Morgenimpuls

DOMRADIO.DE

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

  1. hace 18 h

    Unbewaffnet, aber nicht hilflos

    Heute ist der erste September. Eigentlich ein normales Datum. Eigentlich.  Aber ehrlicherweise verbinde ich und viele Menschen hierzulande dieses Datum eher mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939. Das Datum ist eingebrannt in unsere Geschichte und in unser einzelnes und kollektives Gedächtnis. Seit den 50er Jahren ist er Antikriegstag und in den 2000ern hatte man das Gefühl, eine breite Friedenspolitik in Europa wird den Frieden auf lange Zeit sichern. Leider wissen wir seit den russischen Überfällen auf die Krim und die Ukraine, dass der Krieg wieder da ist und die Bedrohung wieder näher rückt. Eine wirkliche Friedenspolitik scheint nicht mehr möglich, wenn ein Aggressor nur durch militärische Gegenmacht aufzuhalten ist. Das ist echt entmutigend. Die Botschaft des Papstes zum kommenden Weltfriedenstag lädt die Menschheit dazu ein, die Logik von Gewalt und Krieg abzulehnen und sich für einen echten Frieden einzusetzen, der auf Liebe und Gerechtigkeit basiert. Jeden Tag werden Menschen in Kriegen und Bürgerkriegen verletzt oder getötet. Jeden Tag sterben Menschen an Hunger und Not oder auf der Flucht, verursacht durch Kriege und bewaffnete Gewalt.Viele mühen sich, wenigstens eine Waffenruhe herbeizuführen, eine Basis zu finden, auf der eine friedlichere Zukunft vor Ort aufgebaut werden kann. Oft, viel zu oft, scheint dies völlig nutzlos zu sein. Unsicherheit macht sich breit, Angst. „Was ist zu tun? Ist auch der Friede bei uns bedroht?“, fragen sich viele Menschen.Mitten hinein in diese Situation ruft Papst Leo uns die Friedensbotschaft 2026 zu: „Friede sei mit euch“. So lautet der erste Teil der Botschaft. Zunächst denkt man dann: Diese Botschaft klingt so weit, so wenig spektakulär. Aber die Botschaft geht weiter: „... auf dem Weg zu einem unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“.Mit dem Geschenk des göttlichen Friedens, der auf Gerechtigkeit und Liebe aufbaut, ausgestattet, bin ich aufgefordert, mich auf den Weg zu machen – unbewaffnet, aber nicht hilflos und mit einem klaren Auftrag: für den entwaffnenden Frieden einzutreten und das meinige dafür zu tun, dass er Wirklichkeit werden kann: in Worten und Umgangsformen und in Taten, die friedlich und entgegenkommend sind, ohne Hass und Hetze.

  2. hace 1 día

    Nicht als Besserwisser und Alleskönner

    Herzlich willkommen zum Gebet am Montag. Ich habe im Urlaub ein dickes Buch zum größten Teil, und hier zu Hause dann zu Ende gelesen. Es geht in diesem historischen Roman um den Dreikönigsschrein im Kölner Dom und seinen Erschaffer, einen Goldschmied aus Frankreich. Diese Geschichte hat mich entführt in die Zeit des 12. Jahrhunderts und das Leben in Köln und in Mitteleuropa damals, um viele echte handelnde und natürlich viele erdachte Personen dazu. Und die Zeitläufe damals waren verwirrend und zum Teil verstörend, geprägt von Kriegen und Feldzügen, von Machtspielen zwischen Erzbischöfen, Kaisern, Königen und Päpsten, zwischen Getreuen und Willkürlichen, zwischen Leben und Überleben, zwischen äußerer Frömmigkeit und wirklichem Glauben, zwischen Mord und Totschlag, zwischen Krankheiten und Katastrophen und Festen und Feierlichkeiten. Unglaublich vielfältig und atemlos scheinend. Und dazwischen dieser Goldschmied, der seinen Auftrag, diesen Dreikönigsschrein zu erschaffen, immer treu bleibt und mit vielen Stellen aus der Bibel seine Wahl der Personen belegt und immer wieder verteidigt, die auf den verschiedenen Seiten des Schreins erstehen sollen. Und an seinem Auftrag entlang erlebt er seinen Glauben und sein Zweifeln, wenn seine Frauen und Kinder ihn und seinen Glauben immer wieder auf die Probe stellen und er manchmal nicht mehr weiß, was wirklich gut und richtig ist. Und immer zwischendurch ist es mir leichtgefallen, Vergleiche zu ziehen zu heute und unserem Leben hier. In vielem, was wir tun und woran wir engagiert arbeiten, gibt es immer wieder Anfragen und Gegenwind und Unterstützung und Hilfe und immer wieder frage ich mich selbst an, wo und wie da meine Position ist. So ist Leben eben.Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth:"Als ich zu euch kam, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten. Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch." In Schwäche und Furcht, schreibt er, also nicht als Besserwisser und Alleskönner will er sein Zeugnis für Gott verbreiten und Christus verkünden. Das kommt dem Hauptdarsteller in meinem Buch und auch meinem und Deinem Verständnis von Leben aus dem Glauben wahrscheinlich ziemlich nahe.

