In der 212. Folge des Digital Business Podcasts begrüßt Matthias Walter Eser eine Gründerin, deren Weg zum Erfolg über zwei Niederlagen führte: Larissa Schmid gründete nach dem Studium der Wirtschaftspsychologie und BWL innerhalb von eineinhalb Jahren zwei Mode-Startups – eine Plattform für nachhaltige Mode und eine eigene Marke. Beide scheiterten. Doch genau diese Erfahrung schärfte ihren Blick dafür, was ein Produkt braucht, um im härtesten aller E-Commerce-Märkte zu funktionieren. Als sie Vivien Wysocki und deren Idee einer Statement-Strumpfhose kennenlernte, erkannte sie sofort: Das ist der Attention-Fänger, der auf Meta skaliert. Heute ist saint sass eine international bekannte Bodywear-Brand – geboren aus einem 30 Jahre alten Cher-Zitat („Mom, I am a rich man"), getragen von Madonna, mit siebenstelligen Umsätzen in den USA und einem Team, das zum Zeitpunkt der US-Expansion aus vier, fünf Leuten bestand. Larissa verantwortet Growth und Finance – und genau darüber sprechen die beiden: nicht über Hochglanz-Markenstory, sondern über First-Order-Profitabilität, Merchant-of-Record-Strukturen, Trump-Zölle mitten in der Hauptsaison und einen kompletten Umbau des Gesellschafterkreises. Was du in dieser Folge lernst: Warum Scheitern kein Umweg ist, sondern die Ausbildung: Zwei gescheiterte Startups lehrten Larissa, Plattformdaten zu lesen – und so erkannte sie in den ersten Meta-Ad-Tests an CTRs, CPMs und Conversion-Daten sofort die Skalierbarkeit. Ihre Erkenntnis: Ein neu erfundenes Produkt hat kein Google-Suchvolumen. Ein visuelles Produkt, das man in drei Sekunden versteht, gehört auf Instagram.First-Order-Profitabilität als nicht verhandelbares Fundament: saint sass war vom ersten Tag an auf der ersten Order profitabel – auch in den USA, wo 25 Prozent höhere Preise die Mehrkosten auffingen und der CAC trotz teurerer CPMs auf deutschem Niveau lag, weil die Klickraten höher waren. Und trotzdem: vier Jahre bewusste Unprofitabilität auf Unternehmensebene, weil jeder Euro ins Wachstum floss. Genau diese Kombination überzeugte auch die Investoren – die Unit Economics stimmten, also ließ sich niemand vom roten Ergebnis ablenken.Internationalisierung ohne Infrastruktur: Statt Lager und Legal-Setup in den USA aufzubauen, wählte saint sass einen Merchant of Record – Versand aus dem deutschen Lager, Zoll- und Rechtsthemen ausgelagert, Versandkosten fast halbiert, Lieferzeit drei bis vier Tage. So entstanden siebenstellige US-Umsätze mit einem Mini-Team. Bis die Trump-Zölle kamen: 20 bis 30 Prozent Aufschlag auf den Endkundenpreis, ausgerechnet vor der Hauptsaison, in der 80 Prozent des Jahresumsatzes entstehen.Celebrity-Seeding ist ein System – und trotzdem Zufall: Nicht der direkte Weg zum Star funktioniert, sondern der mittelbare über Stylisten und das enge Umfeld. Der Madonna-Moment kam unangekündigt – und traf nur durch Glück auf ein volles Lager, weil die Ware für die Key-Season gerade eingetroffen war. Drei Wochen früher, und der größte Marketing-Moment der Firmengeschichte wäre ins Leere gelaufen.Saisonalität löst man über Sortimentsarchitektur, nicht über Rabatte: Die Strumpfhose ist das perfekte Hero-Produkt für die Neukundengewinnung (ein bis drei Prozent Retourenquote), aber gerade wegen ihrer Qualität mit niedriger Wiederkaufsquote. Die Antwort kam aus 40 Live-Kundeninterviews: Unterwäsche als Retention-Produkt mit herausragenden Wiederkaufsquoten. Aus vier profitablen und acht defizitären Monaten wurde ein ganzjähriges Umsatz- und Profitabilitätsniveau – mit NOS-Produkten, MOQ-Tests und drei Monaten Produktionsvorlauf.Der Cap Table entscheidet über deine Zukunft – und wird fast immer zu spät gebaut: saint sass entstand in einer bestehenden GmbH-Hülle, deren ursprüngliches Geschäftsmodell (Strumpfhosen-Automaten für Hotelpersonal) mit der Marke nichts zu tun hatte. Die Founding-Investoren brachten den entscheidenden Kapitalzugang – die erste Runde war nach einem 20-Minuten-Call durch. Doch als die Cashflow-Anforderungen wuchsen, brauchte es den Umbau: ein Family Office mit Kreditlinie kam rein, Altinvestoren gingen raus, die Anteilsverteilung wurde zugunsten der Gründerinnen korrigiert. Larissas Learning: Vision, Rollenverteilung und Anteilsstruktur müssen von Anfang an für die Zukunft gebaut sein, nicht für den Status quo.Das Fazit für Founder: Kapitalzugang entsteht nicht im Pitchdeck, sondern lange vorher. Das Family Office, das heute den Gesellschafterkreis von saint sass trägt, kam über eine Unternehmersafari und ein Jahr LinkedIn-Sichtbarkeit zustande – Personal Branding als Finanzierungsstrategie. Und die vielleicht wichtigste Haltung dahinter: Das Unternehmen ist nur eine Säule des Lebensrads. Wer seine gesamte Identität ans Business koppelt, macht aus jeder Krise eine Persönlichkeitskrise – und verliert genau die Klarheit, die es braucht, um nach zwei gescheiterten Startups ein drittes zu gründen, das fliegt. 👇 Links & Ressourcen zur Folge: saint sass – Statement-Strumpfhosen und Underwear für selbstbestimmte Frauen: https://saintsass.comVernetze dich mit Larissa Schmid auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/larissa-schmid-a4a77513a/Vernetze dich mit Matthias Walter Eser auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/matthias-walter-eser-mba-880174237Dein Umsatz wächst, aber dein Steuerberater verwaltet nur die Vergangenheit, und niemand plant strategisch deine finanzielle Zukunft? 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