Amor, Psyche und Preussen

Gäste, Gert Streidt & Julia Theek augustfilm podcasts

Die Kulturgeschichte Preußens im Gespräch - ohne clickbait oder Ideologie 14 Interviews in der 1. Staffel „Mit welchem Vorurteil, mit welcher verkitschen Auffassung oder welchem Mythos möchten Sie gern aufräumen?“ ist jeweils eine der ersten Fragen der Gastgeber Julia Theek & Gert Streidt.

Folgen

  1. 8 Thron, Tragik & ein Tresor Folge 8 von Amor, Psyche und Preussen mit Jörg Kirschstein

    VOR 1 TAG

    8 Thron, Tragik & ein Tresor Folge 8 von Amor, Psyche und Preussen mit Jörg Kirschstein

    Wie schlug sich die Kronprinzessin, als die Monarchie fiel und aus Glanz Geschichte wurde?Jörg Kirschstein ist einer der profundesten Kenner derHohenzollern-Dynastie und spezialisiert auf die Kaiserzeit. Der gebürtige Potsdamer, aufgewachsen am Park von Sanssouci, leitet das riesige Neue Palais im Park von Sanssouci, – jenes Schloss, das in der Kaiserzeit seine eigentlicheBlüte erlebte. Seine besonders interessante historische Person ist die letzte Kronprinzessin des Deutschen Kaiserreiches: Cecilie von Preußen. Kirschstein zeichnet ihren Lebensbogen nach – von der glanzvollen Hochzeit 1905 über die Revolution 1918 bis hin zum bescheidenen Lebensabend in Bad Kissingen.Eine Frau zwischen höfischer Inszenierung und persönlicher Tragik, zwischen monarchistischer Hoffnungsträgerin und Privatperson im 20. Jahrhundert. Besonders eindrucksvoll berichtet Kirschstein von einem spektakulären Fund im Neuen Palais: 2018 wurde ein verschlossener Schrank der Kaiserin geöffnet – mit rund1000 bislang unbekannten Briefen von Auguste Viktoria vonSchleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. Ein Jahrhundert lang verborgen – und bis immer noch geheimnisvoll. Was bedeutet das strenge Hausgesetz der Ebenbürtigkeit für die angeblich Mächtigen? Es geht um gescheiterte und erkämpfte Ehen innerhalb der Dynastie, um den langen Schatten von Wilhelm II., um Selbstmorde, Flucht und Systembruch 1945. Zwischen Archivfunden, Gartenbildern und persönlichen Erinnerungen wird deutlich: die prominenteste preußische Familie waren v.a. in der Kaiserzeit besonderen Erwartungen unterworfen. Triggerwarnung:in dieser Folge wird auch über Suizid gesprochen. Und ganz am Ende gibt es wieder ein Easteregg – Insiderinformationen über die sogenannten Prinzenspielplätze und Suren der Kaiserlichen Gärten.

