Esel und Teddy

Esel Müller und Teddy Krzysteczko

Es gibt auch schlechtere!

  1. vor 1 Tag

    Du Schuft, die Lätta!

    Eine helle Büroküche. Eine Frau im Kostüm steht am Kopierer und seufzt. Zwei Männer im Hintergrund tragen Anzüge mit Schulterpolstern und bunte Krawatten, sie trinken Kaffee. Sprecher: "Ein harter Arbeitstag. Der Chef redet wieder ohne Pause. Der Kopierer streikt. Die Männer verstehen wieder nur Bahnhof. " Die Tür geht auf. Ein großer Mann und ein kleinerer, fast gleich aussehender Mann kommen herein. Der Große trägt ein tragbares Kofferradio, der Kleine eine Kassette. Frau: "Was ist das denn?" Der Kleinere: "Esel und Teddy." Der Größere: "Der Podcast für Frauen, die auch mal hören wollen, wie Männer wirklich denken." Die Frau legt die Kassette ein. Aus dem Radio hört man: Esel: Teddy, was ist der Unterschied zwischen einer Frau und einem Mann beim Einparken? Teddy: Herr Müller, überlegen Sie sich die Antwort jetzt sehr genau. Esel: Die Frau braucht drei Versuche. Der Mann auch. Aber er nennt es „Rangieren“. Die Frau lacht. Die beiden Männer im Hintergrund, die mit den hässlichen Krawatten, schauen irritiert herüber. Sprecher: "Esel und Teddy. Zwei Männer. Keine Antworten. Aber erstaunlich viele Meinungen." Die Frau nimmt das Radio unter den Arm und geht. Ein Mann im Hintegrund: "Und wer macht jetzt den Kaffee?" Sie dreht sich um. Frau: "Der, der ihn trinken will." Kurze Pause. Sprecher: "Esel und Teddy. Jetzt auf Kassette, CD und überall dort, wo moderne Frauen das Internet bedienen dürfen." Links zur Folge: Storck Riesen (1989): https://www.youtube.com/watch?v=0wFRl5XE9oQ Caro Landkaffee (1992): https://www.youtube.com/watch?v=7DdePndHv0U Allianz: https://www.youtube.com/watch?v=hWQtZOWYotU Mirácoli (1987): https://www.youtube.com/watch?v=Sgx70bM4N4s McDonald’s (Anfang 1990): https://www.youtube.com/watch?v=Ol5fj3BuCk8 Drei Wetter Taft (1994): https://www.youtube.com/watch?v=M3cytC5i9k4 Coca-Cola Light (1996): https://www.youtube.com/watch?v=Owl6Rs2LuHE Obstgarten (80er): https://www.youtube.com/watch?v=KCTbOpkNz7s Dentagard (1988): https://www.youtube.com/watch?v=Y3NkP6Ts6Ms Nescafé (1992): https://www.youtube.com/watch?v=pWMUGH5y-l4 Toffifee (1993): https://www.youtube.com/watch?v=z3ML1spz_9w ARAL (1991): https://www.youtube.com/watch?v=a5gFuX8HHJQ Fisherman’s Friend (1993): https://www.youtube.com/watch?v=IGbd4xKYpts Mentos (1995): https://www.youtube.com/watch?v=omQJ_SAv_vI Maggi China-Pfanne (1988): https://www.youtube.com/watch?v=-d35pFJ2peY Bonus – Schwarzwaldklinik: https://www.youtube.com/watch?v=-JOzcsWskNU

