Forum

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Im «Forum» diskutieren Fachleute mit Hörerinnen und Hörern aktuelle Themen aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur oder Sport. Das «Forum» ist live. Der Einbezug von Hörerinnen und Hörern ist das Markenzeichen der Sendung «Forum». Sie beteiligen sich per Telefon an der Live-Diskussion.

  1. Oct 15

    Heiratsstrafe abschaffen: Welcher Weg ist der richtige?

    Am 29. November stimmt die Schweiz erneut über die Heiratsstrafe ab: Die Mitte-Initiative will garantieren, dass Ehepaare steuerlich nie schlechter gestellt sind als unverheiratete Paare. Anders als bei der beschlossenen Individualbesteuerung sollen sie aber gemeinsam veranlagt bleiben. Unter dem aktuellen Steuersystem werden die Einkommen von Ehepaaren zusammengezählt, was insbesondere bei zwei gutverdienenden Partnern zu einer höheren Steuerlast führt als bei unverheirateten Paaren. Zwar beschloss das Stimmvolk im März die Einführung der Individualbesteuerung, doch die Mitte hält an ihrer eigenen Initiative fest. Forderung Die Initiative verlangt, dass Ehepaare bei der direkten Bundessteuer weiterhin gemeinsam veranlagt werden, jedoch nie mehr Steuern zahlen als unverheiratete Paare mit vergleichbarem Einkommen. Erreicht werden soll dies durch ein sogenanntes Voll- oder Teilsplitting, oder durch eine alternative Steuerberechnung. Kann sich das Parlament bei der Umsetzung der Initiative innerhalb von drei Jahren nicht einigen, muss der Bundesrat die alternative Steuerberechnung auf dem Verordnungsweg einführen. Pro und Contra Für die Befürworter ist die Mitte-Initiative die gerechteste Lösung, um die Heiratsstrafe abzuschaffen. Das Modell schütze Einverdiener-Familien und Rentnerpaare. Und es ermöglicht Paaren mit Kindern, selbst zu entscheiden, wie sie die Erwerbs- und Familienarbeit aufteilen, ohne dafür steuerlich benachteiligt zu werden. Zudem erfordere die Initiative keinen Umbau des Steuersystems, was einen massiven bürokratischen Mehraufwand verhindert. Für die Gegner:innen ist das Ziel, die Heiratsstrafe abzuschaffen, mit der Annahme der Individualbesteuerung erreicht. Das Mitte-Modell führe in bestimmten Fällen zu einer neuen Ungleichbehandlung, diesmal zulasten unverheirateter Personen. Die gemeinsame Besteuerung schaffe zudem weniger Anreize für eine Erwerbstätigkeit als die Individualbesteuerung und schade der Gleichstellung von Mann und Frau. Zudem warnen die Gegner der Initiative vor einem Steuerchaos mit widersprüchlichen Systemen auf Bundes- und Kantonsebene. Sollte die Initiative angenommen werden, entstünde ein juristischer Widerspruch zwischen der Verfassung und dem bereits beschlossenen Individualbesteuerungsgesetz. Alle wollen die Heiratsstrafe abschaffen. Aber welcher Weg ist der Richtige? Wer würde von einem «Ja» zur Mitte-Initiative profitieren, wer nicht? Darüber diskutieren im Forum: · Karin Stadelmann, Vizepräsidentin Die Mitte Schweiz und Kantonsrätin LU · Bettina Balmer, Nationalrätin FDP/ZH und Präsidentin FDP Frauen Schweiz Moderation Stefan Flury

  2. Oct 8

    Soll die Schweiz Kurzzeitvermietungen künftig stärker regulieren?

    Wer eine Wohnung sucht, konkurriert mancherorts mit Feriengästen. Kurzzeitvermietungen bringen manchen Eigentümern mehr Einnahmen, können aber Wohnraum verknappen. Helfen strengere Regeln? Oder schränken strengere Regeln die Eigentümer zu stark ein? Die eigene Ferienwohnung vermieten, wenn man sie gerade nicht braucht: Für viele Besitzer ist das eine Möglichkeit, die Kosten zu decken. Andere Anbieter machen daraus ein Geschäftsmodell und vermieten zahlreiche Wohnungen an wechselnde Gäste. Auch Firmen und ihre Mitarbeitenden nutzen solche Unterkünfte für berufliche Aufenthalte. An dieser Nutzung entzündet sich ein Streit. Denn eine Wohnung kann als möbliertes Apartment mehr einbringen als mit einem langfristigen Mietvertrag. Für Wohnungssuchende kann das bedeuten, dass ein weiteres Angebot wegfällt. Eigentümer halten dagegen, dass sie selbst entscheiden wollen, wie sie ihre Immobilie nutzen. Zudem bringen die Gäste Geld in die Restaurants und Geschäfte vor Ort. Verschiedene Schweizer Städte und Kantone setzen der Kurzzeitvermietung bereits Grenzen. Sollten solche Einschränkungen ausgeweitet werden? Dabei stellt sich auch die Frage, ob tatsächlich Wohnungen zurück auf den regulären Mietmarkt kommen. Und was würde eine Verschärfung für Menschen bedeuten, die ihre Ferienwohnung zeitweise vermieten möchten? Im FORUM diskutieren folgende Gäste mit Hörerinnen und Hörern: • Mario Stübi (SP), Präsident Mieterverband Luzern • Damian Hunkeler (FDP), Präsident Hauseigentümerverband Luzern Moderation: Sandra Schiess

