Barbara Kuster, Potsdamer Kabarettistin, Autorin undstreitbare Engagierte verbindet preußische Prägung mit satirischer Schärfe – und einem unerschütterlichenEngagement für die Potsdamer Architektur. Bekanntwurde sie bundesweit mit ihrer Bühnenfigur, einer preußisch grundiertenGeneralissima, die mit strenger Haltung, scharfem Witz und dem Motto„Griechisch, römisch, preußisch – da weiß man, was man hat!“ auftrat. Was alsPersiflage begann, war mehr als Nostalgie: Es war eine ironischer Gesang zuTugenden wie Ordnung, Disziplin, und Toleranz. Eigenschaften, mit denen Kuster selbst aufgewachsen ist. „Preußen istkeine Geografie, Preußen ist eine Idee“, sagt sie sinngemäß. Das trug sie aufdie Bühne und weiter - schon im Umfelddes Neuen Forums engagierte sich Kuster für eine kulturelle Neuorientierung. Nachder Wende wurde sie zur Stimme der Bürgerinitiative Mitteschön, die sich fürdie Wiedergewinnung der historischen Potsdamer Stadtmitte einsetzt. An denAbrissen zu DDR-Zeiten hatte sich die Opposition kristallisiert. Für Kustergeht es nicht um rückgewandte Rekonstruktion, sondern um Erinnerungskultur:Leitbauten, die historische Fassaden aufnehmen, kombiniert mit modernerArchitektur. Ein Konzept, das international Beachtung findet – und in Potsdam auchGegner hat. Begriffe wie „Barockfaschisten“ oder „Disneyland“ sind gefallen.Kuster nimmt das sportlich, aber nicht emotionslos. Sie versteht ihr Engagementals konstruktiv und überparteilich – nicht ideologisch, sondernstadtbürgerlich. Zuletzt ginges um das Steuben-Denkmal auf dem gleichnamigen Platz, aber hinter Parkplätzen„bei den Mülltonnen“. Friedrich Wilhelm von Steuben, preußischer Offizier undGeneral im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, gilt in den USA alsMitbegründer der dortigen Militärorganisation und wird mit jährlichen Paradengefeiert. n Potsdam jedoch wird seine Rolle kontrovers diskutiert. Für Kusterist die Auseinandersetzung symptomatisch: Geschichte werde je nach Zeitgeistzurechtgebogen. Dass Steuben in Amerika hochgeehrt wird, während man ihn inseiner Heimat skeptisch betrachtet, empfindet sie bemerkenswert. Überhauptplädiert sie für eine differenzierte Sicht auf Preußen. Besonders missverstandennennt sie Friedrich Wilhelm I., den „Soldatenkönig“. In ihm sieht sie nicht nurden gestrengen Vater Friedrichs des Großen, sondern auch einen Modernisierer:Verwaltungsreformer, Förderer der Schulpflicht, wirtschaftlich klug,militärisch abschreckend statt aggressiv. DieDiskussion um die Potsdamer Garnisonkirche zeigt exemplarisch, wie stark diese historische Architektur emotional aufgeladen ist,in Folge 4 kommt mit Rainer Ehrt ein Gegner zu Wort. Für Kuster ist sie mehrals der „Tag von Potsdam“ 1933 – sie ist ein bedeutendes barockes Bauwerk mitvielschichtiger Geschichte. Dass diese Mehrdimensionalität in öffentlichenDebatten oft verloren geht, bedauert sie. NebenPolitik bleibt der persönliche Blick: In ihrem Roman Breite Straßeverarbeitet Kuster Kindheitserinnerungen an ein Potsdam vor der sozialistischenUmgestaltung. Am Ende dieser Folge steht kein nostalgischer Rückblick, sondernein leidenschaftliches Plädoyer für differenziertes Erinnern. Preußen erscheinthier nicht als Denkmal, sondern als Debatte. Und Barbara Kuster mittendrin: mitHumor, Haltung und einer ordentlichen Portion preußischem Eigensinn. Und alsZugabe findet sich ein Easteregg – ein denkwürdiger Auftritt der Superpreußinin der Volkskammer samt Rausschmiss und Kehrtwende.