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hr2-kultur | Der Tag - Kenntnisreich, ironisch, witzig, pointiert.

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hr2-kultur | Der Tag - Kenntnisreich, ironisch, witzig, pointiert.

    Kein Ende in Sicht - Leben mit Corona

    Kein Ende in Sicht - Leben mit Corona

    "Es wird nicht so sein wie vorher“, dieser wohlfeile Satz ist eine der Plagen der Coronazeit. Denn eigentlich ist ja nie etwas wie vorher, und speziell in diesem Fall würde man außerdem gerne wissen, wie es denn nachher so ist. Aber ein "nachher“ gibt es noch nicht, Corona beschäftigt uns weiter, und das Leben verändert sich. Und wir? Wie erleben wir das? Das wollen Berliner Forscher herausfinden und befragen seit einiger Zeit ganz unterschiedliche Menschen nach ihren Sorgen, ihrer Lebenssituation und den persönlichen Folgen der Coronakrise. Manche sind weniger betroffen, andere schwer, Eltern, auftretende Künstler auch Migranten, die überdurchschnittlich von existenzbedrohenden Jobverlusten und Berufsverboten betroffen sind. Und mit dem Leben der Einzelnen ändert sich das öffentliche Leben. Manche Orte sind verwaist, andere nur begrenzt betretbar, die Straßen, die Plätze, auf denen nicht nur eingekauft und flaniert wird, sondern sich auch politische Forderungen hörbar machen. Ist das eine akzeptable "neue Normalität“, wie eine weitere Floskel diese Zeit lautet? Oder müssen wir andere Wege finden, mit der Seuche zu leben?

    Leben in Trümmern – Der Libanon nach dem großen Knall

    Leben in Trümmern – Der Libanon nach dem großen Knall

    Libanon - ein Land im Aufruhr, nicht erst seit den gewaltigen Explosionen, die den Hafen der Hauptstadt Beirut in Schutt und Asche gelegt haben. Über einhundert Menschen starben, tausende sind verletzt, ein ganzer Stadtteil ist zerstört, hundertausende sind ohne Dach über dem Kopf. Eine Katastrophe mit Ansage, klagen Demonstrierende an. Für sie ist sie ein weiterer Beweis dafür, wie unfähig und korrupt der Libanon seit Jahren regiert wird. Schon vor der Explosion befand sich das Land in einer tiefen Krise. Seit Herbst ist praktisch die ganze Mittelschicht verarmt. Einst wohlhabende Menschen müssen plötzlich Hunger fürchten, es gibt kaum mehr Medikamente und kleine Kinder sterben, weil kein Krankenhaus sie behandelt - und das schon vor Corona. Durch die Explosion spitzt sich die Lage dramatisch zu - in jeder Hinsicht. Gegen Zerstörung, Hunger und menschliches Leid kann internationale Hilfe wirken, 253 Millionen Euro stellt die Weltgemeinschaft bereit und schickt Rettungskräfte. Und was hilft gegen die politische Krise und die Unruhen auf den Straßen? Die Regierung unter Präsident Diab ist zurückgetreten, bleibt aber übergangsweise im Amt - könnten Neuwahlen das Land retten, das früher Hoffnungsträger der Region war?

    Richtig Sommer? Ein Schnelltest

    Richtig Sommer? Ein Schnelltest

    "Das Jahr hebt seine Sense hoch“ dichtet Erich Kästner über den August. Der Hochsommer bringt eine sinnverwirrende Mischung aus Ruhe und Gefahr. Wir liegen träge und scheinbar friedlich im Schatten, aber ganz in der Nähe drohen schon die Wespen und dunkle Gewitterwolken. Der Hochsommer ist auch Zeit der Ekstase und Unvernunft: wir stürzen uns wagemutig in kalte Gewässer, geben uns dem Rhythmus stampfender Sommerhits hin, liegen nachts wach und vertrauen einem Sternenhimmel voller mythischer Gestalten unsere Wünsche an. Alle Jahre wieder bisher, aber auch in diesem Jahr? Der Sommer scheint ein anderer zu sein: die Ekstase verkneifen sich viele, weil bei der Sommerfete ja ein Superspreader dabei sein könnte. Das Baden ist an den meisten Orten strengen Hygieneregeln unterworfen. Corona soll uns zu Vernunft und Vorsicht zwingen, und das in einer Jahreszeit, in der wir alles sind, nur nicht vernünftig und vorsichtig. Haben wir trotzdem richtig Sommer gehabt bisher? Und werden wir ihn weiter haben? Der Tag macht den Schnelltest.

