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Psycho-Vision

Fortbildungen für Psychotherapeuten - wir reden darüber! Jeden Donnerstag eine neue Folge mit News aus der Forschung und Psychotherapie.

  1. Die digitale Couch: Wie wirksam ist Online-Therapie bei Depressionen?

    VOR 4 TAGEN

    Die digitale Couch: Wie wirksam ist Online-Therapie bei Depressionen?

    Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen weltweit, doch die Realität ist ernüchternd: Nur ein Bruchteil der Betroffenen erhält tatsächlich eine angemessene Behandlung. Lange Wartezeiten, die Angst vor Stigmatisierung oder geografische Hürden verhindern oft den Weg in eine klassische Praxis. In dieser Folge untersuchen wir, wie internetbasierte psychologische Behandlungen diese Lücke schließen können. Wir beleuchten die verschiedenen Gesichter der digitalen Hilfe: von rein computergestützten Selbsthilfeprogrammen bis hin zur geleiteten Online-Therapie, bei der Therapeuten per E-Mail oder Chat zur Seite stehen. Dabei gehen wir der spannenden Frage nach, ob eine Behandlung aus der Ferne tatsächlich so wirksam sein kann wie das klassische Gespräch unter vier Augen. Die aktuelle Studienlage liefert hier überraschende Ergebnisse und zeigt, dass die digitale Form der Therapie insbesondere dann überzeugt, wenn sie eine menschliche Komponente behält. Zudem erfahren Sie, wie diese Programme nicht nur in der akuten Krise helfen, sondern auch erfolgreich in der Prävention und Rückfallprophylaxe eingesetzt werden. Wir diskutieren die Vorteile der zeitlichen Flexibilität und Anonymität, ohne dabei die Herausforderungen wie Datenschutz und Krisenmanagement aus den Augen zu verlieren. Eine unverzichtbare Folge für alle, die wissen wollen, wie die Digitalisierung die psychologische Versorgung von morgen prägt.--------------------------------------------------------------------Man kann sich internetbasierte Therapie wie ein modernes Navigationssystem vorstellen: Während ein einfaches Selbsthilfeprogramm wie eine statische Straßenkarte funktioniert, bei der man den Weg allein finden muss, wirkt die geleitete Online-Therapie wie ein interaktives GPS. Es gibt die Route vor, bietet aber durch den Therapeuten immer wieder wertvolle Hinweise und Kurskorrekturen in Echtzeit, damit man sicher ans Ziel gelangt.Quelle: Klein, J. P. & Berger, T. (2013). Internetbasierte psychologische Behandlung bei Depressionen. Verhaltenstherapie, 23, 149–159