    33 Min.
  2. 7. Sitzen Sie grade! Kabarett & Bürgerinitiative mit Barbara Kuster, Folge 7 von Amor, Psyche und Preussen

    VOR 3 TAGEN

    7. Sitzen Sie grade! Kabarett & Bürgerinitiative mit Barbara Kuster, Folge 7 von Amor, Psyche und Preussen

    Barbara Kuster, Potsdamer Kabarettistin, Autorin undstreitbare Engagierte verbindet preußische Prägung mit satirischer Schärfe – und einem unerschütterlichenEngagement für die Potsdamer Architektur. Bekanntwurde sie bundesweit mit ihrer Bühnenfigur, einer preußisch grundiertenGeneralissima, die mit strenger Haltung, scharfem Witz und dem Motto„Griechisch, römisch, preußisch – da weiß man, was man hat!“ auftrat. Was alsPersiflage begann, war mehr als Nostalgie: Es war eine ironischer Gesang zuTugenden wie Ordnung, Disziplin, und Toleranz. Eigenschaften, mit denen Kuster selbst aufgewachsen ist. „Preußen istkeine Geografie, Preußen ist eine Idee“, sagt sie sinngemäß. Das trug sie aufdie Bühne und weiter -  schon im Umfelddes Neuen Forums engagierte sich Kuster für eine kulturelle Neuorientierung. Nachder Wende wurde sie zur Stimme der Bürgerinitiative Mitteschön, die sich fürdie Wiedergewinnung der historischen Potsdamer Stadtmitte einsetzt. An denAbrissen zu DDR-Zeiten hatte sich die Opposition kristallisiert. Für Kustergeht es nicht um rückgewandte Rekonstruktion, sondern um Erinnerungskultur:Leitbauten, die historische Fassaden aufnehmen, kombiniert mit modernerArchitektur. Ein Konzept, das international Beachtung findet – und in Potsdam auchGegner hat. Begriffe wie „Barockfaschisten“ oder „Disneyland“ sind gefallen.Kuster nimmt das sportlich, aber nicht emotionslos. Sie versteht ihr Engagementals konstruktiv und überparteilich – nicht ideologisch, sondernstadtbürgerlich. Zuletzt ginges um das Steuben-Denkmal auf dem gleichnamigen Platz, aber hinter Parkplätzen„bei den Mülltonnen“. Friedrich Wilhelm von Steuben, preußischer Offizier undGeneral im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, gilt in den USA alsMitbegründer der dortigen Militärorganisation und wird mit jährlichen Paradengefeiert. n Potsdam jedoch wird seine Rolle kontrovers diskutiert. Für Kusterist die Auseinandersetzung symptomatisch: Geschichte werde je nach Zeitgeistzurechtgebogen. Dass Steuben in Amerika hochgeehrt wird, während man ihn inseiner Heimat skeptisch betrachtet, empfindet sie bemerkenswert. Überhauptplädiert sie für eine differenzierte Sicht auf Preußen. Besonders missverstandennennt sie Friedrich Wilhelm I., den „Soldatenkönig“. In ihm sieht sie nicht nurden gestrengen Vater Friedrichs des Großen, sondern auch einen Modernisierer:Verwaltungsreformer, Förderer der Schulpflicht, wirtschaftlich klug,militärisch abschreckend statt aggressiv. DieDiskussion um die Potsdamer Garnisonkirche zeigt exemplarisch, wie stark diese  historische Architektur emotional aufgeladen ist,in Folge 4 kommt mit Rainer Ehrt ein Gegner zu Wort. Für Kuster ist sie mehrals der „Tag von Potsdam“ 1933 – sie ist ein bedeutendes barockes Bauwerk mitvielschichtiger Geschichte. Dass diese Mehrdimensionalität in öffentlichenDebatten oft verloren geht, bedauert sie. NebenPolitik bleibt der persönliche Blick: In ihrem Roman Breite Straßeverarbeitet Kuster Kindheitserinnerungen an ein Potsdam vor der sozialistischenUmgestaltung. Am Ende dieser Folge steht kein nostalgischer Rückblick, sondernein leidenschaftliches Plädoyer für differenziertes Erinnern. Preußen erscheinthier nicht als Denkmal, sondern als Debatte. Und Barbara Kuster mittendrin: mitHumor, Haltung und einer ordentlichen Portion preußischem Eigensinn. Und alsZugabe findet sich ein Easteregg – ein denkwürdiger Auftritt der Superpreußinin der Volkskammer samt Rausschmiss und Kehrtwende.