    Glauben lernen? Streit über den Religionsunterricht

    Glauben lernen? Streit über den Religionsunterricht

    Es war bundesweit einzigartig, was in den hessischen Schulen nach langem Ringen 2014 zum Alltag wurde: ein Islam-Unterricht, gleichgestellt dem katholischen und evangelischen Religionsunterricht. Durchgeführt wurde er vor allem in Zusammenarbeit mit dem größten Moscheeverein Deutschlands, der Ditib. Damit ist jetzt Schluss. Seit dem Putsch in der Türkei 2016 wuchsen die Sorgen, dass die enge Verbindung der Ditib zur türkischen Religionsbehörde Diyanet bis ins Klassenzimmer zu spüren sei. Ab nächstem Schuljahr soll nun Islamkunde für die muslimischen Schüler und Schülerinnen angeboten werden. Die christlich getauften Kinder sitzen weiterhin in einem "bekenntnisorientierten“ Unterricht. Der alte Streit ist zurück. Ist das gerecht? Und verfassungsgemäß? Während Befürworter des Religionsunterrichts darüber diskutieren, fragen Kritiker grundsätzlicher: Wofür brauchen wir Religionsunterricht in einem säkularen Staat? Ist das Verhältnis zwischen dem Staat und den Religionsgemeinschaften noch zeitgemäß oder sollte neu geregelt werden? Eins zumindest steht fest, viele Menschen freuen sich, ganz unabhängig von Konfessionen, über arbeitsfreie christliche Feiertage.

    Verriss, Feedback, Auseinandersetzung - Die schwierige Kunst der Kritik

    Verriss, Feedback, Auseinandersetzung - Die schwierige Kunst der Kritik

    Mit Marcel Reich-Ranicki etwa verbinden viele die Vorstellung, dass eine richtige Kritik nur ein saftiger Verriss sein kann. Das war allerdings nicht immer so: Immanuel Kant hat die reine Vernunft in seiner Kritik nicht verrissen, sondern nur ganz genau untersucht, was sie kann und was nicht. Aus dem kritischen Unterscheiden wurde nach und nach das subjektive - und manchmal negative - Urteil über eine Sache, z.B. als Kunst- und Literaturkritik. In der Philosophie bei Marx und später in der Kritischen Theorie wurde die Kritik eine umfassende Kritik der Verhältnisse, oft mit dem Ziel, die Verhältnisse zu verändern. Und in der Umgangssprache wurde aus der Kritik ein Zwitterwesen aus Genörgel, Schimpfen, in die Tonne treten oder eben brillantem Verreißen. Gebraucht wird Kritik in allen Formen dringend. Es gibt Profikritiker, die sich mit Musik, Büchern und der Leistung von Köchen beschäftigen. Es gibt Kabarettisten und Satiriker, die - mal mit, mal gegen ihren Willen - als Gesellschaftskritiker gehandelt werden. Die Laien betreiben derweil je nach persönlicher Vorliebe Islamkritik, Sprachkritik, Kapitalismuskritik und geraten sich dabei im Internet in die Haare. Und dann sind da noch die Zeitkritiker, die finden, dass die Kritik auch nicht mehr das ist, was sie einmal war.

    Nicht berührt, nicht geschüttelt - Keine Lizenz für den Handschlag

    Nicht berührt, nicht geschüttelt - Keine Lizenz für den Handschlag

    Wir brauchen Berührung - von Geburt an. Berührung macht gesund, Berührung schafft Bindung und Verbindung. Auch wenn wir dank Digitalisierung und Telefonie nicht wirklich sozial distanziert leben müssen in Corona-Zeiten. An der physischen Distanz führt kein Weg vorbei, wollen wir die Verbreitung des Virus eindämmen. Das heißt auch: Hände weg von einer in unserer Kultur unerlässlichen Geste - dem Handschlag. Er zeugt von Respekt, er zeigt Nähe, er besiegelt politische Bündnisse. Wird er verweigert, eine ausgestreckte Hand nicht wärmend in die eigene geschlossen, ist das eine Kampfansage. Was machen wir nun ohne dieses Hände-Alphabet des Miteinanders? Statt für Respekt und Zuwendung steht der Händedruck nun für Ansteckungsgefahr. Geht emotionale Nähe auch ohne ihn? Können neue Formen der Verständigung mit Ellenbogen, Füßen, Blicken ihn ersetzen? Und droht er gar für immer aus unserer Kultur zu verschwinden?

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