    19 Min.
  2. Neue Leitlinie zu Gender Dysphorie

    1. JAN.

    Neue Leitlinie zu Gender Dysphorie

    Die Episode befasst sich mit der neuen Deutschen Leitlinie für die Diagnose und Behandlung von Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie im Kindes- und Jugendalter (der "Leitlinie"), die im März 2025 von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) veröffentlicht wurde. Sie soll als neuer medizinischer Behandlungsstandard in Deutschland, Österreich und der Schweiz dienen. Status und MethodenkritikDie Leitlinie erreichte nicht den ursprünglich angestrebten Status S3 („evidenzbasiert“), sondern wurde auf die Kategorie S2k („konsensbasiert“) herabgestuft. Dies lag daran, dass es aufgrund der schlechten Studienlage nicht möglich war, evidenzbasierte Empfehlungen für die einzelnen Interventionen zu erstellen. Kritiker beanstanden, dass die Leitlinie methodische Standards verfehlte, da sie keine unabhängige systematische Evidenzrecherche durchführte, sondern sich stattdessen stark auf die systematischen Bewertungen der WPATH Standards of Care 8 (SOC8) stützte. Ferner werden erhebliche, nicht behobene Interessenkonflikte (COIs) aufgeführt, darunter Führungspositionen in Gender-Kliniken und Verbindungen zu Pharmaunternehmen, die Transitionen fördern. Die Leitlinie wurde auch kritisiert, weil ihre harsche Analyse des britischen Cass Reviews maßgeblich auf dem diskreditierten „Yale“-Bericht basierte und die Rolle unabhängiger Überprüfungen missverstand. Der vorsichtigere Ton und anhaltende KontroversenAls Reaktion auf die Kritik aus dem In- und Ausland wurde die Endfassung der Leitlinie deutlich vorsichtiger formuliert. Die Leitlinie räumt klar ein, dass die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen mit Geschlechtsbezogenen Problemen wahrscheinlich nur eine vorübergehende „Gender-Unzufriedenheit“ erlebt und keine medizinische Transition durchführen sollte. Es wird anerkannt, dass Transgeschlechtlichkeit eine Variante des Geschlechtsempfindens und keine Krankheit sei. Die Notwendigkeit einer sorgfältigen Differentialdiagnostik zur Unterscheidung von anderen psychosozialen Problemen wird betont. Trotz dieser Vorsicht wird kritisiert, dass die Leitlinie keine klaren Kriterien zur Unterscheidung zwischen vorübergehender „Gender-Unzufriedenheit“ und „stabilen/persistierenden“ Fällen von Geschlechtsinkongruenz bietet. Dies ist ein zentrales Problem, da die diagnostische Stabilität von Gender-Diagnosen bei Jugendlichen als sehr gering gilt – eine deutsche Studie zeigte, dass nur 36,4% der diagnostizierten Jugendlichen die Diagnose nach fünf Jahren beibehielten. Dissent und BehandlungsansatzDie fortgesetzte Abhängigkeit von einem konsensbasierten Ansatz (anstelle eines evidenzbasierten) wird als nicht gerechtfertigt erachtet und trage zur Polarisierung bei. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie (DGPPN) verweigerte die Zustimmung und lehnte insbesondere die Präambel der Leitlinie ab, da sie einen primär affirmativen Ansatz verfolge, der wissenschaftliche Standards vernachlässige. Die Leitlinie empfiehlt weiterhin den Zugang zu Pubertätsblockern (GnRHa), Cross-Sex-Hormonen (CSH) und Mastektomien für Minderjährige, wenn auch unter strengen Kriterien. Für medizinische Interventionen ist zwingend ein klinisch bedeutsamer Leidensdruck erforderlich, und nicht nur das Vorliegen der ICD-11-Diagnose. Es wird betont, dass die Entscheidung für irreversible medizinische Schritte eine alters- und entwicklungsangemessene Einwilligungsfähigkeit des Jugendlichen voraussetzt. 30 Quellen.

    16 Min.
  3. Focusing: Die Weisheit des Körpers nutzen

    25.12.2025

    Focusing: Die Weisheit des Körpers nutzen

    Focusing wird als eine therapeutische Technik und Methode zur Selbsterfahrung vorgestellt, deren Hauptanliegen es ist, die Weisheit des Körpers zu nutzen. Die Methode konzentriert sich nicht primär auf die Entstehung oder die Hintergründe persönlicher Konflikte, sondern setzt konsequent in der Gegenwart an, indem sie danach fragt, was man im gegenwärtigen Moment fühlt und empfindet. Das zentrale Element dieser Praxis ist der „Felt Sense“, der als die innere Erfahrung oder die Stimme des Körpers beschrieben wird. Dieser Felt Sense ist eine vage, diffuse und körperlich spürbare Empfindung, die die gesamte Bedeutung eines Problems oder einer Situation in ihrer Gesamtheit in sich trägt. Focusing geht von der Annahme aus, dass wir im Grunde genau wissen, was uns belastet und was wir uns wünschen, aber verlernt haben, dieser inneren Stimme zuzuhören und ihre Wahrheiten zu berücksichtigen. Die Technik soll lehren, diesen Signalen aufmerksam zu lauschen, um die „Weisheit“ unseres gesamten Selbst – nicht nur die rationalen Gedanken des Verstandes – für die persönliche Weiterentwicklung nutzbar zu machen. Focusing ist ein körperorientierter Prozess der Selbstwahrnehmung und psychischen Genesung, bei dem man dem Körper auf behutsame und annehmende Weise zuhört und seine Botschaften annimmt. Ein erfolgreicher Verlauf dieses Prozesses führt zu einer spürbaren, physischen Veränderung im Körper, die als „Felt Shift“ oder „Body Shift“ bezeichnet wird. Dieses Gefühl der körperlichen Entspannung und Erleichterung tritt oft mit einer plötzlichen, befreienden Erkenntnis ein. Die Anwendung von Focusing dient der Selbsthilfe in jeder Lebenslage. Es ist eine vielseitig einsetzbare Fähigkeit, mit der man Blockaden lösen, sich aus Abhängigkeiten befreien, Entscheidungen richtig treffen oder die eigene Kreativität wieder zum Fließen bringen kann. Durch Focusing entwickelt man eine positive und stützende Beziehung zu sich selbst und seinem Inneren, was zu Erkenntnissen, körperlicher Entspannung und positiven Veränderungen im Leben führt. Eugene Gendlin, der Begründer der Methode, sah Focusing nicht nur als therapeutische Technik, sondern als einen dynamischen Weg zur persönlichen Entfaltung, der hilft, sich in der Komplexität der modernen Welt zurechtzufinden. Die Essenz von Focusing liegt darin, sich dem unklaren, körperlich gefühlten Wissen zuzuwenden und es in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken, damit es sich entfalten und zu einer klaren, verständlichen Bedeutung werden kann. Dies ist ein Prozess, der über die intellektuelle Analyse hinausgeht und hilft, festgefahrene Muster zu lockern und aufzulösen.Quelle: Focusing ; ein emotionszentriertes Psychotherapie-Verfahren / Rainer Sachse - 1. Aufl. - Bern ; Göttingen ; Toronto ;

