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«International» befasst sich wöchentlich mit internationaler Politik und Gesellschaft. Seit 1978 am Radio und von Anbeginn auch online.

Reportagen, Analysen und Geschichten zur internationalen Aktualität, meist erzählt von Auslandskorrespondenten und -korrespondentinnen von Radio SRF.

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«International» befasst sich wöchentlich mit internationaler Politik und Gesellschaft. Seit 1978 am Radio und von Anbeginn auch online.

Reportagen, Analysen und Geschichten zur internationalen Aktualität, meist erzählt von Auslandskorrespondenten und -korrespondentinnen von Radio SRF.

    Die USA vor der Wahl: «Black Votes Matter»

    Die USA vor der Wahl: «Black Votes Matter»

    Die Wut über Polizeigewalt gegen Schwarze und Diskriminierung entlud sich diesen Sommer unter der Parole «Black Lives Matter» in einer Welle von Protesten und Ausschreitungen. Soziale Gerechtigkeit wurde gefordert. Doch werden die Schwarzen auch wählen gehen? Die Hafenstadt Charleston in South Carolina hat Südstaaten-Charme. Der Sklavenmarkt aus dem 19. Jahrhundert ist heute Touristenattraktion und Museum. Ein Gefühl der Benachteiligung ist geblieben. In einem Hinterhof versammeln sich junge Aktivistinnen und Aktivisten vom Netzwerk «Hub». Es setzt sich für Bildung und eine bessere wirtschaftliche Situation von Schwarzen ein.
    Jack spricht von anhaltendem Rassismus in der Gesellschaft. Cody von Verwirrung und Wut, die man als Schwarzer empfinde.

    Der Tod des Afroamerikaners George Floyd im Würgegriff der Polizei wurde im Mai zum Fanal für landesweite Proteste. Bei der grossen Kundgebung in der Hauptstadt Washington war Kamala Harris per Video zugeschaltet. Sie ist die demokratische Kandidatin fürs Vizepräsidium, an der Seite von Präsidentschaftskandidat Joe Biden. Harris sprach vom Aufbruch: Eine neue Generation habe nun die Chance, Geschichte zu schreiben.

    Nicht alle afroamerikanischen Wählerinnen und Wähler geben der demokratischen Partei ihre Stimme, aber die meisten. Das liege auch daran, dass die Demokraten in den Sechzigerjahren die Bürgerrechtsgesetze mit erkämpft hätten, sagt die Soziologieprofessorin Kris Marsh.

    Joe Bidens Leute versuchen dieses Potential nun für die Präsidentschaftswahl vom 3. November zu aktivieren, besonders in den entscheidenden «Swing States», die mal republikanisch, mal demokratisch wählen. Je mehr Schwarze dort ihre Stimme abgeben, desto grösser die Chancen insgesamt für den demokratischen Kandidaten, so das Kalkül.

    • 27 Min.
    Russland: Die Datscha ist mehr als ein Ferienhaus

    Russland: Die Datscha ist mehr als ein Ferienhaus

    Die Datscha ist der Ort, wo Millionen von Russinnen und Russen ihre schönsten Tage verbringen. Das Sommerhäuschen vor der Stadt ist ein Sehnsuchtsort. Hier wird gegärtnert, gefaulenzt und gefeiert. Hierher fliehen die Menschen vor der Enge ihrer Wohnungen, aber auch vor der russischen Realität. Die ersten Datschen waren Geschenke des Zaren an treue Untertanen. Aber erst viel später in der Sowjetunion der 50er Jahren wurden Datschen zum Massenphänomen. Millionen erhielten ein Stück Land geschenkt, zumeist 600 Quadratmeter gross. Heute haben rund 40 Prozent der russischen Familien draussen in den Wäldern und Wiesen vor ihrer Stadt ein Sommerhaus.

    Wer von der Politik Wladimir Putins nichts mehr hören will, weder von seiner Politik gegenüber Belarus noch über den Nowitschok-Angriff auf den Oppositionellen Nawalny, der findet in seiner Datscha einen Ort der Ruhe, eine kleine private Welt, in der ihm niemand dreinredet.

    Die Datschen sind zumeist von hohen Zäunen und Hecken umgeben. Dahinter verbirgt sich eine bürgerliche geordnete Lebenswelt. Wer in den letzten 20 Jahren zu Geld gekommen ist, konnte sein Sommerhaus ausbauen und verschönern.