  3. Oct 1

    Pflege durch Angehörige: Helfen neue Regeln gegen hohe Kosten?

    Immer mehr Menschen lassen sich für die Pflege von Angehörigen bezahlen. Doch private Firmen machen damit teilweise hohe Gewinne auf Kosten der Prämienzahler. Nun schaltet sich das Parlament ein und fordert strengere Regeln für das floriernde Geschäftsmodell. In der Schweiz pflegen und betreuen rund 600'000 Menschen Familienmitglieder zu Hause. Seit einem Bundesgerichtsurteil (2019) können sich Angehörige für die Grundpflege über Spitex-Organisationen anstellen und bezahlen lassen. Die Zahl der angestellten Angehörigen ist seither stark gestiegen. Mittlerweile nutzen über 15'000 Personen dieses Modell. Der Vorteil: Dank der Angehörigenpflege gibt es weniger teure Heimaufenthalte. Die Kehrseite: Die Kosten für die bezahlte Angehörigenpflege belaufen sich mittlerweile auf geschätzte 350 Millionen Franken pro Jahr und belasten die Prämienzahler. Die Kritik richtet sich vor allem gegen private Spitex-Anbieter, die sich auf dieses Modell spezialisiert haben. Ihnen wird aggressives Marketing und die Erzielung hoher Gewinnmargen vorgeworfen: Sie rechnen für die Laienpflege den vollen Pflegertarif über die Krankenkassen und die öffentliche Hand ab, zahlen den pflegenden Verwandten jedoch nur einen Teil als Stundenlohn aus. Forderungen des Parlaments Das Parlament fordert nun strengere Regeln und Tarifanpassungen. Nach dem Ständerat hat auch der Nationalrat mehrere Motionen angenommen. Konkret fordert die Politik verbindliche Qualitäts- und Ausbildungsstandards für bezahlte Angehörige und tiefere Krankenkassentarife für Pflegeleistungen durch Familienmitglieder. Gefordert wird auch eine klare gesetzliche Definition, welche Grundpflegeleistungen überhaupt noch über die Krankenkasse abgerechnet werden dürfen. Zudem sollen die Kantone Zulassungen von privaten Spitexfirmen strenger prüfen und die Zahl entsprechender Organisationen bei Bedarf begrenzen können. Wiederstand der privaten Spitex-Firmen Die betroffenen privaten Spitex-Firmen wehren sich gegen pauschale Vorwürfe. Sie betonen, dass Angehörige das überlastete Pflegesystem massiv stützen und Heimeinweisungen verhindern. Zudem seien die Margen nötig, um bereits heute gesetzlich vorgeschriebene Qualitätskontrollen, Schulungen und die fachliche Begleitung durch diplomierte Pflegefachkräfte zu finanzieren. Eine Tarifkürzung oder Beschränkung der Anbieter gefährde am Ende die Betroffenen selbst. Helfen neue, einheitliche Regeln gegen hohe Kosten? Oder treffen schärfere Gesetze am Ende die pflegenden Angehörigen? Darüber diskutieren am Donnerstag, 1. Oktober, von 10 bis 11 Uhr im «Forum» auf Radio und Fernsehen SRF 1 folgende Gäste: · Thomas Rechsteiner, Nationalrat Die Mitte/AI · Pascal Grigolia, Geschäftsführer PRICA Pflege Schweiz AG

  4. Sep 24

    Braucht es ein Verbot von Smart Glasses – ja oder nein?