    32 Min.
  3. 6. Stimmführer, Cembalo und zweite Geige – musikalische Geschwister Folge 6 mit Prof. Ulrike Liedtke

    7. MÄRZ

    6. Stimmführer, Cembalo und zweite Geige – musikalische Geschwister Folge 6 mit Prof. Ulrike Liedtke

    Eine neue Facette des preußischen Kulturerbes – eine der spannensten Musikentwicklungen Mitte des 18. Jahrhunderts. Zu Gast ist die Brandenburger Landtagspräsidentin und Musikwissenschaftlerin Professorin Ulrike Liedtke, undsie zeigt Preußen als Labor musikalischer Umbrüche. Im Zentrum steht Friedrich II. – nicht der Feldherr, sondern der Flötist. Der König  übte täglich und komponierte121 Sonaten, vier Sinfonien und vier fabelhafte Flötenkonzerte. Abends wurde in Sanssouci musiziert, unter der künstlerischen Leitung seines Flötenlehrers Johann Joachim Quantz. Und Friedrich ordnete sich unter – eine bemerkenswertePointe: Der absolute Monarch wollte im Ensemble spielen, zuhören, reagieren, sich einfügen. „Sonst geht Musik nicht“, sagt Liedtke trocken. Begleitet wurde er unter anderem von Carl Philipp Emanuel Bach, damals als „der große Bach“ gefeiert – nicht sein Vater. Emanuel Bach komponierte so frei, so experimentierlustig, dass seine Fantasien beinahe in die Moderne greifen.Fehlende Taktstriche, abrupte Tempiwechsel – hier wird nicht repräsentiert,hier wird ausprobiert. Überhaupt sind es die Umbrüche, die Liedtke faszinieren: der Übergang von barocker Polyphonie zur vorklassischen Klarheit, vom kunstvollen Stimmengeflecht zur Melodie mit Begleitung. Was später als „Mannheimer Schule“berühmt wurde, hat schon in Ruppin und Rheinsberg begonnen. Preußen als Ideenschmiede der Klassik? Eine gut begründete Behauptung.Eine Lieblingsfigur dieser musikalischen Betrachtung ist Friedrichs Schwester Wilhelmine von Bayreuth. Sie spielte virtuos Cembalo, komponierte und schrieb mit Agenore eine Oper, die so gar nicht ins barocke Happy-End-Schema passt: keine Apotheose, kein versöhnlicher Schlusschor – stattdessen Tragödie. Ihr MarkgräflichesOpernhaus in Bayreuth, heute UNESCO-Welterbe, zeugt vom Ehrgeiz einer Frau, die Kunst als Selbstermächtigung betrieb. Täglich üben, komponieren, inszenieren – Aufklärungals Haltung. Und dann ist da noch der „Teufelsgeiger“ Franz Benda. Virtuose aus Böhmen, geflohener Leibeigener, später Konzertmeister. Seine Violinkonzerte galten lange als anonym – bis sie ihm wieder zugeschrieben werden konnten. Benda steht für eine abenteuerliche Musikerbiografie zwischen Abhängigkeit und Aufbruch. Preußische Hofmusik war kein Nebenjob; siewar Hochleistungssport mit Probenzeiten von vier bis sieben Uhr – täglich. Überraschend ist auch der Blick auf Friedrichs Bruder, den lange Zeit verkannten und von Friedrich abgestellten Prinz Heinrich von Preußen. Während Friedrich der „Stimmführer“ war – Flötensolist und Taktgeber –, spielte Heinrich im übertragenen Sinn die „zweite Geige“. Doch gerade er öffnete seinRheinsberger Theater für Reformideen, engagierte französische Künstler und brachte mit Christoph Willibald Gluck die Opernreform voran. Hier tritt der Chor als Stimme des Volkes auf, hier wird Aufklärung praktisch. Ein weiterer Höhepunkt der Episode ist die legendäre Begegnung zwischen Johann Sebastian Bach und Friedrich II. 1747 in Potsdam. Das berühmte„königliche Thema“ – spröde, sperrig – sollte Bach improvisierend verarbeiten.Er tat es, ärgerte sich später über sich selbst und schuf das Musikalische Opfer. Hofmusik als intellektuelles Kräftemessen.Am Ende entsteht wiedereine anderer Fokus - weniger Marsch, mehr Modulation,weniger monarchisches Geltungsbewußtsein mehr Experiment. Zwischen Krieg und Konzert existierten tatsächlich zwei Welten – und Friedrich hielt sie strikt getrennt. Militärmärsche hat er nie komponiert.

