Morgenimpuls

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

  1. 17h ago

    In Liebe das tun, was heute dran ist

    Die Kurzlesung zu den Laudes heute früh ist aus dem Hohenlied der Liebe aus dem Alten Testament. Und da steht: "Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, nur verachten würde man ihn." Hm, das klingt ja schön und gut. Aber was heißt das denn heute, frage ich mich. Und dann lande ich bei einer sehr jungen Frau, die Ende des 19. Jahrhunderts gelebt hat."Ich bin viel zu schwach, um aus eigener Kraft, den Weg zu Gott zu schaffen. Ich denke, ich werde den Aufzug nehmen- die Liebe zu Gott ist der schnellste und sicherste Aufzug" und: "Ich will im Herzen der Kirche die Liebe sein". Das sind zwei Sprüche, die von der Heiligen Theresia von Lisieux stammen, oder ihr zugeschrieben werden. Dass sich jemand zu schwach, zu kraftlos, zu klein und unbedeutend fühlt, um eine große Aufgabe zu schaffen, das kann ich gut nachempfinden. Aber dann zu sagen: Ich nehme den Aufzug, das finde ich echt witzig und so genial einfach. Aber selbst ihre Mitschwestern haben nicht verstanden, dass diese so einfache, kleine, liebenswürdige Schwester jeden Tag sehr hart daran gearbeitet hat, diesen "Aufzug der Liebe" zu nehmen. Als sie schon schwer krank war und im Auftrag der Priorin ihren Lebensweg in einem Büchlein zusammenfassen sollte, hat Theresia das getan. Nachdem die Priorin es gelesen hatte, meinte sie: "Es sei ja lieb und nett, aber man brauche doch etwas Ernsthaftes". Auch sie hatte nicht verstanden, dass die täglichen kleinen Dinge, die in Liebe und Freundlichkeit getan werden, ein viel größerer Schatz sind als tausend wortgewandte Abhandlungen über die Liebe Gottes. Die täglichen Dinge in Liebe tun, das hat sie als ihren kleinen Weg verstanden. Und jeder von uns die schon mal versucht hat, die eigene Ungeduld zu zügeln, die Schwächen der Mitmenschen oder des Chefs und die Marotten der eigenen Familie zu tragen und mit Liebe und Einsatz alles zu tun, was dran ist, kann sehr gut verstehen, dass es echte und harte Arbeit ist. "Ich bin viel zu schwach, um aus eigener Kraft, den Weg zu Gott zu schaffen. Ich denke, ich werde den Aufzug nehmen- die Liebe zu Gott ist der schnellste und sicherste Aufzug". Das ist ein guter Tipp für alles, was heute zu tun ist.

  2. 1d ago

    Die Bibel als Alltagshelfer

    Dieser Tage habe ich lange mit einer jungen Frau geschattet. Sie ist seit Jahren mit der Frage beschäftigt, ob es eigentlich mehr gibt als dieses normale Leben, mit seinem Alltag und seinen Dauerschleifen aus Schule, Studium, Arbeit, Party und Musiksessions, wechselnden Freunden und weitläufigen Bekanntschaften. Und bei diesem Suchen ist sie im weltweiten Netz auf uns gekommen: einen kleinen Konvent von Franziskanerinnen im Sauerland. Sie hat ganz vorsichtig gefragt, ob sie mal kommen könne. Sie sei aber weder getauft noch habe sie irgendeinen Kontakt zu irgendeiner Kirche. Ich gebe gerne zu, dass mich solche Kontakte eher noch neugieriger machen, als ich ohnehin schon neugierig auf Menschen und ihre Geschichten bin. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Gott auch seine Freude daran hat, die neuen Medien zu nutzen, um bei den nach allem möglichen suchenden Usern anzukommen, ohne dass sie es ahnen. Ich bin gespannt und ich bitte in den Tagen vorher immer um ganz viel Heiligen Geist. Vom Heiligen Hieronymus, den wir mit der Kirche heute feiern, sagt man, dass er eine solche Liebe zum Heiligen Geist und von ihm inspiriert zur Heiligen Schrift hatte, dass er darin immer mehr zu den Quellen des wahren Lebens gefunden hat, zum dreifaltigen und darin einen Gott. Er gehört zu den großen Kirchenvätern der Antike. Seine Bibelübersetzung ist die bis heute gültige und meist verwendete. Und ganz oft denke ich, wie sollten wir von Gott und von Jesus Christus wissen, wenn wir nicht jeden Tag in der Bibel lesen und dann versuchen, dieses Gelesene in unseren Alltag hineinzugeben. Und Menschen, die noch nie mit der Heiligen Schrift Kontakt hatten, sind immer wieder ganz erstaunt, dass ganz vieles, was darinsteht, so genau ihre Situation beschreibt und ziemlich viele gute Tipps hat, für das alltägliche Leben. Vielleicht ist es auch für Dich heute ein guter Tipp, wenn Du es nicht ohnehin schon tust, jeden Tag einen kleinen Abschnitt zu lesen und zu bedenken und mit der Bitte um den Heiligen Geist Deinen Alltag dahinein zu geben.

