Hirnzigartig - ADHS und Neurodiversität im Business

Julie Simstich, Walter Marinelli

ADHS und Neurodiversität im Business

  1. 29. Sept.

    Nicht dumm, nur anders verdrahtet: Legasthenie und Dyskalkulie im Beruf

    Nicht dumm, nur anders verdrahtet: Legasthenie und Dyskalkulie im Beruf Nach der Sommerpause wagen sich Julie und Walter an ein Thema, das bisher noch nicht vorkam, aber eindeutig zur Neurodivergenz gehört: Legasthenie und Dyskalkulie. Es geht um die neurologischen Grundlagen von Lese-Rechtschreib- und Rechenstörungen, um hartnäckige Vorurteile und um die Frage, warum diese Störungen im Berufsleben oft unsichtbar bleiben – bis sie Karrieren bremsen. Mit Selbstexperimenten, aktuellen Studien und konkreten Tipps für Führungskräfte zeigt die Folge, was Unternehmen tun können, damit Betroffene nicht länger doppelt so hart kämpfen müssen. Takeaways Legasthenie betrifft 5–10 % der Bevölkerung, Dyskalkulie 3–5 % – beides wächst sich nicht aus und bleibt bis ins Erwachsenenalter bestehen. Beide Störungen sind neurologisch nachweisbar: Magnetstimulations-Experimente zeigen, dass sich Rechenleistung gezielt stören lässt, wenn bestimmte Hirnareale blockiert werden. Legasthenie hat nichts mit Intelligenz zu tun: Sie tritt bei jedem IQ-Niveau auf, und betroffene Gehirne aktivieren beim Lesen zusätzliche Areale, um dieselbe Leistung zu erbringen. Rund 25–40 % der Menschen mit Legasthenie haben zusätzlich ADHS; eine gute Diagnostik screent deshalb beides mit. Im Berufsleben bleibt Legasthenie oft unsichtbar, weil Betroffene früh lernen zu maskieren – etwa durch Anrufe statt E-Mails oder heimliches Gegenlesen durch Angehörige. Eine US-Studie zeigt: 35 % der Selbstständigen zeigen Anzeichen von Legasthenie, aber nur 1 % der angestellten Konzernmanager:innen – Schriftlastigkeit im Recruiting wirkt als Karrierebremse. Finnische Registerdaten belegen: Eine kindliche Rechenstörung erhöht im Erwachsenenalter das Risiko für Arbeitslosigkeit und Antidepressiva-Einnahme, besonders bei Frauen. Führungskräfte können mit einfachen Mitteln viel bewirken: Diktier- und Vorlesefunktionen anbieten, Schriftlastigkeit hinterfragen, ein Vier-Augen-Prinzip ohne Beschämung etablieren. Die Bewertung von Rechtschreib- oder Rechenfehlern gehört klar von der Bewertung der Person getrennt – Betroffene bemühen sich in aller Regel überdurchschnittlich. Chapters 00:00 – Intro: Rückkehr aus der Sommerpause und neues Thema 01:38 – Erste Assoziationen: Was ist Legasthenie? 02:08 – Häufigkeit und Unsichtbarkeit im Job 03:23 – Dyskalkulie: Begriff und Häufigkeit 04:19 – Die Vorurteile-Übung mit Studierenden 05:35 – Legasthenie im Detail: Was passiert beim Lesen? 