morawe erklärt

    MAR 25

    Ernährungsberatung oder -therapie? Das große Feld der Ernährung! | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Letztens saß in der Sprechstunde von Dr. Andrea Morawe eine Patientin, der die Krankenkasse eine Ernährungsberatung empfohlen hat. Doch genau an diesem Punkt beginnt die große Verwirrung im deutschen Gesundheitssystem, zu unterscheiden ist nämlich zwischen Ernährungsberatung und Ernährungstherapie. Laut WHO gehören Ernährung und Übergewicht zu den häufigsten Risikofaktoren für chronische Erkrankungen. 74% der Todesfälle hängen mit nicht-übertragbaren Krankheiten zusammen, viele davon stehen in direktem Zusammenhang mit Ernährung, Bewegung, Alkoholkonsum und Rauchen. 47% der Frauen und 60% der Männer in Deutschland sind übergewichtig – ein Viertel der Deutschen gilt als adipös. Doch warum investieren wir auch auf Seiten der Politik so wenig Geld in präventive Maßnahmen? Ernährung ist schließlich kein Randthema, wie die Zahlen zeigen. Trotzdem liegen die Ausgaben für Prävention bei nur 5% der Ausgaben im Gesundheitssystem. Andrea erklärt die verschiedenen Player im System: Ökotropholog:innen haben ein Studium absolviert und arbeiten dann oft in der Ernährungsberatung, in der Forschung oder in der Entwicklung von Präventionsprogrammen. Diätassistent:innen haben eine staatlich anerkannte Ausbildung und sind oft klinisch tätig in Arztpraxen, Rehabilitationseinrichtungen oder Kliniken. Sie beschäftigen sich klassischerweise mit der Erstellung von Ernährungsplänen. Ernährungswissenschaftler:innen haben ein Studium absolviert und beschäftigen sich mit wissenschaftlichen Fragestellungen, z.B. wie Ernährung Krankheiten beeinflusst und Auswirkungen auf den Stoffwechsel hat. Sie arbeiten oft an Universitäten oder in Forschungsprojekten, sowie in der Lebensmittelindustrie. Lebensmittelchemiker:innen setzen sich mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln auseinander.  Sie arbeiten in Laboren oder in der Qualitätskontrolle in der Lebensmittelindustrie. Lebensmitteltechnolog:innen beschäftigen sich mit Verpackung und Haltbarkeit. Sie sind in der Lebensmittelindustrie tätig. Dann gibt es noch Sportwissenschaftler, die sich mit Trainingsphysiologie, Sporternährung oder mit der Erstellung von Trainingsplänen beschäftigen. Ärzt:innen beschäftigen sich hauptsächlich mit der Diagnostik. Aber nicht jeder Arzt ist Ernährungsexperte! Denn Ernährungsmedizin ist im Studium deutlich unterrepräsentiert. Deswegen können Ärzt:innen die Zusatzbezeichnung Ernährungsmedizin erlangen. Andrea hat diese gerade auch gemacht und erzählt von ihrer Fortbildung. Dabei lernt man über klassische ernährungsmedizinische Krankheitsbilder wie Adipositas, aber auch über die gezielte Ernährung von chronisch Kranken, enterale und parenterale Ernährung,  sowie über Prävention. Die Ernährungsberatung gehört zum Feld der Präventionsmedizin. Wenn ein Arzt Risikofaktoren beim Patienten sieht, dann kann er diese verschreiben. Die Krankenkassen übernehmen zum großen Teil die Kosten, die Beratung ist oft in Präventionsprogrammen angesiedelt. Ernährungstherapie richtet sich an Patient:innen, bei denen schon eine Diagnose gestellt wurde, wie Adipositas, Zöliakie oder Mangelernährung. Diese wird über eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung initiiert. Diese ist eine Kann-Leistung der Krankenkasse, diese übernehmen somit unterschiedlich viel der Behandlung. Wichtig: Diese Notwendigkeitsbescheinigung belastet das Heilmittelbudget der Hausarztpraxis nicht. Zum Schluss erklärt Andrea noch den Fall der Patientin, der die Ernährungsberatung empfohlen wurde – eigentlich hätte diese jedoch eine Ernährungstherapie gebraucht! Die Abnehmspritze wird bisher von den Krankenkassen nicht übernommen, da es sich hier um ein Lifestyle-Medikament handelt. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    22 min
  4. Depression und der Umgang damit in der Hausarztpraxis | Dr. Andrea Morawe erklärt

