Morgenimpuls

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

  1. vor 14 Std.

    Wenn Mark Zuckerberg auf Karl Borromäus trifft

    Mark Zuckerberg hat vor einigen Jahren Facebook zur Metaverse-Company umgebaut, damit wir in Zukunft keine langweiligen Zoom-Meetings mehr führen müssen, sondern als Hologramme beim Kollegen auf der Couch sitzen und Geld mit dem Traden und Designen virtueller Fashion verdienen können. Das Metaverse soll nicht nur die Zukunft von Facebook sichern, sondern Millionen von Jobs kreieren. Falls Du jetzt nur Bahnhof verstanden haben solltest, ist das normal, weil nicht so viele Menschen immer aktuell auf dem Laufenden sind, was in High-Tech-Medien gerade angesagt ist. Es geht um die bessere Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren mit noch mehr Möglichkeiten einander nahe zu sein. Wenn man bedenkt, dass Mark Zuckerberg Facebook erfunden hat, weil er eine Möglichkeit gesucht hat, mit Mädchen in Kontakt zu treten, weil er in live, in echt und in Farbe einfach zu schüchtern war, um das zu tun. Und wenn man bedenkt, was daraus geworden ist; positiv gesagt: eine weltweite Möglichkeit mit Menschen und Ideen und Bildern und Musik, mit Produktion und Produkten um zu gehen und eine neue Nähe zu schaffen. Wenn man bedenkt, dass mehr als 3,8 Milliarden Menschen weltweit diese Möglichkeit nutzen, wird einem plötzlich klar, welche positiven und auch negativen Möglichkeiten sich hier bieten, Produkte und Botschaften zu verbreiten. Es ist dann leider auch ziemlich einfach, vom Sessel aus Hasstiraden und Hetze zu lesen, gelangweilt oder angewidert weiter zu scrollen oder sogar zu liken und weiter zu verbreiten. Aber damit ist Böses gesät in die Welt und auch in uns selbst. In einem Brief des Heiligen Karl Borromäus, des heutigen Tagesheiligen, habe ich ein bemerkenswertes Zitat aus der Mitte des 16. Jahrhunderts gelesen: er schreibt in einem Brief: „Wie sorgfältig und eifrig sind doch die Menschen darauf bedacht, ansteckenden Krankheiten zu entgehen, damit nicht alle davon angesteckt werden. … Aber wie träge sind die Menschen, um der Ansteckung ihrer Seelen zu entgehen!“ Das, was unsere Seele, unser Herz unser Denken leiten, anstecken soll, müssen wir jeden Tag selbst entscheiden. Meide das Böse uns tue das Gute, suche den Frieden und jage ihm nach gilt immer: live, in echt, real und in Farbe und in den virtuellen Medien.

  2. vor 1 Tag

    Die Kunst des wirklichen Lebens

    Einer unserer Schwestern geht es zurzeit nicht so gut und ich habe sie erstmals tagsüber im Bett liegend erlebt. Normalerweise sitzt sie in ihrem Rollstuhl und kommt irgendwie überall hin und ist nicht auf Schiebehilfe angewiesen. Aber jetzt liegt sie also im Bett und wir haben geplaudert. Und mittendrin meinte sie: „Ich merke jetzt erst, wenn ich so liege, welch tolle Aussicht ich von hier aus habe. Man sieht viel mehr Himmel und den Berg da drüben und die Bäume gegenüber.“ Da ist es wieder, was mir an meinen oft so hochbetagten Mitschwestern so gefällt: Wenn ich das, was mir geschieht, nicht ändern kann, dann halte ich es aus und schaue, ob es auch noch positive Seiten hat. Das haben viele alte Menschen uns Jüngeren wirklich voraus: Sie haben schon so viel erlebt an Schönem und Schwerem, dass sie nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen sind und sich einzurichten versuchen. Ein gutes Wort dafür ist Gelassenheit – ich kann gelassen sein, weil ich loslassen kann, weil ich nicht festhalten muss, weil ich glaube, dass die Dinge bei Gott in guten Händen aufgehoben sind. In einem sehr alten Gebet heißt es: „Guter Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, aber gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.Das ist tatsächlich die Kunst des wirklichen Lebens: Das, was ich nicht ändern kann, annehmen und damit leben. Und das, was in meiner Macht liegt zu ändern, das auch anzupacken. Wir kennen alle dieses „Ach, da kann ich als Einzelner ja doch nichts machen“ Das stimmt einfach nicht! Das, was in meinen Kräften und Möglichkeiten liegt, sollte ich auch anpacken und dann spüren, dass Vieles, doch entschieden besser geht, als ich je gedacht hätte. Und die Weisheit, die man auch gut als die Kompetenz im Menschsein beschreiben kann, hilft oft zu unterscheiden, ob ich etwas tun kann oder ob die Situation angenommen und getragen werden soll. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es wirklich viele sehr weise Menschen gibt, die aus Ihrer Lebens- und Glaubenserfahrung, ihrer Kompetenz im Menschsein und in der gläubigen Nachfolge Jes, immer neu gute und richtige Entscheidungen treffen und ihr Eigenes und das Leben ihrer Mitmenschen lebens- und liebenswerter machen.

