MDR KULTUR trifft: Menschen von hier

Mitteldeutscher Rundfunk

Jede Woche stellen wir einen interessanten Menschen vor, der sich dem kulturellen Leben in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen besonders verpflichtet hat. Unsere Gäste geben Einblicke in ihr privates Leben und stellen ihre Arbeit vor.

  1. Sep 26

    MDR KULTUR trifft Christian Waltenberg

    Seit 2022 ist Christian Waltenberg zudem Verbandschorleiter des Chorverbands Sachsen-Anhalt und sich jüngst auch beim 3. Internationalen Chorfest vom 16. bis 20. September in Magdeburg ein. 50 Chöre, hunderte Sängern aus Deutschland, der Region, sowie aus Ländern wie Kroatien, Norwegen, Lettland, Malaysia, Ghana, Brasilien und Internationalem Wettbewerb unter dem Motto „Fühelnd verbunden – Sing with emotion“ kamen zusammen. Die Nachwuchsförderung und die Stärkung der Chorlandschaft in Sachsen-Anhalt liegt Christian Waltenberg am Herzen. Neben dem schulischen Kontext gelingt ihm das als musikalischer Leiter des generationenübergreifenden Chors „Carmina Mundi“. Einmal im Jahr kommen die Sängerinnen und Sänger aus ganz Sachsen-Anhalt mit einem programmatischen Schwerpunkt zusammen. In diesem Jahr erarbeiteten sie ein Konzert zum Thema Demokratie und Meinungsfreiheit. Der Chorverband Sachsen-Anhalt e.V. wiederum brachte am 30. Juni 2026 zusammen mit dem Verein Völkerverständigung und Toleranz Hannover und weiteren internationalen Partnern ein außergewöhnliches Konzert in den Magdeburger Dom zur Aufführung. „The Night Konzert“, als Zeichen gegen Hass und Antisemitismus, verband Musik, Erinnerung und gesellschaftliches Engagement. Im Mittelpunkt stand liturgische Synagogalmusik von Leib Glantz in der Orchesterfassung von Joseph Nee aus den USA, kontrastiert mit Texten des Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel aus seinem Werk „Die Nacht“. Begleitet wurde die Konzert-Lesung von der Magdeburgischen Philharmonie, dem MDR Rundfunkchor und zwei Synagogalchören. Das begleitende pädagogische Konzept für Schulprojekte wurde zuvor vom Verbandschorleiter des Chorverbands Sachsen-Anhalt Christian Waltenberg und der Fachkoordinatorin Constanze Voigt entwickelt.Vom 01. bis 04. Oktober ist Leipzig erstmals Gastgeber der chor.com. Auch da wird Christian Waltenberg mit dem Chorverband Sachsen-Anhalt e.V. vor Ort sein. Nach Dortmund und Hannover ist nun Leipzig fortan neue Heimat für das alle zwei Jahre vom Deutschen Chorverband ausgerichtete Fachtreffen der Vokalmusikszene. Zu mehr als 150 Workshops, drei hochkarätigen Masterclasses und 20 Konzerten geladen. In Bernburg wurde Christian Waltenberg 1988 geboren. Mit sieben Jahren entschied er sich in der Musikschule für das Akkordeon und nahm an mehreren Landeswettbewerben „Jugend musiziert“ teil. Von 2007 bis 2012 studierte Christian Waltenberg in Leipzig an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Musik und Mathematik für gymnasiales Lehramt mit den instrumentalen Fächern Akkordeon, Gesang und Klavier. Anschließend absolvierte Christian Waltenberg sein Referendariat am Geschwister-Scholl-Gymnasium Magdeburg und wurde Teil des Kollegiums. Er übernahm in Magdeburg 2013 den Kinderchor und gründete 2015 einen Jugendchor für die Mittelstufe und leitet seit 2019 den Jugendchor „ChoriuS“. Moderation Thomas BilleRedaktion: Angelika Zapf