09:04 – Erblichkeit und der Zusammenhang mit ADHS 11:25 – Wie das Gehirn Lesen lernt: Vier Bausteine 13:56 – Experiment: Walter liest normale Sätze und Kunstwörter 18:58 – Dyskalkulie: Mengenverständnis und Alltag 21:49 – Der interparietale Sulkus und das Magnetfeld-Experiment 24:54 – Parallelen zu ADHS: Zeit, Raum und Impulsivität 28:38 – Matheangst versus Dyskalkulie 29:56 – Wie Legasthenie und Dyskalkulie zusammenhängen 30:24 – Wie läuft eine Diagnostik ab? 32:11 – Legasthenie am Arbeitsplatz: Maskieren und Kompensieren 33:43 – Karrierestudie: Selbstständigkeit versus Konzern 34:58 – Dyskalkulie im Job: Finnische Langzeitdaten 37:09 – Experiment: Kopfrechnen mit römischen Zahlen 44:37 – Quick Wins für Führungskräfte 48:45 – Wie spreche ich Mitarbeitende darauf an? 52:50 – Die Mythenblitzrunde 56:16 – Die wichtigste Erkenntnis der Folge 58:26 – Outro: Feedback, Fragen und Gästeaufruf Mehr zu den Hosts Julie Simstich (Psychologin & Organisationsexpertin): hirnzigartig.at
 Walter Marinelli (Kreativ-Profi & persönlicher Experte): marinelli.de Keywords Legasthenie, Dyskalkulie, Neurodivergenz, Neurodiversität, ADHS, Rechenschwäche, Lese-Rechtschreibstörung, Arbeitspsychologie, Führung, Neuroinklusion, Diagnostik, Karriere, Vorurteile, Gehirnforschung, Business Studien & Quellen Logan, J. (2009). Dyslexic entrepreneurs: The incidence, their coping strategies and their business skills. Dyslexia, 15(4), 328–346. – Quelle für die Zahlen zu Selbstständigen vs. Konzernmanager:innen. Aro, T., Eklund, K., Eloranta, A.-K., Närhi, V., Korhonen, E., & Ahonen, T. (2019). Associations between childhood learning disabilities and adult-age mental health problems, lack of education, and unemployment. Journal of Learning Disabilities, 52(1), 71–83. – die finnische Registerstudie zu Dyskalkulie, Arbeitslosigkeit und Antidepressiva. Cohen Kadosh, R., Cohen Kadosh, K., Schuhmann, T., Kaas, A., Goebel, R., Henik, A., & Sack, A. T. (2007). Virtual dyscalculia induced by parietal-lobe TMS impairs automatic magnitude processing. Current Biology, 17(8), 689–693. – das Magnetstimulations-Experiment zur „virtuellen Dyskalkulie". Willcutt, E. G., & Pennington, B. F. (2000). Comorbidity of reading disability and attention-deficit/hyperactivity disorder: Differences by gender and subtype. Journal of Learning Disabilities, 33(2), 179–191. – Basis für die 25–40 % Komorbidität von Legasthenie und ADHS. Gialluisi, A. et al. (2021). Genome-wide association study reveals new insights into the heritability and genetic correlates of developmental dyslexia. Molecular Psychiatry, 26, 3004–3017. – aktuelle Zwillings- und GWAS-Daten zur 40–70 % Erblichkeit von Legasthenie.

