Literaturclub Buchtipps

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

SRF Literatur bietet Orientierung im Bücherdschungel und intelligente Unterhaltung für Leseratten und Bücherwürmer. Zweimal pro Monat legen Redaktorinnen und Redaktoren des Literaturteams diejenigen Bücher auf den Literaturstammtisch, die man unbedingt lesen sollte. Vorgestellt werden aktuelle belletristische Werke aus der Schweiz und aus aller Welt.

  1. Jun 16

    Aktuelle Buchempfehlungen: Amélie Nothomb und Ondřej Hübl

    Die heute vorgestellten Bücher erzählen von einer Reise in die Vergangenheit: Nothomb trifft in Japan auf ihr früheres Ich, Hübl lässt seine Figuren in die Tschechoslowakei der 1950-er Jahre fahren. Die belgische Autorin Amélie Nothomb kehrt nach Jahren mit einer Freundin nach Japan zurück. Japan ist der Sehnsuchtsort ihrer Kindheit und frühen Erwachsenenjahre. Zwischen Kyoto, Nara und Tokio entfaltet sich eine Reise voller Wiederentdeckungen, Irritationen und leiser Komik. Doch je näher sie den Orten ihrer Vergangenheit kommt, desto deutlicher wird: Eine Rückkehr ist unmöglich. Nostalgisch, selbstironisch und berührend erzähle Nothomb von der Begegnung mit dem früheren Ich, meint Annette König. Der tschechische Autor Ondřej Hübl schickt seine Figuren auf eine Ferienreise der ganz besonderen Art: Josef Kaarls, schwerreicher Besitzer einer KI-Firma, will seiner antikapitalistisch aufbegehrenden Tochter zeigen, wie schlimm der Kommunismus gewesen sei. Darum bezahlt er ein kleines Vermögen dafür, dass eine darauf spezialisierte Firma ihn und seine Familie für einige Zeit in den tschechischen Kommunismus der 50er-Jahre zurückversetzt. Nur klappt das mit der Rückreise dann nicht ganz – und in der Folge entwickelt sich ein fast thrillerartiges Szenario rund um die Fragen, wer eigentlich gerade wen in der Hand hat und was Geld dabei für eine Rolle spielt. Simon Leuthold war von diesem Buch, das er trotz des künstlichen Settings in den 50er-Jahren für ziemlich aktuell hält, bestens unterhalten. Buchhinweise: Amélie Nothomb. Die unmögliche Rückkehr. Aus dem Französischen von Brigitte Grosse. 144 Seiten. Diogenes, 2026. Ondřej Hübl. Der Vorhang. 400 Seiten. Aus dem Tschechischen von Daniela Pusch. Voland & Quist, 2026.

    29 min
  2. Jun 9

    Aktuelle Buchempfehlungen: Zum Tag der Schweizer Literatur

    Friedrich Schiller, Tim Krohn, Martina Clavadetscher. Zum Tag der Schweizer Literatur stellen Markus Gasser und Simon Leuthold Schweizer Bücher vor, die sich auf Schweizer Sagen und Mythen beziehen. Sagen sind literarisch, schon aufgrund ihrer Zutaten: die einfache Erzählung, der geografisch definierte Schauplatz, die Handlung, die für etwas Allgemeineres steht. Dazu greift häufig das Übersinnliche oder Unerklärliche ein. Kein Wunder, bedienen sich Autorinnen und Autoren immer wieder bei Sagenstoffen und schreiben sie weiter. Ohne Schiller wäre Tell vielleicht nie zu grossem Ruhm gekommen. Ohne Frisch wäre Tell der unberührbare Sockelheld geblieben. Literaturclub Buchtipps mit Markus Gasser und Simon Leuthold stellt eine Reihe von Schweizer Romanen vor, deren Wurzeln in der hiesigen Sagenwelt liegen. Buchhinweise: · Martina Clavadetscher. Die Schrecken der anderen. 333 Seiten. C.H. Beck, 2025. · Max Frisch. Wilhelm Tell für die Schule. 112 Seiten. Suhrkamp, 2026. · Sophie Hunger. Walzer für Niemand. 192 Seiten. Kiepenheuer & Witsch, 2025. · Tim Krohn. Quartemberkinder. 320. Diogenes, 2018. · Tim Krohn. Vrenelis Gärtli. 432 Seiten. Diogenes, 2010. · Joachim B. Schmidt. Tell. 288 Seiten. Diogenes, 2022. · Hansjörg Schneider. Sennetuntschi. Mit einem Bericht von Thomas Hürlimann und einem Nachwort von Ulrich Weber. 224 Seiten. Diogenes, 2024. · Friedrich Schiller. Wilhelm Tell. 168 Seiten. Reclam, 2025. · C. F. Ramuz. Die grosse Angst in den Bergen. Antiquarisch erhältlich

    33 min
  3. Apr 7

    Aktuelle Buchempfehlungen: Martin Suter und Kurt Prödel

    Der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter wartet mit neuen Kolumnen aus der «Business Class» auf. Und der deutsche Schriftsteller Kurt Prödel überzeugt mit seinem zweiten Coming-of-Age-Roman. Die «Business Class»-Kolumnen sind zurück: Der Schweizer Erfolgsautor Martin Suter hat nach mehrjähriger Pause seinen nunmehr zwölften Band mit seinen legendären satirischen Kolumnen über die Mangerwelt herausgebracht. Der Wiederkennungswert ist hoch, allerdings hat sich in der Zwischenzeit die Welt verändert: Homeoffice ist gang und gäbe und das Topkader hadert mit dem Verlust der Kontrolle und der Bühne zur Selbstprofilierung. Wer die «Business Class» möge, komme auch in diesem Band auf die Rechnung, sagt Felix Münger. Er hat gerade sein Abitur mit Bestnote abgeschlossen, aber sonst läuft es für Marko nicht besonders: Fürs Medizinstudium wird er nicht zugelassen, seine Beziehung mit Claire geht in die Brüche, und Marko und sein Vater leiden beide noch immer unter dem frühen Tod von Markos Mutter. Der Protagonist versackt zwischen TikTok und Zukunftsangst im tristen Wohnblock, bis er sich aufrafft, um in Ungarn zu studieren. Auch Kurt Prödels zweiter Roman sei eine berührende Jugendgeschichte geworden, in der der Autor das Chaos aus familiären, körperlichen und psychischen Krisen von Marko und Claire zu einem rührenden und süffig lesbaren Roman verwebe, findet Simon Leuthold: Ein Buch, das trotz aller Krisen zuversichtlich stimmt. Buchhinweise: Martin Suter. Können Sie mich sehen? Die Business Class im Homeoffice. 208 Seiten. Diogenes, 2026. Kurt Prödel. Salto. 272 Seiten. park x ullstein, 2026.

    28 min

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