  3. 2d ago

    Drei Erzengel für dich

    Hast Du etwas mitbekommen von der Papstreise durch Frankreich in den letzten Tagen? Ich habe Videos und Podcasts dazu gesehen und gehört und ich bin echt überrascht und begeistert: Diese unendlich vielen, zumeist jungen Menschen, die zu den Gottesdiensten und Gebetstreffen gekommen sind, haben eine Begeisterung ausgestrahlt, die schon ansteckend ist. Eine der schönen Teile eines Gottesdienstes war der Einzug von vielen Jugendlichen, die die unendliche Zahl französischer Heiliger dargestellt haben. Und Papst Leo hat dieses Bild aufgegriffen und allen im Stadion zugerufen: Ihr seid heute die Heiligen Gottes, also die Menschen, die ihr Heil-sein nicht von sich selbst, sondern von Gott erwarten. Ein richtig guter Zuspruch, finde ich.Heute feiern wir mit der Kirche des Himmels das Fest der heiligen Erzengel. Eine Umfrage zeigt, dass viele Menschen an die Gegenwart von Engeln glauben – weil sie Dinge erlebt haben, die zwischen Himmel und Erde passieren, die wir mit unserem naturwissenschaftlich geprägten Verstand nicht ergründen können.Der Erzengel Michael stellt uns quasi die Frage: wer ist wie Gott? Und da gibt es im Laufe der Menschheitsgeschichte nicht so wenige, die sich selbst für Gott gehalten haben und dann aber die Menschen ins Unglück gestürzt haben. Die Frage danach, wer Gott für mich ist, sortiert die Verhältnisse neu: dieser Gott will Leben in Fülle für alle, und nicht Menschen, die sich als kleine oder große Götter aufspielen.Der Erzengel Gabriel weiß: Meine Kraft ist Gott und bringt deshalb nicht seine Ideen und Podcasts, sondern Gottes Wort und Botschaft zu den Menschen. „Meine Kraft ist Gott!“ Das hat auch Maria verstanden, als Gabriel sie bat, die Mutter Jesu zu werden. „Wer bin ich, dass du mich fragst?“ hat sie erschrocken gemeint. Und dann doch zugestimmt – im Vertrauen auf diese Kraft Gottes. Gabriel, der Bote Gottes, hat diese Botschaft für uns: Du darfst darauf vertrauen, dass Gott deine Kraft ist, wenn du dich einsetzt für Veränderungen.Und Rafael, hat durch die Bedeutung seines Namens einen Zuspruch an uns: „Gott heilt!“ Bei Darstellungen dieses Erzengels findet sich manchmal die lateinische Inschrift: „Medicina Dei“. Gott hat eine Medizin für uns. Er ist der Arzt, der uns heilen kann von unseren Süchten, der uns befreien kann von unseren Abhängigkeiten, der uns helfen kann, Egoismus und Selbstsucht zu überwinden.

