Hörgang

Springer Medizin Wien/ Martin Krenek-Burger

Medizinische Sendungen gehen in die Tiefe, sind aber nicht unterhaltsam. Dieses Vorurteil zu widerlegen, haben wir uns für den Hörgang vorgenommen. Nun haben wir auf Springer Medizin Österreich einen Podcast ins Leben gerufen, der sowohl aktuell als auch wissensvermittelnd sein, darüber hinaus akustisch etwas hermachen soll. Neben Experten aus Wissenschaft und Praxis werden wir auch unsere Fachredakteure, Kolumnisten und Reporter der „Ärzte Woche“ zu Wort kommen lassen.

  1. 60 Jahre Neugeborenen-Screening in Österreich: Wie ein Blutstropfen Leben retten kann

    21h ago

    60 Jahre Neugeborenen-Screening in Österreich: Wie ein Blutstropfen Leben retten kann

    Ein paar Tropfen Blut aus der Ferse eines Neugeborenen können heute den entscheidenden Unterschied machen. Das österreichische Neugeborenen-Screening erkennt schwere angeborene Erkrankungen, bevor erste Symptome auftreten. 1966 begann die MedUni Wien mit der Untersuchung auf eine einzige Stoffwechselerkrankung. Heute zählt das Programm zu den fortschrittlichsten Screening-Programmen Europas. Jährlich untersucht Österreich rund 90.000 Neugeborene. Bei mehr als 100 Kindern entdecken Ärzte dabei Erkrankungen, die ohne Früherkennung erst viel später auffallen würden – mit gravierenden Folgen. „Frühdiagnose führt zu Frühbehandlung – und eine frühe Behandlung ist üblicherweise die beste Behandlung“, erklären Dr. Vasiliki Konstantopoulou und Privatdozent Dr. Maximilian Zeyda aus dem Neugeborenen-Screening-Zentrum der MedUni Wien. Das Ziel ist Prävention: Krankheiten sollen erkannt und behandelt werden, bevor sie Schaden anrichten. Besonders deutlich zeigt sich das bei der spinalen Muskelatrophie (SMA). Diese Erkrankung galt früher als schwerwiegend und oft lebensverkürzend. Durch frühe Diagnose und moderne Therapien, darunter Gentherapien, haben betroffene Kinder heute deutlich bessere Chancen auf eine nahezu normale Entwicklung. Medizinische und technologische Meilensteine prägten den Weg dorthin. Die Einführung der Tandem-Massenspektrometrie Anfang der 2000er-Jahre ermöglichte es, mit einer einzigen Blutprobe zahlreiche Stoffwechselerkrankungen gleichzeitig zu erkennen. Heute umfasst das Screening in Österreich rund 30 Erkrankungen, darunter auch SMA und primäre Immundefekte. Hinter jedem auffälligen Befund stehen Familien, die schnell Unterstützung brauchen. Bei einem Verdacht übernehmen spezialisierte Teams die Betreuung: Kinderärzte, Stoffwechselmediziner, Neuropädiater, Psychologen und weitere Experten arbeiten zusammen, um rasch Klarheit zu schaffen und – wenn nötig – sofort mit einer Therapie zu beginnen. Österreich gilt international als Vorreiter. Ein entscheidender Faktor ist laut den Experten die enge Verbindung von Forschung, Klinik und Labor an der MedUni Wien. Rund 99,5 Prozent der Familien nehmen das Angebot wahr. Damit erreicht das Screening nahezu jedes in Österreich geborene Kind. Die Entwicklung geht weiter. Neue Therapien, insbesondere Gentherapien, eröffnen Möglichkeiten für Erkrankungen, die bislang schwer oder erst spät erkannt wurden. Als mögliche nächste Erweiterung stehen unter anderem lysosomale Speicherkrankheiten im Fokus. Gleichzeitig bleibt der Umgang mit neuen genetischen Möglichkeiten eine ethische Herausforderung: Ein umfassendes Genom-Screening bei allen Neugeborenen ist derzeit noch Zukunftsmusik. Die Vision für die kommenden Jahre ist klar: Das Screening soll dort erweitert werden, wo medizinischer Nutzen, technische Möglichkeiten und ethische Fragen eindeutig geklärt sind. Entscheidend bleiben dabei Ressourcen und die Orientierung an einem Grundsatz: Jedes Kind zählt. Die Botschaft der Experten an Eltern ist eindeutig: Das Neugeborenen-Screening ist sicher, unkompliziert und kann entscheidend dazu beitragen, Kindern einen gesünderen Start ins Leben zu ermöglichen. Was vor 60 Jahren mit einem einfachen Bluttest begann, ist heute ein Beispiel dafür, wie moderne Medizin durch Prävention Leben verändern kann.

