Perspektiven

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Perspektiven aufs Leben. Der wöchentliche Podcast von SRF Kultur rund um Religion, Spiritualität und Ethik. Hier haben Glaube, Zweifel und Hoffnung Platz. Wir erzählen, erklären, debattieren und sinnieren. Immer nah am Menschen und den grossen Fragen auf der Spur.

  1. 2d ago

    Warum «christlicher Nationalismus» ein Widerspruch in sich ist

    Die meisten Kirchen halten «christlichen Nationalismus» für paradox. Er entstelle und gefährde das Christentum, warnt etwa Washingtons Bischöfin Mariann Budde. Anti-demokratische Bewegungen geben vor, «christliche Werte» zu schützen, auch in Europa. - EVP-Nationalrat Marc Jost ist alarmiert. Die USA feiern gerade ihr 250-jähriges Bestehen. Vielen dort gilt ihr Land als «God’s own country». Das war lange nicht nationalistisch, sondern patriotisch gemeint. Die USA stehen seit 250 Jahren für «Religionsfreiheit für alle». – Das scheint sich unter der Trump-Administration zu wandeln. Verteidigungsminister Pete Hegseth spricht von der Wiedergeburt einer rein «christian nation». Und Aussenminister Marco Rubio sagt, die Seele der US-Nation sei schon immer christlich gewesen. Diese Haltung ist zwar Minderheitenmeinung in der US-Bevölkerung. Aber sie macht Sorgen. Auch in Europa - in Russland, Polen oder Ungarn unter Viktor Orbán - zeigten sich die demokratiefeindlichen Tendenzen von sogenannt christlichem Nationalismus. Davor warnt der christliche Schweizer Politiker und EVP-Nationalrat Marc Jost. Im sogenannt «christlichen Nationalismus» würden christliche Werte missbraucht, um eine unmenschliche Machtpolitik zu legitimieren. Echte christliche Ethik etwa würde niemals die Ausgrenzung von Menschen oder Gewalt gegen Geflüchtete stützen. Die Regierenden in den USA oder Russland berufen sich in ihrer Kriegspolitik auf Gott und die Bibel. Wie kann das sein? Und wie gefährlich ist sogenannt «christlicher Nationalismus» für die Welt? Das fragen wir EVP-Nationalrat Marc Jost in dieser Ausgabe von Perspektiven. Autorin: Judith Wipfler

    28 min
  2. May 30

    Nur Glück und Gelassenheit? Buddhismus in der westlichen Kultur

    Buddhistische Konzepte und Meditation sind längst in die westliche Alltagskultur eingeflossen. Wie werden sie interpretiert und praktiziert? Was hat Achtsamkeitsmeditation mit Buddha und dem vermeintlich ursprünglichen Buddhismus zu tun? Wie kam er überhaupt in den Westen? Buddhafiguren sind hierzulande das Symbol schlechthin für Buddhismus: Ob im Garten unter einem Busch sitzend und sanft lächelnd oder im Büchergestell strahlen Buddhas Ruhe und Gelassenheit aus. Doch um was ging es Buddha vor mehr als 2500 Jahren? Und was ist heute am Hype um Achtsamkeitsmeditation noch buddhistisch? Der Autor und Übersetzer Hans-Günter Wagner hat jahrelang in China gearbeitet, den Buddhismus studiert und bei Tempelbesuchen, im Austausch mit Menschen und in der eigenen Meditationspraxis vertieft kennengelernt. Er sieht sich als Vermittler zwischen Ost und West, zwischen praktizierenden Buddhistinnen und Buddhisten und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Buddhismus. In seinem neuen Buch «Buddhismus. Eine Spurensuche in der westlichen Kultur» führt er einerseits in die Entstehungsgeschichte des Buddhismus ein und vergleicht buddhistische Vorstellungen etwa in der Philosophie, Ökonomie oder Ökologie mit entsprechend westlichen Konzepten. Im Perspektiven-Gespräch sprechen wir über grundlegend buddhistische Vorstellungen und Konzepte, ob Buddhismus eine Religion oder Philosophie ist und wie er in den Westen gekommen ist. Autorin: Léa Burger Buchhinweis: Hans-Günter Wagner: «Buddhismus. Eine Spurensuche in der westlichen Kultur». Origo, 2026.

    27 min
  3. May 23

    Frauenpower im Kloster – das leise Ende einer Ära

    Religiöse Frauengemeinschaften haben sich seit dem 19. Jahrhundert für die Bildung insbesondere von Frauen eingesetzt. Frauen haben im Kloster eine berufliche Perspektive und eine sinnstiftende Tätigkeit gefunden. Eine Ära geht zu Ende. Sieben leibliche Schwestern haben das Kloster Baldegg im Kanton Luzern 1830 gegründet. Entstanden sind Bildungseinrichtungen, darunter fünf Schulen in Baldegg, Hertenstein, Sursee, St. Gallen und Bourguillon im Kanton Freiburg. Die Blütezeit des Ordens war in den 1960er Jahren, damals lebten 1060 Ordensfrauen im Kloster. Heute sind es noch 140 Schwestern. Der Nachwuchs bleibt aus. Die Baldegger Schwestern und andere religiöse Frauengemeinschaften haben für die Bildung von Frauen Pionierarbeit geleistet. Generationen von Frauen haben ihre Schulen besucht. Im 19. Jahrhundert noch stand die Schulbildung von Knaben im Vordergrund, Mädchen durften in ländlichen Gebieten gar nicht zur Schule, Frauen waren von höherer Bildung weitgehend ausgeschlossen. In Klöstern hingegen erhielten sie eine Ausbildung und eine berufliche Perspektive. Der Eintritt ins Kloster war die Möglichkeit für einen gesellschaftlichen Aufstieg: Eine Schwester konnte Leiterin einer Schule oder einer Gemeinschaft mit mehreren Hundert Mitschwestern werden. Nadja Bühlmann ist seit drei Jahren Generaloberin der Baldegger Schwestern. Bereits davor gehörte sie zum Leitungsteam der Gemeinschaft. In «Perspektiven» schaut sie auf die Geschichte ihres Klosters und zeigt, wie die Schwestern das Erbe ihres Klosters in Zukunft weiterführen wollen. Der Kirchenhistoriker Markus Ries erläutert, welchen Beitrag Klöster für die schweizerische Gesellschaft und insbesondere für die Bildung von Frauen geleistet haben. Autor: Norbert Bischofberger