  4. 3d ago

    Frauen und Männer gestalten zusammen die Kirche

    Ich hatte eine ältere Cousine, die Lioba hieß. Ich hatte als Jugendliche den Namen nie vorher gehört und fand ihn interessant. Und neuerdings kenne ich hier einige Mädchen und Frauen, die diesen Namen tragen.Ihn trug eine der starken Frauen in der Kirche im 8. Jahrhundert im Frankenreich, also im heutigen mittleren und südlichen Deutschland, die die Art des Kirche-werdens im frühen Mittelalter sehr geprägt hat. Lioba wird in Wessex in England um 705 geboren und einer der Verwandten der Familie ist der spätere Bonifatius, der Apostel der Deutschen. Die Eltern des kleinen Mädchens sind so glücklich über dieses einzige Kind, dass sie es Gott weihen und zur Bildung und Erziehung in ein Benediktinerinnenkloster geben. Um 735 folgte Lioba der Bitte des Bonifatius um ihr Mitwirken; er hoffte, mit den gebildeten angelsächsischen Ordensfrauen sein Missionswerk zu veredeln. Er begann um Würzburg und in Thüringen Frauenklöster einzurichten, einen Vorposten bildete das Kloster Tauberbischofsheim. Bonifatius berief Lioba zur Äbtissin dieses Klosters und als Leiterin der übrigen von ihm gestifteten Klöster. Besonders widmete sie sich der Erziehung von Frauen und Töchtern des Adels. Auch Lioba selbst gründete in den folgenden Jahren mehrere Klöster. In Tauberbischofsheim richtete sie eine Klosterschule ein, in welcher der Lehrerinnennachwuchs für die neu gegründeten Klöster seine Ausbildung erhielt. Lioba also, eine kluge und weitsichtige Frau, die Planen und Bauen, Gründen und Lehren, mit Beten und Singen, mit Lesen und Leben aus dem Evangelium verbunden hat. Sie hat ein Werk geschaffen, das bis heute gültig ist: Mädchen und jungen Frauen zu Bildung und Ausbildung zu verhelfen, das umliegende Land zu kultivieren und im Kontakt zu den Herrschern ihrer Zeit als besonders gütig zu dem Armen bekannt zu sein. Sie hat große Klöster gegründet und geleitet und hatte in der Kirche ihrer Zeit eine hoch angesehene Stellung. Der heilige Bonifatius, der Apostel der Deutschen, hat erkannt, dass nur Frauen und Männer zusammen diese Kirche gestalten und glaubwürdig das Evangelium Jesu Christi zu den Menschen bringen können.

  5. 4d ago

    Im Kleinen das Große wirken

    Wenn du einmal groß bist! Sicher haben viele von uns diesen Satz schon als Kind gehört. Wenn du einmal groß bist, dann darfst du alles, dann kannst du die Welt erobern, dann wirst du Großes leisten. Groß sein, das klingt nach Erfolg, macht Bedeutung.Deshalb bezeichnen wir bestimmte Menschen als die Großen: Herrscher, Feldherren oder auch Heilige. Und doch fällt auf: Die wirklich Kleinen sind selten. Eine Ausnahme ist die kleine Therese von Lisieux, die wir in den nächsten Tagen feiern werden.Man nennt sie bis heute liebevoll die kleine Theresia. Ihr Leben war kurz, verborgen, unscheinbar. Kein großes Werk, keine spektakulären Taten und doch gehört sie zu den größten Gestalten der Kirche.Ihr Weg heißt der Kleine Weg, ein Weg der Hingabe, des Vertrauens und der Liebe im Alltag. In uns steckt oft der Wunsch, groß zu sein, alles im Griff zu haben. Manchmal führt das dazu, dass wir Gott verlieren.Therese wählte einen anderen Weg. Sie sagt: ich bin ein Kind Gottes, nicht stark aus mir selbst, sondern angewiesen, anhänglich, vertrauend. Christlich nennt man das Demut, nicht als Schwäche, sondern als innere Stärke. Diese Haltung zeigt sich in kleinen Gesten, etwa im Umgang mit einer alten, kranken Mitschwester, eine schwierige Frau, unzufrieden, fordernd. Therese übernimmt freiwillig den Dienst an ihr, nicht aus Sympathie, sondern aus Liebe, still und ohne Applaus. Sie selbst schreibt: Ich bin eine sehr kleine Seele, die Gott nur sehr kleine Dinge anbieten kann, das Geringste ist wertvoll in seinen Augen. Das erinnert mich an den sogenannten Schmetterlingseffekt:Ein kleiner Flügelschlag kann große Folgen haben, was aus kleinen Gesten geworden ist, zeigt die Wirkung ihres Lebens. Mutter Theresa von Calcutta trug ihren Namen; Menschen finden bis heute durch ihr Buch zum Glauben. Kurz vor ihrem Tod erlebte Therese eine tiefe Dunkelheit, Zweifel, Leere.Der Theologe Thomas Halik sieht darin eine Nähe zu Jesu Ruf am Kreuz: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Der Glaube bleibt fragil, aber die Liebe bleibt. Und genau das macht Therese groß: Nicht Macht, nicht Leistung, sondern Liebe bis zuletzt.Und so konnte die große Mitschwester, die heilige Edith Stein, einmal sagen, ich kenne nichts Größeres als Therese von Lisieux. Vielleicht beginnt wahre Größe genau dort, wo wir aufhören, groß sein zu wollen und anfangen, im Kleinen zu lieben.