    Noch in den 90er Jahren aber waren die Datschen für viele eine überlebenswichtige Einrichtung. Hier pflanzten die Leute die Lebensmittel, die in den Städten knapp und teuer geworden waren. Die Datschniki hätten Russland vor dem Zerfall gerettet, sagt Andrej Tumanow. Er ist Herausgeber der wichtigsten Datschen-Zeitung Russlands und er betont, dass die Datschenbesitzerinnen und -besitzer auch heute eine staatstragende Gesellschaftsgruppe seien.

    Wieso das so ist und wie das zusammenpasst mit der Flucht ins Private auf der Datscha, zeigt der Besuch bei Tumanow und in zwei anderen Datschensiedlungen.

    • 26 Min.
    Angelas Welt

    Angelas Welt

    Am 3. Oktober feiert Deutschland 30 Jahre Deutsche Einheit. Genauso lange ist auch Angela Merkel in der Politik, die Hälfte davon als Bundeskanzlerin. Doch auch wenn sie unsere ständige Begleiterin ist, wir sie täglich sehen, hören, über sie lesen, bleibt sie doch rätselhaft. Wer ist Angela Merkel? In diesem «International» kommen Menschen zu Wort, die Angela Merkel über all die Jahre begleitet und beobachtet haben. Tim Guldimann etwa, ehemaliger Schweizer Botschafter in Berlin, der erzählt, wie geschickt und zielsicher sich Merkel auf dem diplomatischen Parkett bewege.
    Antje Vollmer, Politikerin der Grünen, die fragt, wie es möglich sei, dass Merkel sich während ihrer Jugend in der DDR in keiner Weise politisch engagierte.
    Oder der frühere SPD-Chef Franz Müntefering, der sagt: «Wenn man in ein Flugzeug steigt, das Angela Merkel lenkt, muss man keine Angst haben – du stürzt garantiert nicht ab. Aber du weisst nicht, wo du landest.»

    • 29 Min.
    Streit um Lithium – Portugals «weisses Gold»

    Streit um Lithium – Portugals «weisses Gold»

    In Portugal will die Regierung im grossen Stil Lithium abbauen – das Leichtmetall, das in immer grösseren Mengen für die Batterien von Elektroautos und Smartphones benötigt wird. Doch in der Provinz Trás-os-Montes leisten die Menschen erbitterten Widerstand. Sie befürchten immense Umweltschäden. Kein anderes Land in Europa hat so grosse Lithium-Vorkommen wie Portugal. Und in Lissabon weiss man um den Wunsch Brüssels, in Europa selbst leistungsfähige Batterien herzustellen und nicht auf Asien oder Südamerika angewiesen zu sein. Die Regierung will deshalb das «weisse Gold» gleich an elf Standorten abbauen, unter anderem in der nördlichen Provinz Trás-os-Montes, wo auch Europas grösstes Lithium-Projekt entstehen soll. Der Abbau bringe der armen und unterentwickelten Region wichtige Impulse und hunderte Arbeitsplätze, verspricht die Regierung.

    Doch die Menschen «hinter den Bergen» fürchten, der besonders umweltschädliche Tagebau werde die Landschaft zerstören. Und sie fürchten um ihre traditionelle Landwirtschaft, die einen Teil der Provinz zum UNO-Weltlandwirtschaftserbe macht. Erste Probebohrungen scheinen diese Befürchtungen zu bestätigen: Sie haben die idyllische Landschaft bereits schwer geschädigt.

    Die Bewohner von Trás-os-Montes gelten als misstrauisch, dickschädlig, fleissig, verschlossen – und doch gastfreundlich. Es ist nicht das erste Mal, dass Lissabon ihnen das Blaue vom Himmel verspricht. Mit aller Kraft wehren sich Umweltschützer, Lokalpolitiker und Bauern gegen den Lithiumabbau. Ein Kampf David gegen Goliath.