    MAR 18

    Depression und der Umgang damit in der Hausarztpraxis | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Unipolare Depression ist eine der häufigsten und gleichzeitig am meisten unterschätzte Erkrankungen in der hausärztlichen Praxis. Dr. Andrea Morawe erzählt davon in dieser neuen Folge von „LandMEDchen“ evidenzbasiert. Die 12-Monatsprävalenz liegt bei 8-10% und die Lebenszeitprävalenz bei 15-20%. Das heißt: Jede fünfte Person wird in seinem Leben statistisch gesehen an einer Depression erkranken – Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Das Rezidivrisiko liegt nach einer erstmaligen Episode bei 50% und steigert sich auf 70% nach einer zweiten Episode. Die Depression tarnt sich meist über somatische Beschwerden: Chronische Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsdefizite und unspezifische Bauchschmerzen. Depression ist keine Serotonin-Mangelerkrankung, wie man sie früher betrachtet hat. Chronischer Stress ist ein zentraler Trigger. Eine biologische Vulnerabilität trifft auf eine psychosoziale Belastung. Es gibt bei der Diagnose Haupt- und Zusatzkriterien. Aus der Kombination der Kriterien kann der Schweregrad der Depression abgeleitet werden. Andrea nutzt sehr gerne den PHQ-9-Fragebogen zur Selbsteinschätzung der Patient:innen. Frauen wird häufiger eine Depression zugeschrieben. Männer reden seltener über emotionale Belastungen, Frauen hingegen schon. Schlafstörung, Appetitveränderungen, Schuldgefühle, Ängste, tiefe Traurigkeit – das sind Symptome, die bei Frauen öfter auftreten. Bei Männern sind die Symptome deutlich different, sie zeigen Reizbarkeit, Aggressivität, Alkohol- und Substanzmissbrauch und eine gewisse Impulsivität. Das klassische Bild der niedergeschlagenen Persönlichkeit sieht man weniger. Die Suizidrate bei Männern ist erheblich höher als bei Frauen in Deutschland. Das liegt u.a. daran, dass die unipolare Depression bei Männern häufig nicht erkannt oder fehltinterpretiert werden. Risikogruppen für eine Depression sind postportale Frauen, einsame und ältere Personen, Arbeitslose, Patient:innen mit kardiovaskulärer Erkrankung, hoher Leistungsdruck und pflegende Angehörige. Es gibt zudem eine bidirektionale Verknüpfung von Depressionen und somatischen Erkrankungen. Andrea macht deswegen immer eine weiterführende Diagnostik, um Differentialdiagnosen in Betracht zu ziehen. In Bezug auf die Therapie orientiert sich Andrea an der nationalen Versorgungsleitlinie und unterscheidet dabei zwischen leichter, mittelgradiger und schwerer depressiven Episode. Bei der leichten Diagnose setzt sie auf die Aktivierungsphase: Bewegungstherapie, Gespräche, Schlafhygiene und Me-Time. Bei der mittelgradigen Episode setzt sie auf Psychotherapie und Antidepressiva. Viele Kolleg:innen ziehen hier gerne schon Psychiater hinzu. Bei einer schweren Episode zieht sie die stationäre Behandlung in Erwägung, hier wird es komplexer. Wichtig ist auch die Abfrage der Suizidalität. Die Suizidrate steigt nicht dadurch, dass man die Patient:innen darauf anspricht. Die Versorgungssituation sieht nicht gut aus in Deutschland, sie hat sich deutlich verschlechtert nach der Corona-Pandemie. Andrea bindet die Patient:innen zur Überbrückung in der Ergotherapie-Praxis an. Hausärzt:innen sind oft die erste Anlaufstelle. Wichtig ist: Dran denken! Bevor Andrea genderspezifische Fortbildungen absolviert hat, hätte sie viele Fälle nicht erkannt, vor allem bei Männern. Das Thema ist immer noch stark stigmatisiert, deswegen ist es umso wichtiger, dass Ärzt:innen und MFAs besonders hellhörig sind. Depression ist häufig, ernst zu nehmen und biologisch erklärbar. Sie ist keine Charakter- oder Willensschwäche. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    20 min
  5. HPV-Impfung ist Krebsprävention – für Mädchen und Jungs | Dr. Andrea Morawe erklärt

