Morgenimpuls

DOMRADIO.DE

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

  1. HACE 8 H

    Populärer Heiliger

    Heute Abend geht es also los. Die Gruppe der DOMRADIO-Hörer, die sich angemeldet hat, trifft sich heute Abend am Flughafen in Köln. Und dann geht es nach Rom und von dort mit dem Bus nach Assisi. Warst Du schon mal dort? Ich gebe gerne zu, dass ich schon sehr oft dort war und mir diese Stadt sehr ans Herz gewachsen ist. Zum einen, weil die Stadt immer noch aus der Entfernung sehr mittelalterlich aussieht und wenn man durch ihre Gassen geht, immer das Gefühl hat, Franziskus oder andere Brüder von ihm oder Klara und ihre Schwestern könnten einem geradewegs über den Weg laufen. Und zum anderen, weil es viele Ordenshäuser dort gibt und man immer wieder Ordensleuten über den Weg läuft, was ja hier in Deutschland nicht mehr so oft vorkommt; und auch weil in diese kleine Stadt noch so viele Menschen kommen, die Franz und Klara sehr verehren und ihre Kirchen besuchen, Gottesdienste feiern, Andenken kaufen und das herrliche Flair Umbriens genießen.Franziskus hat vor 800 Jahren gelebt und dann ist ja immer die Frage danach, warum er immer noch so populär ist, sehr verständlich. Im Laufe der Jahrhunderte waren es immer andere Aspekte, die die Menschen beeindruckt haben. Am Anfang sein Leben in freiwilliger Armut, obwohl er aus sehr reichem Haus war. Dann sein Dienst an den Aussätzigen und anderen Kranken, obwohl es damals kein Heilmittel gegen die Lepra gab und eine Ansteckung tödlich war. Dann seine Liebe zur Kirche, obwohl sie damals in chaotischen Zuständen war und kaum noch Gott im Mittelpunkt stand. Ebenso sein geschwisterlicher Umgang mit seinen Brüdern, die auf Augenhöhe und ohne Hierarchie zusammenleben wollten. Später die Ablehnung jeglichen Waffentragens, wodurch im zersplitterten Italien plötzlich kaum noch Städtekrieg möglich waren. Und heute ist den meisten die Liebe zur Schöpfung ein Begriff, der sich bei Franziskus im Sonnengesang manifestierte, wobei den meisten nicht klar ist, dass dieser wunderbare Sonnengesang kein liebes Sonne- Mond- und Sterne-Liedchen ist, sondern ein Loblied auf den Schöpfergott.Du merkst schon, dieser Mensch Franziskus hat so viele Seiten in seinem eigenen und dem Leben über die Jahrhunderte angeregt, dass man irgendwie nie fertig wird. Aber der wichtigste Punkt in diesem Leben war die Begegnung mit Christus am Kreuz von San Damiano. Dort erhält er den Auftrag, seine Kirche wieder aufzubauen und damit sind seine Brüder und Schwestern damals und bis heute beschäftigt.