  2. 19. Juli

    Slow Living gegen das Doomscrolling

    Auf dieser Bank im Park sitzen zwei Männer, die fast gleich aussehen. Der eine ist etwas älter und etwas größer, der andere etwas jünger und kleiner. Ansonsten könnten sie beinahe Brüder sein: ähnliche Kleidung, ähnliche Haltung und dieselbe konzentrierte, aber irgendwie auch verschmitzte Miene. Zwischen ihnen liegt ein Blatt Papier. Ich schätze mal, es ist eine Liste. Der Größere hält einen Kugelschreiber in der Hand, der Kleinere beugt sich immer wieder vor, um besser sehen zu können. Hin und wieder zeigt einer auf eine Zeile. Dann reden sie leise miteinander, nicken sehr ernst oder schütteln langsam den Kopf, als müssten sie über etwas entscheiden, das mindestens den weiteren Verlauf des Nachmittags betrifft. Dabei packen sie ihre Brote aus. Auch das machen sie erstaunlich langsam. Der Größere öffnet seine Brotdose mit großer Sorgfalt, nimmt sein Brot heraus und betrachtet es erst einmal. Der Kleinere faltet das Papier um sein Brot ordentlich auseinander und streicht es auf seinem Schoß glatt. Dann beißen beide hinein, kauen lange und sagen eine Weile gar nichts. Zwischendurch beobachten sie die Menschen um sich herum. Manchmal scheint einer etwas entdeckt zu haben und deutet möglichst unauffällig in eine Richtung. Der andere schaut hin, denkt kurz nach und sagt etwas, das ich nicht verstehen kann. Danach wird wieder auf die Liste geschaut. Man kann nicht erkennen, woran die beiden arbeiten. Es sieht ein bisschen nach Besprechung aus, nur ohne Eile und ohne jeden erkennbaren Anlass: zwei Männer auf einer Parkbank, zwei Brote, ein Kugelschreiber und eine Liste, deren Bearbeitung offenbar ruhig den ganzen Nachmittag dauern darf. Plötzlich merken sie, dass ich sie beobachte, sie schieben ihre Brotdosen zur Seite, stehen langsam auf bewegen sich langsam auf mich zu.

  3. 29. Juni

    WM-Spezial 2026: Deutschland gegen Paraguay

    Valentina wusste nicht, warum sie beim letzten Mal so klug gewesen war, zu sagen: Alte Möbel, die keiner mehr braucht, gehen auch gerne mal kaputt. Und dann hatte sie genau so einen Schrank gekauft. Paraguay-Nussbaum, sagte der Händler auf dem Flohmarkt. Seltenes Holz. Sie kannte nur eine einzige Nussbaumsorte richtig gut, aber sie dachte: Ich rocke das. Jetzt stand das Ding in der Werkstatt, und es war hart anzugucken. Drei Schubladen klemmten, die Rückwand hatte einen Riss, und das linke Bein knickte ein, sobald man dagegenstieß. Ein sehr schweres Stück Arbeit. Valentina leimte, schliff, setzte an, scheiterte. Der Wille war nur halb da, weil sie im Kopf nicht ganz frisch war nach dem Fail mit dem Küchentisch letzte Woche, der sie drei Abende und Rückenschmerzen gekostet hatte. Aber sie blieb beharrlich. Wer beharrlich bleibt, kommt zum Ziel – das hatte ihre Großmutter gesagt, eine Frau, die alles bis zur letzten Konsequenz durchzog. Und irgendwann, spätabends, fast in der »Nachspielzeit des Tages«, hielt die dritte Schublade. Dann die zweite. Dann, als Kirsche auf der Sahne, saß auch das Bein wieder fest. Valentina trat einen Schritt zurück. Nicht schön, wenn man genau hinsah. Aber stabil. Individuelle Klasse, dachte sie, ist, wenn man weiß, wann Aufhören besser aussieht als Weitermachen. Am nächsten Morgen klemmte die erste Schublade wieder. Unser gemeinsames Orakelergebnis: 2:1 für Deutschland