    MDR KULTUR  trifft Christian Waltenberg
  2. Sep 19

    MDR KULTUR trifft Fridtjof Florian Dossin

    Fridtjof Florian Dossin hat sich in dem Dorf Oßmannstedt in der Gemeinde Ilmtal-Weinstraße, nahe Apolda gelegen, einen 1939 erbauten und 25 Meter hohen Getreidespeicher zu Eigen gemacht. Zusammen mit Freunden und Kommilitonen aus Architektur und Denkmalpflege gründete er das Institut für Graue Energie e.V., übernahm den Vorsitz und ist Projektleiter der Reallabore. 13 Mitglieder gehören zum Verein, der inzwischen mit seinen Reallaboren auch in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg agiert, sich um den Erhalt und die nachhaltige Weiterentwicklung bestehender Gebäude, insbesondere von Industrie- und Bestandsbauten im ländlichen Raum einsetzt. „Graue Energie“, betont Fridtjof Florian Dossin, ist kein Kunstwort. „Graue Energie“ kommt aus dem Baumanagement und beschreibt die Energie, die in unserer Umwelt durch Gestaltungs- und Bauprozesse gebunden ist. Man habe den Begriff entlehnt, um auf ihn zu verweisen, um ihn bekannter zu machen und ihn mit dem Thema Bestandsgebäude zu verbinden, führt der Industriedenkmalpfleger aus. In Gebäuden steckt am meisten Energie, weil der Bauprozeß so energieaufwendig ist. Die Baustoffe müssen abgebaut, bearbeitet und auf die Baustelle transportiert werden. Energie, die man nicht sieht, daher „Graue Energie“ und diese kann man nachhaltig nutzen, wenn das Gebäude erhalten- oder einer neuen Nutzung zuführt, das Kulturdenkmal, den Erinnerungsort als Ressource nutzt. Das Erdgeschoss des Getreidespeichers in Oßmannstedt wird als Vereinsraum genutzt in dem bald eine kleine Fachbibliothek einziehen soll. Im Keller wird eine Werkstatt entstehen. Schon jetzt wird zu Erzähl-Cafés geladen, Anfang September geschah dies in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Erforschung der Demokratiegeschichte. Am 13. 09. öffnete das Reallabor Getreidespeicher Oßmannstedt zum vierten Mal seine Türen zum Tag des offenen Denkmals, am 21.09 lädt das Institut für Graue Energie e.V. zur Sommerakademie in Hohenmölsen ein und präsentiert sich am 08.10 beim Forum Industriekultur Berlin. In Jena wurde Fridtjof Florian Dossin 1995 geboren. Nach dem Abitur studierte er von 2014 bis 2018 Urbanistik an der Bauhaus-Universität Weimar und von 2018 bis 2021 Denkmalpflege an der Universität Bamberg. 2016 absolvierte Fridtjof Florian Dossin ein Praktikum im Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und 2017 im Bundesdenkmalamt Österreich, wurde studentischer Mitarbeiter u.a. an der Bauhaus-Universität Weimar, im Keramik Museum Bürgel und in der Bauhaus-Keramikwerkstatt Dornburg, war 2019 Werkstudent bei einem Kirchenmaler- und Restauratorenfachbetrieb in der Fränkischen Schweiz. Seit 2020 ist Fridtjof Florian Dossin wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bauhaus-Universität Weimar, forscht zu Fragen des industriellen Erbes, der Baukultur, der Transformation von Bestandsgebäuden und schreibt an seiner Promotion mit dem Arbeitstitel „Erinnerung an Arbeit. Die Betriebsmuseen der VEB in der DDR“.Moderation Thomas BilleRedaktion: Angelika Zapf

