Führen im Vertrauen

Fachstelle Vertrauenspädagogik

Hier veröffentliche ich Beiträge zur Vertrauenspädagogik, zu Vertrauens-Schule und zur Vertrauensführung. Zielgruppe sind all jene, die andere Menschen führen müssen oder wollen, und letztlich auch jene, die besser mit Führungskräften klarkommen wollen, mit den guten und weniger guten.

  1. 09/27/2024

    Einander ertragen

    Die Alternative dazu ist oft aufreibend und zerstörerisch. Wir haben oft zwei nachbarliche Hunde für Spaziergänge mitgenommen. Manchmal luden wir die beiden auch in den Kofferraum. Das ging gut. Allerdings: Der Kleine pfiff dann in jammervollem Ton unablässig Die Hundehalter zuhause stellen ihn dann lautstark ab. Ich war auch versucht, erkannte aber: Die Ruhe währt nur kurz. Dann kam mir die Einsicht: Ich will es hinnehmen. Das sagte ich dem Hund und er pfiff weiter. Die Veränderung war nicht im Hund, sondern in mir. Es regte mich nicht mehr auf. Es war zwar nach wie vor unangenehm, aber es gelang mir mit der Zeit, die Pfeiftöne auszublenden. Manchmal hörte er sogar auf damit. Wehe, ich hätte nur aus Kalkül geschwiegen, um ihn so zum Schweigen zu bringen.  Mit dieser kleinen Geschichte möchte ich ins Thema dieses Refreshers einführen. Worum geht es? Wir leben in einer Welt, wo alles machbar erscheint. Ja, nicht nur machbar, sondern wir sind als Akteure auch in der Pflicht alles richtig zu machen. Davon leben unzählige Therapeuten und auch die Schönheitschirurgie. War es früher eine Tugend,sich an das Unabänderliche anzupassen, gilt es heute - um jeden Preis - die Umstände und vor allem uns selber zu optimieren. Kinder werden früh an einer Norm gemessen und man setzt alles daran, sie zu “berichtigen”. Dieser Refresher soll ein Statement sein gegen die Machbarkeit. Kinder werden, wir müssen sie nicht machen. Aber: Wir müssen auch den Plan loslassen, es zu versuchen. Viele Eltern verzweifeln an diesem Punkt. Vielleicht geht es ja auch dir so: Du beisst dir die Zähne aus an gewissen Verhaltensweisen deiner Familienmitglieder. Ich lade dich ein, dein Ziel zu ändern. Nimm es hin, wie es ist und überlasse es deinem Kind, sich zu verändern. Begleite es darin wohlwollend. Anerkenne Fortschritte. Ich höre schon deinen Aufschrei: Muss ich einfach alles akzeptieren? Nein, aber du musst den Plan aufgeben, dein Kind gegen seinen Willen verändern zu wollen.  Die Vertrauenspädagogik heisst so, weil wir glauben, dass Kinder nicht durch äussere Anreize zum Besseren bewegt bzw. genötigt werden müssen, sondern dass in unseren Kindern der Wunsch lebt, es den Bezugspersonen recht zu machen. Dort, wo das nicht zu funktionieren scheint, sollten wir nicht an diesem Wunsch zweifeln, sondern darauf vertrauen, dass das Kind selbst daran interessiert ist, das Übel zu überwinden. Wir sollten also die Energie der Kinder nicht gegen uns haben, sondern mit uns. Freilich, im Einzelfall mag es schwierig sein, an diesem Vertrauen festzuhalten. Der entscheidende Punkt ist folgender: Wir sollten nie mehr anstreben als den guten Willen unserer Kinder. Denke an die Join-up Intervention. Sie ist nichts anderes als die Einladung zur Selbsterziehung - für Kinder UND deren Eltern.  Im Podcast werden wir dazu ein paar Beispiele dazu diskutieren.