    Nicht dumm, nur anders verdrahtet: Legasthenie und Dyskalkulie im Beruf
  2. 25. Aug.

    Nach fast einem Jahr Podcast springen Julie und Walter auf die Metaebene

    Nach fast einem Jahr Podcast springen Julie und Walter auf die Metaebene: Was hat sich in zwölf Monaten „Hirnzigartig" verändert, was ist am Anspruch gescheitert – und was hat sich als tragfähig erwiesen? Es geht um die Rahmenbedingungen eines Freizeitprojekts von zwei Menschen mit ADHS, um die Frage „Darf dieses Projekt scheitern?" und um eine Öffentlichkeit, in der Neurodivergenz zunehmend als Superkraft und Verkaufsargument vermarktet wird. Zum Abschluss: eine kurze Sommerpause und ein sehr konkreter Wunsch nach Feedback. Takeaways Ein Jahr Podcast heißt vor allem: Learning by Doing. Inhaltlich sind Julie und Walter näher an ihrer Mission als am Anfang – bei Technik und Reichweite gibt es weiter Luft nach oben. Transparenz gehört dazu: schwankende Audioqualität, unterschiedliche Technik bei Gästen, begrenzte Zeit. Der Podcast ist ein Herzensprojekt neben dem Beruf, keine Studioproduktion. „Darf das Projekt scheitern?" ist die zentrale Frage bei fast jedem Vorhaben – denn die Antwort verändert, wie man arbeitet. Hier lautet sie: ja. Genau deshalb macht es Spaß, weiterzumachen. Der Podcast wirkt zurück in Beruf und Netzwerk: neue Kundenprojekte, Begegnungen mit ehemaligen Gästen, Hörer:innen, die einzelne Folgen besser erinnern als die Hosts selbst. Das Superkraft-Narrativ greift zu kurz. Hinter ADHS und Autismus steht reales Leiden – Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf stehen nicht auf Bühnen und geben keine Interviews. Prominente Diagnose-Bekenntnisse sind ambivalent: Sie erhöhen Sichtbarkeit, verstärken aber gleichzeitig die Verharmlosung. In der Praxis wird es komplexer, nicht einfacher: Differenzialdiagnostik (ADHS vs. Borderline, PTBS u. a.) braucht Sorgfalt, und im Arbeitskontext entstehen für Führungskräfte und HR reale Spannungsfelder. Vorsicht bei „Selbstständig mit ADHS"-Coaching-Versprechen: Selbstständigkeit löst weder Struktur- noch Zeitprobleme – für viele endet der Weg teuer. Wissenschaftlich denken heißt, auch die eigene Hypothese fallen zu lassen – wie in der Fidget-Spinner-Folge, in der die erhoffte Evidenz schlicht nicht existierte. Chapters 00:00 – Warum diese Folge anders ist: Recap und Metaebene 00:20 – Urlaub, Erholungsdruck und ein unterbrochener Song 01:50 – Ein Jahr Hirnzigartig: Wo stehen wir wirklich? 02:15 – Learning by Doing: Technik, Qualität und ehrliche Rahmenbedingungen 03:55 – Ein Freizeitprojekt von zwei Menschen mit ADHS 04:54 – Die wichtigste Frage: Darf das Projekt scheitern? 06:00 – Was der Podcast zurückgibt: Begegnungen, Beziehungen, neue Projekte 07:28 – Neurodiversität im Hype: Vermarktung, Prominenz und Superkraft-Mythos 09:27 – Aus der Praxis: Differenzialdiagnostik und Spannungsfelder im Unternehmen 10:50 – Wenn ADHS und Autismus keine Superkraft sind 11:32 – „Selbstständig mit ADHS": Coaching-Versprechen und ihre Kosten 12:32 – Imposter-Gefühle und die Fidget-Spinner-Folge als Lernmoment 13:52 – Ausblick: neue Gäste, bessere Technik, Business-Perspektive 15:07 – Aufruf: Feedback, Fragen und Gästevorschläge statt Like-Bitten 16:10 – Sommerpause bis Ende September – und schöne Grüße in den Sommer Mehr zu den Hosts Julie Simstich (Psychologin & Organisationsexpertin): hirnzigartig.at 
Walter Marinelli (Kreativ-Profi & persönlicher Experte): marinelli.de ADHS, Neurodiversität, Neurodivergenz, Autismus, AuDHS, Superkraft-Mythos, Arbeitspsychologie, Differenzialdiagnostik, Führung, HR, New Work, Coaching-Markt, Selbstständigkeit mit ADHS, Podcast-Rückblick, Neuroaffirmativ