    MDR KULTUR trifft Fridtjof Florian Dossin
  3. Sep 12

    MDR Kultur trifft Alexandra Husemeyer

    In Eisenach kam Alexandra Husemeyer zur Welt, dort wuchs Sie auf und dort lebt sie noch immer. Fragt man Sie auf Reisen, woher sie kommt, dann sagt sie aus Thüringen, ansonsten aber begreift sie sich als Europäerin. Seit 2019 ist Alexandra Husemeyer Projektleiterin der interkulturellen ACHAVA Festspiele in Eisenach und organisiert dafür jährlich an die 30 Veranstaltungen. Im Jahr 2015 wurden die ACHAVA Festspiele in Thüringen unter Leitung und Intendanz von Kulturmanager Martin Kranz in Weimar ins Leben gerufen, um ein Zeichen für Toleranz und Dialog zu setzen. Das hebräische Wort ACHAVA steht für Brüderlichkeit. Neben Konzerten renommierter internationaler Künstler gehören Ausstellungen, Tanz, Theater, Gespräche und Podiumsdiskussionen, sowie thüringenweite Schüler-Angebote zum Programm. Die 12. ACHAVA Festspiele Thüringen bringen vom 23. September bis 11. Oktober mehr als 80 Veranstaltungen in die sieben Städte Eisenach, Gera, Erfurt, Gotha, Mühlhausen, Weimar und Bad Salzungen. In Eisenach vom 13. September bis 10.Oktober. Höhepunkt ist das ACHAVA Familienfest am 04. Oktober im E-Werk Eisenach. 1972 in Eisenach geboren, besuchte nach der Oberschule von 1989 bis 1992 das Evangelisches Gymnasium in Potsdam-Hermannswerder. Anschließend absolvierte sie im Rahmen der Ausbildung zur Evangelischen Paramentikerin und Prüfung vor der EKD Hannover eine zweijährige Lehre in Handstickerei. In der Paramentenwerkstatt der von Veltheim-Stiftung Kloster St. Marienberg Helmstedt und in der Handweberei Peters in Königslutter ließ sich Alexandra Husemeyer von 1994 bis 1996 zur Handweberin ausbilden. 2002 bestand sie die Meisterprüfung im Weber-Handwerk vor der Handwerkskammer Hannover, eröffnete in Eisenach die Werkstatt "Der rote Faden“ und arbeitete als selbständige Paramentikerin, Textildesignerin und Textilrestauratorin, aber auch Kulturkoordinatorin und Moderatorin. Alexandra Husemeyer qualifizierte sich zur zertifizierten Gästeführerin im Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e.V., wurde von 2008 bis 2013 im Wartburgverlag GmbH, Lutherhaus Eisenach Mitarbeiterin für Museumspädagogik und Öffentlichkeitsarbeit und besuchte berufsbegleitend von 2009 bis 2012 die Evangelische Erwachsenenbildung Thüringen "Lutherfinder“ in Erfurt und Schulungen bei der Thüringer Tourismus GmbH. Von 2014 bis 2020 arbeitete Alexandra Husemeyer in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland als Mitarbeiterin für Museumspädagogik, Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement und entschied 2020 wieder in die Freiberuflichkeit zu gehen. Über ihr Kulturbüro "Der rote Faden“ in Eisenach arbeitet sie als Moderatorin für die französische Botschaft in Berlin, die Evangelische Akademie Thüringen, lädt zu Stadtführungen, ist Kuratorin zahlreicher Ausstellungen über den Kunstverein in der Predigerkirche und im Stadtschloß, arbeitet als Museumspädagogin und an der Entwicklung neuer Bildungsangebote für Museen. Moderation Julia HemmerlingRedaktion: Angelika Zapf