  3. hace 2 días

    Aus dem Hören wächst Handeln

    Aus dem Zusammenhang gerissen, das ist eine der häufigsten Floskeln in hitzigen Diskussionen. Ein Satz, ein Zitat, ein Bild wird rein isoliert betrachtet und verliert dann seine eigentliche Bedeutung. Ähnlich geht es oft mit biblischen Texten. Nehmen wir die Geschichte von Martha und Maria: Schnell liest man sie als Gegenüberstellung: aktiv sein oder zuhören, helfen oder einfach da sitzen. Und sofort scheint Maria die Bessere zu sein. Martha bekommt nur noch eine Belehrung ab. Doch, das greift etwas kurz. Die Erzählung gehört in einen größeren Zusammenhang. Lukas schreibt direkt davor: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben und deinen Nächsten wie dich selbst." Zwei Geschichten folgen darauf: der barmherzige Samariter, ein Bild für gelebte Nächstenliebe, und Maria, die Jesus zuhört, ein Bild für gelebte Gottesliebe. Erst im Zusammenspiel wird deutlich: Wahre Liebe zu Gott lebt beides. Wahre Liebe zu den Menschen lebt beides. Martha steht für uns alle, die wir engagiert, pflichtbewusst und hilfsbereit sind, aber innerlich zerrissen, überfordert, hin- und hergerissen von Sorgen. Ihre Liebe ist echt, aber sie verliert das Wesentliche aus den Augen. Jesus ruft sie nicht zur Untätigkeit auf, sondern zur Neuordnung: Sorge nicht zuerst um das Viele, sondern nimm dir Zeit für das Eine.  Maria dagegen zeigt uns: Hören ist der Ursprung der Liebe. Sie setzt sich zu Jesus. Damals ein Platz für männliche Schüler. Und wählt den guten Teil nicht, weil sie besser ist, sondern weil ihre Haltung zeigt, wo alles beginnt: in der Beziehung zu Gott. Wer die Geschichte von Martha und Maria nur isoliert liest, übersieht leicht ihren Sinn. Es geht nicht um ein Gegeneinander von Maria und Martha. Es geht darum, die rechte Ordnung zu finden. Aus der Gottesliebe erwächst die Nächstenliebe. Aus dem Hören wächst das Handeln. Wenn wir das im Blick behalten, dann gerät unsere Liebe nicht in Vergessenheit, dann wird sie ganz, ganz wie das Bild, das Jesus uns vorlebt: Gottesliebe, die uns Nächstenliebe möglich macht, und Nächstenliebe, die uns an die Liebe zu Gott erinnert.

