Nahost. Nah Dran.

Der Journalist und langjährige Nahost-Experte Karim El-Gawhary nimmt euch mit, die arabische Welt hautnah zu erfahren. Er erzählt Geschichten aus dem Leben in der Region, analysiert kompakt aktuelle Ereignisse und hilft Konflikte einzuordnen. Dazu kommen inspirierende Gesprächspartner und ausführliche Talks. Dort ist genug Zeit, einmal länger als die üblichen kurzen Nachrichtenminuten in die Welt unserer unmittelbaren europäischen Nachbarn einzutauchen.

  1. 3d ago

    Ehemaliger AA-Spitzen-Diplomat kritisiert deutsche Nahost-Politik – Talk mit Martin Kobler

    Der ehemalige deutsche Spitzen-Diplomat Martin Kobler hat in Krisenregionen wie dem Irak, Libyen, Afghanistan und den palästinensischen Gebieten gearbeitet. Im Gespräch mit Karim El-Gawhary kritisiert er die deutsche Nahostpolitik und fordert, Gesprächskanäle offenzuhalten, aber doch gleichzeitig wirksame Sanktionen gegen Israel zu ermöglichen. Er warnt vor Doppelstandards in der Außenpolitik und betont, dass das Völkerrecht und internationale Gerichte unabhängig davon respektiert werden müssen, gegen wen sich ihre Entscheidungen richten. Mit Blick auf Gaza spricht er sich für die Aussetzung bestimmter Handelsprivilegien im EU-Assoziierungsabkommen mit Israel und gegen Waffenlieferungen aus, bei denen ein Einsatz für mögliche Kriegsverbrechen nicht ausgeschlossen werden kann. Zugleich plädiert er dafür, zwischen Angriffswaffen und defensiven Waffensystemen zu unterscheiden. Kobler kritisiert außerdem, dass kontroverse Debatten über die deutsche Nahostpolitik im Auswärtigen Amt nicht ausreichend geführt werden und zieht dabei Parallelen mit Tabuthemen, die die Aufarbeitung des deutschen Afghanistan-Einsatzes behindert haben. Für eine langfristige Lösung der Konflikte fordert er eine regionale Sicherheitsarchitektur für den Nahen Osten und eine aktivere Rolle Europas, das seine wirtschaftliche Stärke stärker in politischen Einfluss übersetzen müsse. Buch: Peter Köpf, Martin Kobler: Weltenbeben: Europas Chance auf neue Strahlkraft, Europa Verlag 2025 https://www.europa-verlag.com/Buecher/6707/Weltenbeben.html Offener Brief ans AA: Ex-Diplomaten fordern mehr Druck auf Israel Wortlaut des Briefes Produktion: Martin Druml Musik: Nour Ashour Grafic Design des Logos: Mona Henry

    Ehemaliger AA-Spitzen-Diplomat kritisiert deutsche Nahost-Politik  – Talk mit Martin Kobler
  2. Oct 21

    Wie geht’s weiter am Golf, im Jemen, Syrien, dem Libanon und Gaza? Ein Austausch mit Journalisten-Kollegin Petra Ramsauer

    Karim El-Gawhary spricht mit der Nahost-Reporterin Petra Ramsauer über die wachsende Instabilität in der Golfregion. Die beiden analysieren, wie der israelisch-amerikanische Angriff auf den Iran das alte Sicherheitsversprechen der USA gegenüber den Golfstaaten infrage stellt und neue Bündnisse wie den Mekka-Pakt entstehen lässt. Im Iran diskutieren sie die Repression des Regimes, die Angst der Bevölkerung vor einem Syrien- oder Irak-Szenario und die Frage, ob ein Regimewechsel eher Stabilität oder Chaos bringen würde. Ein weiteres Thema sind die Houthis im Jemen, deren militärische Stärke sowie die humanitäre Krise und die strategische Bedeutung der Meerengen Hormus und Bab al-Mandab. Zurück in Syrien bewerten El-Gawhary und Ramsauer die Lage knapp zwei Jahre nach dem Sturz Baschar al-Assads, insbesondere die wirtschaftliche Not, den Schutz von Minderheiten und die offenen Fragen der Transitional Justice. Im Libanon geht es um die geschwächte, aber weiterhin einflussreiche Hisbollah, die Rolle der libanesischen Armee und die Gefahr eines erneuten Bürgerkriegs. Für Gaza betonen beide die katastrophale humanitäre Lage, die Blockade von Hilfsgütern und die politische Sackgasse zwischen Hamas, Israel und den USA. Abschließend diskutieren sie die österreichische Nahostpolitik, die Suspendierung des EU-Assoziationsabkommens mit Israel und die Bedeutung einer klaren Positionierung für das Völkerrecht. Produktion: Martin Druml Musik: Nour Ashour Grafic Design des Logos: Mona Henry