    MDR Kultur trifft Alexandra Husemeyer
  4. Sep 5

    MDR Kultur trifft Gitte Zschoch

    Doch mit der jüngsten Ankündigung der Schließung der deutschen Goethe-Institute in Rußland endet im 75. Jahr auch eine Ära der deutsch-russischen Kulturbeziehungen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte am 03.09.2026, mit der Maßnahme reagiere man auf das angekündigte Ende für das „Russische Haus“ in Berlin. Die Bundesregierung hatte am 01.09. Rußland für einen versuchten Anschlag mit einer am Flughafen Leipzig/ Halle gefundenen Drohne verantwortlich gemacht, neue Schutzmaßnahmen gegen mögliche russische Angriffe verkündet und die Schließung vom „Russischen Haus“ in Berlin und des russischen Generalkonsulats in Bonn beschlossen. Das Goethe-Institut betreibt neben seiner Hauptstelle in Moskau weitere Kultureinrichtungen in St. Petersburg und Nowosibirsk. Bereits im Mai 2023 setzte die russische Regierung eine strikte Personalobergrenze für deutsche Auslandsvertretungen und Kulturorganisationen durch. Von den 200 Mitarbeitern in den drei Goethe-Instituten durften nur noch 15 tätig bleiben. Das am 09.08.1951 in München gegründete „Goethe-Institut e.V.“ ist seit den 1960er Jahren die größte und international bekannteste der so genannten Mittlerorganisationen der deutschen auswärtigen Kulturpolitik. Als privater Verein im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes nimmt das Goethe-Institut zusammen mit anderen Einrichtungen wie dem Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst in Bonn die kulturelle Selbstdarstellung Deutschlands im Ausland wahr. Die Zentralverwaltung sitzt in München. Das Goethe-Institut vermittelt in hundert Ländern deutsche Sprache und fördert den Kulturaustausch. In vielen autoritären Regimen werden so auch Schutzräume für einen freien Austausch geschaffen. Aber auch das Goethe-Institut unterliegt seit einigen Jahren einem umfassenden Transformations- und Sparkonzept. So mußten in den vergangenen Jahren mehrere Standorte geschlossen und Stellen abgebaut werden. Dennoch steht demnächst die Eröffnung eines Goethe-Institutes in den USA und in Polen an. Seit 2009 war Gitte Zschoch in verschiedenen Positionen für das Goethe-Institut tätig: In Seoul, Tokio, Johannesburg, zuletzt von 2015 bis 2018 als Gründungsdirektorin des Goethe-Instituts in der Demokratischen Republik Kongo. 1984 in Borna geboren und in Frohburg aufgewachsen, studierte Gitte Zschoch Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihr Master-Studium in Moderner Koreanischer Literatur absolvierte sie an der Seoul National University, Südkorea, wo sie auch als Dozentin für Deutsch tätig war. Anschließend arbeitete sie als freie Kulturmanagerin und Autorin. 2021 war sie in der Kategorie „Kulturmanagerin des Jahres“ beim Europäischen Kulturpreis“ nominiert.Moderation Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

    MDR Kultur trifft Gitte Zschoch
  5. Aug 29

    MDR Kultur trifft Klaus Dörr

    Die Bühnen Halle sind ein Mehrspartenhaus mit Oper, Ballett, Schauspiel (neues theater und Thalia-Theater), Puppentheater und der Staatskapelle. In fast 1000 Veranstaltungen pro Spielzeit erreichen die Bühnen Halle mehr Besuche, als Halle Einwohner zählt ist im neuen Spielzeitheft für die Saison 2026/2027 zu lesen und lädt ein, Theater als Ort der Erfahrung, des Lernen und des gemeinsamen Erlebens zu besuchen. Und, sich damit einer Kunstform zu nähern, die, wie Klaus Dörr es formuliert, im Moment ihres Entstehens vergeht, die wir nicht festhalten, nicht konservieren, sondern nur erinnern können und gemeinsam darüber sprechen. Vor Beginn der neuen Spielzeit kann das bereits bei einem großen Kulturspektakel im Rahmen des Laternenfestes erprobt werden. Drei Tage präsentieren sich alle fünf Sparten u.a. mit „It´s Showtime! – Eine Musicalrevue“, oder einer Ballettgala, mit „Entführung im Puppentheater“ oder „30-Minuten-Oper: La Traviata“. Traditionell am letzten Augustwochenende feiert die Stadt Halle, bietet zwischen Ziegelwiese und Peißnitzinsel ein vielfältiges Kulturprogramm aus Live-Musik, Kunst, Mitmach-Aktionen und dem klassischen Laternenumzug. Vielfalt steht über allem und „#Stolz auf Vielfalt“ ist die Überschrift eines breiten Bündnisses, einer Kampagne, die Menschen und Institutionen dazu einlädt, sichtbar zu machen, was Sachsen-Anhalt prägt und verbindet, und zeigt was Kultur ist. Zu diesem Bündnis gehört auch „Kultur ist Vielfalt und Heimat“. Als Kulturinstitution unterstützen die Bühnen Halle dieses Statement für Kunstfreiheit und kulturelle Offenheit und haben es mitunterzeichnet. In Neustadt an der Weinstraße wurde Klaus Dörr 1961 geboren. In Berlin studierte der gelernte Krankenpfleger Wirtschaftswissenschaften und befaßte sich in seiner Abschlußarbeit mit den „Möglichkeiten und Grenzen ökonomischer Steuerung von Theatern am Beispiel der Berliner Ensemble GmbH“. Nach einem Praktikum wurde Klaus Dörr Assistent des Technischen Direktors am Berliner Ensemble. Anschließend wirkte er als Produzent, Produktionsleiter und Berater für freies und institutionelles Theater. Von 2006 bis 2013 war Klaus Dörr Geschäftsführender Direktor des Maxim Gorki Theaters Berlin und von 2009 bis 2013 zudem stellvertretender Intendant, von 2013 bis 2018 Künstlerischer Direktor und stellvertretender Intendant des Schauspiels Stuttgart und von 2018 bis 2021 Intendant der Volksbühne Berlin. Viele Jahre war Klaus Dörr Gutachter und Berater in Strukturkommissionen. Am 01. Juli 2025 übernahm er die Geschäftsführung der Theater, Oper und Orchester GmbH.Moderation Ellen SchwedaRedaktion: Angelika Zapf