    16 Min.
  4. Systemische Therapie: Muster statt Fehler lösen

    18.12.2025

    Systemische Therapie: Muster statt Fehler lösen

    Die Systemische Therapie (ST) hat sich als eines der vier in Deutschland anerkannten Richtlinienverfahren etabliert und bietet einen radikalen Perspektivwechsel in der Psychotherapie. Sie stellt einen eigenständigen psychotherapeutischen Ansatz dar. Anstatt psychische Störungen isoliert als individuelle, innerseelische Defekte zu betrachten, fokussiert die ST auf den gesamten sozialen Kontext des Menschen – das sogenannte System. Symptome werden dabei oft als Ausdruck von Disharmonien und Ungleichgewichten oder dysfunktionalen Kommunikationsmustern innerhalb dieses Beziehungsgeflechts verstanden, wobei die betroffene Person lediglich der „Symptomträger“ ist. Dieser Ansatz basiert auf dem Zirkulären Denken, welches die wechselseitige Bedingtheit von Verhalten und Kommunikation in den Mittelpunkt stellt, anstatt von linearer Kausalität auszugehen. Theoretisch ist die ST maßgeblich durch den Konstruktivismus geprägt, der davon ausgeht, dass unsere Wirklichkeit durch Sprache, Interaktion und die Geschichten, die wir uns erzählen, konstruiert wird. Die Systemische Therapie ist seit Ende 2018 für Erwachsene und seit Juli 2024 auch für Kinder und Jugendliche eine Kassenleistung. Die Behandlung kann als Einzeltherapie, Paartherapie oder in einem Mehrpersonensetting durchgeführt werden, bei dem relevante Bezugspersonen einbezogen werden. Die Systemische Therapie ist grundsätzlich Lösungs- und Ressourcenorientiert. Therapeuten arbeiten mit der Grundannahme, dass Klienten die notwendigen Ressourcen und Kompetenzen zur Veränderung bereits in ihrem Erfahrungsspektrum besitzen. Zu den Kernmethoden, die starre Muster irritieren sollen, gehören: • Externalisierung: Hierbei wird das Problem metaphorisch personifiziert und sprachlich von der Person getrennt (z.B. als „böser Geist“ oder „Schlingel“). Dies folgt dem Prinzip „Das Problem ist das Problem, nicht die Person“ und zielt darauf ab, den Klienten zu entlasten und seine Handlungsfähigkeit (Agency) zu stärken. • Paradoxe Interventionen: Dies sind Techniken, die das problematische Verhalten oder Symptom positiv bewerten und dessen Beibehaltung oder sogar Verstärkung verschreiben („Symptomverschreibung“). Dadurch sollen rigide, unkontrollierbar erlebte Muster aufgebrochen und der Klient zur bewussten Steuerung eingeladen werden. • Zirkuläres Fragen: Diese Fragetechnik ist die direkte Umsetzung des zirkulären Denkens. Sie fragt „um die Ecke“, indem sie die vermutete Perspektive Dritter auf das Problem des Klienten einholt, um festgefahrene, lineare Sichtweisen zu durchbrechen. • Wunderfrage: Eine lösungsorientierte Technik, die den Klienten dazu einlädt, sich vorzustellen, das Problem sei über Nacht durch ein Wunder verschwunden. Die detaillierte Beschreibung dieses Zustands hilft, konkrete Ziele für die Lösung zu operationalisieren. 42 Quellen

    16 Min.
  5. Psychotherapie bei Kindheitstraumatisierung: Wirksame Konzepte für Persönlichkeitsstörungen

    11.12.2025

    Psychotherapie bei Kindheitstraumatisierung: Wirksame Konzepte für Persönlichkeitsstörungen