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  2. HACE 1 DÍA

    Ein unglaublicher Mensch

    Morgen Abend werden wir mit einer Gruppe DOMRADIO-Hörer nach Assisi aufbrechen um Franziskus und Klara von Assisi näher kennen zu lernen und auch Carlo Acutis. Und am Sonntag besuchen wir die Einsiedelei Carceri oberhalb der Stadt. Das Klostergebäude wurde gebaut zur Zeit, als Bernhardin von Siena dort Oberer war. Und dort ist oben unter der Dachkante auch das Logo eingemeißelt, das er quasi erfunden hat. Ein Kreis von Sonnenstrahlen mit den Buchstaben IHS, ins Deutsche übersetzt als "Jesus, Heiland, Seligmacher". Ignatius von Lojola hat dieses Logo später für seinen neu gegründeten Jesuitenorden verwendet und so hat es sich gerade in Europa sehr stark verbreitet.An diesen Bernhardin denken die Franziskanerminoriten heute besonders. Bernhardin war ein begnadeter Prediger und Friedensstifter. Der Papst wollte ihn viermal zum Bischof ernennen und er hat es immer abgelehnt. Nun wollte er ihn zum Bischof von Siena berufen, was Bernhardin wieder ablehnte. 1427 hielt er dennoch in dieser Stadt 45 Tage lang seine wohl schönsten Predigten auf der Piazza del Campo, die alle mitgeschrieben wurden und überliefert sind. Bernhardin wirkte friedenstiftend in italienischen Städtekriegen und wurde schon zu Lebzeiten als Heiliger verehrt. Sein Ruhm beruht aber vor allem auf seinen Predigten in der Sprache des Volkes, die von seinen Hörern gesammelt und überliefert wurden. Sie beschäftigen sich mit dem familiären, sozialen und politischen Leben jener Zeit und waren auch den ersten humanistischen Strömungen gegenüber aufgeschlossen. Sie überzeugten durch ihre Klarheit und ihren gesunden Menschenverstand, waren reich an Beispielen, kräftigen Tönen und witzigen Aussprüchen. Wegen seines Christussymbols hat er viel Ärger bekommen, wurde mehrfach der Häresie angeklagt und zum Papst vorgeladen, aber immer wieder freigesprochen.Wenn jemand aus Liebe zu Christus so predigen kann, dass die Menschen ihn verstehen und er die Botschaft des Evangeliums unters Volk bringt, dass sie die Mitschriften heute noch kennen, die Berufung zum Bischof fünfmal abgelehnt hat und sogar angeklagt wurde, eine Irrlehre zu verbreiten, dann muss dass ein unglaublicher Mensch und Ordensmann gewesen sein und es ist gut an ihn zu denken.

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  3. HACE 2 DÍAS

    Musik wäscht den Staub des Alltags von der Seele

    Manchmal, wenn Zeit ist, höre ich gerne geistliche Musik. Das ist Musik, die biblische oder liturgische Texte nimmt und sie vertont; ob aus dem Mittelalter von Hildegard von Bingen, Claudio Monteverdi aus der Zeit der Renaissance, Händel, Bach oder Praetorius aus dem Barock und noch sehr viele mehr. Und es ist oft ein sehr diffuses Gefühl: Die Musik entführt scheinbar Geist und Seele in eine ganz andere Sphäre und beschwingt oder wühlt auf, beruhigt oder tut einfach gut.Und ganz oft bleibe ich dann so sehr in den Noten und Klängen gefangen, dass ich Raum und Zeit vergesse und ganz berührt bin, wenn nach langer Zeit ein Nachrichtenjingle kommt oder die CD zu Ende ist. Musik wäscht den Staub des Alltags von der Seele, heißt es nicht umsonst. Und noch ganz anders geschieht es, wenn man selbst singt oder ein Instrument spielt oder elektronisch Musik macht.Vorige Woche ist mir das seit langem mal wieder passiert. Wir haben uns zu viert auf der Orgelempore der Mutterhauskirche getroffen, um zwei wundervolle Gesänge zu üben und zu wiederholen, die wir schon lange kennen, aber nur noch selten singen. Für das Jubiläumsfest einiger unserer Schwestern wollten wir das aber gern mal wieder tun. Und ich bin immer wieder verblüfft darüber, wenn die Melodie angespielt wird und die ersten Töne kommen, dann singt es quasi ganz von allein aus mir heraus. Und es kamen in meinem Hinterkopf ganz viele Szenen wieder deutlich hervor, die mit diesen Gesängen und den Feierlichkeiten aus den ersten Ordensjahren zusammenhängen. Und es war dann, nach der kurzen Probe, den ganzen Nachmittag wie eine Dauerschleife eines Filmes mit dieser wunderschönen Musik.Heute ist vielleicht ein guter Tag, um mal wieder die Lieblingsmusik zu hören oder mal etwas ganz anderes und die Seele mit schönen Klängen umarmen zu lassen. Gönn es Dir. Es wird Dir guttun.