  4. hace 3 días

    Für einen "Lebensstil der Gnade"

    Heute denkt die Kirche an die Enthauptung Johannes des Täufers, etwas platt gesagt könnte man sagen, er ist Opfer einer öffentlichen Bloßstellung geworden, eines Shitstorms, vielleicht nicht mit Social Media, aber dennoch in der Öffentlichkeit bloßgestellt.Manchmal werden Menschen bloßgestellt, öffentlich und vermittelt heute eben in Shitstorms, vor allem in Social Media. Und ich erlebe es als Hochschullehrer auch manchmal an der Uni. Da stellt sich die Frage: Wie gehen wir mit den scheinbaren Fehlern anderer um? Im Evangelium sehen wir Jesus in genau so einem Moment. Die Pharisäer bringen eine Frau zu ihm. Sie soll bloßgestellt werden. Gesetz oder Gnade, Prinzip oder Mitgefühl, sie wollen ihn in eine Falle locken. Doch Jesus reagiert mal wieder anders. Er schreibt auf den Boden. Er schaut nicht direkt in die Gesichter der Ankläger, sondern er wendet sich dem Boden zu. Manchmal ist es klüger, nicht sofort auf Provokationen zu reagieren. Distanz kann helfen, klar zu bleiben. Wie bei einer beleidigenden Nachricht in einer WhatsApp-Gruppe: sofort antworten oder erst einmal durchatmen? Dann spricht er den berühmten Satz: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Dieser Satz enthüllt die Heuchelei, ruft zur Selbstreflexion auf, nicht zur schnellen Verurteilung. Wer ist schon perfekt? Fehler in Prüfungen, kleine Schwächen, Missverständnisse. Jeder kennt das. Und dann die befreiende Gnade: Die Ankläger gehen, aber Jesus bleibt. Er vergibt. Er gibt eine Chance. Nicht die Sünde zu ignorieren, sondern: Du bist nicht nur definiert durch deine Fehler. „Geh und sündige nicht mehr“, sagt er. Gnade und Verantwortung gehen bei ihm Hand in Hand. Was bedeutet das für uns heute? In Freundschaften, in der Familie, im Studium, auf der Arbeit: Urteilen wir zu schnell oder erlauben wir Neuanfänge für andere und vielleicht sogar für uns selbst? Es ist eine Anleitung zu unserem Lebensstil der Gnade: nicht wegsehen, nicht alles entschuldigen, aber Zeit nehmen, zu verstehen, zu helfen, Mut zu machen – mit Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

  5. hace 4 días

    "Alle lieben"

    Herzlich willkommen zum Gebet am Freitag. Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht, wenn Du Lebensbeschreibungen von bedeutenden Menschen liest oder Podcasts darüber hörst. Ich bin oft völlig erschlagen von all dem Vielen, was Menschen in ihrem Leben geleistet, geschrieben, erkannt und gelehrt haben, und frage mich immer, wie das in ein einzelnes Leben passt. So geht mir das auch mit dem Heiligen Augustinus, an den wir heute denken. Überliefert sind von ihm fast 1000 seiner Predigten, 113 Bücher und 218 Briefe. Aber es gibt einen Ausschnitt aus einem Vortrag und eine Geschichte über ihn, die Dir und mir vielleicht helfen, einen guten Start in diesen Tag zu schaffen. Und was bei mir manchmal hängenbleibt von einer Predigt, einem Vortrag, einem Artikel oder einem Buch, sind oftmals eher diese kurzen, bedeutenden Geschichten oder Begebenheiten. Und die vielleicht bekannteste kleine Story über den großen Augustinus geht so: Eine der zahlreichen Legenden erzählt, wie Augustinus am Strand des Meeres spazieren geht und in tiefes Nachdenken versunken einen kleinen Jungen sah, der mit einer Muschel Wasser schöpfte und in eine Sandgrube goss. Auf die Frage, was er denn da tue, antwortete das Kind: "Dasselbe, was du tust! Du willst die Unergründlichkeit Gottes mit deinen Gedanken ausschöpfen – ich versuche, das Meer auszuschöpfen!" Da wurde ihm klar, dass das unmöglich ist. Und dann spricht Augustinus von sich und seinen alltäglichen Aufgaben im Sermon 340, 3: "Unruhestifter zurechtweisen, Kleinmütige trösten, sich der Schwachen annehmen, Gegner widerlegen, sich vor Nachstellungen hüten, Träge wachrütteln, Händesuchende zurückhalten, Eingebildeten den rechten Platz anweisen, Streitende besänftigen, Unwissende belehren, Armen helfen, Unterdrückte befreien, Gute ermutigen, Böse ertragen, und – ach – alle lieben!" Das ist Programm für mehr als einen Tag, eine Woche, ein Jahr, für jeden Christen.