  6. 5d ago

    Gott ermöglicht im Schmerz neues Leben

    Wir erschrecken uns oft vor dem, was wir nicht verstehen, vor allem auch vor dem Leid, vor der Ohnmacht, vor dem, was uns überfordert. Doch gerade darin offenbart sich eine besondere Wirklichkeit. In der Bibel begegnet uns ein Mensch, der leidet, dem das Leben zu entgleiten droht. In ihm ist nicht ein guter, lebenspendender Geist vorherrschend, sondern etwas, das ihn an den Rand des Todes führt, ein unreiner Geist. Die alten Autoren nannten ihn Dämon, was man auch mit Zerteiler übersetzen kann. Es geht dabei nicht um Fantasiegestalten, sondern um die Wirklichkeit des Leidens, die wir oft nicht mit Worten begreifen können.Jesus aber spricht in solcher Situation mit Vollmacht. Das griechische Wort dafür, exousia, bedeutet Freiheit, Freiheit zu wirken, zu verfügen, zu bestimmen. Macht verträgt sich nicht mit Ohnmacht, könnte man meinen. Und doch zeigt gerade die göttliche Vollmacht in Jesus: Freiheit kann sogar mitten in der Ohnmacht wirken. Am Kreuz wird das sichtbar. Paradoxerweise ist die Macht Gottes gerade im scheinbaren Verlust wirksam.Das Heil, das Jesus wirkt, ist kein Entrinnen aus der Welt, keine Flucht vor den Problemen. Es ist die Kraft, mitten im Schmerz und in der Zerbrochenheit den Weg der Heilung zu gehen. Emotionen, Leid, Angst, all das sind keine Hindernisse, sondern Hilfen, um uns in die Welt einzufügen, um zu erkennen, wo unsere Kraft liegt.Sie zeigen uns, wie wir auf das Leben reagieren können. Es gibt Wege, sich der Wirklichkeit des Leidens zu stellen, sich an Stärken erinnern, an Erfolge, die man erlebt hat, den Blick auf das Naheliegende lenken, Schritt für Schritt die Zukunft nicht aus den Augen verlieren und in all dem immer wieder die Nähe Gottes zu suchen. Thomas von Aquin, der hier in Köln gelebt hat, sagte einmal: "Es ist unmöglich, dass ein Mensch gut ist, außer es steht im rechten Bezug zum gemeinen Wohl."Gottes Vollmacht wirkt in uns und durch uns. Sie befreit uns von der Ohnmacht, verbindet Heilung mit der Realität des Lebens und macht uns fähig, uns einzufügen in Gottes Welt, zum Wohl der Menschen, in unsere eigenen Probleme, ohne die anderen aus dem Blick zu verlieren. Und so, so wird sichtbar: Heilung geschieht nicht, weil Probleme verschwinden, sondern weil die Kraft Gottes mitten hineintritt und neues Leben ermöglicht.

