Morgenimpuls

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

  1. vor 7 Std.

    Chaos ist viel mehr als Unordnung

    Um zu verstehen, was Chaos bedeutet, reicht manchmal ein Blick auf einen Schreibtisch, ehrlicherweise sogar manchmal auf meinen eigenen. Aber auf der anderen Seite ist das, was das Wort Chaos angeht, eigentlich harmlos. Denn Chaos ist mehr als die Unordnung auf dem Schreibtisch.Sprachforscher führen das Wort Chaos auf das Griechische zurück, verwandt mit dem Bild eines gähnenden Abgrunds. Chaos ist das, wo der Boden fehlt, wo alles ins Rutschen gerät. In der Bibel hat dieses Chaos ein berühmtes Bild, das Meer.Darum spricht das Markus-Evangelium nicht einfach vom See von Kafarnaum, sondern ganz auffällig vom Meer. Das ist kein Urlaubsbild, kein Strandkorb. Das Meer steht für ihn, für Gewalt, für Bedrohung, für diesen Abgrund.Und genau dort sitzen die Jünger im Boot. Der Sturm tobt, Orientierung geht verloren, Lebensgefahr, Chaos pur. Solches Chaos kennen wir auch nach einem Verlust, nach einer Trennung, nach einem beruflichen Scheitern oder mitten in einer schweren Krankheit; Momente, in denen man keinen Ausweg mehr sieht. Der Abgrund ist nah. Das ist Chaos.Die Bibel nennt diesen Zustand auch Tohuwabohu, ungeordnet, haltlos, schutzlos. Und dort beginnt Gottes Schöpfung. Schweig, sei still, mit diesen Worten setzt Jesus dem Chaos eine Grenze.Gott schafft Kosmos. Aus Tohuwabohu wird Ordnung, aus Sturm wird Stille. Bemerkenswert an der Bibelstelle: Jesus schläft zunächst auf dem Boot.Kein hektisches Eingreifen, kein panischer Aktionismus. Er ruft nicht aus der Situation heraus. Er ruft zur Gestaltung, zum Innehalten, zum Vertrauen.Das Wunder, das Zeichen besteht nicht nur darin, dass der Sturm sich legt, sondern darin, dass Gott mitten im Chaos gegenwärtig ist. Paulus sagt es so: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Vielleicht ist das die entscheidende Frage: Wie kann ich mit ihm auch mein Chaos gestalten und zum Kosmos werden lassen? Wie kann ich lernen, nicht nur in den Abgrund zu starren, sondern mit Christus neue Ordnung, neue Hoffnung, neues Leben zu wagen? Denn Gott spricht nicht nur über das Chaos. Er spricht mitten hinein und es wird still.

  2. vor 1 Tag

    Feindesliebe bedeutet nicht Naivität

    "Du sollst deinen Nächsten lieben, du sollst deine Feinde lieben. Wahrscheinlich, weil es oft die gleichen Menschen sind." Dieser provokante Satz stammt von Gilbert Keith Chesterton, einem englischen Autor. Feinde machen das Leben nicht leichter. Man kann sich an ihnen abarbeiten. Sie verursachen Ärger und doch führen sie manchmal zu ungeahnten Verbindungen. Vielleicht hat Siegmund Freud deshalb von der Unmöglichkeit der Feindesliebe gesprochen, doch wer ist eigentlich mein Feind? Manchmal sogar ich selbst. Und wie kann man Feindesliebe überhaupt erreichen? König David und König Saul aus dem Alten Testament sind ein bekanntes Beispiel dafür. Saul hat Angst, dass David seine Amt will. David zeigt Können, verschont aber Saul, seinen Schwiegervater. Er achtet die Auserwählung des gesalbten Königs. David ist dabei kein Engel. Im Gegenteil: Intrigen, Ehebruch, Machtspiele; er hat alles drauf. Und trotzdem endet der Streit bei ihm. Saul und David begegnen sich danach nie wieder. Die Feindschaft hat ihr Ende, zumindest bei David. Feindesliebe heißt nicht naiv zu sein. Es heißt, Feindschaft und Verantwortung klar zu benennen. Vergeben bedeutet nicht gut heißen, aber: "Jesus ist der Meister des Unmöglichen", sagt Charles de Foucauld. Die Gemeinde in Korinth war völlig zerstritten. Paulus gibt das menschlich Unmögliche nicht auf, indem er die göttliche Möglichkeit in den Streit der Menschen hineinbringt. Er erinnert uns daran, was ist unser Streit, wenn wir das Himmelreich als Ziel in Jesus Christus nicht vergessen. Denn dieses Vergängliche, so schreibt er, muss sich mit Unvergänglichkeit bekleiden und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit. Ein Perspektivwechsel kann Wunder wirken; wer ist Freund und wer ist Feind, wer ist mein Feind und wie kann ich ihn überwinden? Indem ich mich von Gott lieben lasse, kann ich auch im anderen Gott lieben. Indem ich mich von Gott tragen lasse, kann ich den Feind in mir selbst überwinden. Beileibe: Feindesliebe ist kein leichter Weg und nicht etwas, das man so nebenbei macht, aber sie ist möglich durch Liebe, Geduld und Vertrauen in Gott.