    Nach fast einem Jahr Podcast springen Julie und Walter auf die Metaebene
  3. 11. Aug.

    Wie kommt Neuro-Biodiversität eigentlich in den Unternehmensalltag?

    Wie kommt Neuro-Biodiversität eigentlich in den Unternehmensalltag? Im zweiten Teil des Gesprächs mit Markus Götz wird es konkret: Julie und Walter nehmen ihn in die Pflicht, aus dem philosophischen Überbau von Teil 1 handfeste erste Schritte für Führungskräfte und HR abzuleiten. Herausgekommen ist eine Folge über psychologische Sicherheit, Führungshaltung und die Frage, warum gute Führung für neurodivergente Menschen am Ende gute Führung für alle bedeutet. Wer Teil 1 noch nicht gehört hat: unbedingt nachholen – auch wegen der Outtakes. Takeaways – Vor jeder Maßnahme steht das Why: Warum wollen wir das eigentlich? Ohne echte Haltung dahinter bleibt Neurodiversität ein PR-Strohfeuer, das Mitarbeitende sofort durchschauen.
 – Neuroinklusion ist kein Change-Projekt mit Enddatum. Wer am 1. Juli startet und am 31.12. „fertig" sein will, hat das Prinzip nicht verstanden.
 – Auch ohne CEO-Mandat lässt sich anfangen: Der eigene Handlungsspielraum ist oft kleiner als gewünscht, aber größer als gedacht – erst Mitstreiter suchen, dann skalieren.
 – Kleine Unternehmen kommen häufig über den konkreten Menschen dorthin, nicht übers Menschenbild: Da sitzt jemand auf einer schwer ersetzbaren Position, also baut man den Arbeitsplatz um ihn herum.
 – Psychologische Sicherheit zeigt sich an den Fragen, die gestellt werden dürfen: „Arbeitest du gerne hier?" oder „Darf dieses Projekt scheitern?" – beides wird meist vermieden, weil man die Antwort fürchtet.
 – Schwächen zuzugeben kostet keine Autorität, sondern schafft sie. Voraussetzung ist allerdings, dass die Führungskraft ihre eigene Führungslegitimation geklärt hat.
 – Freiräume zahlen sich wirtschaftlich aus: Walter erzählt, wie aus einem abgelehnten Kundenanruf ein komplett neues Geschäftsfeld entstanden ist. Markus ergänzt Beispiele von Harley-Davidson und einem Ingenieurbüro, das Mitarbeiter-Ideen fördert, statt sie zu binden.
 – Nicht alles ist messbar – und der Versuch, es trotzdem zu tun, erzeugt Scheinsicherheit. Erst loslaufen, dann gemeinsam mit dem Team überlegen, woran man Verbesserung erkennt.
 – Führung als Dienstleistung: „Ich bin die Ressource meiner Mitarbeiter, nicht umgekehrt." Wo das gilt, braucht niemand ein Outing, um zu sagen, was er oder sie zum Arbeiten braucht. Chapters 00:00 Rückblick auf Teil 1 – von Homo economicus zur Neuro-Biodiversität
 02:13 Der erste Schritt: Was ist es uns wert und warum machen wir das?
 04:22 Unterschiedliche Auslöser – vom Gründer-Why bis zu hohen Krankenständen
 06:08 Handlungsspielraum ausloten, ohne sich die Finger zu verbrennen
 08:56 Walters Einwurf: Wie kleine Unternehmen es angehen
 11:32 Die Fragen, die nie gestellt werden – „Arbeitest du gerne hier?"
 13:07 „Darf dieses Projekt scheitern?"
 13:44 Praxisbeispiel: Zweierbüro für einen autistischen Mitarbeiter
 14:41 Konkret gefragt: Was rätst du einer Führungskraft mit 20 Leuten?
 17:20 Die Insel im Unternehmen – psychologische Sicherheit im Team schaffen
 19:23 Fehler und Schwächen zugeben als Führungskraft
 23:00 Stärken statt Kompetenzen: Positive Leadership in der Praxis
 25:50 Walters Beispiel: Wie aus einem abgelehnten Anruf die Kimma-App wurde
 29:21 Harley-Davidson und ein Ingenieurbüro, das Ideen seiner Leute finanziert
34:31 Warum Ehrlichkeit nach oben Kommunikationskompetenz braucht
 38:35 Loslaufen ohne Metriken – und erst danach über Messbarkeit reden
 42:30 „Epic Shit" statt Verwaltung: Vision im Kleinen
 43:53 Führungslegitimation, Antreiber und eigene Denkverzerrungen
 45:16 Loslassen lernen – Markus über den eigenen Start als Führungskraft
 47:50 Servant Leadership: Führung als Dienstleistung am Team
 50:17 Reibflächen im Team moderieren statt Druck erzeugen
 51:37 Zusammenfassung: Was Führungskräfte konkret mitnehmen
 55:56 Warum es in diesem Modell kein Outing braucht Mehr zu unserem Gast Markus Götz – systemisch denkender Generalist sowie Innovations- und Transformationsbegleiter, der über Neurocatalyst und die EUPONS-Initiative wissenschaftliche und unternehmerische Perspektiven auf Neurodiversität zusammenführt. LinkedIn: linkedin.com/in/markuskarlgötz Mehr zu den Hosts Julie Simstich (Psychologin & Organisationsexpertin): hirnzigartig.at
 Walter Marinelli (Kreativ-Profi & persönlicher Experte): marinelli.de Keywords Neurodiversität, Neuro-Biodiversität, ADHS im Beruf, psychologische Sicherheit, Führungskräfteentwicklung, Servant Leadership, Positive Leadership, Stärkenorientierung, Unternehmenskultur, Change Management, Fehlerkultur, HR, Neuroinklusion, Menschenbild, Vertrauensführung

    Wie kommt Neuro-Biodiversität eigentlich in den Unternehmensalltag?
  4. 22. Juli

    Neuro-Biodiversität: Warum Vielfalt der Normalzustand ist - im Gespräch mit Markus Götz