    39 Min.
  4. 5. Architektur als Volksbildung Folge 5 von Amor, Psyche und Preußen mit Michaela van den Driesch

    5. MÄRZ

    5. Architektur als Volksbildung Folge 5 von Amor, Psyche und Preußen mit Michaela van den Driesch

    Das Brandenburger Tor in Berlin steht in dieser 5. Folge von „Amor, Psyche und Preußen“ im Focus. Ein Symbol - Bauwerk, das wie kaum ein anderes die politischen und kulturellenUmbrüche Deutschlands spiegelt. Zu Gast ist die Kunsthistorikerin Michaela van den Driesch, die dazu geforscht hat und verschiedene Schichten zu Tage bringt. Das Brandenburger Tor war von Anfang an mehr als ein Stadttor. Sein Architekt Carl Gotthard Langhans konzipierte es als programmatisches Bauwerk: als architektonische Übersetzung der attischen Polis nach Berlin. Das Tor war weiß gefasst – als Anspielung auf parischen Marmor – und sollte den Anspruchverkörpern, Berlin als „Spree-Athen“ zu etablieren. Selbst die nächtliche Beleuchtung durch große Kronleuchter war Teil dieses modernen, auf Wirkung bedachten Konzepts. Architektur wurde hier zur Bühne politischer und geistigerSelbstvergewisserung.Bemerkenswert ist auch die ursprüngliche Bedeutung der Quadriga: Sie stellte eine Friedensgöttin dar, keine Siegesgöttin. Erst nachden Befreiungskriegen und der Rückführung der von Napoleon geraubten Skulptur aus Paris wandelte sich ihre Symbolik – nicht zuletzt durch das von Karl Friedrich Schinkel ergänzte Eiserne Kreuz aus den Befreiungskriegen. Anhand derwechselnden Farbfassungen des Tores – von weiß über café-au-lait bis zu dunklem Grau – wird deutlich, wie stark politische Systeme ihre jeweilige Ideologie hier ausgedrückt haben. Ähnliches gilt für das Reiterstandbild Friedrichs II. Unter den Linden. Der von Christian Daniel Rauch geschaffene Bronze-Friedrich wurde nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt, später in der DDR wieder aufgestellt – leicht versetzt, technischbedingt durch unterirdische Leitungen. Auch hier zeigt sich: Denkmäler sind Projektionsflächen gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse.Im Gespräch wird Friedrich II. von Preußen nicht verklärt, sondern in seiner Ambivalenzbetrachtet: als aufgeklärter Monarch mit Sinn für Kunst und Toleranz, zugleich als militärischer Machtpolitiker. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht ihn zur interessantesten Figur für Michaela van den Driesch – und erklärt, warum einDenkmal für den Preußenkönig schon zu seinen Lebzeiten gefordert wurde. Ihr Lieblingskunstwerk ist ein architektonisches Ensemble, das den Gedanken der Volksbildung exemplarisch verkörpert: die Berliner Museumsinsel. Mit dem Alten Museum, dem Neuen Museum und dem Pergamonmuseum entstand ein Ort, an dem Bürgerinnen und Bürger  – sofern sie „sauber gekleidet und gewaschen“ waren – Zugang hatten. Architektur wurde hier zum pädagogischen Instrument. Wer nicht reisen konnte, sollte dennoch die Welt sehen können. Monumentale Rekonstruktionen wie der Pergamonaltar vermitteltennicht nur Wissen, sondern ein Raumerlebnis, das Bildung sinnlich erfahrbar machte. Hier zeigt sich, dass preußische Architektur nicht allein Machtdemonstration war. Sie war – zumindest im Ideal – Ausdruck eines Bildungsanspruchs: Die Stadt als Lehrbuch, das Bauwerk als Medium politischer Idee. Das Brandenburger Tor steht heute als nationales Symbol und für den Fall der Mauer.Die ursprüngliche Botschaft verweist auf Gedanken, die aktueller kaum sein könnten: Dass Architektur Öffentlichkeit schafft. Dass sie Diskussion ermöglicht. Und dass sie, im besten Fall, zur Volksbildung beiträgt. Geplant war es als Friedenstor.