    4 min
  4. HACE 3 DÍAS

    Wenn eine Wallfahrt hochpolitisch ist

    Ich habe ein Plakat gesehen, das in wunderbar grüner Natur eine schmale lange Hängebrücke zeigt, wie es sie in Deutschland mittlerweile einige gibt, über die ein Mann in typischer Wanderkleidung mit festen Schuhen und Rucksack läuft. Und diese Brücken sind ja bei Wind oder Sturm ziemlich wackelige Angelegenheiten. Aber auf dem Plakat stand ziemlich fett gedruckt: „In der Hoffnung leben – auch wenn die Welt wankt“ Männerwallfahrt zum Klüschen Hagis am Fest Christi Himmelfahrt. Und in der offiziellen Verlautbarung heißt es dann: Die Männerwallfahrt lädt dazu ein, Hoffnung nicht als bloßes Warten auf bessere Zeiten oder einfachen Optimismus zu verstehen, sondern als feste Grundeinstellung, die Halt gibt und Orientierung schenkt. Die Wallfahrt bietet die Gelegenheit, anzuhalten, neue Impulse zu erhalten und den eigenen Glauben in Gemeinschaft zu stärken. Auf dem Weg begegnen wir Herausforderungen und Erfahrungen, die uns ermutigen, trotz der Unsicherheiten der Welt bewusst in der Hoffnung zu leben.Und die Männerwallfahrt war immer mitten im politischen Umfeld auch hochpolitisch.1956 nämlich, als sich immer mehr herausgestellt hat, dass sich die Teilung unseres Landes verfestigen würde und die Politik immer kirchenfeindlicher geworden ist, haben einige mutige Männer diese Wallfahrt ins Leben gerufen. Und sie wurde der jährliche Höhepunkt für oft mehr als 20 000 Männer und Jugendliche. Gemeinsam als Christen in einem feindlich gesinnten Umfeld zusammenstehen, Gottesdienst feiern und sich im Glauben stärken lassen, war eine starke Botschaft. Einer der wichtigen Aspekte auf dieser Wallfahrt ist immer die Predigt des jeweiligen Bischofs: Es geht immer um die politische, gesellschaftliche und kirchliche Situation im Land, Missstände werden benannt und Ermutigungen für das Leben aus dem Glauben im Alltag gegeben. Das war zu Zeiten der DDR-Diktatur überlebensnotwendig, damit die Christen mutig und gestärkt weitergehen konnten. Interessanterweise ist die Wallfahrt nie verboten worden. Das haben die Staatsverantwortlichen nicht gewagt. Vielen Männern ist bei vielen Wallfahrten deutlich geworden, dass Christsein immer eine politische Dimension hat: um Gottes Willen für die Menschen da sein, auch wenn es unbequem und gefährlich ist. Der gesellschaftliche Aspekt des Evangeliums wurde für viele Menschen hier erst richtig deutlich. Und der Titel „In der Hoffnung leben, auch wenn die Welt wankt“ ist für mich und dich heute ebenfalls gültig und kann ein Auftrag in den Tag und die Woche sein.

    5 min
  5. HACE 4 DÍAS

    "Maria in der Schachtel"

    Mai ist nun einmal der Marien-Monat. Ich find Maria schwierig. Irgendwie ist sie mir fremd. Diese Frau ohne Erbsünde. Auserwählte. Die eine.  Als Kind, da hat mein Vater mir von einer Wallfahrt, ich weiß gar nicht mehr von wo, eine kleine Schachtel mitgebracht, auf der eine Kirche abgebildet war und die man öffnen konnte und in die genau eine kleine Marienfigur passte. Ich fand die toll. Die war einer meiner besonderen Schätze meiner Kindheit. Aber ich habe gar nicht so richtig verstanden, dass das eine Heilige ist. Wer das so genau ist, außer eben die Mutter von Jesus. Was dann später nur noch unglaubwürdiger wurde, als man dann verstanden hat, wie das mit Kindern so funktioniert.  Und wenn ich im Mai in die Kindertagesstätten hier fahre, dann sehe ich sie. Diese kleinen bunten Marienaltäre oft am Eingang. Da ist so viel Liebe sichtbar. So viel Schönes. Das ist so wunderbar. Und vielleicht geht’s den Kindern auch ein bisschen wir mir mit der Gottes Mutter? Da ist so was Schönes. Auch wenn wir es nicht verstehen?  Aber diese kleine Schatulle, die ist mir heute noch wertvoll und hat einen festen Platz. Maria ist mir immer noch fremd. Aber ich habe das mit der Unbefleckten Empfängnis verstanden. Theologisch bedeutet es eben, dass Maria frei von der Erbsünde war. Das kann ich zumindest etwas verstehen.  Im Leben wird man krisenfest, wenn man Kohärenz erfährt. Das bedeutet, das, was wir erleben, muss für uns verstehbar sein. Das muss für uns handhabbar sein, damit wir es händeln und anpacken können und es muss Sinn machen.  Diese Schatullen hat für mich Maria handhabbar gemacht, ich konnte sie anfassen diese kleine Statur. Der theologische Gedanke zur Erbsünde macht sie mir verstehbarer. Mein Kopf kann das logischer in Einklang bringen.  Aber Sinn … Sinn macht das Ganze erst, seitdem Gott in meinem Leben Tag für Tag einen Unterschied macht, weil seine Anwesenheit, sein menschliches Dasein in der Welt erst durch Maria möglich gewesen ist.  Und ja – trotzdem ist sie mir fremd. Diese Frau ohne Erbsünde. Auserwählt. Die eine.  Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