    MAR 11

    HPV-Impfung ist Krebsprävention – für Mädchen und Jungs | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Wie funktioniert die HPV-Impfung für Mädchen und Jungs? Warum ist die Aufklärung über geschützen Geschlechtsverkehr so wichtig und wie wirkt die HPV-Impfung? Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“. HPV steht für Humanes Papillomvirus, von dem es 200 bisher identifizierte Subtypen gibt. 40 Typen dieser Virusklasse können Erkrankungen im Anogenital und Oropharyngealbereich hervorrufen. Sie sind nochmal in High-Risk und Low-Risk-Typen gegliedert. Die Viren können nicht nur Genitalwarzen, sondern auch Krebsleiden hervorrufen. Etwa 80% der sexuell aktiven Menschen durchlaufen mindestens einmal im Leben eine Infektion mit HPV. In den meisten Fällen ist das folgenlos, die High-Risk-Typen können aber dann Krebs hervorrufen. Andrea spricht über die verschiedenen Karzinomarten, die auch im Mund- und Rachenraum auftreten können. Es ist sehr wichtig, Jugendliche darüber aufzuklären, sowohl in der Schule und der Familie als auch bei den Hausärzt:innen und Gynäkolog:innen. Vorsorgeuntersuchungen helfen dabei, Frühstufen zu erkennen, die Impfung schützt allerdings schon vor der Entstehung. HPV ist kein Frauenthema, vor allem unter dem Aspekt, dass wir eine Herdenimmunität erreichen wollen. Prävention und Primärprävention sollte geschlechterunabhängig stattfinden. Dabei schützt die Impfung nicht nur vor den meisten Karzinomarten, sondern in 90% der Fälle auch vor Genitalwarzen. Die Impfung sollte bis zum 17. Lebensjahr nachgeholt bzw. komplettiert sein und gehört zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung. Viele Eltern bringen entgegen, dass ihre Kinder noch keinen Geschlechtsverkehr haben. Genau das ist der richtige Zeitpunkt, um zu impfen. Vor dem ersten Geschlechtsverkehr ist die Erfolgsquote der Impfung am höchsten. Bei Andrea steht übrigens auch ein Kondomglas in der Praxis, um den Jugendlichen etwas mitgeben zu können. Kondome sind allerdings kein 100%iger Schutz, denn die Infektion erfolgt über den Haut zu Haut-Kontakt. Sexualität ist bei Jugendlichen viel früher präsent, als es den meisten Eltern lieb ist. Mit der Impfung können wir Krebs nicht behandeln, sondern verhindern. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    14 min
  6. Warum wir nach dem Arztgespräch oft mehr Fragen als Antworten haben | Dr. Andrea Morawe erklärt