  6. hace 5 días

    Liebe, Gebet, Ausdauer und Geduld statt Zwang und Belehrung

    Hast Du eine Monika in Deinem Bekanntenkreis, oder heißt Du selbst so? Die Frau mit diesem Namen ist eine der außergewöhnlichen Frauen in der Kirchengeschichte. Es kommt nämlich nicht sehr häufig vor, dass im Heiligenkalender an Frauen gedacht, sie geehrt und gefeiert werden. Und wenn, dann sind es meistens Kaiserinnen und Königinnen, Ordensgründerinnen oder ähnliches.Heute aber wird an eine Frau gedacht, die bekannt geworden ist als Mutter des heiligen Augustinus. Und genau durch ihn und sein Buch der "Confessiones", der "Bekenntnisse", wissen wir ziemlich viel von ihr. Sie stammt aus einer christlichen Familie, heiratet und hat drei Kinder. Aber sie leidet sehr an ihrem Mann, der als jähzornig, unbeherrscht und regelmäßig Ehebruch begehend geschildert wird. Aber sie gibt ihn nicht auf und davon ist er so beeindruckt, dass er sich kurz vor seinem Tod bekehrt.Bei ihrem Sohn Augustinus war es so ähnlich. Ihm war in seinen wilden Jahren, als er sich vom katholischen Glauben abgewandt, eine Konkubine und mit ihr ein Kind hatte und nichts mehr von seiner Mutter wissen wollte, schon klar, dass sie ihn nicht verloren geben würde. Er wird später schreiben: "Sie weinte um mich mehr, als andere Mütter um ihre toten Kinder weinen."Er spürt, dass es ihr um seine unsterbliche Seele ging und sie mit Gott um ihn rang mit Glauben, Vertrauen und vielen Gebeten. Er sagt später, dass seine Mutter das geistige Rückgrat seiner Entwicklung war. Sie wusste, dass nicht Zwang und Belehrung, sondern Liebe, Gebet, Ausdauer und Geduld die wirksameren Mittel waren. Inständig und ausdauernd bestürmte Monika Gott in Gebeten, ihr Sohn möge zum Glauben finden. Und sie erlebt es noch. Ein halbes Jahr vor ihrem Tod wird Augustinus in der Osternacht 387 im Dom von Mailand von Bischof Ambrosius getauft, jener Ambrosius, der ihr einmal gesagt hatte: "Ein Kind so vieler Tränen kann nicht verloren gehen." Und so wurde es. Aus diesem Sohn, um dessen Leben und Glauben sie so beharrlich gerungen hatte, wurde einer der größten Theologen der Kirchengeschichte.Ich kenne viele Mütter, die über die Wege ihrer Kinder nicht begeistert sind und auch darunter leiden. Und den meisten geht es wie Monika: Sie werden diese Kinder nicht aus ihrem Herzen reißen, sondern bleiben ihnen immer nahe, oft viele schwierige Jahre lang in Geduld und Ausdauer. Und manche beten genau für diese Kinder mehr als für alles andere. Das beeindruckt mich immer wieder sehr.