    4 min
  6. HACE 5 DÍAS

    "Gott bewegt uns"

    Brückentage heißen bei uns im Schulkontext bewegliche Ferientage. Klingt auch irgendwie ganz nett.  Ja, da kommt wieder was in Bewegung in mir. Ich versuche wieder öfter und regelmäßiger mit dem Fahrrad in die Schule zu fahren. Morgens wenn es noch etwas frisch ist, das mag ich. Ich überquere nur zwei Straßen, den Rest radle ich über weite Felder, die sich auch immer mehr verändern und meist bei uns hier besonders gelb erstrahlen, wenn der Raps beginnt zu blühen. Hier sieht man nicht viele Bäume, eher kleine Hecken und Sträucher am Feldwegrand oder den Weg säumende Kornblumen und roter Mohn.  Diese weiten Felder der Zülpicher Börde, die mag ich besonders. Diese Felder, die einen so unfassbar weit schauen lassen und wenn die Sonne scheint, einem viele Sonnenstrahlen, aber auch so wunderbares Licht am Morgen schenken. Die Goldene Stunde. Wie wunderbar es ist dann zu radeln.  Ja, so idyllisch kann mein Morgen sein. Aber nur, wenn ich es wirklich schaffe früher aufzustehen als sonst, mein Rad aus dem Gartenhaus zu holen, wenn ich es denn finde und wenn ich eben wieder mehr in Bewegung komme.   Gott und ich - wir sind auch in Bewegung. Ich rede jeden Tag von ihm und über ihn im Unterricht. Ich glaube, dass er mich trägt und erträgt, wenn ich auch Schwere und Tiefe mi tragen darf in wertvollen Beratungskontexten. Und ich glaub manchmal, ich rede viel zu wenig mit Gott. Ich bete.  Aber ich bin keine Vorzeige-Beterin. Ich habe schon oft Bibellesen, Journaling, Gebetsroutinen versucht … aber ich bin kein Routine-Mensch. Ich bin einfach zu gerne eben in Bewegung. Ich liebe es, Neues auszuprobieren und schaffe es nicht einmal im gleichen Restaurant zweimal das Gleiche zu essen. Ich bin einfach viel zu neugierig. Und Gott, du weißt das doch. Du gehst mit, egal ob ich gehe, laufe, hüpfe oder tanze.  Mein Gott ist ein bewegender, bewegter und in Bewegung bringender Gott. Und vielleicht habe ich mehr Routine als ich denke. Da morgens auf dem Fahrrad. Da ist Gott doch auch. In mir. In meiner Bewegung. Im Vogelgesang. In der Weite der Felder. Im Duft, der noch so frischen Morgenluft. Im Fahrtwind, der mir das Haar zerzaust. Da im Morgenlicht, das nur einen Moment die wunderschönste Farbe hat, da will ich seufzen.  Seufzen ist vielleicht mein Gebt, um mehr mit, statt nur über Gott zu sprechen.  Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

    4 min
  7. HACE 6 DÍAS

    Hab Mut!

