WEITGEDACHT | Theologie. Gesellschaft. Hoffnung.

Dietmar Päschel, Annegret Hartlapp

Was hat Theologie mit den Fragen zu tun, die uns heute beschäftigen? Was können Wissenschaft und Forschung zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten beitragen? Und welche Rolle spielen Glaube und Hoffnung dabei? Bei WEITGEDACHT kommen wir mit Dozierenden, Forschenden und weiteren Hochschulangehörigen der Theologischen Hochschule Friedensau ins Gespräch. Wir stellen Fragen – zu ihren Fachgebieten, zu aktuellen Themen und zu dem, was uns als Gesellschaft und Kirche bewegt. Dabei geht es um Demokratie und Verantwortung, Ethik und Nächstenliebe, Geschichte und Gegenwart, Glauben und Zweifel – und immer wieder um die Frage, welche Perspektive Hoffnung eröffnen kann. Wir wollen Wissen verständlich machen, unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen und Gedanken nicht vorschnell abschließen, sondern weiterdenken. WEITGEDACHT ist ein Podcast der Berlin-Mitteldeutschen Vereinigung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Zusammenarbeit mit der Theologischen Hochschule Friedensau.

Folgen

  1. 16. Sept.

    WEITGEDACHT mit Prof. Bernhard Oestreich

    Was hat Glaube eigentlich mit unserem gesellschaftlichen Miteinander zu tun? Vielleicht mehr, als wir manchmal denken. Denn Glaube ist zwar zutiefst persönlich – aber er bleibt nicht privat. Wo Menschen ihren Glauben leben, prägt er auch die Art, wie sie anderen begegnen, wie sie sprechen, urteilen, teilen und Gemeinschaft gestalten. In dieser Folge von WEITGEDACHT sprechen wir mit Bernhard Oestreich, Pastor und Professor für Neues Testament an der Theologischen Hochschule Friedensau. Gemeinsam schauen wir darauf, welche Wirkung gelebter christlicher Glaube ganz selbstverständlich entfaltet – nicht als zusätzliche Aufgabe oder moralische Verpflichtung, sondern als Konsequenz dessen, was Menschen glauben und wie sie daraus leben. Wir sprechen darüber, warum unsere Überzeugungen nie ganz verborgen bleiben, weshalb Sprache Wertschätzung ausdrücken, aber auch ausgrenzen kann, und was es bedeutet, als Christinnen und Christen nicht vorschnell zu pauschalisieren oder zu verurteilen. Nachfolge hinterlässt Spuren – vielleicht nur wie ein kleines Licht oder ein wenig Salz, aber eben: mit Wirkung. Dabei schauen wir auch auf Jesus selbst: auf seine Hinwendung zu Armen, Fremden und Ausgegrenzten und auf seinen Umgang mit Menschen, die gesellschaftlich geächtet waren. Und wir sprechen über Gerechtigkeit: Was bedeutet sie, wenn Menschen ganz unterschiedliche Voraussetzungen und Möglichkeiten haben? Wie verändert sich unser Miteinander, wenn wir den anderen mit seinen Möglichkeiten und Bedürfnissen wirklich sehen? Am Ende führt das Gespräch an einen überraschend konkreten Ort: an den gemeinsamen Tisch. Denn auch das Abendmahl erzählt davon, wie gelebter Glaube Gemeinschaft verändert. Menschen mit Geld saßen dort neben Menschen ohne Rechte. Gemeinschaft bedeutete auch Teilen, Versorgung und Sättigung. Oder anders gesagt: Hier lebt der Glaube – und hier wird man satt. Eine Folge über einen Glauben, der nicht erst gesellschaftlich relevant gemacht werden muss. Wo er gelebt wird, wirkt er hinein in die Art, wie wir miteinander leben. Darüber sprechen wir: Glaube und Gesellschaft · gelebter Glaube und seine Wirkung · christliche Werte und Werturteile · wertschätzende Sprache · Pauschalisierung und Ausgrenzung · Jesus und sein Umgang mit Menschen · Arme, Fremde und Ausgegrenzte · Reichtum und Teilen · Gerechtigkeit und unterschiedliche Möglichkeiten · Abendmahl als soziale Gemeinschaft · Solidarität und Versorgung

    WEITGEDACHT mit Prof. Bernhard Oestreich
  2. 9. Sept.