    25 min
  2. 02/16/2024

    Versagensängste und deren Hintergründe Stefanie Reimann

    Ich bin nicht die Einzige, die schon öffentlich blossgestellt wurde, im Gegenteil. Besonders geeignet dafür war in meinem Fall die Schule. Ich erinnere mich daran, wie ich als Kind an die Tafel gerufen wurde, um eine Aufgabe zu lösen, die mein Wissen überstieg. Die Klasse und der Lehrer fanden das lustig und ich wäre am liebsten im Boden versunken. Noch schlimmer war es für mich, an einem Elternbesuchstag vorzulesen. Es war schon nicht leicht, dabei in der Klasse mehrmals zu versagen, aber dann auch noch vor der ganzen Elternschar ... Dies sind nur zwei Beispiele aus einer ganzen Reihe von Geschichten dieser Art. Schon wenige solcher Erfahrungen können zu einer Versagensangst führen. Viele Menschen können von verschiedensten «traumatisierenden» Erlebnissen berichten. Vor Kurzem beriet ich eine Mutter, deren Tochter wieder einmal versucht hatte, sich vor der Schule zu drücken, weil eine Prüfung vor der Tür stand. Aus Sicht der Mutter war diese Angst unbegründet, denn schliesslich sei sie eine gute Schülerin. Je mehr sie ihrer Tochter liebevoll Mut zusprach mit Sätzen wie: «Du schaffst das, meine Liebe, ich weiss, wie gut du das kannst, entspann dich», desto mehr spitzte sich die Situation zu. Ich empfahl ihr, auf solche Sätze zu verzichten. Sie erhöhen oft den Druck und die Angst. In einer solchen Situation ist es einem Kind unmöglich, sich zu entspannen und seine Gefühle zu ändern. Ein Kind kann nicht einfach entscheiden, wie es sich fühlt, und deshalb dieser Aufforderung nicht nachkommen, auch wenn sie noch so ermutigend gemeint ist. Unter anderem riet ich der Mutter, ihr Kind zu spiegeln, seine Gefühle ernst zu nehmen und zu benennen. Das hilft und beruhigt und schafft eine stärkende Verbindung, nicht nur zwischen Mutter und Kind, sondern auch vom Kind zu sich selbst. Dann fällt es leichter, darüber zu sprechen, und es können weitere Schritte unternommen werden. In Kurzform könnte das etwa so aussehen: «Ich habe Bauchschmerzen und will heute nicht in die Schule gehen, Mama.» Antwort in neutralem Ton, eventuell Mimik des Kindes imitieren: «Du willst heute nicht in die Schule, Lisa, du hast Bauchweh. Komm einmal zu mir. Oh, Bauchschmerzen, das ist nicht angenehm.» Dann empfehle ich, für einen kurzen Moment einfach nur da zu sein, innezuhalten für ein paar Sekunden, ohne zu agieren. Das hat oft eine grössere Wirkung, als man denkt. Diese kurze Stille auszuhalten, ist gar nicht so einfach! Aber du könntest dir angewöhnen, dabei einmal tief ein- und auszuatmen, denn der Atem spielt bei diesem Thema eine wichtige Rolle. Vielleicht steckst du sogar dein Kind an und es atmet mit dir mit! Du könntest dann fragen: «Hast du neben den Bauchschmerzen auch ein bisschen Angst oder bist du nervös? Erzähl doch mal.» Sei offen für das, was dein Kind dir sagen will, und wenn du Zeit hast, biete ihm ganz nebenbei einen warmen Tee an. Aber versuche, nicht in Mitleid zu verfallen. Die Situation aushalten zu können und Stärke zu zeigen, wäre in diesem Moment hilfreich. Denn so weiss dein Kind: Egal, was es auf den Tisch bringt, du kannst damit umgehen und es (er)tragen. Darüber zu sprechen, ohne zu bewerten, die Gefühle auszudrücken und schliesslich zu akzeptieren, hilft schon sehr viel und ist ein grosser Puffer gegen die Angst! Ziel ist es, dass das Kind erfährt, dass seine Gefühle wahrgenommen werden und seine Signale eine Bedeutung haben. Grundsätzlich ist Angst ein ebenso normales wie sinnvolles Gefühl. Sie schützt vor Gefahren und setzt zusätzliche Energie frei. Angst kann aber auch so stark sein, dass sie lähmt. Dann sind wir als Bezugspersonen herausgefordert.

    5 min
  3. 09/14/2023

    Refresher Nr. 6 2023 Ist Arbeit ein Fluch?