    • 25 Min.
    Rechte Netzwerke «im Namen Gottes»

    Rechte Netzwerke «im Namen Gottes»

    Ultrakonservative religiöse Aktivisten vernetzen sich von Washington bis Moskau gegen Geburtenkontrolle und gleichgeschlechtliche Ehe, sie wähnen sich im Kulturkampf gegen eine «liberale Diktatur» im Westen. Ein Beispiel: der «Weltkongress der Familien». Mit dem Argument, die göttliche Ordnung zu verteidigen, gründeten amerikanische und russische Aktivisten in den Neunzigerjahren gemeinsam einen «Weltkongress der Familien». Während die UNO mit Programmen zur Geburtenkontrolle die Bevölkerungsexplosion zu bremsen versuchte, sahen die rechten Aktivisten die "natürliche" Familienstruktur bedroht, so wie sie für die Menschen vorbestimmt sei. An ihren Versammlungen ist jeweils vom «Kult der Sünde» und von «moralischer Dekadenz» die Rede, die überwunden werden müssten.

    Der Schulterschluss über die politischen Grenzen und Konfessionen hinweg hielt gar, als Russland 2014 nach der Annexion der Krim mit westlichen Sanktionen belegt wurde. Der «Weltkongress» in Moskau wurde kurzfristig in «Festival für das Leben» umbenannt, um die Kontakte etwas zu verwischen, der Austausch ging dennoch weiter.

    Liberale Kritiker sind alarmiert, warnen vor Angriffen auf die pluralistische Gesellschaftsordnung, der Leugnung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse.

    In Russland sind unter den Sponsoren der Bewegung ein enger Putin-Vertrauter und ein Oligarch, der sich das Zarenreich zurückwünscht. Die religiösen Rechten sehen im russischen Präsidenten, der selbst die "konservative Wende" propagiert, einen Hoffnungsträger. Ist die Bewegung gar Teil einer gezielten Strategie des Kremls, den Westen zu schwächen?

    Offizielle Unterstützung fand der "Weltkongress der Familien" aber auch ausserhalb Russlands, so in Polen, Ungarn. Ja selbst in Italien: als der "Weltkongress" 2019 in Verona stattfand, erschien der Rechtspopulist Matteo Salvini, damals italienischer Innenminister, persönlich und wetterte gegen Feministinnen. Gleichzeitig gab es lautstarken Protest: eine bunte Menge demonstrierte in Verona ausgelassen gegen das Netzwerk der religiösen Rechten mit dem Gegenargument: die Grundlage der Familie sei nicht die Bibel sondern die Liebe.

    • 28 Min.
    «Verstrahlte» Gesellschaft: ein japanisches Trauma

    «Verstrahlte» Gesellschaft: ein japanisches Trauma

    Hiroshima, Nagasaki, Fukushima – die beiden Atombombenabwürfe am Ende des Zweiten Weltkriegs und die dreifache Kernschmelze in einem Atomkraftwerk vor bald zehn Jahren haben Langzeitfolgen; sie tragen das Trauma der radioaktiven Verstrahlung bis in Japans Gegenwart. Ein Krangreifer zerreisst Säcke voller radioaktiv kontaminierter Erde. Fast zehn Jahre nach dem verheerenden Reaktorunglück von Fukushima warten noch 14 Millionen solcher Säcke auf Abtransport und Entsorgung. In der Gegend um den Reaktor ist die radioaktive Verstrahlung buchstäblich greifbar, und der richtige Umgang mit den Altlasten bleibt ein Politikum. Die Regierung schraubt an den Grenzwerten, die über Bewohnbarkeit von verstrahltem Gebiet und Entschädigung entscheiden und kümmert sich wenig um die Opfer. Trotz Reaktorkatastrophe will sie an der Nutzung der Nuklearenergie festhalten.

    In Hiroshima und Nagasaki liegt die Katastrophe 75 Jahre zurück. Doch jeden Sommer ruft die Friedensglocke die Erinnerung an den Abwurf der Atombomben am Ende des Zweiten Weltkriegs wach. Bis heute sterben Bombenopfer an Krebs. Auch die Diskussion über das Ausmass der damaligen Verstrahlung hält an. Und mit ihr die unterschwellige Angst vieler Japanerinnen und Japaner vor den gesundheitlichen Folgen der Radioaktivität.
    Die nuklearen Katastrophen von Hiroshima, Nagasaki und Fukushima, so verschieden sie waren, haben Langzeitfolgen und machen die radioaktive Verstrahlung zur bleibenden Herausforderung für die japanische Gesellschaft.

    • 29 Min.

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boulderbua ,

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