    WEITGEDACHT mit Prof. Stefan Höschele

    Für Stefan Höschele beginnt Theologie nicht mit fertigen Antworten, sondern mit der Freiheit, Fragen zu stellen. Systematische Theologie versucht zu deuten, Zusammenhänge herzustellen – und von der Deutung schließlich zur Gestaltung zu kommen. In dieser Folge von WEITGEDACHT sprechen wir mit Prof. Dr. Stefan Höschele über christlichen Glauben und gesellschaftliche Verantwortung. Darüber, welches Verhältnis Christinnen und Christen zum Staat haben können, ob und wie Kirche sich politisch einbringen sollte – und warum sich Aussagen der Bibel nicht nahtlos auf unsere heutigen politischen Systeme übertragen lassen. Denn das Neue Testament liefert keine fertige politische Ethik. Es kennt die Aufforderung, staatliche Ordnungen zu unterstützen – und gleichzeitig den Gedanken, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. Gerade deshalb wird es schwierig, wenn versucht wird, einen Staat religiös zu färben oder christlichen Glauben mit nationalen Interessen gleichzusetzen. Wir sprechen über Nationalgefühl und die besondere Verantwortung, die unsere deutsche Geschichte mit sich bringt. Stefan Höschele schlägt dafür einen anderen Begriff vor: **Zugehörigkeit.** Denn dazugehören zu wollen, ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Wir wollen Teil einer Familie, einer Nachbarschaft, einer Gemeinschaft sein. Wir wollen irgendwo daheim sein. Doch sobald wir darüber sprechen, wer dazugehört, stellt sich auch die Frage: Wer gehört nicht dazu? Gerade hier wird christliche Gemeinschaft spannend. Stefan Höschele beschreibt Kirche als ein faszinierendes „Sozialexperiment des Dazugehörens“ – als eine Gemeinschaft, die nicht einfach deckungsgleich mit der Gesellschaft ist und in der Herkunft nicht darüber entscheiden sollte, welchen Platz ein Mensch bekommt. Dabei richtet sich der Blick auch auf diejenigen, die als fremd wahrgenommen werden. „Der Fremdling“ ist in der Bibel ein wichtiger Erkenntnisort – er findet sogar im Sabbatgebot seinen Platz. Für eine Kirche, die selbst Erfahrungen als Minderheit gemacht hat, erwächst daraus eine besondere Verantwortung, für die Rechte von Minderheiten einzutreten. Und schließlich geht es um die ganz konkrete Frage der Mitgestaltung: ums Wählen. Frühe Adventisten standen dem Wählen zunächst kritisch gegenüber – bis sie erkannten, dass politische Mitbestimmung auch ihnen selbst zugutekommen konnte. Heute können wir das Wahlrecht als Einladung und Privileg verstehen: als Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und Gesellschaft mitzugestalten. Eine Folge über Glaube und Staat, Nation und Zugehörigkeit, Fremdsein und Gemeinschaft – und über die Frage, was sich verändern könnte, wenn Werte des Reiches Gottes in unserer Gesellschaft sichtbar werden: **Alle gehören aus Gnade dazu. Entscheidend ist nicht, woher du kommst, sondern wohin Gott dich senden möchte.**

    WEITGEDACHT mit Prof. Stefan Höschele
  3. 2. Sept.

    WEITGEDACHT mit Dr. Friedegard Föltz

    Für Friedegard Föltz ist Vielfalt nicht nur etwas, das eine moderne Gesellschaft aushalten muss. Vielfalt ist Realität – und sie ist eine Voraussetzung dafür, dass Entwicklung überhaupt möglich wird. In dieser Folge von WEITGEDACHT sprechen wir mit Friedegard Föltz über Vielfalt, Menschenrechte und Inklusion. Darüber, was eine Gesellschaft zusammenhält, wenn Menschen sich in Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Bildungswegen, Erfahrungen und Lebensentwürfen unterscheiden. Und darüber, warum es gerade deshalb Regeln braucht – Regeln, die miteinander ausgehandelt und immer wieder neu diskutiert werden müssen. Ein zentraler Maßstab sind für sie die Menschenrechte: das Recht auf Leben und Bildung, auf Gleichbehandlung und Schutz. Dahinter steht ein ebenso einfacher wie grundlegender Gedanke: Es gibt keinen Menschen zweiter Klasse. Wie persönlich diese Fragen werden können, erzählt Friedegard Föltz auch anhand ihrer eigenen Biografie. Gemeinsam mit ihrer Familie hat sie drei Kinder mit kognitiven Einschränkungen als Pflegekinder aufgenommen. Ihre Erfahrungen prägen ihren Blick auf eine Gesellschaft, in der Inklusion zwar viel besprochen wird, im Alltag aber noch längst nicht selbstverständlich ist. „Inklusion ist das Recht, da zu sein“, sagt sie. Es geht um barrierefreie Zugänge zu Bildung und Kultur, um einfache Sprache und Strukturen, die Teilhabe ermöglichen. Aber auch um eine persönliche Haltung: zuzuhören, Menschen anzunehmen und sich zu fragen, wo man selbst dazu beitragen kann, Barrieren abzubauen. Wir sprechen darüber, warum Inklusion nicht zum Nulltarif zu haben ist – wir als Gesellschaft aber alle von ihr profitieren können. Über soziale Kompetenzen, die wir lernen müssen. Über Dialog als Voraussetzung für gegenseitiges Verstehen. Und über den Versuch, nicht immer nur in einem „Entweder-oder“ zu denken, sondern viel öfter in einem „Sowohl-als-auch“. Eine Folge über die Frage, wie wir miteinander leben wollen – in einer Gesellschaft, deren Vielfalt längst Realität ist.