  7. 6d ago

    Ihr Verzicht hilft vielen

    Ein sehr erfolgreicher Mann heiratet ein junges Mädchen und gründet Hof und Familie. Er ist als Ratsherr und Richter viel unterwegs, muss auch als Soldat seinem Kanton dienen und überlässt seiner jungen Frau immer mehr Aufgaben in Feld und Landwirtschaft, mit Vieh und Dienstleuten. Sie bekommen 10 Kinder und leben 18 Jahre in glücklicher Ehe. Alles in bester Ordnung also. Aber dann wird der Mann immer unruhiger, immer verschlossener, seiner Frau immer fremder. Er betet und fastet viel und berät sich mit einem langjährigen Freund. Und dann geht er zu seiner Frau und bittet sie, ihm ein zweites Mal ihr Ja zu geben. Beim ersten Mal, bei ihrer Hochzeit, und nun ein zweites Mal, um von ihr weg zu gehen und Gott zu dienen. Und nach langen Wochen gibt seine Frau Dorothea ihm, dem geliebten Nikolaus von der Flüe ihr großes JA zu seinem neuen Weg.Durch ihren Verzicht und ihr, jetzt wirklich schwierigeres Leben, wird sein neues Leben möglich. Er wird zum Einsiedler und gleichzeitig Berater vieler Menschen. Er, der jetzt wieder ausgeglichen und froh leben kann, wird zum großen Friedensstifter der Schweiz, zu ihrem Patron und zum großen Vorbild. Der Weg dieser beiden Menschen ist sehr ungewöhnlich und beide, sind nur Miteinander und Füreinander zu denken. In einer Bronzeplastik werden beide, Nikolaus und Dorothea gezeigt, wie sie das Radbild halten und darin verbunden sind. In diesem Radbild weisen Strahlen den Weg in die Mitte und damit auf den Grund aller Dinge. Gleichzeitig führen sie in die Weite, hinein in Aktion und Engagement. Klaus hat die beiden Dimensionen dieses Bildes gelebt und seine Frau Dorothea, auf ganz andere Weise, ebenso. Und auch nur von beiden zusammen ist das Gebet des Nikolaus von der Flüe zu verstehen und zu beten:Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir!Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir!Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu Eigen dir! Amen

  8. Sep 24

    Jeden einzelnen Tag Gott in die Hände legen

    Bei einer unserer zuletzt verstorbenen Mitschwestern lagen im Stundenbuch viele handgeschriebene kleine Zettel mit Bibeltexten und eigenen kleinen Gebeten. Da viele unserer Schwestern sehr alt werden, ist die Handschrift oft noch sehr der alten Sütterlinschrift ähnlich, die heute nur noch wenige Menschen wirklich schreiben und noch viel weniger Menschen fließend lesen können. Und so ist es natürlich auch mit den Texten, deren Formulierungen zeitbedingt, deren Inhalte aber meist zeitlos sind. Auf diesem A5 Blatt stehen zwei Dinge. Zunächst eine Zeile aus dem Römerbrief: „Wer vermag uns zu scheiden von der Liebe Christi?“und dann ein vielleicht selbstformuliertes Gebet:„Mein Anfang und mein Ende leg ich in deine Hände, Vater, steh mir gnädig bei, dass mein Werk gesegnet sei“Und je länger ich das so sehe und lese und die alte Schwester vor Augen habe, desto mehr fällt mir auf, in welch tiefem Zusammenhang diese beiden kleinen Texte stehen.Wer in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geboren ist, hat als Kind und Jugendliche die Zeiten zwischen den Weltkriegen, den Nationalsozialismus und die Schrecken des zweiten Weltkrieges erlebt, die Not- und Hungerjahre direkt danach und den Kampf der Familien ums Überleben, die Teilung des Landes, Flucht und Vertreibung und die unglaubliche Zähigkeit vieler Menschen, die unser Land wieder aufgebaut haben. Und in all dem steht diese Zeile aus dem Römerbrief: Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Anscheinend ja nicht so viel, denn sie sind dann in die Ordensgemeinschaft eingetreten und haben Jahrzehnte im Dienst an den Mitmenschen, den Kindern, Kranken und Alten, den eigenen Mitschwestern und den Kirchengemeinden gestanden und die Liebe Christis gelebt und weitergetragen. Und wenn man dann aus vielen Erzählungen weiß, durch welche Höhen und Tiefen sie gegangen sind, dann versteht man, dass sie das alles konnten, weil sie jeden ihrer Tage ihrem Gott in die Hände gelegt und vertrauensvoll all das gelebt und getan haben, was einfach dran war. Dann verstehe und bestaune ich dieses kleine Gebet und mir wird deutlich, welche Kraft und welches Vertrauen darin für sie gelegen hat.„Mein Anfang und mein Ende, leg ich in deine Hände, Vater steh mir gnädig bei, dass mein Werk gesegnet sei“

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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