Morgenimpuls

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

  1. 9 hr ago

    Du bist geliebt und Du bist gerufen

    Kennst Du das Gefühl, wenn Dir alles über den Kopf wächst, wenn Deine Kraft, Dein Wissen und selbst Dein Glaube Dich im Stich lassen? Genauso ging es einmal einem jungen Studenten in Paris. Er hieß Franz von Sales und wurde später dann ein berühmter Heiliger, aber damals war er einfach nur verzweifelt. Er steckte mitten in einer tiefen Glaubenskrise, gequält von der Angst, von Gott verlassen zu sein. In dieser absoluten Dunkelheit seines Glaubens ging er in eine Kirche, kniete sich vor ein Marienbild und betete. Er sprach ein altes Gebet, das Memorare. Es beginnt mit den Worten: "Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, es ist noch nie gehört worden, dass jemand, der zu Dir seine Zuflucht nahm, von Dir verlassen worden ist."Und mitten in dieser Ohnmacht wendete sich etwas. Franz spürte keine Angst mehr, sondern tiefes Vertrauen. Diese Erfahrung wurde zum Wendepunkt seines Lebens. Er begriff: Gott ruft uns nicht durch Druck, sondern durch Liebe, nicht aus einer perfekten Fassade heraus, sondern mitten aus unserer menschlichen Zerbrechlichkeit.Heute feiern wir das Fest Mariä Namen, ein Fest, dass uns genau daran erinnern will. Der Name Maria steht für diesen Zufluchtsort. Er steht für das Versprechen, dass wir in den dunkelsten Stunden nicht alleine sind. Berufung, also das, wozu Gott dich und mich im Leben ruft, beginnt genau dort, wo wir aufhören, uns selbst retten zu wollen. Und sie geschieht in drei einfachen Schritten: Erstens wirst Du gesehen, so wie Du bist. Zweitens darfst Du Dich rufen lassen und die Richtung deines Lebens neu auf Gott ausrichten und schließlich bist Du drittens gesandt ganz konkret in Deinen Alltag, in deine Familie, deinen Beruf, deinen Freundeskreis.Du musst kein fehlerfreier Überflieger sein. Heiligkeit beginnt im Ernstnehmen deines Menschseins – man könnte im Sinne des heutigen Tages auch sagen, im Annehmen deines eigenen Namens, bei dem Gott dich gerufen hat. Wenn Du das nächste Mal nicht weiterweißt, dann denke an den jungen Franz von Sales. Suche Dir einen Moment der Stille und vertrau Dich diesem Namen an, denn Maria erinnert uns, Du wirst gesehen. Du bist geliebt und Du bist gerufen – genau so, wie du bist.

  2. 1 day ago

    Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst

    Nine-eleven ist zu einem Synonym geworden. Nine-eleven meint den 11. September 2001. An diesem Tag, das sind schon sagenhafte 25 Jahre her, sind in den USA vier Flugzeuge entführt worden, um damit einen beispiellosen Terrorakt zu vollziehen: die Nutzung von Passagierflugzeugen als menschengesteuerte Angriffsmaschinen, um so viele Menschen wie möglich zu töten und quasi den USA den Krieg zu erklären. Und das in der unglaublich verqueren Logik von Osama bin Laden und Al Quaida – im Namen Gottes. Im Namen Gottes töten? Das widerspricht dem Empfinden von gläubigen Christen, die an einen liebenden und lebensspendenden Gott glauben. Ja, auch Christen haben im Laufe der zwei Jahrtausende im Namen Gottes getötet. Und wir sind bis heute beschämt darüber. Es gibt ein Wort, das seit vielen Jahren die Runde macht und das gut erklärt, worum es wirklich geht. Da heißt es: "Wenn Dein Gott Dir befiehlt zu töten, dann such Dir einen anderen Gott."In unserer heutigen Lesung steht genau das Gegenteil von machtvoller Demonstration von Überlegenheit und kriegerischer Kraft. Da steht im 2. Korintherbrief: "Ich will mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn, wenn ich schwach bin, dann bin ich stark."Der Briefschreiber macht deutlich: Nicht meine eigene Kraft soll mich leiten, sondern die Kraft, die von Gott kommt und von Jesus Christus. Und noch mehr, er sagt sogar ja zu aller Ohnmacht und allen Nöten und Verfolgungen, die er für Christus erträgt, weil dann die Kraft Christi in ihm wirken kann. Wer aber aus der Kraft Christi wirken will, wird tun, was Christus getan hat: den Armen beistehen, die Kranken pflegen, Kinder segnen, Trauernde trösten und allen Menschen das Reich Gottes verkünden.Dieser 11.9. kann uns helfen, darüber nachzudenken, was ich, was jede und jeder von uns im Namen Gottes tut und das wichtigste Gebot dabei keinesfalls zu vergessen: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.