    Am Mittwochabend hat in Würzburg das große Glaubensfest, der Katholikentag begonnen. Mehrere Zehntausend Menschen werden bis Sonntag kommen, um zusammen zu beten und zu singen, zu diskutieren und heiße Eisen der Kirchenpolitik anzufassen, um neuesten Erkenntnissen der Theologie zu lauschen und miteinander zu feiern und sich im Glauben zu bestärken.  Laura Kunz, Gemeindereferentin und Jugendseelsorgerin im Bistum Würzburg, war gefragt worden, ob sie das Katholikentagsgebet schreiben würde. Sie war erstaunt und fühlte sich geehrt, weil kein Bischof, sondern sie gefragt worden ist. Und sie hat es geschrieben. Mir gefällt es sehr gut und so habe ich überlegt, dass ich es heute und jetzt mit Dir bete."Gott, du schenkst uns das Leben - Moment für Moment und Tag für Tag. Und jeden Tag legst du uns deine Worte ins Herz: Hab Mut, steh auf! Weil du willst, dass wir mutig sind - jede und jeder von uns. Erfülle uns mit deiner Geistkraft, die uns zeigt, dass wir mehr schaffen können, als wir uns selbst oft zutrauen. So segne uns mit dem Mut Jesu, damit wir uns trauen, offen über unsere Zweifel und kritischen Fragen zu sprechen und auch unbequeme Themen in den Mittelpunkt zu stellen. Lass uns im Dialog mit dir und den Menschen unseren Blick weiten und neue Perspektiven gewinnen. Segne uns mit deiner Kraft, damit wir nicht aufhören, von einer gerechten und friedlichen Welt zu träumen, auch mal ungewöhnliche Wege gehen und uns für Vielfalt und Respekt einsetzen. Lass uns mutig aufstehen, unsere Träume verwirklichen und über uns selbst hinauswachsen. Segne uns mit Begeisterung für diesen Katholikentag, damit wir unseren Glauben gemeinsam leben und feiern und eine Gemeinschaft erleben, die trägt und stärkt. Lass uns spüren, dass du mitten unter uns bist und uns inspirierst, mutig und hoffnungsvoll in die Zukunft zu gehen. Gott, wer du auch bist und wie du auch aussiehst, du große Kraft des Lebens, begleite uns mit deiner unendlichen Liebe. Heute, während des Katholikentags in Würzburg und an allen Tagen. Amen.

    4 min
  8. 14 MAY

    Glotz nicht so!

    40 Tage nach Ostern feiern wir das Fest Christi Himmelfahrt. Es markiert das Ende der Zeit des irdischen Jesus. Seit Ostern ist er immer wieder den Aposteln und Jüngern erschienen, hat mit ihnen gesprochen und gegessen, ihnen den Frieden zugesprochen und auch angekündigt, ihnen bald den Heiligen Geist zu senden. Am Ende des Lukasevangeliums und am Anfang der Apostelgeschichte wird dann berichtet, wie Jesus vor den Augen seiner Jünger emporgehoben und von einer Wolke aufgenommen wurde, so dass sie ihn nicht mehr sahen. Ein unglaubliches Bild, finde ich. Den Jüngern muss es ähnlich ergangen sein, denn die Apostelgeschichte berichtet dann von zwei Männern in weißen Gewändern, die bei ihnen standen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel? – Ich stelle mir die Jünger Jesu gerade vor, wie sie wohl ziemlich verdattert und mit offenem Mund nach oben schauen. „Glotzt nicht so!“ würde man ihnen heute wohl zurufen. Ich sehe darin auch unsere Kirche von heute, die wegen all der Krisen und Skandale, wegen all des ganzen Streits ziemlich gelähmt und versteinert mit offenem Mund dasteht und zum Himmel schaut. Ob das nun Bischöfe sind, die sich vor mutigen Entscheidungen drücken und lieber erst einmal warten wollen, was Rom und die öffentliche Meinung so sagen könnten, oder auch jeder und jede von uns, die wir so gerne Papiere und Konzepte erarbeiten, anstatt direkt ans Werk zu gehen und andere Menschen von der Botschaft Jesu zu begeistern. Die Apostel und Jünger haben doch in den Tagen vor Jesu Himmelfahrt das ganze Handwerkszeug überreicht bekommen, quasi die Gebrauchsanweisung mit der Zusage, dass der Heilige Geist helfen wird; und wenn es schonmal beim Gespräch am Gartenzaun ist. In zehn Tagen ist Pfingsten, da feiern wir das Kommen des Heiligen Geistes. Nutzen wir doch die Zeit bis dahin und auch darüber hinaus dazu, um diesen Geist zu beten und voller Tatendrang ans Werk zu gehen, anstatt mit offenem Mund in den Himmel zu starren. Die Jünger haben es damals ähnlich getan, denn am Ende des Lukasevangeliums heißt es schließlich, dass sie in großer Freude nach Jerusalem zurückgegangen sind. Diese Freude über die Botschaft vom Auferstandenen, die wünsche ich Dir nicht nur heute von ganzem Herzen!

    4 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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