In aller Ruhe

Die Krisen überschlagen und verbinden sich: KI, Klima, russischer Angriffskrieg und Digitalisierung stellen die Gesellschaft vor immer neue Herausforderungen. Unsere Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Es lohnt sich deshalb, aus der schnellen Aktualität und der eigenen Perspektive auf die Welt auszutreten. Philosophin, Publizistin und SZ-Kolumnistin Carolin Emcke spricht in diesem Podcast dafür mit Aktivistinnen, Autoren, Künstlerinnen oder Wissenschaftlern über politisch-philosophischen Fragen hinter aktuellen Ereignissen und sortiert mit ihnen große gesellschaftliche Debatten. Die Folgen erscheinen alle zwei Wochen ab dem 25. Februar 2023.

  1. Oct 15 • SZ Plus Only

    „Hoffnung kommt durchs Machen“ – Matthias Quent über Ohnmacht und Demokratie

    Die Welt scheint sich im Dauerkrisenmodus zu befinden. Da ist es einfach, sich hilflos zu fühlen. Doch gerade jetzt kann Rückzug keine Lösung sein, sagt der Rechtsextremismus-Experte Matthias Quent. Er hat ein Buch über das Gefühl der Ohnmacht geschrieben – und darüber, wie es uns anfälliger für Populismus und Extremismus macht. Darüber spricht er mit Carolin Emcke in ihrem SZ-Podcast „In aller Ruhe“. Und er empfiehlt: Mut zum Engagement. Quent, geboren 1986 in Thüringen, ist Soziologe. Seine Forschung beschäftigt sich insbesondere mit Rechtsextremismus und Radikalisierungsprozessen. Er ist seit März Professor für Digitalisierung und gesellschaftliche Transformation an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena. Zuvor war Matthias Quent Professor für Soziologie an der Hochschule Magdeburg-Stendal und Gründungsdirektor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena, einer außeruniversitären Forschungseinrichtung in Trägerschaft der Amadeu-Antonio-Stiftung. Im Podcast sprechen Carolin Emcke und Matthias Quent über die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Für Quent hat die Wahl eine breite Hilflosigkeit und Ohnmacht bei Politikerinnen und Politikern offenbart. Er argumentiert, dass Gefühle und Emotionen im deutschen Politikbetrieb eine größere Rolle spielen, als ihnen gemeinhin eingeräumt wird: „Wir tun so, als wäre das alles rein sachlich, aber das ist wegen Social Media nicht mehr zeitgemäß und vielleicht war es auch immer ein Selbstbetrug.“ Dass Gefühle und Emotionen im Politischen ernster genommen werden, heißt für Quent dabei nicht, dass diese nicht auch hinterfragt werden dürfen. Aber es sei falsch, sie als banal abzutun. „Gefühle gehören zu Menschen dazu, auch wenn die Art und Weise, wie sie zustande kommen, irrational ist.“ Es sei daher wichtig, die emotionalen Bedürfnisse der Menschen zu adressieren: „Wo ist der demokratische Raum für Gefühle, die auch mal Wut sein dürfen?“ Warum Engagement für Matthias Quent gegen das Gefühl der Ohnmacht hilft, hören Sie mit SZ Plus im Podcast. Empfehlung von Matthias Quent: Als Kulturtipp empfiehlt Matthias Quent „Klepto“, das neue Album von Muff Potter, einer münsterländischen Band, die ihn schon seit seiner Jugend begleitet. 2009 hatte sich die Band aufgelöst, seit 2018 ist sie aber wieder aktiv. „Klepto“ ist das zweite Album, das seitdem erschienen ist. Quent nennt die Punkrocker „eine der schlausten Bands, die es gibt“. Moderation, Redaktion: Carolin Emcke Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt Produktion: Imanuel Pedersen Bildrechte Cover: SioMotion Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.

    „Hoffnung kommt durchs Machen“ – Matthias Quent über Ohnmacht und Demokratie
  2. Oct 1 • SZ Plus Only