  3. 2 days ago

    Harte Zumutung in Jesu Auftrag

    Am Abend lese ich oft schon das Tagesevangelium des kommenden Tages und schaue nach, was mich darin anspricht. Beim heutigen Text aus dem Lukasevangelium dachte ich, eigentlich ist der gesamte Text so, dass er mich geradezu anspringt. Da gibt es so viel, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Da heißt es:"In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln. Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück. Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder. Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen. Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne und Töchter des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.“Das ist echt keine Anleitung für ein weichgespültes Wohlstandschristentum, sondern harte Zumutung in Jesus Auftrag – an alle, die an ihn glauben.

  4. 3 days ago

    Ein paar Schritte gehen

    Du kennst wahrscheinlich einen Activity Tracker? Vielleicht nicht unter diesem englischen Begriff. Im Deutschen ist das schlicht und einfach auch ein Schrittzähler. Die App auf dem Handy installiert, mit ein paar Daten versehen und immer in der Tasche parat, zählt er vom Aufstehen an alle Schritte, die ich so gehe. Irgendwann war mir klar, ein bisschen mehr Bewegung wäre sicher nicht so schlecht, wenn ich viel am Schreibtisch sitze und es ist da natürlich ziemlich reizvoll, sich ein Ziel zu setzen. Also die Marke bei 5.000 Schritten gesetzt und los. Und dann merke ich, dass die ganzen Morgenrituale wie Frühstück machen, Laudes in der Kapelle beten, Frühstücken, die ersten Sachen im Haushalt machen schon einige hundert Schritte sind. Und dann schnell zum Einkaufen nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß, den Brief nicht mitgeben, sondern zum Briefkasten laufen, eine Runde spazieren gehen mit einer unserer alten Mitschwestern und noch eben in die Pfarrkirche gehen und ein paar Minuten verweilen und schon sind 5.000 Schritte erreicht.Und mitten in meiner Schrittzähleuphorie ist mir dann die Frage eingefallen: Wie viele Schritte mache ich eigentlich bewusst zu meinem Nächsten hin? Gehe ich mal eben eine Meile mit jemandem mit, der es gerade braucht? Bei einer Abendrunde durch die Stadt fällt mir auf, wieviel leichter es ist, abends kurz stehen zu bleiben und zu plaudern, einander zuzuhören oder einen Umweg mit zu laufen, weil gerade ein gutes Gespräch zustande gekommen ist. Mit einer indischen jungen Familie habe ich mich lange über die Tücken der deutschen Sprache unterhalten und habe ihnen nebenbei erklärt, warum gerade so viel Sperrmüll an den Häusern liegt, der am nächsten Morgen abgeholt wird. In einer Nebenstraße saßen fünf ältere Herren Pfeife rauchend auf einer Bank vor dem Haus und der Duft hat mich an den Pfeifentabak meines Vaters erinnert. Ich bin stehengeblieben und habe das erzählt und schon waren wir in der schönsten Plauderei. Es ist eine ziemlich gute Idee, vieles zu Fuß zu machen. Es tut der Gesundheit gut, man bekommt viel mehr zu sehen und zu hören, wenn man gemächlich geht, man trifft ganz andere Leute und man sieht ganz andere Dinge. Wenn es möglich ist, geh heute mal eine Runde und tu Dir an Leib und Seele etwas Gutes. Auch ganz ohne Activity Tracker.