    MDR Kultur trifft Klaus Dörr
  6. Aug 22

    MDR KULTUR trifft Marko Martin

    „Freiheitsaufgaben“ erschien nach seiner Festrede am 07.11.2024, dem 35. Jahrestag der friedlichen Revolution in der DDR im Schloß Bellevue, dem Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten. Diese Rede erfuhr große Aufmerksamkeit, manche Kommentatoren sprachen von einer Sternstunde der Demokratie und verärgerte den Bundespräsidenten. Im Februar 2026 wurde Marke Martin in Leipzig der Werner-Schulz-Preis verliehen. Wie der Bürgerrechtler und langjährige Bundestags- und Europaabgeordnete Werner Schulz, habe Marko Martin vehement die Politik Putins und dessen Angriffskrieg auf die Ukraine angeprangert, so die Begründung der Jury. Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin setzt die Autorenvereinigung PEN Berlin ihre bereits im vergangenen Jahr viel beachtete Veranstaltungs- und Gesprächsreihe quer durch Deutschland fort und fragt im August in 41 Tagen bei 36 Begegnungen mit 112 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Sachsen-Anhalt: „Ist das noch / schon mein Land? – Gespräche über Heimat“. Anfang Mai war Marko Martin im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe Gast im Theater Görlitz. Seit Februar 2025 produziert er für die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung regelmäßig den podcast „Marko Martin, einmal klingeln“. 2024 erschien im Tropen Sachbuch Verlag zudem der Essayband „Und es geschieht jetzt. Jüdisches Leben nach dem 7. Oktober“. „Marko Martin ist ein wahrer Humanist.“, schrieb die US-amerikanisch-polnische Historikerin und Journalistin Anne Applebaum zu diesem Buch. Marko Martin bereist das Land seit 1991 und war zuletzt im Juni 2026 in Tel Aviv, berichtete von dort über das erste „Gay Pride“ nach dem 7. Oktober 2023 als Fest der Lebensfreude.Im Burgstädt in Sachsen wurde Marko Martin 1970 in geboren. Seine Eltern waren Zeugen Jehovas, lösten sich jedoch in den 1980er Jahren von diesen. Marko Martin wurde Kriegsdiensttotalverweigerer und erfuhr die Repressalien des Staates namens DDR. Unter anderem wurde ihm die Hochschule verwehrt. Im Mai 1989 siedelte die Familie in die Bundesrepublik Deutschland über und lebte fortan am Bodensee. Im Sommer 1990 reiste der inzwischen 19jährige Abiturient durch die frühere Heimat und veröffentlichte 2004 bei DVA „Sommer 1990. Er studiert zunächst Germanistik, Politikwissenschaft und Geschichte an der TU und FU Berlin. Nach langjährigem Aufenthalt in Paris lebt Marko Martin, sofern nicht auf Reisen, als Schriftsteller und Publizist in Berlin. Zahlreiche Bücher erschienen im Rahmen seiner Reisen rund um den Globus zu Themen wie Welt- und Fremdheitserfahrungen. Marko Martin ist Mitglied des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland und seit 2022 auch Mitglied im PEN Berlin. Er erhielt den Ovid-Preis und den Reiner Kunze-Preis, ist Jury-Mitglied des Karl-Wilhelm Fricke-Preises und war von 2015 bis 2017 auch Jury-Mitglied des Internationalen Literaturpreises - Haus der Kulturen der Welt. Moderation Julia HemmerlingRedaktion: Angelika Zapf

