Warum keine Lust auf Sex — Shownotes Episode 014 Akzeptieren Sie für den Augenblick, wenn Ihre Partnerin keine Lust auf Sex hat. Diesen Satz habe ich im Netz gelesen, in einem Ratgeber, als nummerierten Tipp. Er war nicht an mich gerichtet. Er war an ihn gerichtet, über mich hinweg. Und mein erster Gedanke war: Welcher Augenblick denn bitte? Das ist ja der Haken an der Sache. Ein Augenblick ist etwas Kurzes. Fünf Minuten, eine schlechte Nacht, ein Streit vor dem Einschlafen. Die Perimenopause dauert statistisch zehn Jahre, und praktisch fängt sie früher an und hört später auf, als in irgendwelchen wissenschaftlichen Dokumenten steht. Wer mir sagt, ich solle für den Augenblick akzeptiert werden, sagt eigentlich etwas ganz anderes. Er sagt: Dein Nein bekommt ein Verfallsdatum. Wir sitzen das aus. Und noch etwas gehört dazu. Dieser Ratschlag steht nicht in einem Forum, wo irgendwer nachts seine Meinung tippt. Er steht in einem Ratgeber, redaktionell betreut, als Empfehlung an Männer. Jemand hielt ihn für richtig genug, ihn zu veröffentlichen. Das macht ihn nicht klüger, aber es zeigt, wie selbstverständlich diese Sicht ist. Und genau deshalb rede ich in dieser Folge dagegen an. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick In dieser Folge rede ich gegen einen einzigen Satz an. Warum keine Lust auf Sex kein Zustand ist, den man aussitzt, sondern eine Auskunft, nach der nie jemand fragt. Ich erzähle, was passiert, wenn Frauen die alleinige Verantwortung dafür bekommen, dass es im Bett weitergeht, und warum unser Nein in solchen Ratschlägen immer nur ein Aufschub ist und nie eine Antwort. Ich rechne vor, wie das bei mir wirklich aussah, mit einem Mann, der sich beschwert hat, dass ich zu lange brauche. Ich rede darüber, dass es meistens gar nicht stimmt, dass wir keine Lust haben. Wir haben nur keine Lust mehr auf das, was seit Jahren gleich abläuft. Und ich sage, was ich mittlerweile für das Beste an dieser ganzen Lebensphase halte: dass wir die Nerven dafür nicht mehr haben. Es ist keine Folge über Hormone. Es ist eine Folge darüber, wer in diesem Gespräch überhaupt vorkommt. Die wichtigsten Gedanken Es geht selten darum, dass ich keine Lust habe. Es geht darum, dass ich keine Lust auf diesen Sex habe, auf das Immergleiche, auf das Vorgespielte. Das ist nicht dasselbe, und es wird ständig verwechselt. Wer rät, einfach abzuwarten, bis die Lust wiederkommt, hat mich in seinem Satz gar nicht vorgesehen. Ich bin darin ein Zustand, kein Gegenüber. Man wartet ihn ab wie schlechtes Wetter. Der Vorwurf, ich würde zu lange brauchen, kam ausgerechnet von einem Mann, der selbst eine Dreiviertelstunde brauchte, wenn ich es machte. Gefragt, was er anders wollte, hat er nie. Er hat sich lieber beschwert. Es gibt unzählige Videos darüber, wie Männer mit der Periode ihrer Partnerin umgehen sollen. Blumen, Schokolade, Rückzug. Beim Thema Lust hört die Fürsorge auf und wird zu einem einzigen Satz: abwarten. Nach diesem Augenblick sind wir andere Frauen. Nicht kaputte, nicht schwierige, nicht anstrengende. Andere. Und wer bereit ist, mitzugehen, bekommt eine Frau, die selbst Spaß hat, statt einer, die mitmacht. Fragt mich, und ich antworte. Ich habe eine Antwort darauf. Sie wollte nur noch nie jemand hören. Shownotes und Episodendetails Ich lese viel. Berichte, Foren, Ratgeberseiten, alles, was mir zum Thema unter die Finger kommt. Und irgendwann fällt einem auf, wie viele dieser Texte gar nicht mit uns reden. Sie reden über uns, mit jemand anderem. Der Satz, gegen den ich in dieser Folge anrede, ist so einer. Er wendet sich an den Mann. Er erklärt ihm, wie er sich zu verhalten hat, wenn seine Partnerin nicht will. Und die Empfehlung lautet: für den Augenblick akzeptieren. Nicht fragen. Nicht wissen wollen. Aussitzen. Was mich daran wirklich ärgert, ist nicht die Freundlichkeit im Ton. Es ist, dass wir dabei die gesamte Verantwortung tragen. Wir sind diejenigen, die etwas verweigern, die wieder in Ordnung kommen müssen, die irgendwann bitte wieder mitspielen. Dass zwei Menschen im Bett liegen und beide etwas beitragen könnten, kommt in dem Satz überhaupt nicht vor. Der Augenblick, der keiner ist Ich rechne in dieser Folge einmal nach. Wenn dieser Augenblick zehn Jahre dauert, dann ist es kein Augenblick, sondern ein Lebensabschnitt. Und selbst wenn er irgendwann vorbei ist, kommt danach nicht die Frau von vorher zurück. Es kommt eine andere. Eine, die nicht mehr bereit ist, Dinge hinzunehmen, nur weil sie dreißig Jahre lang so gelaufen sind. Das halte ich übrigens für das Beste an dieser ganzen Zeit. Nicht die Hitzewallungen, nicht der Schlaf, nicht der Rest. Sondern dass wir die Nerven nicht mehr haben, uns zu verstellen. Wir hören auf, den Orgasmus vorzuspielen, damit der andere sich gut fühlt. Wir hören auf, still zu bleiben, wenn uns etwas nicht gefällt. Das ist keine Krise. Das ist eine Erleichterung. Warum das keine Absage an Sex ist Ich will das nicht missverstanden wissen. Es geht nicht darum, dass wir keine Lust haben. Wir haben Lust. Wir haben richtig Lust. Nur eben nicht auf das, was seit Jahren gleich abläuft, ohne dass jemals jemand gefragt hätte, ob das für uns überhaupt passt. Ich erzähle in dieser Folge von einem Mann, der sich bei mir beschwert hat, ich würde zu lange brauchen. Derselbe Mann brauchte eine Dreiviertelstunde, wenn ich ihn befriedigte, und zwar deshalb, weil es nicht so war, wie er es gern hätte. Gesagt hat er es mir nie. Er fand das doof. Beschwert hat er sich trotzdem. Und ich saß da mit anderthalb Stunden, weil er nicht traf. Nicht mit dem Vibrator, nicht am Kitzler. Als wäre ich anatomisch falsch gebaut. Oder als hätte er einfach nicht hingesehen. Was ich mir stattdessen wünsche Nichts Kompliziertes. Ich möchte gefragt werden, was ich eigentlich möchte. Das ist alles. Und wenn mich jemand fragt, dann antworte ich gerne, ausführlich sogar, denn ich habe eine Antwort. Ich hatte sie die ganze Zeit. Deshalb ist einfach abzuwarten, bis die Frau wieder Lust hat, keine Lösung. Es ist noch nicht mal ein Versuch. Wenn dir diese Folge etwas gegeben hat, hinterlass mir bitte eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify. Ehrlich gesagt hilft das mehr, als man denkt: Es entscheidet darüber, ob eine Frau, die nachts sucht, diese Folge überhaupt findet. Ein paar Sterne reichen. Ein Satz dazu wäre großartig.