  7. hace 6 días

    Gesang ist doppeltes Gebet

    Singst Du eigentlich gern? Viele Leute werden bei dieser Frage eher nachdenklich und wissen es nicht so genau. Bei manchen ist noch eine Aussage des Musiklehrers im Kopf, der behauptet hat, dass Du nicht singen kannst und dann hast Du es gelassen. Andere sagen, ja unter der Dusche geht es ganz automatisch und man trällert vor sich hin. Da hört es ja keiner und es ist nur für mich allein. Außerdem gibt es nicht mehr so viele Gelegenheiten zu singen. Außer man geht sonntags zum Gottesdienst oder ins Stadion oder zum Konzert, wo Mitsingen der Inbegriff des Begeistertseins ist oder man singt tatsächlich in einem Chor oder oder.Am Sonntag waren 90 Sangesfreudige bei uns im Mutterhaus zum Sommersingen. Und es war ein sehr vergnüglicher Nachmittag mit Sommer-, Wander- oder heiteren Liedern zum Zusammenbleiben. Und dann habe ich in den Plauderpausen ein bisschen nachgefragt, warum denn Singen Spaß macht. Und da kamen sehr viele Antworten von denen, die meistens betont haben, dass das gemeinsame Singen durch Mark und Bein geht, Gänsehaut macht und einfach das Beste ist. Aber auch, dass man beim Singen auflebt und dass es mich frei macht, war eine Aussage.Singen macht Spaß, obwohl ich nicht gut singen kann, war eine erwartete Antwort und was mir sehr gefallen hat war: Es erfreut die Ohren. Wir Deutschen sind immer noch ein sangesfreudiges Völkchen und es gibt immer noch unendlich viele Chöre und Chorgemeinschaften. Einige Sprichwörter sagen auch etwas über das Singen. Mir gefällt davon am besten: "Gesang ist doppeltes Gebet". Und ich glaube nicht, dass damit nur fromme Kirchenlieder gemeint sind, sondern dass wir den Schöpfer damit loben, wenn wir unsere Stimme, die er uns ja gegeben hat, einfach zum Singen nutzen. Im Brief an die Kolosser heißt es so schön: "Ermutigt einander, indem ihr miteinander Psalmen und Lieder singt und damit Gott die Ehre gebt."Es ist also ganz einfach. Zusammen singen macht Spaß und bildet Gemeinschaft und entwickelt eine innere Kraft, die einfach umwerfend wohltut und Freude macht und Gott ehrt.

  8. 25 ago

    Begegnungen geben Anstoß zum eigenen Denken und Tun

    Begegnungen beleben oft sehr und geben Anstöße für eigenes Tun und Denken. In der Mittagspause auf einem Jubiläumsfest vergangene Woche hat mir beim Spaziergang eine Mitschwester Szenen aus ihrer Arbeit erzählt. Sie arbeitet in der Seelsorge für Menschen, die in Köln auf der Straße leben und von deren Problemen in den letzten unglaublichen heißen Wochen in der Stadt. Eines Tages ist sie mit einem Bollerwagen voller Wasserflaschen unterwegs gewesen, um an den ihr bekannten Treffpunkten Wasser anzubieten und zu verteilen. Und dabei hat eine Touristin aus New York sie beobachtet und angesprochen. Und als sie verstanden hatte, worum es hier geht, ist sie mitgegangen, hat geholfen und hat, als der Wagen leer war, im nächsten Geschäft einige Kisten mit Wasser gekauft und mit ihrem Geld bezahlt, damit weiterhin Wasser verteilt werden konnte.Ganz oft ist es genau so. Menschen erleben, dass es Probleme und Schwierigkeiten gibt und beginnen damit, an Lösungen zu arbeiten und etwas zu tun. Und meist ist sehr schnell ein kleinerer oder größerer Kreis von Menschen angesteckt von der guten Idee und macht mit. Vor fast 500 Jahren hat sich ein junger Priester und Jurist aus Spanien auf den Weg nach Rom gemacht. Und dort ist er völlig entsetzt von der Not und Verwahrlosung der Straßenkinder dort. In Trastevere beginnt er sofort mit einer Schule, die für alle Kinder dort kostenlos war. Und auch hier waren viele junge Leute so angetan von der Aufgabe und dem Engagement dieses Josef von Calasanza, dass sie mitmachen wollten und an diesem Werk für Kinder arbeiten. Also wurde eine Ordensgemeinschaft gegründet und über die nächsten Jahrhunderte gab es immer mehr Schulen für arme Kinder und die Lebensverhältnisse haben sich durch die dann gut ausgebildeten Jugendlichen stark verbessert.Begegnungen geben Anstoß zum eigenen Denken und Tun. Jesus sagt: Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Manchmal ist es dann Wasser austeilen an Bedürftige, manchmal ist es eine Schule gründen für mittellose Kinder, manchmal ist es etwas ganz anderes, was Dir heute begegnet und was Dich anregt, aus diesem Wort heraus etwas zu tun.

Acerca de

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

También te podría interesar