  3. vor 2 Tagen

    Hoffnungsfest auf Auferstehung hin

    Es gibt unendlich viele Worte, die einen Begriff verwenden, von dem viele eher nicht mehr so wissen, was er bedeutet. Da heißt es:- "Na, du bist mir ja ein Seelchen" für jemanden, die liebenswürdig und freundlich, niemandem Böses wollen kann- "Seelentröster" als Titel für einen schnell einzurührenden warmen, leckeren Pudding- "Seelenort" für eine Kirche, die ganz anders mit Licht und Klang bespielt wird- "Seelenverwandtschaft" für Menschen, die intuitive viele Dinge ähnlich denken und reden und tun- "die Seele baumeln lassen" als Inbegriff für einen gelassenen Umgang mit sich selbst, und wenn es nur eine kurze Zeit ist- "eine schöne Seele haben" für jemanden, der sanft und ehrlich, authentisch und voller herzenswarmer Güte ist- "Hühnersuppe für die Seele" als ein Buch mit wunderbaren Seelenerwärmenden Geschichten- "Seelenverkäufer" als Inbegriff für ein altes, klappriges Schiff, das immer noch fährt, aber eigentlich dem Untergang nahe ist- "sich mit Leib und Seele für etwas einsetzen" für Menschen, die mit all ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten das tun, woran sie hängenWahrscheinlich fallen Dir dazu noch viel mehr solcher Begriffe ein. Und dann kommt heute noch ein Begriff dazu, den manche noch kennen: Allerseelen.An diesem Tag gedenken die katholischen Christen ihrer Verstorbenen und es gibt in vielen Landesteilen dazu eigene Bräuche. Bei uns zuhause im Eichsfeld kamen zu Allerseelen alle in ihren Heimatort, damit sie zusammen zum Friedhof gehen und ihrer Toten gedenken konnten. Fast überall werden an diesem Tag die Gräber gesegnet, für die Verstorbenen gebetet und Lichter aufgestellt, die an das Osterlicht der Auferstehung erinnern und die Hoffnung auf Auferstehung lebendig halten. Es heißt nicht für umsonst: Wie eine Gesellschaft mit Sterben, Tod und Trauer umgeht, zeigt sich, wie kultiviert sie ist.So ist dieser Tag also keinesfalls ein trauriger Tag, sondern die Betonung einer Kultur, die damit umgehen kann und somit ein Hoffnungsfest auf Auferstehung hin.

