Der Vergleich zwischen der Massentierhaltung und dem Holocaust, wie ihn Raffaela Raab vertritt, ist historisch und ethisch unhaltbar. Die Behauptung, Menschen seien in den Konzentrationslagern „wie Tiere“ behandelt worden, verkennt die historische Realität: Die Opfer des Nationalsozialismus wurden schlimmer als Tiere behandelt, da ihnen selbst der minimale Zweck eines Nutzwerts abgesprochen und ihre systematische Vernichtung zum eigentlichen Ziel erhoben wurde. Diese Kritik hat rein gar nichts mit Speziesismus zu tun, sondern ist das Resultat ethischer Konsequenz.
Der Unterschied zwischen Nutzung und gezielter Vernichtung:
Die Verbrechen unterscheiden sich fundamental in ihrer Intention. In der heutigen Industrie werden Tiere als Produkte instrumentalisiert. So grausam die Bedingungen der Intensivtierhaltung sind: Das Ziel ist wirtschaftlicher Profit; Schmerz und Tod der Tiere sind das Resultat rücksichtsloser Rationalisierung. Der Holocaust hingegen war kein Wirtschaftszweig, sondern ein ideologisch begründeter, bürokratisch geplanter Völkermord mit dem expliziten Ziel der spurlosen Auslöschung. Menschen in den Konzentrationslagern erfuhren eben gerade nicht die (wenn auch grausame) Schonung, die einem Nutzwert geschuldet ist. Sie wurden unter jegliches Niveau degradiert, systematisch entwürdigt, gefoltert und vernichtet.
Die Dimensionen des menschlichen Leids:
Darüber hinaus unterscheidet sich die Qualität des Leids. Während Tiere im Hier und Jetzt physischen Schmerz und Angst erfahren, verfügt der Mensch über ein komplexes Existenz-, Zeit- und Geschichtsbewusstsein. Das Leid der KZ-Häftlinge beinhaltete Qualen, die Tieren kognitiv nicht möglich sind: das psychische Martyrium der Antizipation – das minütliche Warten auf die eigene Hinrichtung –, die bewusste Trauer um ermordete Angehörige sowie das Erleiden einer sadistischen Entwürdigung, die gezielt den menschlichen Geist vor dem Körper brechen sollte.Tiere besitzen zudem kein Konzept von Moral oder Gerechtigkeit. Sie empfinden zwar Schmerz, haben aber – anders als der Mensch im KZ – kein Bewusstsein darüber, dass ihnen gerade ein moralisches Unrecht widerfährt. Sie wissen nicht, dass das, was mit ihnen geschieht, ein Verbrechen ist. Menschen hingegen erlebten im KZ den bewussten Verrat durch Mitmenschen und den totalen Kollaps der Zivilisation.
Warum die Kritik kein Speziesismus ist:
Gegner dieses Vergleichs des „Speziesismus“ zu bezichtigen, zeugt von einem fundamentalen Missverständnis ethischer Gleichbehandlung. Gleichheit bedeutet nicht, alle Lebensformen schematisch gleichzusetzen, sondern gleiche Interessen gleich zu berücksichtigen. Den Unterschied zwischen der psychischen Qual eines Menschen im KZ und der eines Tieres zu benennen, bewertet nicht das biologische Merkmal „Mensch“ höher. Es erkennt lediglich die Faktizität unterschiedlicher Wahrnehmungs- und Leidfähigkeiten an.
Wer jedes massenhafte Töten ungeachtet von Ideologie, Täter-Intention und Opfer-Psychologie als „Holocaust“ bezeichnet, betreibt geschichtsvergessene Begriffsvernichtung. Man kann und muss die Fleischindustrie als moralisches Versagen der Gegenwart anprangern, ohne den singulären Zivilisationsbruch des Holocausts zu nivellieren. Raffaela Raabs Vergleich hilft den Tieren nicht – er verharmlost lediglich die Shoah.
(Mithilfe von Gemini erstellt.)