    33 Min.
  5. 4. Ambivalenz, aber Luise. mit dem Künstler Rainer Ehrt  Folge 4  Amor, Psyche und Preußen

    28. FEB.

    4. Ambivalenz, aber Luise. mit dem Künstler Rainer Ehrt Folge 4 Amor, Psyche und Preußen

    Unser Gast, der satirische Zeichner Rainer Ehrt, sieht die preußischeGeschichte  sehr kritisch, er selberspricht von Hass-Liebe.  Seine jüngsteGraphic Novel widmet er aber Luise. Eine heute kaum noch bekannte Königin,einst umrankt von Legenden, verehrt als Madonna des Vaterlands, stilisiert zurnationalen Ikone – und doch zugleich eine sehr reale Frau mit Charme,Widersprüchen und politischem Instinkt. Ehrt ist kein Historiker, sondern einkünstlerischer Chronist. Einer, der auch kritisch ist – vor allem zurWiederaufbau preußischer Schlösser und vor allem der Garnisonkirche. Erbewundert die ästhetische Sensibilität und die Reformbereitschaft einzelner Herrscher– und bleibt doch sensibel gegenüber Militarismus, Autoritätsdenken undspäterer nationalistischer Vereinnahmung. Gerade deshalb ist Luise für ihn so spannend. Sie passt nicht in daseinfache Schwarz-Weiß-Bild Preußens. Sie war jung, lebenslustig, modischstilprägend – ein Star ihrer Zeit. Als sie mit ihrem Mann durch Kassel reiste,pilgerten Studenten aus Göttingen zu Fuß dorthin, nur um einen Blick auf sie zuerhaschen. In Berlin führte sie den Walzer bei Hofe ein – ein Skandal fürkonservative Kreise. Und sie schrieb leidenschaftliche Briefe, die heute nochberühren. Politisch trat sie in einem Moment auf die große Bühne, als Preußenam Boden lag: nach der Niederlage gegen Napoleon 1806. Die berühmte Begegnungmit Napoleon Bonaparte wurde später zum Mythos verklärt – die schöne Königin,die dem mächtigen Eroberer gegenübertritt. Doch was war Projektion, wasRealität? Ehrt interessiert weniger das Pathos als der Moment, in dem eine Frauin einer von Männern dominierten Machtwelt Haltung zeigt. Obwohl sie ihrempazifistischen Gatten vom „schändlichen Frieden“ abrät. Friedrich Wilhelm III.,zeichnet Ehrt zögerlich oder hölzern, aber auch als – als innerlich zerrissenenHerrscher, der das Grauen des Krieges erlebt hatte und Gewalt zutiefstablehnte. Luise war für ihn Partnerin, Stütze, vielleicht auch politischeImpulsgeberin. Eine echte Liebesbeziehung im preußischen Königshaus – dasallein bricht schon mit vielen Klischees. Neben historischen Einordnungen geht es immer wieder um die Möglichkeitender Kunst. Wie nähert man sich einer Figur, deren Bild vor allem ausIdealisierungen besteht? Wie zeichnet man eine Frau, deren Aussehen nur ansatzweisein Gemälden, Büsten und einer Totenmaske überliefert ist? Ehrt spricht überGestaltwandel, Mode, Projektionen – und über die Herausforderung, Charme undEleganz sichtbar zu machen, ohne in Kitsch zu verfallen. Auch der größere Bogen fehlt nicht: Wo endet Preußen, wo beginntDeutschland? Welche Linien führen vom Reformstaat ins Kaiserreich? Und wasmachen wir heute mit diesem Erbe? Zwischen Grabmälern, Klassizismus undIndustriezeitalter – von Johann Gottfried Schadow bis Adolf von Menzel –entfaltet sich ein Panorama, das Preußen weder verklärt noch verdammt. Auch diesePodcastfolge guckt hinter die Klischees - mit Beziehungen, Briefen oder  Bildern.

    40 Min.
  6. 3. Verkleidet, vertont und fast vergessen -  Popsong für die preußische Jeanne d'Arc mit Dr. Beate Klompmaker