    Wie geht’s weiter am Golf, im Jemen, Syrien, dem Libanon und Gaza? Ein Austausch mit Journalisten-Kollegin Petra Ramsauer
  3. Oct 14

    Warum 73 Prozent der Deutschen der Nahost-Berichterstattung missvertrauen: Talk mit der Medienkritikerin Nadia Zaboura

    In dieser Folge spricht Karim El-Gawhary mit der Kommunikationswissenschaftlerin, Linguistin, Medienkritikerin und Publizistin Nadia Zaboura über Vertrauen, Medienvertrauen und die deutsche Berichterstattung über Israel und Palästina. Zaboura erläutert, dass das allgemeine Medienvertrauen laut der „Mainzer Langzeitstudie für Medienvertrauen 2026“ relativ stabil bleibt, während die Nahost-Berichterstattung mit nur 27 Prozent Vertrauen einen besonders auffälligen Tiefpunkt markiert. Die beiden sprechen darüber, wie eine verkürzte historische Erzählung, die Glättung der Asymmetrie zwischen Besatzungsmacht und besetzter Bevölkerung sowie eine Hierarchisierung palästinensischer und israelischer Opfer die Wahrnehmung des Konflikts prägen. Zaboura deutet  außerdem auf die unkritische Übernahme israelischer Kriegskommunikation, insbesondere von Animationen des israelischen Militärs, die ohne ausreichende journalistische Einordnung verbreitet wurden. Anhand wissenschaftlicher Studien und konkreter Beispiele zeigt sie, wie Sprache, Schlagzeilen, passive Formulierungen und Euphemismen wie „Evakuierung“ die Berichterstattung verzerren können. Das Gespräch beleuchtet zudem Drohungen, Selbstzensur, falsche Antisemitismusvorwürfe und die Verantwortung von Redaktionen, ihre Journalistinnen und Journalisten vor Diffamierungskampagnen zu schützen. El-Gawhary und Zaboura argumentieren, dass Journalismus nicht neutral im Sinne einer Distanz zu Fakten sein dürfe, sondern wahrhaftig und an Völkerrecht, Menschenrechten und Menschenwürde orientiert sein müsse. Sie warnen davor, dass anhaltendes Medienmisstrauen langfristig auch das Vertrauen in Demokratie und Institutionen untergraben kann. Produktion: Martin Druml Musik: Nour Ashour Grafic Design des Logos: Mona Henry

    Warum 73 Prozent der Deutschen der Nahost-Berichterstattung missvertrauen: Talk mit der Medienkritikerin Nadia Zaboura
  4. Oct 8

    Als die erste Giraffe nach Wien kam und eine Modewelle auslöste. Die österreichische Orient-Connection: Talk mit Mathias Pfaffenbichler :