    Neuro-Biodiversität: Warum Vielfalt der Normalzustand ist - im Gespräch mit Markus Götz In dieser Folge ist Markus Götz zu Gast – systemisch denkender Generalist, Innovations- und Transformationsbegleiter, der über Neurocatalyst und die EUPONS-Initiative wissenschaftliche und unternehmerische Perspektiven auf Neurodiversität verbindet. Statt einzelne Diagnosen in den Mittelpunkt zu stellen, fragt er, was Führung, Organisationen und unser Menschenbild aus dem Thema Neurodivergenz lernen können. Seine These: Neuroinklusion ist nicht das Ziel, sondern der erste sichtbare Ausdruck eines viel größeren gesellschaftlichen Paradigmenwechsels. Julie, Walter und Markus machen daraus ein bewusst großes, philosophisches Fass – und verabreden sich am Ende auf einen zweiten, konkreteren Teil. Takeaways Neuro-Biodiversität statt Defizit: Die Vielfalt der Gehirne ist – wie die Biodiversität in der Natur – kein Sonderfall, sondern die eigentliche Stärke: ein Baukasten aus Varianz und Varietäten für Lösungen und Rekombination. Das Menschenbild hinkt hinterher: Vom „Rädchen im Zahnwerk" über den Homo economicus bis heute – unser Bild vom Menschen hat sich mit jeder Evolutionsstufe der Arbeitswelt verändert, bleibt aber an vielen Stellen im Alten verhaftet. Schablonen schließen aus: Leistungs- und Bewertungsraster (Bild: Bundesjugendspiele) unterdrücken viele Menschen, ohne dass es je so gewollt war. Erkennt man große Varianz als Normalzustand, braucht es keine ständigen „Sonderregeln" mehr. Keine Randgruppe, kein Bittsteller: Neurodivergente sind kein Nischenphänomen, sondern betreffen einen erheblichen Teil der Bevölkerung – quer durch alle Gesellschaftsschichten bis in die Vorstandsetage. Es geht um Rechte, nicht um Bitten. Dienen die Systeme dem Menschen – oder umgekehrt? Viele gewachsene Strukturen wurden ursprünglich gebaut, um wenigen zu dienen, nicht um Wohlbefinden für alle zu erzeugen. Diese Frage neu zu stellen ist Kern des Wandels. Kein Erkenntnis-, ein Umsetzungsproblem: Studienlage und Fakten liegen auf dem Tisch – höheres Wohlbefinden, mehr Kreativität, weniger Krankheitstage zahlen sich wirtschaftlich aus. Es scheitert an der Umsetzung, nicht am Wissen. Caring Community als Leitbild: Ein Selbstverständnis, in dem Menschen Teil einer Vision sind und auch in schweren Lebensphasen getragen werden – und danach umso mehr einbringen. Menschengerecht, hirngerecht, nervensystemgerecht: Nicht immer schneller, höher, mehr. Christina Kochs Gedanke – „such dir das, was du möglichst lange und langsam tun kannst und dabei glücklich bist" – als Gegenentwurf zum Selbstoptimierungswahn. Wirtschaft ist Teil der Gesellschaft, nicht umgekehrt: Arbeit ist essenzieller Bestandteil unseres sozialen Gefüges – nicht die Parallelwelt, der sich alles unterordnen muss. Neuroinklusion muss deshalb auch gesellschaftlich und politisch gedacht werden. Chapters 00:00 Begrüßung & Einordnung: Neuroinklusion als Ausdruck eines Paradigmenwechsels 01:24 Das aktuelle Menschenbild – vom Rädchen im Zahnwerk zur Individualisierung 02:40 Bildung, Führung und die Reibungsflächen jeder Evolutionsstufe 05:00 Homo economicus am Ende: Neuro-Biodiversität als Normalzustand 07:15 Warum Leistungsraster und Schablonen Menschen ausschließen 09:18 Keine Randgruppe, kein Bittsteller – es geht um Rechte 11:27 Dienen die Systeme dem Menschen oder der Mensch dem System? 12:34 Veränderung, Merger und das Gefühl der Entwurzelung 14:23 Vom Erkenntnis- zum Umsetzungsproblem: Caring Community als Leitbild 17:50 Psychologische Sicherheit, KPIs und die Frage nach dem Wie 18:27 Corona als Zäsur und eine neue demokratische Strömung 21:14 Gesellschaft & Politik: die Gegenbewegung zu Diversität und Inklusion 23:18 In-Group, Out-Group und die Grenzen der Akzeptanz 26:35 Mut, Radikalität und die besondere Stärke der Neurodivergenten 28:06 Selbstkritik: Wenn die Community der eigenen Sache schadet 31:24 Wirtschaft ist Teil der Gesellschaft – nicht umgekehrt 33:24 Anthropologie, Grenzen der Leistungsfähigkeit, Selbstoptimierungswahn 34:47 „Etwas, das du möglichst langsam tun kannst" – menschengerecht, hirngerecht 36:33 Ausblick: die offene Frage nach dem Wie – und die Verabredung zu Teil 2 Mehr zu unserem Gast Markus Götz – systemisch denkender Generalist sowie Innovations- und Transformationsbegleiter, der über Neurocatalyst und die EUPONS-Initiative wissenschaftliche und unternehmerische Perspektiven auf Neurodiversität zusammenführt. LinkedIn: linkedin.com/in/markuskarlgötz Mehr zu den Hosts Julie Simstich (Psychologin & Organisationsexpertin): hirnzigartig.at Walter Marinelli (Kreativ-Profi & persönlicher Experte): marinelli.de Keywords Neurodiversität, Neurodivergenz, Neuroinklusion, Neuro-Biodiversität, Menschenbild, Paradigmenwechsel, Führung, Organisationsentwicklung, Homo economicus, Caring Community, psychologische Sicherheit, New Work, ADHS, Transformation, Arbeitswelt, Inklusion, Diversität, Unternehmenskultur

    Neuro-Biodiversität: Warum Vielfalt der Normalzustand ist - im Gespräch mit Markus Götz
  5. 7. Juli

    Neurodivergenz am Arbeitsplatz: Diese Rechte haben Menschen mit ADHS und Autismus
- Update im Fall André Fischer

    Neurodivergenz am Arbeitsplatz: Diese Rechte haben Menschen mit ADHS und Autismus
 Update im Fall André Fischer 