    26. FEB.

    3. Verkleidet, vertont und fast vergessen - Popsong für die preußische Jeanne d'Arc mit Dr. Beate Klompmaker

    Diese Folge widmen wir einer historischen Figur, die bis heute fasziniert : Eleonore Prochaska - 1785 geboren schloss sie sich 1813, als Mann verkleidet, dem Lützowschen Freikorps im Kampf gegen Napoleon an. Unter dem Namen August Renz kämpfte sie als Soldatin, wurde schwer verwundet und starb kurz darauf. Nach ihrem Tod wurde sie als „preußische Jeanne d’Arc“ verklärtund zur patriotischen Heldin stilisiert. Dichter wie Friedrich Rückert widmeten ihr Gedichte, und Ludwig van Beethoven komponierte den berühmten Trauermarsch zum Tod einer Heldin. Doch wer war Eleonore Prochaska? Was trieb sie an? Patriotismus, Freiheitsdrang, persönliche Emanzipation – oder der Wunsch nach einem anderen Leben jenseits enger Geschlechterrollen? Für diese Fragen haben wir dieKunstwissenschaftlerin, Musikerin und Konzeptkünstlerin Beate Klompmaker eingeladen. Ihr Popsong für Eleonore begleitet unseren Podcast als Titelmusik. Beate nähert sich Prochaska nicht nur historisch, sondern künstlerisch und medial.Ausgangspunkt ihres Projekts war eine Zeichnung der jungen Frau, die sie in einer Ausstellung entdeckte. Daraus entwickelte sie ein vielschichtiges Kunstprojekt: ein Reenactment mit einer heutigen Darstellerin, eine mediale Installation im Böhmischen Dorf mit u.a.vertonten Briefen Prochaskas. Klompmaker übertrug die Figur in die Gegenwart, in einem künstlerischenBlog-Projekt ließ sie „Eleonore“ als moderne Soldatin aus Afghanistan berichten. Über soziale Medien entwickelte die historische Figur eine eigene Dynamik – zwischen Trostspenderin, Projektionsfläche und Objekt der Begierde.Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwammen bewusst. Das Gespräch weitet sich von der historischen Figur hin zu aktuellen Fragen: Wie entsteht Mythos? Wann kippt Erinnerung in Kitsch? Wie gehen wir mit Heldenerzählungen um? Auch das Berliner Stadtschloss steht zur Debatte: zwischen Identitätssuche, Kolonialismus-Debatte, Kunst am Bau und gesellschaftlicher Ambivalenz. Die Episode verbindet Geschichte, Kunst, Musik und Gegenwartsfragen – und zeigt, wie eine historische Jugendliche Diskussionen über Krieg, Geschlechterrollen, Selbstermächtigung und politische Verantwortung anstoßen kann.

    38 Min.
  7. 2. Tafelrunde, Toleranz & Tierliebe mit Sibylle Prinzessin von Preußen

    21. FEB.

    2. Tafelrunde, Toleranz & Tierliebe mit Sibylle Prinzessin von Preußen

    In dieser Folge steht noch einmal Friedrich der Große im Mittelpunkt –aus einer außergewöhnlichen Perspektive. Zu Gast ist die Künstlerin und Autorin Sibylle Prinzessin von Preußen, die sich intensiv mit der preußischen Geschichte und insbesondere mit Friedrichs Persönlichkeit auseinandergesetzthat. Gemeinsam mit dem Historiker Dr. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen veröffentlichte sie Bücher über Friedrichs Denken aus künstlerischer wie familiärer Sicht. Thema ist eine oft übersehene Facette: Friedrichs Verhältniszu Tieren – insbesondere zu seinen Windspielen. Für Sybille von Preußen sind die Hunde kein exzentrisches Accessoire, sondern Ausdruck einer tiefen Sensibilität. Enttäuscht von politischen Intrigen und menschlicher Unzuverlässigkeit, habe Friedrich in seinen Tieren etwas „Unverstelltes“ und„Echtes“ gefunden. Seine Kritik an der Jagd im „Anti-Machiavell“,verfasst im Dialog mit Voltaire, zeige eine für das 18. Jahrhundert bemerkenswerte ethische Haltung gegenüber der Kreatur. Besonders berührend ist die Schilderung eines Briefwechsels zwischen Friedrich und seiner SchwesterWilhelmine, in dem beide aus der Perspektive ihrer Hunde schreiben – ein kreativer Weg, nach Jahren des Schweigens wieder zueinanderzufinden. Tiere werden hier zu Vermittlern von Versöhnung und Empathie. Ein weiterer Fokus liegt auf Friedrichs Religionsverständnis. Anders als viele europäische Herrscher seiner Zeit setzteer auf religiöse Toleranz. Am Beispiel des Berliner Hedwig-Doms – gedacht als eine Art Pantheon für verschiedene Glaubensrichtungen – wird deutlich, wie sehr ihn der Gedanke eines überkonfessionellen Miteinanders prägte. Inspirationerhielt er unter anderem durch die Auseinandersetzung mit Isaac Newton, dessen Vorstellung einer beseelten Schöpfung Friedrich kannte und schätzte. Und durch eine fast vergessene Figur : Graf Rothenburg. Er hatte als einziger einfestes Gästezimmer im Schloss Sanssouci und war ein enger Vertrauter Friedrichs. Er schenkte ihm sein erstes Windspiel, Biche, die auf einem Gemälde im Schloss zu finden ist,  Nach seinem frühen Tod sagte Friedrich II. „er hatte einen zweiten Cäsarion verloren“  Bis heute  spielt er in der Geschichtsschreibung aber kaum eine Rolle. Die Folge bringt mehrere neue Aspekte und Einsichten in dieDiskussion und  plädiert insgesamt für eine differenziertere Betrachtung der preußischen Geschichte. Am Ende bleibt eine zentrale Botschaft, die über das 18. Jahrhundert hinausweist: Toleranz, Verantwortung und der respektvolle Umgang mit Mensch und Tier sind keine modernen Erfindungen – sie waren bereits Teil eines aufgeklärten Denkens.