  3. vor 2 Tagen

    Jede Verabschiedung kann ein Anfang sein

    Sommerzeit ist Urlaubszeit und so darf ich euch heute alle begrüßen beim DOMRADIO-Morgenimpuls. Ich darf euch in den nächsten Wochen ein bisschen intensiver begleiten, denn Schwester Katharina hat sich in ihren wohlverdienten Sommerurlaub aufgemacht und so grüßen wir sie ganz, ganz herzlich hier aus dem DOMRADIO in Köln und wir sagen auf Wiedersehen, bis sie zum nächsten Mal wieder hier bei uns sein wird (24. August). Auf Wiedersehen, für Gott, tschüss, adieu – Worte, die wir jeden Tag verwenden, fast automatisch.Verabschiedungen sind mehr als Floskeln. Sie tragen immer auch eine Botschaft, einen Wunsch, eine Zusage, manchmal sogar eine Erwartung. Sie zeigen, wir nehmen den anderen in unsere Gedankenwelt mit, auch wenn wir gerade auseinandergehen.In der Liturgie der Kirche werden wir am Ende der Messe mit den Worten verabschiedet: „Gehet hin in Frieden!“ Frieden? Ein Auftrag oder eine Hoffnung? Vielleicht beides. Es ist nicht einfach, ein leises Tschüss, sondern ein Aussenden, ein Gesendetsein.Wir sind aufgerufen, den Frieden weiterzutragen, Hoffnung sichtbar zu machen, anderen Menschen ein Zeichen von Vertrauen, Geborgenheit und Zuversicht zu schenken. Hoffnung ist dabei aber nicht nur ein schönes Gefühl, sie ist eine Tugend, eine innere Haltung, aus der wir handeln. Tugenden prägen unser Leben, sie formen unseren Blick auf die Welt, sie lenken unsere Entscheidungen, sie wirken in unseren Handlungen.Hoffnung zeigt uns, dass es über das Hier und Jetzt etwas gibt, das uns trägt, dass das Leben nicht nur ein Immer-Weiter-So ist, sondern Sinn hat, dass Gott uns hält und dass das Ewige Leben eine reale Perspektive ist. „Gehet hin in Frieden“ - diese Verabschiedung ist nicht nur für uns selbst.Wir werden gesendet, wir dürfen hinausgehen in die Welt, in unsere Familien, in unsere Nachbarschaft, an unsere Arbeitsplätze und ein Stück Hoffnung weitertragen. Wir dürfen Menschen zeigen, dass es mehr gibt als Sorgen, Konflikte und Hektik, dass Vertrauen, Frieden und Geborgenheit möglich sind. Jede Verabschiedung kann so ein kleiner Anfang sein, ein Zeichen dafür, dass wir Hoffnung haben, dass wir aus Frieden handeln und dass wir ausgesandt sind.Und so verabschieden wir uns nicht nur im Alltag, sondern im Leben mit Hoffnung, mit Frieden und mit der Gewissheit, dass wir gesendet sind, um Zeichen des Lebens und der Liebe in diese Welt zu bringen. Info der Redaktion: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina außerhalb ihres Sommerurlaubs von ihren Gedanken zu Gott und die Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

