ÖGKM podcast

Karin Amrein

Seit 2022 gibt es den ÖGKM Podcast zum Thema Knochen für Patientinnen und Patienten, deren Angehörige und andere Interessierte. Priv. Doz. Dr. Karin Amrein aus Graz stellt meist 5 Fragen zum Spezialgebiet der interviewten Expertinnen und Experten.

  1. 3d ago

    Folge 60 - Angelika - Zöliakie und Laktoseintoleranz

    In dieser Podcastfolge sprechen wir mit Angelika über zwei häufige, aber sehr unterschiedliche Themen, die für die Knochengesundheit relevant sein können - Zöliakie und Laktoseintoleranz. Bei Zöliakie reagiert das Immunsystem auf Gluten, ein Eiweißbestandteil bestimmter Getreidesorten, durch die Darmentzündung kann es zu einem Mangel verschiedener knochenrelevanter Nährstoffe wie Calcium oder Eiweiss kommen. Betroffene müssen Gluten konsequent meiden - erlaubt sind unter anderem Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth und Kartoffeln. Hafer ist grundsätzlich glutenfrei, es sollte bei Zöliakie aber nur ausdrücklich als glutenfrei gekennzeichneter verwendet werden, weil herkömmlicher Hafer häufig mit glutenhaltigem Getreide verunreinigt ist. Gluten steckt vor allem in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und verwandten Getreidesorten (auch alten Sorten wie Emmer oder Einkorn). Wichtig sind auch versteckte Kontaminationsquellen: Brotkrümel im Toaster, gemeinsam verwendete Schneidbretter, Messer oder Butterdosen, Mehlstaub beim Backen, gemeinsam genutztes Frittieröl sowie nicht eindeutig glutenfreie Fertigprodukte, Saucen oder Gewürzmischungen. Eine typische Brotscheibe enthält 1,5 bis 4g Gluten (also 1500 bis 4000mg), schon 10mg Gluten können aber eine Immunreaktion hervorrufen. Eine Laktoseintoleranz ist dagegen keine Autoimmunerkrankung. Hier wird Milchzucker aufgrund eines Mangels an Laktase im Dünndarm nicht ausreichend verdaut. Die individuell verträgliche Menge ist sehr unterschiedlich; laktosefreie Milchprodukte (Topfen, Buttermilch) und viele Käsesorten werden häufig gut vertragen. Im Podcast erklären wir, woran man beide Erkrankungen erkennt, warum eine korrekte Diagnose wichtig ist und wie eine ausgewogene Ernährung trotz Einschränkungen gut gelingen kann.

  2. Aug 19

    Folge 56 - Journal Club: Beobachtungsstudie: Angst und Bisphosphonate

    Neuigkeit: ab sofort gibt es einen Journal Club, in dem wir interessante Studien besprechen. Die Premiere in der Sommerpause: Können Osteoporose-Medikamente Angst oder Depressionen auslösen? Eine interessante Studie aus Scientific Reports hat genau diese Frage untersucht. Die Forschenden analysierten mehr als 100.000 Meldungen zu Nebenwirkungen von Osteoporose-Medikamenten aus großen amerikanischen und internationalen Datenbanken. Dabei fiel besonders Alendronat, ein häufig verwendetes Bisphosphonat in Tablettenform, auf. Angst und depressive Beschwerden wurden unter Alendronat deutlich häufiger gemeldet als beispielsweise unter Teriparatid, besonders bei Zoledronat, dem jährlich verabreichten Bisphosphonat und Denosumab, einem halbjährlich verabreichten Medikament wurden signifikant weniger Symptome gemeldet. Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten? Ganz wichtig: Diese Studie beweist nicht, dass Alendronat Angst oder Depression verursacht. Es handelt sich um sogenannte Nebenwirkungsmeldungen. Solche Daten können ein Warnsignal zeigen, aber keine Ursache beweisen. Warum könnte trotzdem ein Zusammenhang bestehen? Die Autoren diskutieren mögliche direkte Wirkungen von Bisphosphonaten auf das Nervensystem. Es gibt aber noch eine weitere interessante Möglichkeit: Eine Tablette, die jede Woche mit genauen Einnahmeregeln genommen werden muss, erinnert regelmäßig an die eigene Osteoporose. Das könnte bei manchen Menschen Sorgen oder Angst vor Frakturen verstärken. Diese psychologische Erklärung wurde in der Studie allerdings nicht untersucht. Die wichtigste Botschaft lautet deshalb: Osteoporose sollte wirksam behandelt werden – aber auch Ängste und psychische Belastungen gehören zur Therapie dazu. Wer nach Beginn einer Behandlung deutliche Veränderungen von Stimmung oder Angst bemerkt, sollte das mit seiner Ärztin oder seinem Arzt besprechen und die Therapie nicht einfach selbst absetzen.   Sci Rep 2021 Dec 14;11(1):23956. doi: 10.1038/s41598-021-03214-x. Common osteoporosis drug associated with increased rates of depression and anxiety Dro Keshishi 1, Tigran Makunts 1 2, Ruben Abagyan 3 DOI: 10.1038/s41598-021-03214-x

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