    29 min
  2. May 18

    Hitze, Jetlag, Druck: Körper und Geist im Ausnahmezustand - So überstehen Fußballer eine Weltmeisterschaft

    Die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt für die Spieler lange vor dem Anpfiff. Reisen, Zeitverschiebung und Klima bringen den Körper aus dem Takt. Herzfrequenz und Stresshormone steigen, der Schlaf leidet. Der sogenannte „Turnierkörper“ beschreibt diesen Zustand: Selbst Top-Athleten bleiben zunächst unter ihrem Niveau. Erst nach zehn bis vierzehn Tagen stellt sich Gleichgewicht ein – wer das unterschätzt, verliert Leistung. Hitze wirkt dabei komplex. Nicht nur Temperatur, auch Luftfeuchtigkeit und Sonne belasten den Kreislauf. Der Körper kühlt, verliert Flüssigkeit – die Folgen sind schwere Beine, langsame Sprints, ungenaue Pässe. Erst mit gelungener Akklimatisierung kommt Tempo ins Spiel. Am Spielfeldrand zählt Präzision. Teamärzte erkennen Verletzungen oft aus der Distanz, handeln schnell und gezielt. Minuten entscheiden, ob ein Spieler weitermachen kann. Auch Ernährung ist Strategie. Alles ist geplant: Kohlenhydrate für Energie, Proteine für Muskeln, Fette gegen Entzündungen. Problematisch ist oft der Darm, der auf Reise und Stress sensibel reagiert. Deshalb setzen Teams auf vertraute Lebensmittel – „Food first“, Supplements nur ergänzend. Einfach, aber entscheidend ist die Hydration. Die Urinfarbe zeigt den Zustand: hell gut, dunkel kritisch. Trinkpausen sind daher Schutz, nicht Luxus. Neben dem Körper spielt der Kopf eine große Rolle. Druck, Erwartungen und Schlafprobleme beeinflussen die Leistung. Vertrauen im Team hilft – mentale Stärke entscheidet oft mit. Favoriten kämpfen mit Druck, Außenseiter mit Unsicherheit. Langfristig zeigt sich: Fußball kann das Leben verlängern, birgt aber Risiken wie Gelenkschäden oder Demenz durch Kopfbelastung. Für den Alltag bleibt: Bewegung, Krafttraining, Schlaf, gute Ernährung, wenig Alkohol und stabile soziale Kontakte verlängern vor allem die gesunden Jahre. Fazit: Die WM wird im Körper entschieden. Anpassung zählt oft mehr als Talent.

    34 min
  3. Schwangerschaftsdiabetes: Wenn frühe Kontrolle den Unterschied macht

    May 4

    Schwangerschaftsdiabetes: Wenn frühe Kontrolle den Unterschied macht

    Schwangerschaftsdiabetes betrifft in Österreich etwa jede zehnte werdende Mutter. Die Diagnose trifft oft unerwartet – und doch fällt sie in eine kritische Phase. Zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche wird die Grundlage für die Gesundheit des Kindes gelegt, nicht nur für die Geburt, sondern oft für viele Jahre danach. „Ein erhöhter Blutzucker der Mutter gelangt direkt zum Kind“, erläutert Prof. Christian Göbl von der MedUni Wien. Das ungeborene Kind reagiert darauf mit einer verstärkten Insulinproduktion, wächst schneller als gewöhnlich und hat dadurch ein erhöhtes Risiko für Geburtskomplikationen wie Schulterdystokie oder Unterzuckerung nach der Geburt. Die wichtigsten Risikofaktoren sind ein höheres mütterliches Alter, genetische Veranlagung und vor allem Übergewicht zu Beginn der Schwangerschaft. Doch Gestationsdiabetes ist in vielen Fällen gut behandelbar. Etwa zwei Drittel der Betroffenen können ihre Blutzuckerwerte allein durch gezielte Ernährungsanpassungen und Bewegung stabilisieren. Medikamente sind oft nicht erforderlich. Ein bedeutender Fortschritt liegt in der Individualisierung der Betreuung. Göbls Forschung zeigt: Schwangerschaftsdiabetes ist keine einheitliche Erkrankung. Anhand einfacher klinischer Daten lassen sich unterschiedliche Verlaufsformen erkennen – mit jeweils unterschiedlichen Risiken und Therapiebedarfen. Zusätzlich revolutioniert die kontinuierliche Glukosemessung die Versorgung. Statt einzelner Stichmessungen sehen Frauen ihre Werte rund um die Uhr. Das schafft Verständnis, Sicherheit und die Möglichkeit, frühzeitig gegenzusteuern. Schwangerschaftsdiabetes ist damit kein unabwendbares Schicksal mehr, sondern eine gut steuerbare Herausforderung – vorausgesetzt, er wird früh erkannt und ernst genommen.

    23 min

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Medizinische Sendungen gehen in die Tiefe, sind aber nicht unterhaltsam. Dieses Vorurteil zu widerlegen, haben wir uns für den Hörgang vorgenommen. Nun haben wir auf Springer Medizin Österreich einen Podcast ins Leben gerufen, der sowohl aktuell als auch wissensvermittelnd sein, darüber hinaus akustisch etwas hermachen soll. Neben Experten aus Wissenschaft und Praxis werden wir auch unsere Fachredakteure, Kolumnisten und Reporter der „Ärzte Woche“ zu Wort kommen lassen.

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