  4. vor 3 Tagen

    Der November beginnt

    Der November beginnt. Für viele ein dunkler, verregneter Monat, der irgendwie schon von sich aus ein bisschen Melancholie verströmt.Für mich ist der November vor allem der Monat der Geburtstage. Erstaunlich viele Menschen in meiner Familie und meinem Freundeskreis sind Skorpione und feiern im November Geburtstag. Mich eingeschlossen.Der November ist wirklich der blödeste Monat, um Geburtstag zu haben, dachte ich als Kind. Wobei: immer noch besser als Dezember. Das ist schließlich gefährlich nah an Weihnachten und aus Erfahrung in meinem Freundeskreis wusste ich: Im Schatten von Weihnachten fällt so manches Geburtstagsgeschenk plötzlich erstaunlich klein aus.Irgendwie hängt im November alles ein bisschen durch.Und ausgerechnet dieser Monat beginnt bei uns mit zwei besonderen Tagen: heute mit Allerheiligen und morgen mit Allerseelen.Wobei ich diesen Unterschied als Kind wahrscheinlich gar nicht so richtig wahrgenommen habe. Denn hier bei uns auf dem Dorf war Allerheiligen immer auch der Tag des Friedhofs. Da ging man zu den Gräbern, stellte Kerzen auf, die Gräber waren besonders schön hergerichtet und gefühlt traf sich irgendwann das halbe Dorf auf dem Friedhof.Eigentlich ist erst morgen, an Allerseelen, der Tag, an dem wir besonders unserer Verstorbenen gedenken. Heute, an Allerheiligen, geht es um die Heiligen und um die Hoffnung, dass Menschen bei Gott angekommen sind.Und vielleicht finde ich gerade deshalb diese beiden Tage direkt hintereinander auch schön.Erst die Hoffnung. Dann die Trauer.Denn ich finde: Traurig sein und trauern sind nicht dasselbe.Trauern ist für mich ein Akt der Liebe. Trauern ist nicht nur ein Zustand. Trauern ist auch etwas, das wir tun. Weil da jemand oder etwas war, das uns so wichtig gewesen ist, weil sein Fehlen eine Lücke hinterlässt.Vielleicht ist Trauer deshalb für mich ein bisschen wie eine warme Kuscheldecke an einem grauen Novembertag.Ich darf mich darin einwickeln. Sie schützt. Sie schirmt mich ab. Sie hält mir die Welt auch mal ein bisschen vom Leib.Und ich glaube nicht, dass es darum geht, irgendwann alle Kuscheldecken wegzuwerfen und nur noch sehnsüchtig auf den Sommer zu warten.So wie ich als Kind an meinem Geburtstag. Ich hätte so gerne einmal wie meine Schwester im Mai eine Grillparty gefeiert.Nein. Vielleicht geht es darum, zu spüren, wann ich die Decke brauche. Wann sie mich wärmt und schützt. Aber auch, wann ich sie ein bisschen lüften muss. Wann wieder Licht darunter darf. Und wann sie vielleicht so schwer wird, dass ich jemanden brauche, der mir hilft, sie ein Stück anzuheben.Vielleicht ist es deshalb gar nicht so schlecht, dass der November mit Allerheiligen und Allerseelen beginnt.Mit Hoffnung und mit Trauer.Denn Trauer hält fest, was wir in dieser Welt verloren haben. Und Allerheiligen erinnert mich daran, dass ich darauf hoffen darf, dass das, was ich hier vermisse, bei Gott nicht verloren ist.Vielleicht ist der November also doch gar nicht der blödeste Monat.Auch nicht zum Geburtstaghaben.

  5. vor 4 Tagen

    Leichtigkeit im Glauben

    Ich mache eigentlich schon mein halbes Leben Musik. Meine erste Gitarre habe ich mit zwölf bekommen. Genau genommen war sie Bestechung. Ich sollte zum Zahnarzt. Riesendrama damals. Die Gitarre war das Druckmittel. Am Ende hat beides funktioniert. Ich war beim Zahnarzt – und hatte danach diese völlig einfache Akustikgitarre in der Hand. Keine besondere Marke. Eigentlich sogar ein ziemlich schlechtes Instrument. Die Saiten viel zu hoch, die Bünde furchtbar weit auseinander. Im Nachhinein fast ungeeignet, um dranzubleiben. Aber irgendwie hat genau das geklappt. Später kam die erste E-Gitarre dazu, kleine Bands, Auftritte in Kneipen. Manchmal gab’s als Bezahlung einen Hut, der rumging. Oder ein Schnitzel. Und bis heute liebe ich genau das: gemeinsam Musik machen. Dass ein Song plötzlich entsteht, weil jeder etwas Eigenes hineinlegt. Und irgendwann passiert dabei etwas Merkwürdiges: Man denkt nicht mehr über jeden einzelnen Griff nach. Man spürt, was kommt. Man hört die anderen und weiß irgendwie, wann man selbst einsetzen muss. Wann es laut werden darf. Wann leise. Wann man einfach mitgeht. Nur manchmal stehen da bei Auftritten diese Menschen mit verschränkten Armen. Ganz regungslos. Die schauen ganz genau hin. Auf jeden Griff. Jeden Fehler. Die Musikpolizei. Und jedes Mal passiert dasselbe: Ich denke nach. Wo müssen meine Finger hin? War der Akkord gerade richtig? Was kommt als Nächstes? Und in dem Moment verschwindet etwas. Die Leichtigkeit. Die Intuition. Das Vertrauen in das, was eigentlich längst da ist. Manchmal kenne ich das auch vom Leben und vom Glauben. Ich will die richtige Entscheidung treffen. Das Richtige sagen. Richtig reagieren. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger weiß ich manchmal, was eigentlich richtig ist. Dabei glaube ich, dass Gott uns nicht nur die Fähigkeit gegeben hat, nachzudenken. Sondern auch die Fähigkeit zu spüren. Dieses manchmal ganz leise Gefühl: Das hier stimmt gerade. Oder: Irgendetwas stimmt hier nicht. Bleib noch einen Moment. Sag jetzt etwas. Oder sag lieber nichts.Natürlich ist dieses Gespür nicht unfehlbar. Manchmal kann ich mich irren. Aber vielleicht muss ich ihm deshalb nicht grundsätzlich misstrauen. Vielleicht darf ich darauf vertrauen, dass Gott mir nicht nur einen Kopf zum Denken gegeben hat, sondern auch dieses feine Gespür für mich selbst, für Situationen und für andere Menschen. Und vielleicht ist Glauben manchmal genau das: Nicht jeden Griff noch einmal kontrollieren. Sondern hinhören. Hinspüren. Und darauf vertrauen, dass Gott auch dort sein kann. So wie damals mit dieser ziemlich schlechten Gitarre in der Hand. Ich konnte eigentlich noch nichts. Aber ich habe einfach angefangen zu spielen.