    Im 19. Jahrhundert entwickelten sich enge Verbindungen zwischen Österreich und dem sogenannten Orient, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Über Venedig und vor allem Triest entstanden Handels-, Reise- und Wirtschaftsverbindungen nach Ägypten und in den östlichen Mittelmeerraum, die durch den Bau des Suezkanals zusätzlich an Bedeutung gewannen. Österreichisches Kapital und österreichische Ingenieurskunst spielten beim Suezkanal ebenso eine Rolle wie die Schifffahrtsverbindungen zwischen Triest und Alexandria. Der wirtschaftliche Austausch wurde durch den Baumwollhandel, den Postverkehr und den zunehmenden Tourismus nach Ägypten und Jerusalem geprägt. Auch das Kaiserhaus und der österreichische Adel reisten nach Ägypten, während Künstler den Orient zum Gegenstand ihrer Malerei machten und dabei häufig ein idealisiertes und von europäischen Vorstellungen geprägtes Bild schufen. Die Wiener Weltausstellung von 1873 verstärkte das Interesse am Orient und hinterließ unter anderem Spuren in den ägyptischen Sammlungen Wiener Museen. Eine Giraffe, die 1828 aus Ägypten nach Wien gebracht wurde, und die Produktion des Fez in Südböhmen erzählen auf kuriose Weise von diesen Verbindungen, aber auch von den wirtschaftlichen Machtverhältnissen zwischen Europa und Nordafrika. Außerdem geht es um österreichische Architekten in Kairo, um die persönlichen Beziehungen zwischen dem ägyptischen Herrscherhaus und Wien sowie um die Frage, warum diese gemeinsame Geschichte nach dem Ende der Habsburgermonarchie weitgehend aus dem österreichischen Gedächtnis verschwunden ist. Produktion: Martin Druml Musik: Nour Ashour Grafic Design des Logos: Mona Henry

    Als die erste Giraffe nach Wien kam und eine Modewelle auslöste. Die österreichische Orient-Connection:  Talk mit Mathias Pfaffenbichler :
  5. Oct 7

    Mein Plädoyer für die öffentlich-rechtlichen Medien - Eine Rede auf der "Republica Vienna"

    Karim El-Gawhary spricht in seinem Plädoyer bei der Republica Vienna über die Bedeutung öffentlich-rechtlicher Medien für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Kontrolle politischer Macht. Aus seiner langjährigen Erfahrung als Korrespondent in Kairo kennt er zugleich die Folgen staatlich gelenkter Medien und zieht eine klare Grenze zwischen öffentlich-rechtlichem Rundfunk und echtem Staatsfunk. El-Gawhary kritisiert die politische Einflussnahme auf den ORF und fordert eine Entpolitisierung sowie Reformen, ohne den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kaputtzusparen. Ein besonderes Problem sieht er im sinkenden Vertrauen in die Medien und vor allem in der Berichterstattung über Gaza und Israel, bei der er ein Ungleichgewicht bei Quellen und Perspektiven feststellt. Medien dürften ihr Publikum nicht bevormunden, sondern sollten Menschen dazu bringen, selbst kritisch zu denken und auch die Medien zu hinterfragen. Gerade angesichts von Social Media müsse der öffentlich-rechtliche Rundfunk einen Mehrwert schaffen, etwa durch unabhängige Recherche, Berichterstattung vor Ort und journalistische Einordnung. Mit Blick auf Künstliche Intelligenz erwartet El-Gawhary, dass vor allem jener Journalismus Bestand haben wird, der auf persönlicher Erfahrung, Kreativität, Analyse und Berichterstattung aus erster Hand beruht. Sein Plädoyer lautet deshalb, öffentlich-rechtliche Medien zu reformieren und ihre Unabhängigkeit zu verteidigen und sie auch immer kritisch zu verfolgen und zu hinterfragen. Produktion: Martin Druml Musik: Nour Ashour Grafic Design des Logos: Mona Henry

    Mein Plädoyer für die öffentlich-rechtlichen Medien - Eine Rede auf der "Republica Vienna"
  6. Sep 24

    Das Völkermord-Verfahren gegen Israel beim Internationalen Gerichtshof verständlich erklärt– Talk mit dem Völkerrechtler mit Ralph Janik (Teil 1)