    Die psychotherapeutische Behandlung von Patienten, die an Persönlichkeitsstörungen infolge chronischer Traumatisierungen in der Kindheit leiden, ist nach wie vor eine große therapeutische Herausforderung. Dieses Audio bietet eine fundierte Übersicht über Therapieansätze, deren Wirksamkeit durch kontrollierte Studien hinreichend belegt ist. Im Fokus der Behandlung stehen folgende komplexe klinische Problemstellungen: • Störungen der Emotionsregulierung und eine geschwächte Mentalisierungsfunktion. • Eine verminderte Ich-Integration und maladaptive Verhaltensmuster. • Eine hohe symptomatische Komorbidität, die häufig dissoziative Symptome und Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) umfasst. Die Übersicht macht deutlich, dass nur eine begrenzte Anzahl kognitiv-behavioraler und psychodynamischer Konzepte eine hinreichende empirische Evidenz aufweist. Konzepte mit nachgewiesener Wirksamkeit: • Kognitiv-behaviorale Verfahren: Dazu gehören die Dialektisch-behaviorale Psychotherapie (DBT) (die mit sechs randomisiert-kontrollierten Studien die breiteste empirische Evidenz vorweist), das Affect Management Training und die Schematherapie. DBT zielt darauf ab, Fertigkeiten ("skills") zur Affektkontrolle, Impulssteuerung und Beziehungsgestaltung zu vermitteln, um selbstschädigende Verhaltensweisen zu reduzieren. • Psychodynamische Verfahren: Wirksamkeit konnte für die Übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP), die Mentalisierungs-basierte Behandlung (MBT) und die Traumaorientierte psychodynamische Psychotherapie (wie PITT) nachgewiesen werden. Die TFP und MBT konzentrieren sich auf die Stärkung von Ich-Funktionen, die Mentalisierung und die Integration gespaltener innerer Anteile. Fazit zur Auswahl des Verfahrens: Keines der identifizierten Konzepte kann allen klinischen Problemstellungen dieser heterogenen Patientenpopulation gerecht werden. Die Entscheidung für ein geeignetes Verfahren hängt maßgeblich davon ab, ob Störungen der Emotionsregulierung und/oder eine dissoziative bzw. PTBS-Komorbidität oder eher maladaptive Verhaltensmuster und Probleme der Persönlichkeitsintegration das klinische Bild beherrschen. Dieser Überblick dient als Hilfestellung bei der Auswahl eines geeigneten therapeutischen Verfahrens in Abhängigkeit von der dominierenden Problemstellung der Patienten.--------------------------------------------------------------------------------Quelle: Wöller, W. (2008). Psychotherapeutische Konzepte zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen bei chronischen Kindheitstraumatisierungen. Fortschritte der Neurologie Psychiatrie, 76, 530–538.

    22 Min.
  6. Jenseits von Beck: Die Landkarte der Verhaltenstherapie bei Depression

    04.12.2025

    Jenseits von Beck: Die Landkarte der Verhaltenstherapie bei Depression

    Die moderne Verhaltenstherapie (VT) bietet bei depressiven Störungen keine einzelne Standardtherapie, sondern eine reiche Vielfalt evidenzbasierter Theorie- und Behandlungskonzepte, die auf über 60 Jahre Forschung und Entwicklung zurückgehen. Störungsspezifische Psychotherapie bedeutet in der VT nicht, dass sich aus der Diagnose allein der Behandlungsplan ableitet, sondern dass in jedem Einzelfall ein patientenspezifisches Störungsmodell erstellt werden muss. Diese Episode navigiert durch die wichtigsten Modelle, die aus den verschiedenen Entwicklungswellen der VT hervorgegangen sind: • Behaviorale Ansätze: Modelle wie die Behaviorale Aktivierung (BA) sehen die Depression als Folge eines Mangels an positiven Verstärkern und zielen auf den Aufbau neuer, verstärkender Verhaltensweisen. • Coping-Ansätze: Verfahren wie die Problemlösetherapie (PLT) und die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) konzentrieren sich auf Defizite in der sozialen Kompetenz und der Bewältigung zwischenmenschlicher Konflikte. • Kognitive Ansätze: Neben der klassischen Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) nach Beck, die dysfunktionale Schemata und automatische Gedanken modifiziert, werden auch prozessorientierte Modelle wie die Metakognitive Therapie (MCT) vorgestellt, welche sich auf das Grübeln und Sorgen als Kernproblem fokussieren. • Integrative Ansätze: Dazu zählen neuere Verfahren wie die Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT) und die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT), die das Verhältnis zu negativen Gefühlen und Gedanken verändern. Auch das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) für chronische Depressionen wird beleuchtet.Der Schlüssel zum Erfolg liegt im individuellen Vorgehen: Therapeuten müssen mittels Verhaltensanalyse das optimale Vorgehen aus dieser Fülle evidenzbasierter Strategien auswählen.--------------------------------------------------------------------------------Quelle: Buhić-Bergner, A. & Linden, M. (2013). Spektrum der störungsspezifischen verhaltenstherapeutischen Behandlungsansätze bei depressiven Störungen. Verhaltenstherapie, 23(4), 267–279. DOI: 10.1159/000356902.