  6. vor 5 Tagen

    "Verworrnes Chaos dieser Welt"

    Morgen Abend ist "All Hallows Eve", der Abend vor dem Allerheiligenfest. Und viele Jüngere sind fasziniert davon, dass man sich an diesem "Halloween" so schön gruseln kann. Also das Unbekannte, Fremde, Unheimliche, chaotisch Angstmachende wird gefeiert. In den Laudes des Stundenbuches gibt es einen Hymnus, der sich genau damit befasst: "Nacht und Gewölk und Finsternis,verworrnes Chaos dieser Welt,entweicht und flieht! Das Licht erscheint,der Tag erhebt sich: Christus naht."Dieser Vers gibt so quasi den Befehl, dass das Chaos dieser Welt zu verschwinden hat, weil der Tag sich aus dem Schlaf erhebt und Christus kommt. Viele von uns haben den Eindruck, dass sie das verworrene Chaos, das in der Welt ist, nicht mehr entwirren können."Jäh reißt der Erde Dunkel auf,durchstoßen von der Sonne Strahl,der Farben Fülle kehrt zurückim hellen Glanz des Taggestirns. So soll, was in uns dunkel ist,was schwer uns auf dem Herzen liegt,aufbrechen unter deinem Lichtund Dir sich öffnen, Herr und Gott"So wie die Sonne mit der Dunkelheit Schluss macht und die Farben und der Glanz so manchen Morgen so richtig strahlen lassen, so könnten wir alles was uns bedrückt, den Tag schwer macht und lästig wird, vertrauensvoll Gott hinhalten und von ihm aufbrechen und uns Lösungen finden lassen."Blick tief in unser Herz hinein,sieh unser ganzes Leben an:Noch manches Arge liegt in uns,was nur Dein Licht erhellen kann.Dir Christus, guter Herr und Gott,dem ewgen Vater der uns liebt,dem Heilgen Geist, der bei uns ist,sei Lob und Dank in Ewigkeit. Amen"Jede und jeder von uns hat so seine dunklen Geheimnisse, seine Leichen im Keller, wie man so sagt, und trotzdem gibt dieser Vers den Tipp, auch diese Dinge unter dem Licht Gottes anzuschauen und an den Tag zu bringen. Und in allem verworrenen Chaos innen und außen, in aller Problematik unseres Lebens und dieses Tages kann ich Gott loben und danken, weil er der gute Vater ist, der uns liebt, und den Heiligen Geist, der bei uns ist.