 In dieser Folge gibt Julie ein Update zum Fall des Rettungssanitäters André Fischer, der sich gegen seine Versetzung gerichtlich gewehrt hat. Im Hauptsacheverfahren hat der Arbeitgeber nun selbst eingeräumt, dass die Versetzung unwirksam war – ein richtungsweisendes Signal für Neuroinklusion im Arbeitsrecht. Julie ordnet ein, was das Urteil rechtlich bedeutet und warum es trotz deutschem Recht auch für Österreich hochrelevant ist. Takeaways Der Arbeitgeber hat im Hauptsacheverfahren am 18. Juni selbst eingeräumt, dass die Versetzung nicht wirksam war – die Einschätzung des Landesarbeitsgerichts Saarland aus dem Eilverfahren wurde damit bestätigt. Das Direktionsrecht des Arbeitgebers ist nicht grenzenlos: Wenn eine Weisung eine Person aus fachärztlicher Sicht absehbar krank macht (Dekompensation), wiegt die Fürsorgepflicht schwerer. ADHS und Autismus können über das Sozialgesetzbuch (in Deutschland SGB IX) als Behinderung mit einem Grad der Behinderung (GdB) eingestuft werden – ab GdB 50 spricht man von Schwerbehinderung mit zusätzlichen Schutzmechanismen. Auch mit niedrigerem GdB ist eine Gleichstellung möglich – André hat diesen Status als gleichgestellter Behinderter. Bei Schwerbehinderung greifen formale Verfahren wie die Zustimmungspflicht des Inklusionsamts bei Kündigungen und das betriebliche Wiedereingliederungsmanagement (BEM). In Österreich gibt es ein sehr ähnliches Prinzip: den Status begünstigter Behinderter nach dem Behinderteneinstellungsgesetz mit erhöhtem Kündigungsschutz ab GdB 50 – nicht eins zu eins übertragbar, aber dieselbe Grundlogik. Das deutsche Urteil ist in Österreich nicht bindend, liefert aber eine klare Argumentationsgrundlage für vergleichbare Fälle im gesamten DACH-Raum. Für Arbeitgeber gilt: Wer weiß oder wissen müsste, dass jemand neurodivergent ist und bestimmte Strukturen gesundheitlich braucht, muss das bei Weisungen abwägen – sonst ist die Maßnahme unwirksam. Frühzeitig ins Gespräch zu gehen ist für Unternehmen immer günstiger als Verfahrenskosten und Imageschaden – Neuroinklusion ist keine Bauchgefühl-Frage, sondern handfestes Recht. Chapters 00:00 Begrüßung & Update im Fall André Fischer
 01:05 Rückblick
 03:26 Worum es hier nicht geht – persönliche Angriffe
 04:06 Direktionsrecht vs. Fürsorgepflicht
 05:59 Rechtliche Ableitungen
 10:49 Zusammenfassung Mehr zu den Hosts Julie Simstich (Psychologin & Organisationsexpertin): hirnzigartig.at
 Walter Marinelli (Kreativ-Profi & persönlicher Experte): marinelli.de Keywords ADHS, Neurodivergenz, Neuroinklusion, Arbeitsrecht, Fürsorgepflicht, Direktionsrecht, Versetzung, Grad der Behinderung, Schwerbehinderung, Gleichstellung, Inklusionsamt, Behinderteneinstellungsgesetz, Kündigungsschutz, Landesarbeitsgericht, DACH-Raum

    Neurodivergenz am Arbeitsplatz: Diese Rechte haben Menschen mit ADHS und Autismus
- Update im Fall André Fischer
  6. 23. Juni

    Keine Qualifikation auf dem Papier, trotzdem Ausnahmetalent Neurodivergenz und der blinde Fleck im Recruiting

    **Keine Qualifikation auf dem Papier, trotzdem Ausnahmetalent: Neurodivergenz und der blinde Fleck im Recruiting

 In dieser Folge sprechen Julie und Walter mit Nathalie Doan – ausgebildete Ingenieurin, Hundepsychologin, ADHS-Coach und Mentaltrainerin mit einem Lebenslauf, der auf den ersten Blick alles andere als linear wirkt. Nathalie hat 2022 mit 32 Jahren ihre ADHS-Diagnose bekommen – und verdächtige Hinweise auf Autismus kommen gerade noch dazu. Gemeinsam schauen sie sich an, was mit neurodivergenten Talenten passiert, die durch das klassische Recruiting-Raster fallen – und was Führungskräfte und HR-Teams konkret dagegen tun können.