    KI-Brillen erobern den Alltag. Doch ihre Kameras entfachen Streit um unsere Privatsphäre. Braucht es einen Marschhalt? Smarte Brillen sind auf dem Vormarsch. Sie übersetzen live, fassen Texte zusammen, beantworten mittels KI Fragen und sind zudem für Sehbehinderte eine echte Alltagshilfe. Doch die Technologie hat eine düstere Kehrseite. Weil die Gadgets fast wie normale Seh- oder Sonnenbrillen aussehen, können sie quasi unbemerkt Fotos und Videos aufnehmen. Die sogenannten «Smart Glasses» haben jüngst eine Debatte über den Schutz der Privatsphäre entfacht. Kritiker sprechen von einem Frontalangriff auf die Privatsphäre. Mit diesen Brillen schaffe man ein enormes Missbrauchspotenzial für heimliche Aufnahmen – insbesondere in sensiblen Zonen wie Freibädern, Turnhallen, Saunas oder Garderoben. Deshalb fordern Politikerinnen in mehreren Kantonen Verbote im öffentlichen Raum oder ein sofortiges Verkaufs- und Importmoratorium. Eine entsprechende Petition sammelte innert kürzester Zeit über 17'000 Unterschriften. Die Befürworter setzen auf Eigenverantwortung: Ein pauschales Verbot sei weder verhältnismässig noch in der Praxis umsetzbar. Die Schweiz dürfe sich dem technologischen Fortschritt nicht verschliessen. Stattdessen müsse die Gesellschaft lernen, sozialverträglich mit der neuen Technologie umzugehen. Befürworter betonen auch den Nutzen der Brillen als Alltagshilfe für Sehbehinderte und fordern einen mündigen Umgang mit den neuen Geräten. Braucht es ein Verbot für Smart Glasses? Darüber diskutieren am Donnerstag, 24. September, von 10 bis 11 Uhr im «Forum» auf Radio und Fernsehen SRF 1 folgende Gäste: · Rahel Estermann, Co-Geschäftsleiterin «Digitale Gesellschaft» & Luzerner Kantonsrätin der Grünen · Jean-Claude Frick, Digital-Experte bei Comparis

  5. Sep 17

    Die Schweiz und ihre Waffen: Braucht es neue Regeln?

    Nach der tragischen Amoktat in Aarau Ende August 2026, wird wieder vermehrt über das Schweizer Waffenrecht debattiert. Die einen fordern schärfere Waffengesetze und ein nationales Waffenregister. Die anderen wehren sich vehement und wollen in der Prävention ansetzen. Die Amoktat in der Nacht auf den 30. August 2026 bei einem Rave in Aarau, bei der eine 22-jährige Frau durch Schüsse aus einer ehemals legal erworbenen Kalaschnikow getötet und weitere Personen verletzt wurden, hat die politische Diskussion um das Waffengesetz neu entfacht. Die aktuelle Rechtslage in der Schweiz Das Schweizer Waffenrecht ist im europäischen Vergleich liberal, wurde jedoch 2019 durch die Übernahme der EU-Waffenrichtlinie verschärft. Seither sind halbautomatische Waffen mit grossen Magazinen (mehr als 10 Schuss bei Gewehren) verboten. Sie können nur mit einer kantonalen Ausnahmebewilligung erworben werden, etwa für Sportschützen oder Sammler. Für Waffen, die vor 2019 legal gekauft wurden, gilt die Besitzstandswahrung – sie mussten lediglich nachregistriert werden. Ein nationales Waffenregister existiert in der Schweiz bis heute nicht. Die Register werden kantonal geführt. Forderungen der Befürworter Linke Politikerinnen und Politiker fordern nach der Tat weitreichende Massnahmen. Dazu gehören ein generelles Verbot und der Einzug aller halbautomatischen Waffen in Privathaushalten sowie die Schaffung eines zentralen, nationalen Waffenregisters. Sie argumentieren, das Risiko für Amokläufe, Femizide und Suizide sinke nachweislich, wenn die Verfügbarkeit von Schusswaffen im Alltag reduziert wird. Argumente der Gegner Demgegenüber wehren sich bürgerliche Kreise gegen neue Verbote. Sie argumentieren, dass eine Verschärfung die grosse Mehrheit der verantwortungsvollen Sportschützen und Jäger unter Generalverdacht stelle und die Schweizer Schützentradition bedrohe. Das bestehende Gesetz reiche bei konsequentem Vollzug völlig aus. Ein Nationales Waffenregister wäre zudem mit einem massiven Bürokratieaufwand verbunden. Braucht die Schweiz neue Regeln für Waffen? Darüber diskutieren am Donnerstag, 17. September, von 10 bis 11 Uhr im «Forum» auf Radio und Fernsehen SRF 1 folgende Gäste: · Pia Engler, Kantonsrätin SP Luzern. · Fabian Schütz, Grossrat SVP Aargau

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