    Raha Bahreini über Repression in Iran

    Vor vier Jahren starb die 22-jährige Jina Mahsa Amini, nachdem sie in Iran von der Sittenpolizei festgenommen worden war. Es folgten landesweite Proteste. Frauen verbrannten ihre Kopftücher oder gingen unverschleiert auf die Straße. Jetzt hat Amnesty International eine umfangreiche Untersuchung dazu veröffentlicht, wie das iranische Regime die Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ damals gewaltsam niedergeschlagen hat. Der Bericht belegt auf mehr als 1000 Seiten, wie die iranischen Behörden gegen die eigene Zivilgesellschaft vorgingen und dabei sogar Vergewaltigung, Folter und Mord anwendeten. Darüber spricht Carolin Emcke für diese Folge ihres Podcasts mit einer der Autorinnen der Studie: Raha Bahreini. Hinweis: Dieses Podcastgespräch wurde in englischer Sprache geführt und aufgezeichnet. _ Bahreini ist kanadisch-iranische Menschenrechtsanwältin und arbeitet seit vielen Jahren für Amnesty International. Sie untersucht und dokumentiert Menschenrechtsverletzungen und Völkerrechtsverbrechen. Vor ihrer Tätigkeit für Amnesty International unterstützte sie die Arbeit des UN-Sonderberichterstatters für die Menschenrechtslage in Iran. Im Podcast erklärt Bahreini, wie sie und ihre Kolleginnen die Niederschlagung der Proteste untersucht haben, wie sie mehr als 2000 Videos, Dokumente und Gerichtsakten analysiert und Hunderte Menschen befragt haben. „Unser Ziel war, jeden einzelnen Mord zu dokumentieren und zu belegen“, sagt sie. Der Bericht von Amnesty International benennt namentlich 87 mutmaßlich verantwortliche Amtsträger und fordert die internationale Gemeinschaft dazu auf, Ermittlungen gegen diese Personen einzuleiten. Bahreini hofft, damit auch weitere Verbrechen dieser Art verhindern zu können. „Wir stehen einem System gegenüber, das diese Tötungen nicht einmal als Verbrechen einstuft“, sagt Bahreini. Mehr darüber, was Amnesty International zur Gewalt in Iran dokumentiert hat, hören Sie mit SZ Plus im Podcast. Empfehlung von Raha Bahreini: Raha Bahreini empfiehlt ein Buch, das sich mit der Philosophin Hannah Arendt beschäftigt. In „Wir sind frei, die Welt zu verändern“ erzählt die britische Literaturwissenschaftlerin Lyndsey Stonebridge, wie Hannah Arendt zu ihrem besonderen Denken kam und wie die Beschäftigung mit ihr dabei helfen kann, die krisenbehaftete neue Welt zu verstehen. Bahreini nennt es ein „brillantes Buch“, das die dunklen Zeiten, über die Arendt schrieb, mit der heutigen Zeit verbindet. Es sei eine „Inspiration für Mut und Widerstand“. Moderation, Redaktion: Carolin Emcke Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt Produktion: Imanuel Pedersen Bildrechte Cover: privat Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.

    Raha Bahreini über Repression in Iran
  3. Sep 17 • SZ Plus Only

    „Dunkler Pragmatismus“ – Naika Foroutan über migrationsfeindliches Wahlverhalten

    Deutschland braucht Migration, das ist kein Geheimnis. Der demografische Wandel lässt das Land altern, schon jetzt suchen viele Branchen händeringend Mitarbeiter. Aber trotz dieser wirtschaftlichen Abhängigkeit lehnen immer mehr Menschen in Deutschland Migration ab. Wann ist dieser Kurs zum neuen Normal geworden? Und – wollen ausländische Fachkräfte angesichts des Wahlerfolgs der AfD überhaupt noch zu uns? Darüber spricht Carolin Emcke in dieser Podcastfolge mit Naika Foroutan, der Direktorin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Foroutan spricht über die migrationsfeindlichen Diskurse in Deutschland, erklärt, wie Deutschland im Ausland um Fachkräfte wirbt und wie es anderen Ländern gelingt, sich in diesem Wettbewerb besser aufzustellen. Naika Foroutan, geboren 1971 in Rheinland-Pfalz, ist Politik- und Sozialwissenschaftlerin. Neben ihrer Tätigkeit beim DeZIM ist sie Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Dort ist sie außerdem Abteilungsleiterin am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung. Naika Foroutan und Carolin Emcke sprechen im Podcast zunächst über den Wahlerfolg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Foroutan analysiert, wie die AfD Diskurse kapitalisiert, die in Deutschland bereits vor ihrer Parteigründung manifest waren. Die Migrationsforscherin sieht in dem Wahlergebnis auch einen Ausdruck der multiplen internationalen Krisen: „Und diese Ambivalenz, dass man eben nicht mehr sagen kann, Deutschland ist eindeutig auf der richtigen Seite oder an der Seite der Guten, das übersetzt sich auch in das politische Wahlverhalten. Das wird egoistischer, impulsgetriebener und verzeihender gegenüber groben Menschenfeindlichkeiten.“ Anschließend geht es im Gespräch darum, wie Deutschland um die internationalen Fachkräfte wirbt, auf die die Wirtschaft angewiesen ist, und um die zunehmende Konkurrenz im Migrationsmarkt. „We are late to the party“, analysiert Foroutan. „Deutschland steigt zu spät in diesen Markt ein.“ Die Migrationsforscherin erklärt, mit welchen Strategien andere Länder um Fachkräfte werben und warum sich Zuwandernde für Deutschland entscheiden: „Deutschlands Attraktivität besteht an oberster Stelle in seiner Demokratie.“ Gleichzeitig verschlechtere sich gerade Deutschlands Ruf im Ausland – und zwar unabhängig vom Erstarken der AfD. Woran das liegt, hören Sie mit SZ Plus im Podcast, auf sz.de/InallerRuhe, in der SZ-Nachrichtenapp, hier bei Apple Podcast und auf Spotify. Empfehlung von Naika Foroutan: Zum Abschluss des Gesprächs hat Naika Foroutan noch einen Kulturtipp dabei: „The Hundred Years War on Palestine“ von Rashid Khalidi. Der deutsche Titel lautet „Der Hundertjährige Krieg um Palästina. Eine hundertjährige Geschichte von Siedlerkolonialismus und Widerstand“. Das Buch sei sehr hilfreich, „um die aktuelle Situation zu verstehen“, sagt Foroutan. Auch deshalb, weil es sehr sachlich geschrieben sei, „was im Moment mehr denn je vonnöten ist.“ Moderation, Redaktion: Carolin Emcke Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt, Lea Brüggemann Produktion: Jonathan Brandis Bildrechte Cover: Rasmus Tanck Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.