  5. 4 days ago

    Streitfall Maria

    Maria ist zum Streitfall geworden. Erst Maria 2.0 als Titel für eine hervorragende Fraueninitiative, die um die Gleichberechtigung von Frauen in unserer Kirche kämpft und als Antwort darauf Maria 1.0, die besagt, dass die Gottesmutter kein Update braucht und so verehrt werden kann wie immer.Hm. Und nun? Wenn ich darauf schaue, wer dieses junge Mädchen war, das in dem Glauben aufgewachsen ist, dass ein jüdisches Mädchen den Messias zur Welt bringen wird, die zu dieser Ungeheuerlichkeit der Verkündigung durch den Engel ja gesagt hat, obwohl sie genau wusste, dass sie dafür gesteinigt werden könnte, dann sehe ich keine stumme, liebliche, demütige und im stillen Kämmerlein lebende Frau, sondern einen Ausbund an Mut und Courage. Wer sich in der damaligen patriarchalischen Gesellschaft als Frau zutraut, mehr auf Gott als auf die Menschen zu hören, hat mehr als Mut. Sie hat ein Gottvertrauen, das über den Tod hinausgeht. Und wenn man ihr Gebet liest, das wir als Magnificat kennen und das sie beim Besuch ihrer Base Elisabeth jubelt, dann kann man nicht nur zwischen den Zeilen eine sehr offene Gesellschafts- und Religionskritik heraushören.Sie preist Gott, der auf sie als nichtsbedeutende Frau ihrer Zeit schaut, und weiß schon da, dass man in Jahrhunderten und Jahrtausenden von all den männlichen Herrschern kaum noch etwas wissen wird, aber sie selbst von allen gepriesen werden wird. Sie weiß, dass Gott auf alle schaut, die als niedrig und nichtssagend in Welt und Kirche gelten, und dass er die hochhebt, die vor ihm Achtung haben. Sie ahnt, dass Gott die Hochmütigen in alle Winde zerstreut, weil er alle Machthaber, egal welcher Couleur, von ihren Thronen stürzen wird. Denen, die nach Ihm und seiner Gerechtigkeit hungern, wird er beschenken, und die, die glauben alles zu besitzen, werden mit leeren Händen dastehen. Eine solche Frau, die aus der Kraft des Heiligen Geistes so leben und beten und mit ihrem Sohn bis unters Kreuz gehen wird, ist es mehr als wert, sie zu beachten und zu feiern und als Vorbild für Frauen und Männer in unserer Kirche zu sehen.

  6. 5 days ago

    Tue trotzdem das Gute

    Im heutigen Abschnitt aus dem Lukasevangelium wird eine interessante Szene beschrieben. Die Pharisäer suchen nach Möglichkeiten, etwas gegen Jesus zu unternehmen, weil er ihnen und ihren Überzeugungen unbequem geworden ist.Aber Jesus hat etwas ganz anderes im Sinn. Ihm geht es um die Heilung eines Kranken und nicht um die Erfüllung von Gesetzen, die über dem Leid der Menschen stehen. Und dann heißt es, dann sagte Jesus zu ihnen: Ich frage euch, was ist am Sabbat erlaubt, Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zugrunde gehen zu lassen?Und er sah sie alle der Reihe nach an und sagte dann zu dem Mann: Streck deine Hand aus. Er tat es und seine Hand war wieder gesund. Da wurden sie von sinnloser Wut erfüllt und berieten, was sie gegen Jesus unternehmen könnten.Also, auf die Frage, was ist am Sabbat erlaubt, Gutes zu tun oder Böses, haben die Umstehenden keine Antwort gegeben, obwohl jede und jeder die Antwort weiß. Es geht immer darum, Gutes zu tun und ebenso immer darum, das Böse nicht zu tun. Und als Jesus den Kranken geheilt hat, sind sie von sinnloser Wut erfüllt und beraten, was sie gegen ihn unternehmen können.Es gibt einen Text von Mutter Teresa, der genau das beschreibt und zum „Trotzdem“ aufruft. Sie sagt: Die Menschen sind unvernünftig, irrational und egoistisch. Liebe diese Menschen trotzdem.Wenn du Gutes tust, werden dich die Menschen beschuldigen, dabei selbstsüchtige Hintergedanken zu haben. Tue trotzdem Gutes. Wenn du erfolgreich bist, gewinnst du falsche Freunde und wahre Feinde.Sei trotzdem erfolgreich. Das Gute, das du heute getan hast, wird morgen schon vergessen sein. Tue trotzdem Gutes.Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar. Sei trotzdem ehrlich und offen. Die Menschen bemitleiden Verlierer, doch sie folgen nur den Gewinnern.Kämpfe trotzdem für ein paar von den Verlierern. Woran du Jahre gebaut hast, das mag über Nacht zerstört werden. Baue trotzdem weiter.Die Menschen brauchen wirklich Hilfe. Doch es kann sein, dass sie dich angreifen, wenn du ihnen hilfst. Hilf diesen Menschen trotzdem.Gib der Welt das Beste, was du hast, und du wirst zum Dank dafür einen Tritt erhalten. Gib der Welt trotzdem das Beste. Letztendlich ist dann alles eine Angelegenheit zwischen dir und Gott. Sowieso war es nie eine Angelegenheit zwischen dir und anderen.