    So lautet der Titel einer Vortragsreihe, die ich am Vorbereiten bin. Das Thema beschäftigt mich schon seit einiger Zeit. Worum geht es? Viele beklagen sich, dass Kinder zu viel vor dem Handy sind, dass sie nur unter Druck die Leistungen bringen, die man von ihnen erwartet, dass sie sich nur für Zeug interessieren, das sie im Leben nicht weiterbringt usw. Wenn sie irgendwo mithelfen sollen, stösst das meist auf Ablehnung. Schon gar nicht käme ihnen in den Sinn, aus eigenem Antrieb irgendwo im Haushalt anzupacken. Kinder ernten für diese Haltungen nicht selten Kritik und Anfeindungen. Die einen wehren sich dann, andere übernehmen eher das negative Urteil und fühlen sich mit dem Adjektiv "faul” angemessen beschrieben.  weiterlesen / weiterhören Viele Eltern reagieren darauf damit, dass sie die Kinder antreiben, sie konfrontieren mit ihren charakterlichen Mängeln, während andere sich hinter die Devise zurückziehen, dass die Kinder ja ihr eigenes Leben versauen. Es ist eine allseits bekannte Weisheit, dass sich viele Probleme, die wir als Menschen haben mögen, auf frühkindliche Prägungen oder gar Traumen zurückführen lassen. Wir kommen zwar mit einer genetischen bzw. epigenetischen Vorprägung zur Welt, aber vieles passiert dann in den ersten drei Jahren. In diesen Vorträgen möchte ich erarbeiten, dass dieses eingangs erwähnte kindliche Verhalten die Folge einer Prägung ist, die so verbreitet ist, dass wir sie gar nicht wahrnehmen. Ja, wir stellen uns nicht einmal die Frage, ob es denn auch anders sein könnte. Genau dazu möchte ich dich einladen.  Was, wenn wir als Gesellschaft unsere Kinder ohne es zu merken aktiv und passiv in eine solche Haltung hineinmanövrieren, obwohl wir ja genau das Gegenteil anstreben. Wir wünschen uns doch alle neugierige, engagierte, empathische Kinder, die mehr Lust aufs reale Leben haben, als darauf, in immer neuen Youtube und Tiktok Filmen von Spass zu Spass zu hüpfen.  Wenn wir dann den Kampf aufnehmen gegen die Bildschirme, dann haben wir die ganze Energie der Kinder gegen uns. Diese tendiert dazu, zuzunehmen, während jene der Eltern sich im Machtkampf verheizt.  Wir können nun zwei Wege beschreiten: Entweder machen wir das reale Leben erfüllender oder wir vermiesen den Kindern den Spass am Medienkonsum. Ich möchte dich dafür gewinnen, den ersten Weg zu beschreiten. Viele versuchen das durch Spiel und Spass. Sie betreiben dazu einen grossen Aufwand. Kinder brauchen aber noch etwas anderes: Sie wollen an unserem echten Leben teilhaben. Sie wollen einbezogen werden in die elterlichen Visionen und Pläne. Leider wollen sie das am intensivsten zu einer Zeit, wo sie noch sehr wenig beitragen können. Mit ungefähr drei Jahren. Genau deshalb heisst die Vortragsreihe so. Was tun wir mit den Dreijährigen, wenn sie uns die Hacke aus der Hand nehmen,  wenn sie unbedingt den Staubsauger führen wollen? Wir signalisieren ihnen, dass sie noch zu klein sind. Dass sie lieber Lego spielen sollen oder Geschichten hören. Mit der Zeit lernen sie: Meine Mitarbeit ist nicht gefragt. Wenn sie dann grösser und leistungsfähiger sind, fehlt ihnen der innere Antrieb, mitzuhelfen. Sie ziehen sich in den Gastmodus zurück und denken, dass Haushalt die Sache der Eltern sei. Jetzt braucht es Anreize, damit sie mitmachen. Auch in ihnen ist die fatale Einsicht gereift, dass Arbeit ein Fluch sei. Gibt es Hoffnung - auch wenn die Kinder längst nicht mehr drei sind?  Ja, die gibt es. Schau dir unsere Video Serie TEAM-Erziehung oder noch besser: Nimm teil an der Ferienwoche vom 14. bis 21. Oktober. Du wirst sehen, die Theorie ist so verblüffend wie einfach - für die Umsetzung braucht es etwas Mut. Zu vieles erscheint uns zu schön um wahr zu sein.