  4. vor 3 Tagen

    Jesus ist unsere Lebensversicherung

    Haben Sie eigentlich eine Lebensversicherung? Keine Angst, ich will Ihnen keine verkaufen. Aber viele Menschen haben Lebensversicherungen, um sich abzusichern für das Alter oder um den Angehörigen etwas zu hinterlassen. Aber wie seltsam ist das eigentlich? Wir versuchen unser Leben zu versichern, etwas, das wir nicht verlängern oder zurückholen können. Unser Leben ist nämlich endlich. Und dann? Und dann gibt es die Ewigkeit. Daran glauben wir als Christen und zugleich können wir sie uns kaum vorstellen.Unser Verstand ist nämlich auf Zeitlichkeit ausgerichtet. Anfang, Ende, Abläufe. Ewigkeit kennt keinen Anfang, kennt kein Ende, kein Mehr, kein Besser, keine Routine.Jesus spricht von dieser Ewigkeit und sie unterscheidet sich radikal von allem, was wir kennen. Es ist nicht bloß unendliche Zeit. Es ist Begegnung mit Gott, Erfüllung, die alles, was wir kennen, übersteigt.Der heilige Irenaeus von Lyon beschreibt es so: Die Menschen werden Gott schauen und dadurch leben, denn durch das Schauen werden sie unsterblich und tauchen ein in Gott. Ewigkeit ist keine Langeweile, sie ist kein mehr Desgleichen, sie ist Fülle, sie ist Ganzheit oder ein bisschen fromm gesagt, sie ist Liebe.Und wir können schon jetzt einen kleinen Schritt in diese Ewigkeit investieren. Tägliches Gebet, in der Heiligen Schrift lesen, Gottes Wirken im Alltag wahrnehmen. Glauben lebt durch Vergebung, Demut und gute Taten.Das Ewige Leben wird nicht verändert, aber der Glaube an das Ewige Leben verändert, wie wir hier und jetzt leben. Wie bei einer Lebensversicherung zahlen wir regelmäßig ein, wir investieren Zeit und Vertrauen in Gott, in die Liebe, in die Hoffnung, in den Glauben und wir wissen, Gott hält sein Versprechen. Gott selbst versichert uns durch seinen Sohn Jesus Christus, sein Tod und seine Auferstehung sind unsere Lebensversicherung, über den Tod hinaus in seine Ewigkeit.Wer an ihn glaubt, lebt mit der Perspektive, die über das Irdische hinausgeht. Wer auf ihn vertraut, lebt getragen von der Hoffnung: Du lebst und Gott ist bei dir, jetzt und in Ewigkeit.

  5. vor 4 Tagen

    Bleibt alles anders

    "Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern." Fast 80 Jahre ist es her, dass Luchino Visconti den Roman "Il Gattopardo" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa verfilmte. Ein 168-minütiges Meisterwerk der Filmgeschichte! Buch und Film erzählen die Geschichte des Niedergangs des Adels in Sizilien. Don Fabrizio, der Fürst von Salina, sieht seine Welt zerfallen, während sich die Zeit wandelt. Im Zentrum des Romans steht aber auch Tancredi, sein Lieblings-Neffe, der über die Transformation nachdenkt und den berühmten Satz prägt: "Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern." Ein Gedanke, den man manchmal als Gattopardismo bezeichnet: Wandel inszenieren, um alles beim Alten zu belassen. Doch die Geschichte zeigt, dass dieser Ansatz trügerisch ist. Denn die Veränderungen, die kommen, halten sich nicht an Pläne und niemand entkommt dem Fluss der Geschichte. Die Erzählung macht eindrücklich sichtbar, wie schwierig es ist, das Alte zu bewahren und gleichzeitig Neues zu wagen. Don Fabrizio erkennt, dass seine Zeit vorbei ist: dass Macht, Besitz und Status zerfallen; alles scheint zu zerbrechen und doch eröffnet gerade der Wandel neue Perspektiven - auch für die Kirche, für Gesellschaft und für jeden einzelnen gilt: Ohne die Bereitschaft zu bewahren, was wertvoll ist, gibt es keinen echten Wandel und ohne Scheitern kein Lernen, keine Neuausrichtung. Der Roman und der Film zeigen: Fortschritt ist nie einfach, er erfordert Geduld, Blick für das Wesentliche, Mut zur Veränderung und manchmal das Loslassen von dem, was vertraut ist. Der Regisseur Visconti selbst sah sein Werk als Sinnbild dieser Spannung: Alte Regeln und Strukturen brechen, während sich Neues formiert, oft widersprüchlich, manchmal widerspenstig. So entsteht Erneuerung; nicht durch den abrupten Bruch, sondern durch die stetige Bewegung zwischen bewahren und wandeln. Giuseppe Tomasi di Lampedusa erlebte den Erfolg seines Romans nicht mehr. Er starb, bevor das Buch veröffentlicht wurde. Seine Geschichte ist ein stiller Hinweis: Wandel ist unausweichlich. Doch wer das Bewahren, das Lernen aus der Vergangenheit ernst nimmt, wird fähig, den Wandel zu gestalten. Und so bleibt das Motto von Tancredi ein Denkanstoß für uns heute: Alles kann sich ändern und doch hängt alles davon ab, was wir bewahren. Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern.