  7. 6 days ago

    Für Gott ist jeder Mensch kostbar

    Ich war in den Sommerferien wandern. Und dabei überquerte ich auch die ein oder andere Alm. Es war einfach nur schön, zwischen den Kühen umherzuwandern und die Sonne im Gesicht zu spüren. Die Beine schon etwas schwer vom Aufstieg. Aber dieses Klingeln der Kuhglocken – beruhigend und irgendwie erdend im Ohr. Und da hab ich nochmal gespürt, wie schön und wunderbar entspannend diese Kühe sein können. Und ich musste an die ein oder andere Bibelgeschichte denken, die mich inzwischen ehrlich gesagt nur noch zum Gähnen bringt. Wenn es wieder um Hirten geht. Um Schafe. Um Vieh. Dann hat das oft so gar nichts mit meinem Alltag zu tun, denke ich. Dann langweilt es mich manchmal. Oder es nervt mich sogar. Denn ich will nicht das dumme Schaf sein, das sich verirrt und gefunden werden muss. Aber da oben auf der Alm habe ich es plötzlich ein bisschen besser verstanden. Vielleicht sogar gespürt. Schon beim Aufstieg kam uns ein Schäfer entgegen. Mit einer riesigen Schafherde und mindestens drei Schäferhunden. Ich war so mit dem Aufstieg beschäftigt, dass ich erst gar nicht richtig kapiert habe, dass da neben mir eine Unmenge an Schafen über Stock und Stein hüpfte. Und irgendwann dachte ich: Wie kostbar müssen diese Tiere eigentlich für diesen Schäfer sein? Sie sind sein Lebensunterhalt. Seine Lebensversicherung. Vielleicht ein großer Teil seines Lebens. Und für mich? Für mich waren sie in diesem Moment einfach nur beeindruckend und wunderschön. Ich dachte nicht: „Was für dummes Vieh.“ Und vielleicht habe ich genau da für einen kurzen Moment verstanden, was diese alten Bilder der Bibel eigentlich erzählen wollen. Vielleicht geht es gar nicht darum, dass ich das dumme Schaf bin. Vielleicht geht es darum, dass ich kostbar bin. So kostbar, dass es eben nicht egal ist, wenn ich verloren gehe. So kostbar, dass jemand nach mir schaut. So kostbar, dass einer mich nicht einfach zurücklässt. Da oben auf der Alm, zwischen Kuhglocken, schweren Beinen und einer riesigen Herde Schafe, habe ich für einen kurzen Moment verstanden, wie kostbar du und ich für Gott sein könnten. Und plötzlich fand ich diese alte Geschichte gar nicht mehr so langweilig.

  8. 5 Sept

    Gott nimmt mir den Weg nicht ab

    Im Sommer laufe ich gerne barfuß. Ich mag das Gefühl von warmem Asphalt oder frisch gemähtem Gras unter den Füßen. Im Urlaub passiert mir das ständig. Schuhe aus. Einfach loslaufen. Irgendwie fühlt sich das nach Freiheit an.Jetzt sind die Ferien vorbei. Für viele hat das neue Schuljahr begonnen. Für manche ist es einfach die nächste Klasse. Für andere beginnt etwas ganz Neues: eine neue Schule, neue Mitschüler, neue Lehrer. Oder überhaupt das erste Mal Schule. Und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, was dieses Schuljahr für mich bereithält. Wem ich begegnen werde. Welche Gespräche mich erwarten. Was gelingt und woran ich wachsen muss.Vielleicht fühlt sich jeder Neubeginn ein bisschen an wie barfuß laufen.Barfuß spürt man jeden Stein. Man merkt sofort, wenn der Weg uneben wird. Das macht verletzlich. Gleichzeitig nimmt man den Boden viel bewusster wahr. Man läuft anders. Aufmerksamer.Natürlich könnte ich auch dicke Sicherheitsschuhe anziehen. Die schützen. Aber sie machen die Schritte schwer. Und manchmal habe ich den Eindruck, wir ziehen uns im übertragenen Sinn genau solche Schuhe an. Wir wollen nichts falsch machen. Niemandem wehtun. Bloß nicht stolpern. Bloß nicht auffallen.Ich merke das bei mir selbst.Dabei beginnt ein neuer Weg selten damit, dass ich schon alles weiß. Er beginnt mit einem ersten Schritt.Und dann muss ich mich morgens tatsächlich entscheiden, welche Schuhe ich anziehe. Bequeme Sneaker? Etwas Festliches? Oder Wanderschuhe? Je nachdem, was der Tag von mir verlangt.Vielleicht ist das gar kein schlechtes Bild für den Glauben. Gott nimmt mir den Weg nicht ab. Aber er lädt mich ein, ihn zu gehen. Mal mutig. Mal vorsichtig. Mal leichtfüßig. Und manchmal eben auch barfuß.Ich wünsche mir, dass ich etwas von dieser Leichtigkeit des Sommers mit in den Alltag nehme. Nicht, weil das Leben immer leicht wäre. Sondern weil ich darauf vertraue, dass Gott jeden meiner Schritte kennt – auch die vorsichtigen. Auch barfuß.

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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