    MDR KULTUR trifft Marko Martin
  7. Aug 15

    MDR KULTUR trifft Jonas Seufert

    Über fünf Jahre arbeiteten Jonas Seufert und Lisa Frühbeis an dem Buch „Schattenleben. Menschen ohne Papiere erzählen“ und führten zahlreiche Interviews mit den Menschen, die in dem Comic sichtbar werden. Wie viele Menschen in Deutschland ohne Aufenthalts-Papiere leben und wie dieses Leben aussieht, darüber gibt es bislang kaum eine öffentliche Debatte. Mitte Juni 2026 trat die größte EU-Asylreform seit 1983 in Kraft. Doch in den immer schärferen Diskussionen um Migration gehen die Lebensbedingungen der Betroffenen unter. Jeder offizielle Kontakt kann ihre Abschiebung bedeuten. Doch der Comic kann überall dorthin, wo Kamera und Mikrofone nicht hinkommen und so konnten die Protagonisten Brienne, Charlotte, Nasir und Dau ihm in langen Gesprächen ihre Geschichten anvertrauen und dennoch anonym bleiben. Die Transfrau Brienne aus Thailand, die dort von ihrer Arbeit als Tierarzthelferin nicht leben konnte, kämpfte sich mutig aus der Zwangsprostitution heraus und erreichte, daß ihre Chefin ins Gefängnis kam. Charlotte aus dem Senegal flüchtete vor ihrem Onkel, der sie vergewaltigt hatte. In Mainz mußte sie Jahre später ihr Kind beinahe auf der Straße zur Welt bringen, da sie keinen Arzt aufsuchen konnte. Nasir, geboren in Somalia und 25 Jahre in Deutschland lebend, hat noch immer keine Aufenthaltspapiere, obwohl er die Pfalz längst sein Zuhause nennt und Dao erlebte auf ihrer Irrfahrt durch Europa, um ihre Eltern daheim finanziell zu unterstützen, neben regelrechter Ausbeutung in der vietnamesischen Community auch große Solidarität. Jonas Seufert, geboren 1989 in Würzburg, lebt heute in Leipzig. Von 2011 bis 2015 studierte er „Internationale Beziehungen“ an der TU Dresden und absolvierte ein Auslandssemester in der Türkei. Anschließend besuchte er bis 2018 die Deutsche Journalistenschule und die Ludwig-Maximilians-Universität in München. 2019 erhielt Jonas Seufert den Grimme Online Award für die Bürgerrecherche zusammen mit Correctiv „Wem gehört Hamburg?“. Zahlreiche Preise und Stipendien folgten über die Jahre. 2019 bis 2021 war er Mitbegründer von „Hermes Baby - Gemeinschaft für gute Geschichten“. 2020 bis 2022 wirkte Jonas Seufert als Co-Host und Coach für den Knast-Podcast „Zweidrittel FM“ und 2024 als Autor für den Dokumentarfilm „The Pickers“. Zehn Jahre arbeitete Jonas Seufert zudem als freier Reporter u.a. für DIE ZEIT, Süddeutsche Zeitung, ARD, ZDF, Correctiv und Taz. 2024 hatte er ein Stipendium der Otto-Brenner-Stiftung inne. 2025 war er Journalist in Residence am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung Köln. Seit 2025 ist Jonas Seufert Teil des Investigativ-Teams von FragDenStaat. Seine journalistische Arbeit konzentriert sich auf die Themen soziale Ungleichheit, Migration, prekäre Arbeit und globale Lieferketten.Moderation Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