  6. vor 5 Tagen

    Ab in den Urlaub mit Ignatius

    Dank einer Kanonenkugel zum Ordensgründer. Ein Stoff für Hollywoodm, aber tatsächlich geschehen. Ignatius war das zwölfte Kind einer Adelsfamilie in Loyola.In seiner Jugend war er bis 1517 Bediensteter am Hof von Ferdinand V. von Kastilien Er war ein Lebemann, kam mit dem Gesetz in Konflikt, wurde Offizier im Dienst des Vizekönigs von Navarra und Pamplona, und sein Lebensplan war eine Karriere beim Militär. Dann zwang ihn eine steinerne Kanonenkugel, die ihn am 20. Mai 1521 bei der Verteidigung der Feste Pamplona gegen die Franzosen traf und sein Bein zertrümmerte, für lange Zeit aufs Krankenbett zuhause im Schloss von Loyola. Während seiner Genesung hat er gelesen - weil es im Schloss nichts anderes zu lesen gab - religiöse Schriften wie das „Leben Christi“ des Kartäusers Ludolf von Sachsen und die Heiligenlegenden der “Legenda Aurea“, was zu seinem Entschluss führte, sich einem geistlichen Leben zu verschreiben. In einem unglaublich energischen Kampf und Weg wird er Gründer des Jesuitenordens und betreibt sehr erfolgreich die katholische Reform in Europa. In den geistlichen Übungen entdeckt er einen Weg, den jeder Mensch gehen kann, der sich in den Dienst Gottes und der Menschen stellen will und schreibt diese Übungen in seinem Exerzitienbüchlein nieder. Ich habe ein paar Zitate gefunden, die uns Heutigen, fünfhundert Jahre später, immer noch sehr aktuelle Weisung sein können. Er sagt zum Beispiel: "Wer Seelenfrieden sucht, kann ihn nicht finden, solange er den Grund des Unfriedens in sich selbst hat." Ich glaube, das kennen viele von uns. Es gibt einen inneren Unfrieden und bis der nicht geklärt, nicht gelöst und nicht befriedet ist, kann es auch keine äußere Ruhe geben. Und vielleicht noch einen ganz konkreten Tipp für heute und jeden Tag der Woche. "Reserviere eine bestimmte Zeit für dich selbst und halte dich ruhigen Gemüts in Erfolg und Misserfolg, frei von Unruhe und Verwirrung, sowohl bei frohen als bei traurigen Anlässen."Mir scheinen das auch zwei gute Weisungen in meinen Urlaub in den nächsten drei Wochen zu sein. Es geht ja zum einen immer um Tapetenwechsel, um andere Leute, andere Städte, andere Gegenden kennen zu lernen, aber auch, um ein wenig innere Sortierung, Befreiung von Sorgen, Ängsten, Zwängen und anderen inneren Unruheherden. Ich bin gespannt und freue mich darauf und die Worte des Ignatius können mich und vielleicht auch Dich dabei gut begleiten.Sr. Katharina geht für drei Wochen in den Urlaub. Den täglichen Morgenimpuls gibt es aber dennoch, Pfarrer Stefan Wißkirchen und Vanessa Grbavac übernehmen für diese Zeit die Impulse am Morgen.