  7. vor 6 Tagen

    Ich bin das Licht der Welt

    Gestern waren wir mit einigen Schwestern in Rahrbach, einem kleinen Dorf hier im Sauerland. Und mitten im Dorf steht eine Kirche, die vor fast 800 Jahren von ihren Einwohnern erbaut worden ist. Und auf einer Tafel außen an der Wand wird an die Bewahrung vor einem großen Brand erinnert. Und es wird beschrieben als das Rahrbacher St. Agatha-Wunder vom Freitag dem 17. Mai 1737. Und in der altehrwürdigen Kirche sind viele verschiedene Heiligenfiguren aus sehr verschiedenen Zeiten, in denen sie gerade "up to date" waren, wie die Frauen berichtet haben, die uns alles gezeigt haben. Sie wollten sagen, der Kirchbau an sich ist schon so geblieben, aber die Innenausstattung hat sich immer gewandelt, je nach Epoche, je nach Geschmack, je nach den Intentionen der Spender.Und jetzt hat eine Gruppe von Frauen, die sich seit vielen Jahren für Ihre Kirche und Gemeinde engagieren, eine wunderbare Idee umgesetzt. Der äußere Kirchbau ist geblieben und die Innenausstattung auch, aber es ist etwas dazugekommen. Es gibt jetzt im Eingangsbereich ein Pult, an dem man per Klick verschiedene Beleuchtungen, Musik, Andachten, Texte und Lieder anschalten kann. Und wir haben uns mit den alten Schwestern eine zehnminütige Ansprache mit einem Lied zum Thema "Es ist genug" angehört. Zwischendurch wechselte ganz langsam die Lichtfarbe der angestrahlten Wände und Pfeiler und somit das Empfinden von Raum und Zeit. Es war danach noch länger still, weil es uns gutgetan hat und wir zum Nachdenken über diese Worte und Gedanken gekommen sind.Und die Frauen haben erzählt, dass ja überall immer weniger Menschen zu den üblichen Gottesdiensten kommen und sie deshalb überlegt haben, was man denn tun könne. Und tatsächlich wollten sie etwas anbieten, was Menschen anspricht und zum Verweilen einlädt, zum Hören, Schauen, Staunen und Nachdenken. Und sie nennen die Kirche jetzt "Lichtkirche" mitsamt ihrer mehrfachen Bedeutung. Zum einen wollen sie mit den vielen Lichtmöglichkeiten eine andere Sichtweise vermitteln. Dann wollen sie auf das Wort Jesu verweisen der, gesagt hat: Ich bin das Licht der Welt. Und dann sagten sie mit einem Schmunzeln, dass sie hoffen, dass dem einen oder anderen Besucher dabei ein Licht aufgeht und er oder sie von diesem Licht mit in seinen Alltag nehmen kann.Das uralte Gebäude der Kirche ist geblieben, aber wie in den Jahrhunderten vorher wird der Innenraum neu gefüllt mit den Dingen, die zurzeit IN sind: Licht, Musik, Texte ohne vorgefertigte Strukturen oder Abläufe. Damit jeder, der die Kirche besucht, etwas finden kann: bei sich selbst, bei Gott und für den Nächsten, die oder der mit ihm zu tun hat.

  8. 28. Okt.

    Ohne Gedöns

    Im Lukasevangelium gibt es eine Stelle in der heute berichtet wird, dass Jesus eine ganze Nacht im Gebet verbringt, um am nächsten Tag seine Jünger zusammenzurufen. Er bespricht mit seinem Vater im Himmel, wie seine Gefolgschaft aussehen soll und wie es weitergehen soll mit der Ausbreitung seiner Botschaft vom liebenden Gott. Am nächsten Tag wählt er sich aus ihnen seine 12 engsten Freunde, Berater, Begleiter, Verkünder aus. Und diese zwölf könnten unterschiedlicher nicht sein: der impulsive Petrus, der stillere Johannes, die Donnersöhne und so weiter. Allein die beiden, an die heute gedacht wird, Simon und Judas Thaddäus, sind wenig genannt und treten kaum in Erscheinung. Aber sie gehören zu denen, die sich Jesus in seinen engsten Kreis geholt hat. Vielleicht wird an ihnen deutlich, dass es nicht um sie gehen soll, sondern um Jesus. Dass nicht die Boten, die Überbringer der Botschaft im Vordergrund stehen sollen, sondern die Botschaft selbst und der, der sie ausgeschickt hat. Ich kennen so viele Menschen, die unglaublich viel Engagement in ganz vielfältigen Dingen in Kirche und Gesellschaft zeigen und vieles voranbringen, was durch hauptamtliche Kirchenleute immer wieder vertagt und nicht entschieden wird. Und die meisten dieser Engagierten werden von sich echt nicht behaupten, Visionäre zu sein, die an erster Stelle stehen, sondern eher gern an zweiter Stelle, und dann das tun, was andere liegenlassen oder sich nicht anzupacken trauen, weil es heiße Eisen und neue Dinge sind, die sich entwickeln und wo man noch nicht genau weiß, wo es hingehen wird.Aber wahrscheinlich ist das der Punkt: viele Menschen sind wie Simon und Judas Gesandte ihres Herrn und tun das, was ER ihnen aufträgt, was andere liegen lassen, was andere sich nicht trauen. Und dadurch, und genau durch sie, wird das Evangelium verkündet, Jesus und seine Botschaft für die Menschen in den normalen, einfachen Dingen vorangebracht und ohne Gedöns – wie man in Köln sagt – die Kirche aufgebaut.

Info

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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