Ich höre gerade die aktuelle Folge von maybrit illner zum Iran-Deal.
Viele Argumente der Gäste sind für sich genommen absolut nachvollziehbar:
Die Bevölkerung leidet. Die Inflation ist dramatisch. Armut und Repression sind real. Ein politischer Deal darf nicht nur durch die Brille von Energiepreisen, Gasversorgung und geopolitischem Nutzen bewertet werden.
Genau dieser menschliche Maßstab ist richtig.
Aber genau deshalb fällt die Doppelmoral so deutlich auf.
Denn wenn Leid der Zivilbevölkerung, Armut, Perspektivlosigkeit und staatliche Gewalt der Maßstab sind, dann muss dieser Maßstab konsequent gelten. Nicht nur beim Iran. Nicht nur dort, wo die politische Bewertung bequem ist. Nicht nur dort, wo man sich moralisch leicht positionieren kann.
In Bezug auf Gaza hören wir diese Klarheit viel seltener. Dort wird menschliches Leid viel schneller relativiert, kontextualisiert oder hinter sicherheitspolitischen Argumenten versteckt.
Plötzlich klingt vieles nicht mehr nach universellen Menschenrechten, sondern nach politischer Sortierung:
Welches Leid empört uns?
Welches Leid erklären wir weg?
Welches Leid passt gerade in unsere außenpolitische Logik?
Mich stört nicht, dass die Lage der Menschen im Iran ernst genommen wird.
Mich stört, dass derselbe moralische Maßstab nicht überall mit derselben Konsequenz angewendet wird.
Wenn man sagt: „Ein Deal darf nicht wichtiger sein als das Leid der Bevölkerung“, dann ist das ein starker Satz.
Aber dann muss dieser Satz auch gelten, wenn es um Gaza geht.
Sonst ist es keine Haltung.
Dann ist es selektive Empörung.