Gips, Schiene, Bandage oder Orthese: Ruhigstellung schützt verletzte Strukturen, reduziert Schmerzen und unterstützt die Heilung. Entscheidend sind korrekte Anlage, sichere Nachkontrolle, Mobilisation im erlaubten Rahmen und Thromboseprophylaxe. 🎯 Grundprinzip So viel Ruhigstellung wie nötig, so viel Bewegung wie möglich. • Freie Zehen aktiv bewegen • Erhaltene Gelenkbeweglichkeit nutzen • Früh mobilisieren, wenn Verletzung und Belastungsfreigabe es erlauben 🩺 Pflicht vor und nach jeder Anlage Neurovaskulären Status distal dokumentieren: • Durchblutung: warme, rosige Zehen, Rekapillarisierung, Pulse/Doppler • Motorik: aktive Zehenbewegung • Sensibilität: Fußrücken, Fußsohle, erster Zwischenzehenraum ⚠️ Alarmzeichen Sofortige Kontrolle bei zunehmendem Schmerz, Spannungsgefühl, Taubheit, Kribbeln, Blässe, kalten Zehen, Schwäche oder Schmerz bei passiver Zehenbewegung. Immer an Kompartmentsyndrom denken. Bei Schwellungsgefahr zirkuläre Gipse ausreichend spalten oder primär schienen. 🦵 Knie und Oberschenkel • Oberschenkeltutor: Knie ruhiggestellt, Sprunggelenk frei; häufig ca. 20° Kniebeugung • Dorsale Oberschenkelgipsschiene: bei akuter Schwellung, immobilisiert Knie und Sprunggelenk • Besonders sorgfältig polstern: Fibulaköpfchen – Schutz des Nervus peroneus communis • Knieorthesen: immobilisierend oder mit definierter Bewegungsfreigabe; Einstellung immer nach fachärztlicher bzw. postoperativer Vorgabe 🦶 Unterschenkel, Sprunggelenk und Fuß • Dorsale Unterschenkelgipsschiene: Ruhigstellung von oberem und unterem Sprunggelenk • Sprunggelenk meist in Neutralstellung; bei Achillessehnenverletzung Spitzfußstellung nach Schema • Druckstellen vermeiden: Ferse, Innen-/Außenknöchel, Fußrücken und Fibulaköpfchen polstern • Semirigide Orthesen unterstützen bei Außenbandverletzungen die frühfunktionelle Mobilisation • Buddy Taping bei einfachen Zehenfrakturen: Zwischenpolster gegen Mazeration • Walker/Vacoped und Vorfußentlastungsschuh: nur wirksam bei zuverlässigem Tragen 🚶 Belastung und Unterarmgehstützen Belastungsfreigabe richtet sich nach Fraktur, Stabilität, Weichteilen, Osteosynthese und ärztlicher Anordnung. • Zwei-Punkt-Gang: konsequente Entlastung • Drei-Punkt-Gang: häufig bei Teilbelastung • Teilbelastung möglichst praktisch, z. B. mit Waage, üben 🩸 Thromboseprophylaxe Bei gelenkübergreifender Immobilisation stets Risiko für tiefe Venenthrombose und Lungenembolie abwägen. Risikofaktoren: • Höheres Alter, Adipositas, frühere VTE, Tumorerkrankung • Schwangerschaft/Wochenbett, Östrogentherapie, Thrombophilie • Herzinsuffizienz, Polytrauma, ausgeprägte Immobilität Basismaßnahmen: • Mobilisation im erlaubten Rahmen • Muskelpumpe aktivieren, Zehen und freie Gelenke bewegen • Ausreichend trinken, sofern medizinisch möglich Medikamentöse Prophylaxe, häufig mit niedermolekularem Heparin, erfolgt individuell nach Blutungsrisiko, Nierenfunktion, Gewicht, Kontraindikationen und lokaler Leitlinie. 💊 Schmerztherapie und POLICE Schmerztherapie erleichtert Untersuchung und Mobilisation, ersetzt aber keine Verlaufskontrolle. Paracetamol oder NSAR nur unter Beachtung individueller Risiken; Opioide möglichst kurz und gezielt. POLICE: Protection, Optimal Loading, Ice, Compression, Elevation. Kühlen nur kurzzeitig und nie direkt auf die Haut. 📣 Wichtige Patientenhinweise • Gips/Orthese trocken und sauber halten • Keine Gegenstände bei Juckreiz in den Gips einführen • Bein hochlagern, Zehen bewegen soweit erlaubt • Nur wie angeordnet belasten Sofort ärztliche Hilfe bei: zunehmenden Schmerzen, Taubheit, kalten/blassen Zehen, Druckstellen, Fieber, Gipsbruch oder Nässe, Wadenschwellung, Atemnot, Thoraxschmerz oder Kollaps. ✅ Merksatz Immobilisation endet nicht mit dem Anlegen: Entscheidend sind Kontrolle von Durchblutung, Motorik und Sensibilität, gute Polsterung, sichere Nachbehandlung, Mobilisationsplanung und konsequente Thromboseprophylaxe.