    29 min
  4. May 16

    Simone Weil – eine radikale Denkerin der Nächstenliebe

    Sie gehört zu den grossen Vergessenen des 20. Jahrhunderts: die französische Philosophin, Sozialaktivistin und Mystikerin Simone Weil. Eine einzigartige Denkerin, die im Sinne einer bedingungslosen Menschlichkeit mit ihrer Kritik auch vor eigenen Reihen nicht Halt machte. Der französische Philosoph Albert Camus nannte sie den einzigen grossen Geist unserer Zeit – trotzdem blieb Simone Weil vom Philosophie-Kanon weitgehend unbeachtet. Vielleicht, weil sie eine Frau war. Vielleicht, weil sie schon mit 34 Jahren starb. Vielleicht aber auch, weil sie partout in keine Schublade passen wollte. 1909 in Paris in eine jüdisch-intellektuelle Familie geboren, wählte Simone Weil freiwillig ein Leben in Armut. Als überzeugte Linke engagierte sie sich vehement für die Arbeiterklasse, kritisierte jedoch gleichzeitig die Ideen von Marx und schon früh den stalinistischen Sozialismus. Sie war eine scharfsinnige Philosophin und hatte gleichzeitig einen zutiefst christlich-spirituellen Blick auf die Welt. Ihre Analysen über den Totalitarismus der 1930er Jahre, aber auch ihr radikaler Einsatz für Gerechtigkeit haben heute eine neue Dringlichkeit. Der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn etwa widmet Simone Weil in Genf aktuell einen ganzen Pavillon – eine «soziale Skulptur» – die ihren Geist über zwei Monate lang wieder aufleben lässt. Welche Kraft steckt bei Simone Weil in der Verbindung von Philosophie und Spiritualität? Und inwiefern kann ihr ethischer Kompass heute Orientierung für eine gerechtere Welt bieten? Diesen und weiteren Fragen geht diese «Perspektiven»-Sendung nach. In der Sendung kommen zu Wort: · Wolfram Eilenberger, Philosoph und Autor des Buches «Feuer der Freiheit» (Klett-Cotta 2022), in dem es u.a. um Simone Weils Biografie und Philosophie geht · Mae Bengert, Professorin an der HU Berlin für Literatur, Religion und Genderstudies und Mitglied des Simone-Weil-Denkkollektivs · Thomas Hirschhorn, Künstler Autor: Igor Basic

    30 min
  5. May 2

    Ein Jahr Papst Leo XIV. – kommt da noch was?

    «Frieden» war sein erstes Wort, zuerst kaum beachtet. Seit der harschen Reaktion von US-Präsident Trump wird die Kriegskritik von Papst Leo XIV. nun weltweit gehört. Helena Jeppesen-Spuhler lobt ihn als «Friedenspapst», fordert aber mehr Tempo bei Frauen und Laien in der Kirchenleitung. In seinem Einstehen für Frieden, gegen Gewalt und Ausbeutung bleibt der erste panamerikanische Papst Leo XIV. beharrlich und unbeirrt von Seitenrufen aus Washington. Leo XIV., alias Robert Francis Prevost, geboren in den USA, ist als Augustiner-Mönch und Missionar ein wahrhaft katholischer Weltbürger. Bringt er auch innerhalb der römisch-katholischen Kirche die erhoffte Befriedung? Wie schaut es hier mit Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch aus? Hält Papst Leo XIV. sein Versprechen, den synodalen Weg weiterzugehen und so für mehr Machtteilung und Partizipation von Frauen und nicht Geweihten zu sorgen? Kommt da noch was? In Perspektiven sprechen: · Prof. Dr. Gregor Maria Hoff, Universität Salzburg: Spezialist für ökumenische Theologie und interreligiösen Dialog, Berater der deutschen Bischofskonferenz. Der römisch-katholische Theologieprofessor ist für seinen klaren, kritischen Ton bekannt und Autor des Buchs: «In Auflösung. Über die Gegenwart des römischen Katholizismus». · Prof. Dr. Stefanos Athanasiou: Griechisch-orthodoxer Erzpriester in der Schweiz, Theologieprofessor an der Universität München, Mitglied im Rat der Religionen der Schweiz. Er ist ein begehrter Dialogpartner im ökumenischen und interreligiösen Gespräch. · Helena Jeppesen Spuhler: stimmberechtigte Delegierte an den Weltsynoden in Rom, Mitarbeiterin im Schweizer Hilfswerk Fastenaktion. Sie kennt Papst Leo XIV. seit 2023. Ihr direkter Draht nach Rom und ihre tiefe Verwurzelung in der kirchlichen Arbeit in der Schweiz machen sie zu einer Schlüsselperson im synodalen Prozess in der Schweiz und international. Autorin: Judith Wipfler

    29 min

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