    Völkerrechtler Ralph Janik erklärt, warum das Völkerrecht gerade in Kriegen besonders unter Druck steht und weshalb die Frage seiner Durchsetzung ebenso wichtig ist wie die Frage seiner Regeln. Im Mittelpunkt des ersten Teils des Gesprächs steht das Verfahren Südafrikas gegen Israel. Janik erklärt, was die vorläufigen Maßnahmen des Gerichts bezwecken, warum sie verbindlich sind und welche Folgen es hat, wenn ein Staat sie nicht ausreichend umsetzt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die juristische Definition von Völkermord, bei der es nicht primär um die Zahl der Getöteten, sondern um die Absicht geht, eine geschützte Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören. Dabei sprechen El-Gawhary und Janik auch über öffentliche Aussagen israelischer Politiker und die Frage, wie daraus ein möglicher Völkermordvorsatz juristisch abgeleitet werden könnte. Außerdem geht es um Deutschlands Nebenintervention im Verfahren auf Seiten Israels und warum sich Deutschland inzwischen aus dem Verfahren zurückgezogen hat. Behandelt wird auch ein weiteres Verfahren beim IGH, in dem Nicaragua gegen Deutschland vor dem Internationalen Gerichtshof klagt, wegen der mutmaßlichen Beihilfe zum Völkermord an den Palästinensern. Janik erläutert, unter welchen Voraussetzungen der Internationale Gerichtshof überhaupt für einen Streit zwischen Staaten zuständig ist und welche Rolle dabei die Völkermordkonvention spielt. Produktion: Martin Druml Musik: Nour Ashour Grafic Design des Logos: Mona Henry

    Das Völkermord-Verfahren gegen Israel beim Internationalen Gerichtshof  verständlich erklärt– Talk mit dem Völkerrechtler mit Ralph Janik (Teil 1)
  7. Sep 23

    E30 Analyse: Droht in der Meerenge Bab El-Mandab das zweite Hormus-Szenario?

    Die Houthis haben ihre Angriffe auf Saudi-Arabien ausgeweitet und dabei auch die Hauptstadt Riad angegriffen Außerdem wurde die strategisch wichtigen Ost-West-Ölpipeline ins Visier genommen. Besonders brisant ist die Kontrolle der jemenitischen Houthis über große Teile der Rotmeerküste und vor allem der Meerenge Bab al-Mandab, durch die 12 Prozent des weltweiten Schiffsverkehrs führt. Damit sieht sich Saudi-Arabien zunehmend mit einer Bedrohung von Süden durch die Huthi und von Norden durch schiitische Milizen im Irak konfrontiert. Die Angriffe stehen zugleich im größeren Zusammenhang mit der Konfrontation zwischen Iran und den USA sowie dem regionalen Einfluss der iranischen Revolutionsgarden. Saudi-Arabien steht deshalb vor der schwierigen Frage, ob eine militärische Reaktion die Huthi tatsächlich zurückdrängen kann, nachdem der Konflikt seit 2015 trotz der saudischen militärischen Überlegenheit weitgehend festgefahren war. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf diplomatische Bemühungen über Oman und Gespräche zwischen den USA und Vertretern der Huthi. Auch die USA, die Türkei, Pakistan und Ägypten werden von Saudi-Arabien um Unterstützung gebeten, bislang zeichnet sich jedoch keine direkte militärische Beteiligung dieser Staaten ab. Für Washington stellt sich dabei insbesondere die Frage, ob ein militärischer Einsatz gegen die Huthi tatsächlich deren Strategie verändern würde oder lediglich eine weitere Eskalation mit dem Iran auslösen könnte. Die Kontrolle von Bab al-Mandab macht den Konflikt zugleich zu einer internationalen Frage, weil die Meerenge für den globalen Handel und die Energieversorgung von großer Bedeutung ist. Eine weitere Eskalation könnte deshalb Auswirkungen weit über den Jemen und Saudi-Arabien hinaus haben und die internationalen Energiemärkte treffen. Produktion: Martin Druml Musik: Nour Ashour Grafic Design des Logos: Mona Henry

    E30 Analyse: Droht in der Meerenge Bab El-Mandab das zweite Hormus-Szenario?

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