 **## Takeaways

 Der Lebenslauf ist das schlechteste Tool, um neurodivergente Talente zu erkennen – wer nur scannt, übersieht das Wesentliche.
 Selbstständigkeit, Jobwechsel und Quereinsteiger-Biografien enthalten oft mehr übertragbare Skills als gradlinige Karrieren.
 Masking im Bewerbungsgespräch ist real – und kostet neurodivergente Menschen enorm viel Energie.
 Neuroinklusion ist kein Nice-to-have, sondern ein Menschenrecht auf Teilhabe – unabhängig davon, ob die Neurodivergenz als „Superkraft" funktioniert oder nicht.
 Kleine Accommodations wie Noise-Canceling-Kopfhörer kosten wenig und bringen allen etwas.
 Das Anschreiben verdient mehr Aufmerksamkeit: Es ist der Ort, an dem Persönlichkeit und Kontext sichtbar werden.
 Neuroinklusive Stellenausschreibungen – die explizit Quereinsteiger, Autodidakten und verschiedene Bewerbungsformate einladen – ziehen bessere und loyalere Talente an.
 Neurodivergente Mitarbeitende, die sich wirklich gesehen fühlen, bringen eine Intensität von intrinsischer Motivation und Loyalität, die schwer zu ersetzen ist.

 ## Chapters

 00:00 Einführung: Nathalies Weg zur ADHS-Diagnose und ihrer Selbstständigkeit  
 01:26 Der nicht-lineare Lebenslauf – was beim Scannen wirklich verloren geht  
 04:00 Wie Recruitingprozesse neurodivergente Kandidat:innen schon vor dem Gespräch aussortieren  
 07:14 Masking im Bewerbungsgespräch – und der Verdacht auf Autismus  
 10:18 Wenn das Gespräch die Stärke ist: Charisma, Empathie und psychologisches Know-how  
 12:31 Der neurotypische Maßstab und warum er nicht funktioniert  
 13:30 Julie's Coaching-Erfahrung: Lebenslauf anpassen als ethisches Dilemma  
 17:05 Die Lüge im Anschreiben – warum sich das System falsch anfühlt  
 20:33 Masse oder Klasse: Bewerbungsstrategie mit exekutiver Dysfunktion  
 22:25 Neuroinklusion als Menschenrecht – nicht nur als Superkraft-Argument  
 24:30 Noise-Canceling und andere Accommodations: Warum Firmen Nein sagen  
 28:00 Was Recruiter und HR konkret ändern können  
 29:14 Das Anschreiben wiederentdecken: Persönlichkeit statt Laufbahn  
 31:28 Alternative Bewerbungsformate: Video, Sprachaufnahme, Text  
 33:24 Neuroinklusive Stellenausschreibungen als erster Schritt  
 37:51 Positivbeispiel aus der Praxis: Wie es gute Firmen schon machen  
 40:09 Loyalität und intrinsische Motivation als unterschätzter ROI  
 41:00 Abschluss und Nathalies Coaching-Angebot

 Mehr zu unserem Gast

 Nathalie Doan ist Mentaltrainerin und ADHS-Coach. Selbst mit ADHS-Diagnose (und vermutetem Autismus) begleitet sie Menschen auf dem Weg zu mehr Klarheit über ihre eigenen Bedürfnisse und Stärken.

 Nathalies Coaching-Angebot – waitforthestars.com/

 Mehr zu den Hosts

 Julie Simstich (Psychologin & Organisationsexpertin): hirnzigartig.at  
 Walter Marinelli (Kreativ-Profi & persönlicher Experte): marinelli.de

 Keywords

 Neurodivergenz, ADHS, Autismus, Recruiting, Bewerbungsprozess, Lebenslauf, HR, Führungskräfte, Neuroinklusion, Talente, Bewerbungsgespräch, Masking, Accommodations, Arbeitswelt, Inklusion, Quereinsteiger, Selbstständigkeit**

    Keine Qualifikation auf dem Papier, trotzdem Ausnahmetalent Neurodivergenz und der blinde Fleck im Recruiting
  7. 9. Juni

    Direktionsrecht vs. Fürsorgepflicht: Ein Präzedenzfall für Neuroinklusion

    Direktionsrecht vs. Fürsorgepflicht: Ein Präzedenzfall für Neuroinklusion (Folge 17) In diesem Interview spricht André Fischer, ein Rettungsassistent aus dem Saarland, offen über seine Erfahrungen mit ADHS am Arbeitsplatz, rechtliche Kämpfe für neurodivergente Mitarbeitende und die Bedeutung von Strukturen und Rückzugsräumen. Er teilt persönliche Einblicke, rechtliche Erfolge und praktische Tipps für Unternehmen, um neuroinklusive Arbeitsumgebungen zu schaffen.