    WEITGEDACHT mit Dr. Friedegard Föltz
  4. 19. Aug.

    WEITGEDACHT mit Dr. Johannes Hartlapp

    „Historiker leben ruhiger.“ Das sagt Dr. Johannes Hartlapp gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Und tatsächlich blickt er erstaunlich gelassen auf eine Gegenwart, die viele Menschen als krisenhaft und verunsichernd erleben. Dr. Johannes Hartlapp ist Kirchenhistoriker und war viele Jahre Dozent an der Theologischen Hochschule Friedensau. Geschichte ist für ihn weit mehr als der Blick zurück: Sie hilft, Entwicklungen einzuordnen, Zusammenhänge zu verstehen – und die Gegenwart mit etwas mehr Abstand zu betrachten. In der ersten Folge von WEITGEDACHT sprechen wir mit ihm über unsere Gesellschaft, über Demokratie und darüber, warum er sagt: „Ich gestehe, die Angst, die viele umtreibt, habe ich eigentlich nicht.“ Dabei wird es durchaus grundsätzlich. Johannes Hartlapp sieht unsere Demokratie in einer schweren Krise. Er zieht eine Verbindung zur Aufklärung und fragt, was passiert, wenn sachliche Auseinandersetzung zunehmend von Emotionalisierung verdrängt wird. Wir sprechen über gesellschaftlichen Zusammenhalt, Verantwortung und eine seiner deutlichsten Überzeugungen: „Das tödlichste Gift für das Miteinander ist Nationalismus.“ Aber wir fragen auch: Was gibt Hoffnung? Für Johannes beginnt die Antwort beim christlichen Menschenbild: Jeder Mensch ist von Gott geliebt. Und sie hat etwas mit Vertrauen zu tun. Gerade der älteren Generation macht er Mut, jüngeren Menschen mehr zuzutrauen – auch weil diese umgekehrt bereit seien, der älteren Generation Vertrauen entgegenzubringen. Am Ende führt das Gespräch zu Dietrich Bonhoeffer und zu einem Gedanken, der vielleicht auch über dieser ersten Folge von WEITGEDACHT stehen könnte: Christinnen und Christen sollten den Mut haben, sich zu engagieren. Ein Gespräch über Geschichte und Gegenwart, über Gelassenheit in unruhigen Zeiten – und über die Frage, warum Hoffnung nicht bedeuten muss, die Augen vor den Krisen unserer Zeit zu verschließen.

    WEITGEDACHT mit Dr. Johannes Hartlapp

Bewertungen und Rezensionen

Info

Was hat Theologie mit den Fragen zu tun, die uns heute beschäftigen? Was können Wissenschaft und Forschung zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten beitragen? Und welche Rolle spielen Glaube und Hoffnung dabei? Bei WEITGEDACHT kommen wir mit Dozierenden, Forschenden und weiteren Hochschulangehörigen der Theologischen Hochschule Friedensau ins Gespräch. Wir stellen Fragen – zu ihren Fachgebieten, zu aktuellen Themen und zu dem, was uns als Gesellschaft und Kirche bewegt. Dabei geht es um Demokratie und Verantwortung, Ethik und Nächstenliebe, Geschichte und Gegenwart, Glauben und Zweifel – und immer wieder um die Frage, welche Perspektive Hoffnung eröffnen kann. Wir wollen Wissen verständlich machen, unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen und Gedanken nicht vorschnell abschließen, sondern weiterdenken. WEITGEDACHT ist ein Podcast der Berlin-Mitteldeutschen Vereinigung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Zusammenarbeit mit der Theologischen Hochschule Friedensau.

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