    21 Min.
  7. Störungsspezifische Psychotherapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung – Evidenz zu DBT und MBT

    13.11.2025

    Störungsspezifische Psychotherapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung – Evidenz zu DBT und MBT

    Die Entwicklung störungsspezifischer Ansätze hat die therapeutische Prognose für Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) stark verbessert, weshalb diese Diagnose heute nicht mehr als grundsätzlich unbehandelbar gilt. International sind sich die Therapieleitlinien einig: Psychotherapie stellt das Verfahren der Wahl bei Patientinnen und Patienten mit BPS dar. Diese Episode beleuchtet den aktuellen Forschungsstand zu den zwei am intensivsten untersuchten störungsspezifischen Methoden: der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) nach Linehan und der Mentalisierungsbasierten Therapie (MBT) nach Fonagy. Die Darstellung fasst aktuelle Befunde aus randomisiert-kontrollierten Studien, insbesondere basierend auf dem jüngsten Cochrane Review, zusammen. Zentrale Befunde und Methoden im Vergleich: Metaanalytisch zeigt die Evidenz deutliche Effekte sowohl der DBT als auch der MBT auf eine Vielzahl von Symptomausprägungen. Signifikante Verbesserungen werden insbesondere beim BPS-Gesamtschweregrad, der Suizidalität und dem selbstverletzenden Verhalten beobachtet, ebenso beim psychosozialen Funktionsniveau und der Depressivität. • Theoretische Unterschiede: Die DBT, die kognitiv-verhaltenstherapeutisch basiert ist, konzeptualisiert die gestörte Affektregulation (eine hohe emotionale Reagibilität bei verminderter Fähigkeit, mit Gefühlen funktional umzugehen) als Kernproblematik. Die MBT, die ihren Ursprung in der Psychoanalyse und der Bindungstheorie hat, betrachtet eine verminderte Mentalisierungsfähigkeit (die eingeschränkte Fähigkeit, eigene oder fremde innere Prozesse wie Gedanken und Gefühle reflexiv zu erfassen) als zentral. • Gemeinsamkeiten für die Praxis: Trotz unterschiedlicher theoretischer Basierung teilen beide Ansätze wichtige störungsspezifische Elemente. Dazu gehören ein klar definierter, verlässlicher Behandlungsrahmen, die aktive Haltung der Behandelnden, die Kombination von Einzel- und Gruppentherapie, die explizite Beachtung der Therapiebeziehung sowie die obligatorische Super- oder Intervision für die Therapeuten.Spezifische Erweiterungen und Adaptionen:Die Forschung hat den „add-on“-Effekt des Skills-Trainings zusätzlich zur Einzeltherapie in der DBT bestätigt, was Teilnehmenden hinsichtlich des BPS-Gesamtschweregrades sowie affektiver Instabilität, Impulsivität und Wut/Ärger zugutekommt. Zudem liegen erfolgreiche Adaptionen beider Methoden für unterschiedliche Patientengruppen vor: • Es existieren wirksame DBT-Adaptionen für komorbide Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). • Sowohl DBT-A als auch MBT-A wurden für Jugendliche mit deutlicher BPS-Symptomatik entwickelt und zeigen vorteilhafte Effekte. Studien weisen auf den Nutzen frühzeitiger Behandlungen hin. • Für Angehörige von Betroffenen wurden ebenfalls Adaptionen entwickelt (z. B. DBT Family Connections, MBT-FACTS), die positive Effekte hinsichtlich der Belastetheit und des familiären Funktionsniveaus zeigen. Fazit für die Praxis: Die gegenwärtig beste Evidenz für die Behandlung der BPS liegt für die strukturierten, störungsspezifischen Methoden DBT und MBT vor.--------------------------------------------------------------------------------Quelle:Stoffers-Winterling, J., Storebø, O. J., Simonsen, E., & Lieb, K. (2020). Störungsspezifische Psychotherapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung: Evidenz zu Dialektisch-Behavioraler und Mentalisierungsbasierter Therapie. Psychotherapeut, 65(5), 344–350.

    21 Min.
2,6
von 5
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Fortbildungen für Psychotherapeuten - wir reden darüber! Jeden Donnerstag eine neue Folge mit News aus der Forschung und Psychotherapie.

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