    MAR 4

    Warum wir nach dem Arztgespräch oft mehr Fragen als Antworten haben | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Gerade aus dem Arztzimmer raus und schon wieder vergessen, worum es ging? Ein Thema, dem sich Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“ widmet. Das dieses Phänomen ist kein Einzelfall, kein Zeichen von mangelndem Interesse oder niedrigem IQ, sondern es gibt Studien, die das unterstreichen. Patient:innen vergessen unmittelbar nach dem Arztgespräch zwischen 40 und 80% der erhaltenen Informationen. Von dem, was behalten wird, ist ein erheblicher Anteil auch noch falsch. Besonders betroffen sind dabei Informationen über neue Diagnosen, Therapieempfehlungen, Risiken, Nebenwirkungen und komplexe Behandlungspläne. Doch warum passiert das? Zunächst wegen kognitiver Überlastung. Medizinische Gespräche sind komplex, das menschliche Kurzzeitgedächtnis kann aber nur eine begrenzte Menge an Informationen gleichzeitig verarbeiten. Zudem können Emotionen die Erinnerungen blockieren, vor allem Angst, Stress und Unsicherheit. Das Gehirn schaltet in einen Schutzmodus und priorisiert die emotionale Verarbeitung statt der sachlichen Speicherung von Informationen. Der dritte Grund ist die Fachsprache, in der Ärzt:innen gerne verharren. Diese ist super für den Austausch untereinander, allerdings nicht für das Gespräch mit den Patient:innen. Die Therapietreue leidet enorm darunter, wenn wir zu viele Fachwörter verwenden. Ein weiterer komplizierender Faktor ist der Zeitdruck, der ein großes Problem im Gesundheitssystem ist. Kurze Gespräche erhöhen die Informationsdichte, gleichzeitig sinkt die Rückfragequote. Viele Patient:innen stellen gar keine Fragen, weil sie nicht stören wollen, nicht unwissend wirken wollen oder weil ihnen der Zeitdruck zusetzt. Die Patient:innen sind also nicht schuld, es ist eine ganz normale Reaktion, dass man nicht alles behält. Hierfür benötigt man nun eine Strategie. Es ist völlig okay, nachzufragen. An Ärzt:innen empfiehlt Andrea: Wiederholungen und Zusammenfassungen steigern die Erinnerungsquote. Sie selbst nutzt in ihrer Praxis Zettel, in denen die wichtigsten Informationen zu den Diagnosen zusammengefasst sind. Zudem schult sie ihr Personal, sodass diese auch bei der Beantwortung von Fragen unterstützen können. Ein weiterer Tipp: Eine Abkürzung im eigenen Kontext muss nicht die gleiche in einer anderen Fachrichtung sein. Diese erschweren also das Verständnis. Begleitpersonen erhöhen zudem die Sicherheit. Andrea hat in letzter Zeit öfter gehört, dass Begleitpersonen aus dem Behandlungszimmer geschickt werden, was sie sehr traurig findet. Denn diese erhöhen die Therapietreue. Eine Begleitperson wird oft aus Unsicherheit mitgenommen – dann soll sie auch dabeibleiben. Zudem werden mehr Informationen behalten und es gibt weitere Rückfragen. Die Frage ist also: Warum erwarten wir überhaupt, dass Patient:innen sofort alles verstehen und behalten? Wir brauchen Übersetzung der Fachsprache, Zeit und Wiederholungen. Das hilft bei der Therapietreue und sorgt so auch für weniger Komplikationen auf lange Sicht. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319

    17 min
  7. Behandlungspflege und Pflegegrad: Wo sind die Unterschiede? | Andrea Morawe erklärt

    FEB 25

    Behandlungspflege und Pflegegrad: Wo sind die Unterschiede? | Andrea Morawe erklärt

    Ein zentrales Element in der ambulanten Versorgung ist die häusliche Krankenpflege. Hier gibt es allerdings immer wieder Unsicherheiten, deswegen beantwortet Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“ die drängendsten Fragen hierzu. Häusliche Krankenpflege ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, die zum Einsatz kommt, wenn medizinische Maßnahmen im häuslichen Umfeld notwendig sind und diese nicht selbst durchgeführt werden können. Ein Ziel ist, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden oder zu verkürzen. Wichtig ist, dass diese Pflege vom Hausarzt verordnet werden muss. Hierbei gibt es auch die Behandlungspflege, die eine konkrete medizinische Tätigkeit umfasst, die von Pflegefachpersonen durchgeführt wird. Andrea erklärt, wie das Formular hierfür aussieht. Die Leistungen reichen von Verbandswechsel und Wundversorgung über Injektionen wie Heparin oder Insulin bis hin zu Medikamentengabe, Überwachung der Medikamenteneinnahme, Blutdruckkontrollen und Katheterpflege. Vor allem temporär ist die Unterstützung sinnvoll, z.B. bei Neuentdeckung der Krankheit. Für die Anwendung der Behandlungspflege benötigt man keinen Pflegegrad. Es ist ausschließlich entscheidend, dass medizinische Notwendigkeit gestellt wurde. Der Pflegegrad ist dann relevant, wenn es um eine dauerhafte Einschränkung der Alltagstätigkeiten geht, also das selbstständige Waschen, Bewegen und Mahlzeiten Zubereiten. Ein Pflegegrad ersetzt keine Behandlungspflege und eine Behandlungspflege ersetzt keinen Pflegegrad. Die Ziele davon sind völlig unterschiedlich. Trotzdem sind beide Pflegearten auf einem Musterformular. Bei der Behandlungspflege entstehen Zuzahlen, das sind 10€ je Verordnung. Die Zuzahlung ist gedeckelt und kann nicht unbegrenzt steigen, auch wenn die Behandlung länger dauern sollte. Von dieser Zuzahlung kann man aufgrund des Einkommens befreit werden, Kinder und Jugendliche sind auch befreit. Pflegeleistungen bei Pflegegrad sind nicht zuzahlungspflichtig. Zum Schluss klärt Andrea noch über die häufigsten Mythen rund um die häusliche Krankenpflege auf. Außerdem erklärt sie, dass die Ausstellung einer häuslichen Krankenpflege auch durch Kliniken im Rahmen des Entlassmanagements möglich sind. Das ist besonders wichtig bei einer Entlassung zum Wochenende. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319