    „Dunkler Pragmatismus“ – Naika Foroutan über migrationsfeindliches Wahlverhalten
  4. Sep 3 • SZ Plus Only

    „Hässliche Rhetorik“ – Bijan Moini bei Carolin Emcke zur Verfassungswidrigkeit der AfD

    Im Sommer 2026 hat die NGO „Gesellschaft für Freiheitsrechte“ ein 1500-seitiges Gutachten vorgelegt, dass der AfD eindeutig Verfassungswidrigkeit bescheinigt. Erstellt haben es der Jurist Bijan Moini und sein Team. Mit ihm spricht Carolin Emcke über den Entstehungsprozess des Gutachtens. Wie war es, monatelang in Texten und Dokumenten der AfD abzutauchen und dabei immer wieder auch mit rassistischen Aussagen konfrontiert zu sein? Wie berechtigt ist die Angst vor einem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt? Und welchen zivilgesellschaftlichen Widerstand wird es brauchen, wenn es so kommt? Darum geht es in dieser Folge des Podcasts „In aller Ruhe“. Moini, geboren 1984 bei Karlsruhe, studierte Jura und Politikwissenschaften in München und Paris. Seit 2018 arbeitet er als Anwalt für die „Gesellschaft für Freiheitsrechte“, inzwischen leitet er dort das Legal Team. Moini ist außerdem Autor mehrerer Romane und Co-Host des Podcasts „Dein gutes Recht“ der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Im Gespräch mit Carolin Emcke erzählt der Jurist, wie er und sein Team das Gutachten zur Verfassungswidrigkeit der AfD erstellt haben: „Wir haben sehr viele ekelhafte Sachen gelesen, zum Beispiel über queere Personen, über trans Personen oder Musliminnen.“ Die Arbeit habe daher nicht nur aus der reinen Analyse von Reden und Programmatiken, sondern auch in der Bewältigung dieser Inhalte bestanden. Im Podcast geht es aber auch um das Danach: Welchen Effekt hatte das Gutachten? Und was folgt, falls die AfD in Sachsen-Anhalt tatsächlich an die Macht kommt? Moini und die „Gesellschaft für Freiheitsrechte“ bereiten sich bereits darauf vor, „massenhaft zu klagen“, um etwa das Asylrecht durchzusetzen. Hoffnung zieht der Jurist dabei aus der Zivilgesellschaft: „Die werden nicht alle sofort die Koffer packen, sondern es werden viele darunter sein, die ihr Land auch verteidigen.“ Warum sich dieser Widerstand lohnt, hören Sie mit SZ Plus im Podcast, auf sz.de/inallerruhe, in der SZ-Nachrichtenapp, auf Spotify und hier bei Apple Podcast. Empfehlung von Bijan Moini: Im Podcast erzählt Moini, dass er kaum noch Musik höre. Doch es gebe einen Musiker, der ihn zurzeit sehr begeistere. Und zwar Apsilon, ein junger deutscher Rapper. „Er findet einfach Worte oder einen Zugang zur deutschen, jüngeren Geschichte, der vielen Menschen verwehr ist“, sagt Moini und erzählt von Apsilons Song „Sommermärchen“, in dem es vermeintlich um die Weltmeisterschaft 2006 geht, eigentlich aber um die NSU-Morde, die im Schatten dieser WM Familien zerstört haben. „Und er macht das auf eine sehr berührende Art“. Moderation, Redaktion: Carolin Emcke Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt, Jonathan Brandis Produktion: Carlo Sarsky Lankheit Bildrechte Cover: Simon Detel Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.

    „Hässliche Rhetorik“ – Bijan Moini bei Carolin Emcke zur Verfassungswidrigkeit der AfD

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Die Krisen überschlagen und verbinden sich: KI, Klima, russischer Angriffskrieg und Digitalisierung stellen die Gesellschaft vor immer neue Herausforderungen. Unsere Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Es lohnt sich deshalb, aus der schnellen Aktualität und der eigenen Perspektive auf die Welt auszutreten. Philosophin, Publizistin und SZ-Kolumnistin Carolin Emcke spricht in diesem Podcast dafür mit Aktivistinnen, Autoren, Künstlerinnen oder Wissenschaftlern über politisch-philosophischen Fragen hinter aktuellen Ereignissen und sortiert mit ihnen große gesellschaftliche Debatten. Die Folgen erscheinen alle zwei Wochen ab dem 25. Februar 2023.

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