  4. 28. Juni

    Die Schwere der Beschwerde

    ___ hat mir nur den Titel der Folge geschickt. Nur den Titel. Nicht den Inhalt, nicht die Richtung, nicht einmal ein halbwegs nettes „mach mal ungefähr so“, sondern bloß: "Die Schwere der Beschwerde". Und daraus soll ich nun Shownotes machen. Ich bin offenbar nicht mehr Mitpodcaster, sondern ein Beschwerdeverarbeitungsapparat mit Ohren. ___ Anfang steht also nicht die Idee, sondern die Lücke. Der Titel ist da, aber alles andere fehlt. Das ist gemein. Eine Beschwerde braucht Gewicht, braucht Anlass. Die Beschwerde soll schwer sein, und das ist sie je normalerweise, weil sie immer etwas mit enttäuschter Hoffnung zu tun hat. Wer sich beschwert, hat ja vorher noch geglaubt, es könne besser sein.  Das ___ dieser Erkenntnis ist, dass ich hier sitze und aus einem Titel einen Text auswringen soll wie aus einem nassen Handtuch. Ich komme also, um mich zu beschweren über die Beschwerde, und damit ist auch schon alles gesagt. Denn die Beschwerde beschwert sich nicht über die Welt, sie macht die Welt überhaupt erst beschwerlich. Ohne Beschwerde wäre alles leichter. Aber auch langweiliger, dümmer. Natürlich ___ ich Teddy. Über diese Unverschämtheit, mir einen Titel einfach hinzuwerfen. Aber während ich mich beschwere, merke ich, dass der Titel gar nicht schlecht ist. Das ist das Schlimmste: ___ sitze hier und muss zugeben, dass ausgerechnet dieser dieser Titelhändler, dieser Versender von Zumutungen, wieder einmal recht hatte. Du übertriffst ___ selbst mal wieder, glaube ich, und hier liegt die eigentliche Schwere: Man will wütend sein, aber die Wut trägt einen irgendwohin. Man will schimpfen, aber plötzlich entsteht ein Gedanke. Man will Teddy verfluchen, ___ am Ende schreibt man doch seine Shownotes. Also gut. Hier stehen sie. Ich habe sie gemacht, widerwillig, beschädigt. Und ___ sitze ich zufrieden hier auf meinem  ___.

  5. 21. Juni

    Plötzlich im Jahr 2007

    Ich ging zum Rhein runter, obwohl ich den Rhein nie leiden konnte, nicht den Rhein selbst, sondern dieses Zum-Rhein-Runtergehen. Am Übergang von der Agentur zur Rheinpromenade stand ein Mann, der Teddy ähnlich sah, aber nicht Teddy war, schlimm genug Teddy allerdings, um mich sofort zu verärgern. Er sagte, er komme aus dem Jahr 2026. Ich sagte, das sei keine Information, sondern eine hanebüchende Belästigung. Er zog ein großes, flaches iPhone hervor, glatt und anmaßend, und zeigte mir darauf Fotos, die Sagrada Familia, weitergebaut als erlaubt, und einen Kassenzettel mit einem Datum, das es noch nicht geben durfte. Ich sagte, das sei alles gefälscht. Kalender armselig, Fotos verdächtig, Kassenzettel die verknüllte Inkorporation einer Niederlage. Dann gab er mir eine Euro-Münze. Prägedatum 2021. Ich hielt sie in der Hand und dachte, dass es doch lächerlich war, dass die Zukunft, wenn sie sich schon beweisen will, ausgerechnet als Kleingeld erscheint. Er sagte, nun müsse ich ihm glauben. Ich sagte, ich müsse gar nichts. Da öffnete der clonkatzige Teddy sein Telefon und spielte mir eine Podcastfolge vor. Die Stimme von Teddy sagte: Herr Müller. Ich sagte: Herr Teddy. Teddy sagte: Es ist Zeit. Und ich antwortete: Hallo, ja. Es war, so sagte er, unsere aktuelle Folge aus dem Jahr 2026. Eine Folge darüber, wie man im Jahr 2007 beweist, dass man aus dem Jahr 2026 kommt. Ich gab ihm seine Münze zurück. Solle sich ein Eis dafür kaufen. Er sagte, hier ginge das vielleicht noch, im Jahr 2026 würde man dafür nicht einmal mehr 5 Minuten in der Bonner Innenstadt parken können. Er fragte, ob ich überzeugt sei. Ich sagte, überzeugt nicht. Aber ruiniert, sagte ich, ruiniert sei ich jetzt immerhin.

4,7
von 5
88 Bewertungen

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