 Key topics

 Rechtliche Anerkennung von Rückzugsräumen für neurodivergente Mitarbeitende
 Persönliche Erfahrungen mit ADHS im Rettungsdienst
 Bedeutung von Strukturen und Routinen für neurodivergente Menschen
 Relevanz von Gerechtigkeit und Fürsorgepflicht im Arbeitsrecht
 Praktische Tipps für neuroinklusive Arbeitsumgebungen 
Chapters

 00:00 Vorstellung des Gastes André Fischer
 01:20 Der rechtliche Kampf um Neurodivergenz
 01:59 Die Herausforderungen bei der Klage gegen den Arbeitgeber
 04:39 Die Bedeutung von Strukturen und Rückzugsorten
 06:47 Medikamenteneinnahme und deren Auswirkungen auf das Leben
 09:16 Reflexion über die eigene Neurodivergenz
 10:12 ADHS und die Berufswahl: Rettungsdienst als passende Umgebung
 12:12 Die Bedeutung von Struktur und Sicherheit
 14:17 Herausforderungen am Arbeitsplatz für Neurodivergente
 16:12 Die Notwendigkeit von Fürsorgepflicht und Unterstützung
 17:43 Burnout und seine Ursachen bei Neurodivergenz
 23:04 Potenziale von Neurodivergenten im Arbeitsumfeld
 24:36 Die Rolle der Führungskräfte in der Inklusion
 31:35 Wünsche an Unternehmen für eine bessere Zusammenarbeit
 32:18 Führungskräfte und Neurodivergenz
 34:50 Neurodivergente Unternehmer und deren Chancen
 36:27 Erfahrungen als Selbstständiger und die Bedeutung von Kommunikation
 38:16 Rechtliche Herausforderungen und die Wichtigkeit von Seriosität
 40:55 Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Neurodivergenten und Neurotypischen
 42:48 Abschluss und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen


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Julie Simstich (Psychologin & Organisationsexpertin): hirnzigartig.at Walter Marinelli (Kreativ-Profi & persönlicher Experte): marinelli.de

    Direktionsrecht vs. Fürsorgepflicht: Ein Präzedenzfall für Neuroinklusion
  8. 26. Mai

    Positive Psychologie trifft Neurodivergenz: Der unterschätzte Schlüssel zu Exzellenz und Gesundheit


    Folge 16: Positive Psychologie trifft Neurodivergenz: Der unterschätzte Schlüssel zu Exzellenz und Gesundheit
 In dieser Folge tauchen wir tief in die Verbindung zwischen Charakterstärken aus der positiven Psychologie und Neurodivergenz ein. Julie Simstich, Psychologin, und Walter Marinelli, ADHS-Betroffener, diskutieren, wie exzellente Führung und Teams durch das Verständnis und die Nutzung individueller Stärken verbessert werden können.
 
key topics 
Verbindung von Charakterstärken und Neurodiversität
Unterschied zwischen Stärke und Kompetenz
Charakterstärken im Autismus und ADHS
Praktische Tipps für Führungskräfte 
keywords 
positive Psychologie, Neurodiversität, Neurodivergenz, Stärken, Talente, Kompetenz, Charakterstärken, Führung, Teams, ADHS, Autismus, Exzellenz, Arbeitswelt

 
 Chapters 

00:00 Einführung in Neurodiversität und positive Psychologie
 02:49 Unterschied zwischen Stärken und Kompetenzen
 05:32 Die Rolle von Tapferkeit und Mut - oder: Ist Mut und Taperkeit Walters Stärke oder Walters Kompetenz?
11:58 Positive Psychologie in der Arbeitswelt - Nutzen
 13:50 Stärken von Menschen mit ADHS und Autismus aus wissenschaftlicher Sicht
 15:44 Herausforderungen und Gedächtnisleistung bei ADHS
 18:15 Anpassungsfähigkeit und soziale Intelligenz
 20:42 Kompetenzen und Strategien im Umgang mit ADHS
 23:51 Liebe zum Lernen und Karrierechancen
 28:33 Führungskräfte und die Wahrnehmung von Stärken

 Die 4 Reflexionsfragen nach Markus Ebner zur Unterscheidung von Kompetenz und Stärke: Drängt es aus mir heraus? Würde es mir fehlen, wenn ich die Aufgabe nicht mehr tun könnte? Kostet es Energie, wenn ich es zurückhalten müsste, weil es in einer Situation unpassend ist? Mache ich manchmal zu viel davon? 
Ressourcen

 Via-Modell Charakterstärken - viacharacter.org oder persoenlichkeitsstaerken.ch/
 
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Julie Simstich (Psychologin & Organisationsexpertin): hirnzigartig.at Walter Marinelli (Kreativ-Profi & persönlicher Experte): marinelli.de

    Positive Psychologie trifft Neurodivergenz: Der unterschätzte Schlüssel zu Exzellenz und Gesundheit


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