    14 min
  8. Palliativ-Versorgung geht uns alle an: SAPV, AAPV und Hospiz erklärt | Dr. Andrea Morawe

    FEB 18

    Palliativ-Versorgung geht uns alle an: SAPV, AAPV und Hospiz erklärt | Dr. Andrea Morawe

    Ein Thema, das uns alle früher oder später betreffen wird – trotzdem sprechen wir wenig darüber: Das Sterben. Diese Folge von Dr. Andrea Morawe soll informieren, Ängste nehmen und dabei helfen, Entscheidungen besser zu verstehen. Denn am Lebensende geht es um Würde und darum, gut betreut zu werden. Palliative Versorgung beginnt in dem Moment, in dem klar wird, dass eine Erkrankung nicht mehr heilbar ist. Palliativ bedeutet dabei, Schmerzen zu lindern, Symptome zu kontrollieren, Lebensqualität zu erhalten, Angst zu nehmen und den Mensch als Ganzes zu sehen: Körperlich, psychisch, sozial und spirituell. Deswegen sollte die Palliativ-Medizin auch nicht tabuisiert werden. Wir sprechen dabei von BSC – Best Supportive Care. AAPV ist die allgemeine ambulante Palliativ-Versorgung. Dies ist die Basisversorgung für Menschen mit einer fortgeschrittenen, nicht heilbaren Erkrankung, die aber noch relativ stabil sind. Meist findet diese im häuslichen Umfeld statt durch Hausärzt:innen sowie ambulante Pflegedienste. Im Fokus steht die Schmerz- und Symptomkontrolle, sowie die Kommunikation mit den Angehörigen. Dazu gehört auch der Kontakt zur Pflegekasse oder zu ehrenamtlich Tätigen. Das Ziel ist es, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und Stabilität zu erhalten. SAPV ist die folgende Stufe, die spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung. Sie kommt ins Spiel, wenn Symptome nur noch schwer beherrschbar sind und eine 24-Stunden-Erreichbarkeit erforderlich ist. SAPV und AAPV werden durch die gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn sie ärztlich angeordnet sind. Viele Menschen wünschen sich, zuhause versterben zu können. Dabei muss allerdings Pflege rund um die Uhr gewährleistet sein, was oft Angehörige mit Unterstützung mit Pflegediensten durchführen. Für die Patient:innen ist die emotionale Belastung im häuslichen Setting niedriger, für die Angehörigen ist sie allerdings höher. Wichtig ist hierbei eine ehrliche Einschätzung. Nicht alles, was gewünscht ist, ist dauerhaft realisierbar. Das Hospiz kann eine sehr gute Alternative sein, denn Hospize sind keine Krankenhäuser, sondern Orte der Begleitung. Hier gibt es mehr Zeit für Zuwendung gegenüber Patient:innen und Angehörigen. Man hat Würde bis zuletzt. Die Kosten sind enorm. Die Hospizarbeit wird Andrea’s Meinung nach zu wenig geschätzt, denn sie muss zu großen Teilen über Spenden finanziert werden. Im Hospiz wird niemand abgelehnt. Die Arbeit ist für die Patient:innen und Angehörigen immer kostenfrei. Und am Ende geht es dann auch wieder um Bürokratie. Denn ganz am Ende wird die Todesbescheinigung ausgestellt. Diese Leistung ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, denn diese endet mit dem Tod. Die Rechnung kommt für Angehörige oft unerwartet und stellt eine emotionale Belastung dar. Wenn diese Folge dazu beitragen konnte, Gespräche über das Lebensende anzustoßen, hat sie ihren Zweck erfüllt. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/   Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen   Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu   Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319

    18 min

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