    MDR KULTUR trifft Jonas Seufert
  8. Aug 8

    MDR KULTUR trifft Dieter König

    1.248 UNESCO-Welterbestätten gibt es derzeit in 170 Ländern weltweit. Sachsen-Anhalt hat mit fünf UNESCO-Welterbestätten die meisten in einem ostdeutschen Bundesland aufzuweisen: Die mittelalterlich geprägte Stadt Quedlinburg, der Dom in Naumburg, die Lutherstätten in Wittenberg und Eisleben, das Gartenreich Dessau-Wörlitz und das Bauhaus in Dessau. Hinzu kommt das UNESCO Weltdokumentenerbe wie die Himmelsscheibe von Nebra aus der frühen Bronzezeit oder seit vergangenem Jahr der literarische Nachlaß des Philosophen Friedrich Nietzsche. Das 1994 als Welterbestadt aufgenommene Quedlinburg ist ein Gesamtkunstwerk. Hier treffen mittelalterliche Stadtstruktur und ein bemerkenswertes Denkmal der Stadtbaugeschichte aufeinander. An die 2.100 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten prägen noch heute das Bild der Stadt. In Quedlinburg wurde Dieter König 1949 geboren und da lebt er noch immer. Im Mai 1961, da war er elf Jahre alt, wurde zwischen Quedlinburg und der französischen Stadt Aulnoye-Aymeries eine Städtepartnerschaft geschlossen, zu der auch ein Schüleraustausch gehören sollte. Mit dem Mauerbau am 13.08.1961 war die nur noch teilweise und einseitig möglich. Anders im Westen Deutschlands, da unterzeichneten im Januar 1963 Bundeskanzler Konrad Adenauer und Präsident Charles de Gaulle den Élysée-Vertrag, der bis heute den Grundstein der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich legte. Im Osten Deutschlands, nach der politischen Wende 1989/ 90, konnte in Quedlinburg erst 1991 diese Städtepartnerschaft vom Mai 1961 durch die Bürgermeister beider Städte erneuert werden. 1998 wurde der Verein zur Förderung der Freundschaft zwischen der deutschen Stadt Quedlinburg und der französischen Stadt Aulnoye-Aymeries gegründet. Dieter König ist Gründungsmitglied und seit 2000 im Ehrenamt Vorsitzender des Vereins. Seine Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland zu erhalten, sie mit Leben zu füllen und zu festigen. Dieter Königs erste Begegnung mit den Franzosen lag im Jahr 1994: Ein Staffellauf über 730 Kilometer in 5 Tagen von Aulnoye-Aymeries nahe der belgischen Grenze bis nach Quedlinburg. Er war dabei und organsierte 1996 den zweiten Lauf in umgekehrter Richtung. Neben dem Sport kamen Kulinarik und Kultur hinzu. Dieter König organisierte den fortan jährlichen Besuch der Franzosen zum Weihnachtsmarkt in Quedlinburg, zu Wein- und Käseverkostungen, zu Begegnungen am Tag des offenen Denkmals. Chöre beider Städte singen über Jahre zusammen und in jeder der beiden Städte gibt es eine Straße mit dem Namen der Partnerstadt. In diesem Jahr feierten sie zusammen 65 Jahre Bestehen dies Vertrags.Moderation Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

    MDR KULTUR trifft Dieter König

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Jede Woche stellen wir einen interessanten Menschen vor, der sich dem kulturellen Leben in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen besonders verpflichtet hat. Unsere Gäste geben Einblicke in ihr privates Leben und stellen ihre Arbeit vor.

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