    37 Min.
  8. 1. Friedrich - Größe und Selbstvermarktung           Folge 1 von Amor, Psyche und Preußen mit Dr. Jürgen Luh

    19. FEB.

    1. Friedrich - Größe und Selbstvermarktung Folge 1 von Amor, Psyche und Preußen mit Dr. Jürgen Luh

    Warum der Podcast? War Friedrich ein Großer? Und der kleine Bruder auch? Zu Gast ist Dr. Jürgen Luh, Historiker & Autor u.a. von “Der Große. Friedrich II. von Preußen.“ „Mit welchem Vorurteil, mit welcher verkitschen Auffassung oder welchem Mythos möchten Sie gern aufräumen?“ ist jeweils eine der ersten Fragen der Gastgeber Julia Theek & Gert Streidt. Mit dem preußischenKulturerbe haben sie sich beide immer wieder befasst. Und bitten zum Gespräch Sir Christopher Clark , Rainer Ehrt, Jörg Kirschstein,  Dr. Beate Klompmaker , Barbara Kuster, Prof. Ulrike Liedtke, Dr. Jürgen Luh, Sibylle Prinzessin von Preußen,  Prof. Peter Raue , Barbara Schneider-Kempf , Dr.Christiane Theobald,  Michaela van den Driesch und aus dem Archiv ein Interview von 2006 mit dem Generaldirektor  der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam - Sanssouci 1966- 1992 - Joachim Mückenberger. In dieser 1. Folge von Amor, Psyche und Preußen begrüßen wirden Historiker  Dr. Jürgen Luh, Direktordes Research Center Sanssouci und einer der führenden Experten zu Friedrich demGroßen. Er betrachtet den König nicht nur als Herrscher, sondern alsvielschichtige Figur, deren Wirken bis heute nachhallt. Die Folge erzählt, wieLuhs Forschungen das Bild Friedrichs geprägt haben, insbesondere in der Vorbereitungauf den 300. Geburtstag des Königs. Seine Arbeiten legen ein neues Verständnisnahe, wie der König als Mäzen, Politiker und Impulsgeber in seine Kulturwelt prägteund aktuell nachwirkt. Dr. Jürgen Luh, promovierter Historiker, leitet das „ResearchCenter Sanssouci. Für Wissen und Gesellschaft“- eine Forschungskooperation derStiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, der UniversitätPotsdam und der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Ausgehend vomgeistigen und materiellen Kulturerbe Brandenburg-Preußens, werden Fragestellungenund Projekte interdisziplinär entwickelt und präsentiert.  Seine Forschungsschwerpunkte sind dieGeschichte des Heiligen Römischen Reiches, die Militär- sowie diebrandenburgisch-preußische Geschichte. Seit 2008 ist Dr. Jürgen Luh in der SPSGfür Wissenschaft und Forschung zuständig. Er kuratierte u. a. die Ausstellungen„Die Kaiser und die Macht der Medien“ 2005-2006, „Macht und Freundschaft“ 2008sowie 2012 die Jubiläumsausstellung „Friederisiko“ zum 300. GeburtstagFriedrichs des Großen im Neuen Palais in Potsdam. Er ist Autor u.a. der Bücher„Der Große. Friedrich II. von Preußen“ (2011) und „Der kurze Traum derFreiheit. Preußen nach Napoleon“ (2015) und “Der Große Kurfürst – Sein Lebenneu betrachtet” (2020) und Der Kronprinz und das Dritte Reich. Wilhelm vonPreußen und der Aufstieg des Nationalsozialismus. (2023)

    41 Min.

Bewertungen und Rezensionen

5
von 5
4 Bewertungen

Info

Die Kulturgeschichte Preußens im Gespräch - ohne clickbait oder Ideologie 14 Interviews in der 1. Staffel „Mit welchem Vorurteil, mit welcher verkitschen Auffassung oder welchem Mythos möchten Sie gern aufräumen?“ ist jeweils eine der ersten Fragen der Gastgeber Julia Theek & Gert Streidt.