    14 min
  4. 09/14/2023

    Refresher Nr. 6 2023 Sucht beginnt mit 3

    So lautet der Titel einer Vortragsreihe, die ich am Vorbereiten bin. Das Thema beschäftigt mich schon seit einiger Zeit. Worum geht es? Viele beklagen sich, dass Kinder zu viel vor dem Handy sind, dass sie nur unter Druck die Leistungen bringen, die man von ihnen erwartet, dass sie sich nur für Zeug interessieren, das sie im Leben nicht weiterbringt usw. Wenn sie irgendwo mithelfen sollen, stösst das meist auf Ablehnung. Schon gar nicht käme ihnen in den Sinn, aus eigenem Antrieb irgendwo im Haushalt anzupacken. Kinder ernten für diese Haltungen nicht selten Kritik und Anfeindungen. Die einen wehren sich dann, andere übernehmen eher das negative Urteil und fühlen sich mit dem Adjektiv "faul” angemessen beschrieben.  weiterlesen / weiterhören Viele Eltern reagieren darauf damit, dass sie die Kinder antreiben, sie konfrontieren mit ihren charakterlichen Mängeln, während andere sich hinter die Devise zurückziehen, dass die Kinder ja ihr eigenes Leben versauen. Es ist eine allseits bekannte Weisheit, dass sich viele Probleme, die wir als Menschen haben mögen, auf frühkindliche Prägungen oder gar Traumen zurückführen lassen. Wir kommen zwar mit einer genetischen bzw. epigenetischen Vorprägung zur Welt, aber vieles passiert dann in den ersten drei Jahren. In diesen Vorträgen möchte ich erarbeiten, dass dieses eingangs erwähnte kindliche Verhalten die Folge einer Prägung ist, die so verbreitet ist, dass wir sie gar nicht wahrnehmen. Ja, wir stellen uns nicht einmal die Frage, ob es denn auch anders sein könnte. Genau dazu möchte ich dich einladen.  Was, wenn wir als Gesellschaft unsere Kinder ohne es zu merken aktiv und passiv in eine solche Haltung hineinmanövrieren, obwohl wir ja genau das Gegenteil anstreben. Wir wünschen uns doch alle neugierige, engagierte, empathische Kinder, die mehr Lust aufs reale Leben haben, als darauf, in immer neuen Youtube und Tiktok Filmen von Spass zu Spass zu hüpfen.  Wenn wir dann den Kampf aufnehmen gegen die Bildschirme, dann haben wir die ganze Energie der Kinder gegen uns. Diese tendiert dazu, zuzunehmen, während jene der Eltern sich im Machtkampf verheizt.  Wir können nun zwei Wege beschreiten: Entweder machen wir das reale Leben erfüllender oder wir vermiesen den Kindern den Spass am Medienkonsum. Ich möchte dich dafür gewinnen, den ersten Weg zu beschreiten. Viele versuchen das durch Spiel und Spass. Sie betreiben dazu einen grossen Aufwand. Kinder brauchen aber noch etwas anderes: Sie wollen an unserem echten Leben teilhaben. Sie wollen einbezogen werden in die elterlichen Visionen und Pläne. Leider wollen sie das am intensivsten zu einer Zeit, wo sie noch sehr wenig beitragen können. Mit ungefähr drei Jahren. Genau deshalb heisst die Vortragsreihe so. Was tun wir mit den Dreijährigen, wenn sie uns die Hacke aus der Hand nehmen,  wenn sie unbedingt den Staubsauger führen wollen? Wir signalisieren ihnen, dass sie noch zu klein sind. Dass sie lieber Lego spielen sollen oder Geschichten hören. Mit der Zeit lernen sie: Meine Mitarbeit ist nicht gefragt. Wenn sie dann grösser und leistungsfähiger sind, fehlt ihnen der innere Antrieb, mitzuhelfen. Sie ziehen sich in den Gastmodus zurück und denken, dass Haushalt die Sache der Eltern sei. Jetzt braucht es Anreize, damit sie mitmachen. Auch in ihnen ist die fatale Einsicht gereift, dass Arbeit ein Fluch sei. Gibt es Hoffnung - auch wenn die Kinder längst nicht mehr drei sind?  Ja, die gibt es. Schau dir unsere Video Serie TEAM-Erziehung oder noch besser: Nimm teil an der Ferienwoche vom 14. bis 21. Oktober. Du wirst sehen, die Theorie ist so verblüffend wie einfach - für die Umsetzung braucht es etwas Mut. Zu vieles erscheint uns zu schön um wahr zu sein.

    6 min

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