International

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Die Welt ist unübersichtlich geworden – «International» hilft, sie zu verstehen. Mit den SRF-Auslandkorrespondentinnen und -korrespondenten reisen wir dorthin, wo Geschichten entstehen: Krisengebiete, Wirtschaftsmächte, vergessene Regionen. Nicht Schlagzeilen, sondern Zusammenhänge: Reportagen und Gespräche zu Politik und Gesellschaft aus allen Weltregionen.

  1. 2d ago

    Venezuela nach Maduro: Das Öl, die Hoffnung und die Angst

    Ölpumpen laufen wieder, die Hoffnung auf Arbeit wächst. US-Präsident Trump hat einen milliardenschweren Öl-Deal mit Venezuela angekündigt, dessen Einzelheiten aber undurchsichtig bleiben. Gleichzeitig machen Stromausfälle den Menschen zu schaffen, und geht die Angst vor einem neuen Machtkampf um. Der Maracaibo-See ist eine grüne Suppe, auf der dunkle Öl-Augen schwimmen. Pocho, der Fischer, steuert sein Boot durch Skelette ehemaliger Ölanlagen. Diese zu sanieren, wird viel Zeit und Geld kosten. Immerhin: in der Ferne quietscht bereits eine Förderpumpe, die erst kürzlich wieder in Betrieb genommen wurde. In Venezuela haben sich die Ereignisse dieses Jahr überschlagen. Am 3. Januar wurde Präsident Nicolás Maduro von US-Kräften festgenommen, seither ist die politische Zukunft des Landes in der Schwebe. Präsident Trump interessiert sich für die riesigen Ölvorräte des Landes, mit seinem Öl-Deal hat er die Firma North American Blue Energy Partners (NABEP) in Position gebracht. Interimspräsidentin Delcy Rodríguez, ehemals Vizepräsidentin Maduros, führt das Land weiter. Ihre schärfste Gegnerin, Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado, ist nach Monaten im Exil zurück. Sie glaubt sich getragen von einer Mehrheit und fordert baldige Wahlen. Wer bestimmt künftig über die Bodenschätze Venezuelas – und was bedeutet der Umbruch für die Bevölkerung? „International“ begegnet Venezolanerinnen und Venezolanern - in den Ölfördergebieten und in der Region, die im Juni von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht wurde.

  2. Oct 14

    Verglühte Heimatfront: Der Ukrainekrieg ruiniert Sibiriens Kohle

    Die Region Kusbass ist Russlands wichtigstes Kohlebecken. Noch bis vor Kurzem war die Region im Aufschwung. Doch der Krieg in der Ukraine hat alles verändert. Tausende Kilometer von der Front entfernt bringt der Krieg Sibiriens Kohleindustrie an den Rand des Kollapses – mit verheerenden Folgen. Der Kusbass, 3000 Kilometer von Moskau entfernt, hat einst die Industrialisierung der Sowjetunion buchstäblich befeuert. Im Kusbass dreht sich alles um Kohle. 2022 vermeldete der dortige Kohlesektor noch einen Gewinn von knapp fünf Milliarden Franken. Heute schreibt die Branche einen Verlust von mehr als zwei Milliarden Franken. «Wegen der westlichen Sanktionen haben wir weniger Käufer für unsere Kohle. Und die Käufer, die wir noch haben, wissen, dass wir in einer schwierigen Lage sind. Darum haben wir eine Krise», erklärt der Kommunist Roman Tamojew. Der Wegfall des europäischen Marktes, logistische Engpässe und chinesische Spottpreise stürzen die Region in ein Rekorddefizit. Während Bergleute monatelang auf Löhne warten, scheitern Protestaufrufe an Angst und Apathie. Viele Kumpel sehen als Ausweg nur den Kriegsdienst, gelockt von hohen Anwerbeprämien. Am Ende landen sie wieder im Kusbass. Auf den Friedhöfen, wie der pensionierte Bergmann Gennadi bitter bilanziert: „Die haben nicht für die Heimat gekämpft. Sondern einzig für die Interessen der Oligarchen und unseres verbrecherischen Präsidenten.“

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