  7. vor 6 Tagen

    Dankbar auf ein langes Leben schauen

    Priester-, Ordens- und Ehejubiläen sind eine wunderbare Gelegenheit, sich mit vielen Menschen zu treffen, einen festlichen Gottesdienst zu feiern und bei einem Glas Sekt oder feinem Essen sich zu erinnern und Anekdoten und Geschichten aus langen Jahren zu erzählen.Ein sechzigjähriges Priesterjubiläum konnten wir am Wochenende hier in Olpe mitfeiern. Diamantenes Jubiläum nennt man das auch. Und wenn man nach Bedeutung eines Diamanten nachforscht, erhält man zur Antwort: der Diamant als Symbol steht für Härte, Stärke und Unzerbrechlichkeit und soll bedeuten, dass nach so vielen Jahren eine Beziehung ein Dienst so wertvoll und stark wie ein Diamant geworden ist.Hart, stark und unzerbrechlich wirkte der Jubilar gar nicht, aber ich war schon erstaunt über seine klare Stimme und die noch sichere Art den Gottesdienst zu feiern.In der Predigt habe ich dann Erklärungen gehört, die mir sehr viel besser zu diesem alten Priester und seinem jahrzehntelangen Beten, Arbeiten und Leben zu passen schienen.Da hieß es: „Du bist und warst da zum Heilen. Wenn heilen nicht mehr ging, zum Lindern, wenn lindern nicht mehr ging, zum Trösten und wenn auch trösten nicht mehr ging und geht, warst und bist Du immer da.“ Treu da sein war und ist das, was zählt. Da sein im Dienst und vielfältigen Aufgaben, da sein in schwierigen eigenen Lebenslagen, da sein, wenn Ansprüche und Aufgaben von außen zu groß scheinen, da sein, wenn es bleibt, bei und mit denen zu sein, die in Alter, Schwachheit und Krankheit aushalten und da sein, wenn einstige Weggefährten sterben. Von Detlef Jöcker gibt es ein Lied, dass genau diese Eigenschaften Gottes besingt:1. Du bist da, wo Menschen leben, du bist da, wo Leben ist.2. Du bist da, wo Menschen lieben, du bist da, wo Liebe ist. 3. Du bist da, wo Menschen hoffen, du bist da, wo Hoffnung ist.Und wenn man von einem Menschen nahezu dasselbe sagen kann, was man in diesem Lied von Gott singt, kann man wohl ins Staunen geraten und für ein gelungenes Leben danken.

  8. 29. Juli

    Gott ist immer mittendrin

    Gleich nachher setzen wir uns mit einer Handvoll Schwestern ins Auto und fahren nach Paderborn zum Liborifest. Wer es nicht kennt, dem kann man es auch kaum beschreiben.Es ist seit vielen Jahrhunderten eines der großen und ältesten Volksfeste in Deutschland. „Mittendrin – Libori 26!“ Unter diesem Motto lädt das Erzbistum Paderborn ein. Gemeinsam mit der Stadt feiert man den gemeinsamen Patron, den heiligen Liborius. Vor über 1000 Jahren überreichte der Bischof von Le Mans in Frankreich dem jungen Bistum Paderborn die Reliquien des Bischofs Liborius – seitdem wird sein Gedenktag mit Hingabe begangen. Damals wollte man versuchen, mit dieser Verbindung zu dem Heiligen Liborius, den Glauben der Menschen des jungen Bistums zu stärken und ihnen die universelle Kirche deutlich zu machen. Das Libori-Fest vereint Kirche, Kirmes und Kultur zu einem einzigartigen Erlebnis. Die Gottesdienste und Gebetszeiten und die typischen Kirmesangebote sind einfach so herrlich verquickt, dass man merkt, dass es echt zusammengehört. Die Verbindung von Le Mans in Frankreich und Paderborn in Deutschland ist die weltweit älteste Städtepartnerschaft und sie hat unglaubliche Widerstände und Katastrophen in diesen 1000 Jahren erlebt und überstanden. Selbst die Erzfeindschaft der beiden Völker und die großen Kriege des 20. Jahrhunderts konnten dieser Partnerschaft nichts anhaben. Die einzelnen Tage des Festes sind einzelnen Gruppen zugeordnet und heute ist der Tag der Ordensleute und Missionare und der Missionare auf Zeit. Missionare und Missionare auf Zeit zeigen seit vielen Jahren, dass es ein wechselseitiges Geben und Nehmen ist, wenn Christen aus aller Welt zu uns kommen und junge Missionare auf Zeit hinaus in ferne Länder gehen, um miteinander zu arbeiten, zu leben, zu dienen und zu beten. Und Ordenschristen als die, die in der Kirche immer auch Vorreiter waren und sind: im Engagement für die Armen und Benachteiligten, für eine Liturgie, in der es um Christus geht, für eine Form des Zusammenlebens, die ihre Ämter und Dienste demokratisch und auf Zeit wählt, für unerschütterliches Stehen zur Kirche auch in nicht gerade begeisternden Zeiten und in der Treue zum Gebet und zur Anbetung Gottes die deutlich macht: Gott ist immer der Größere und immer mittendrin.

Info

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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