In aller Ruhe

Die Krisen überschlagen und verbinden sich: Pandemie, Klima, russischer Angriffskrieg. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz stellen die Gesellschaft vor immer neue Herausforderungen. Unsere Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Es lohnt sich deshalb, aus der schnellen Aktualität und der eigenen Perspektive auf die Welt auszutreten. Philosophin, Publizistin und SZ-Kolumnistin Carolin Emcke spricht in diesem Podcast dafür mit Aktivistinnen, Autoren, Künstlerinnen oder Wissenschaftlern über politisch-philosophischen Fragen hinter aktuellen Ereignissen und sortiert mit ihnen große gesellschaftliche Debatten. Die Folgen erscheinen alle zwei Wochen ab dem 25. Februar 2023.

  1. „Kritik üben, aber Freude zulassen“ – Thomas Hitzlsperger bei Carolin Emcke über die Fußball-WM

    Jun 11 • SZ Plus Only

    „Kritik üben, aber Freude zulassen“ – Thomas Hitzlsperger bei Carolin Emcke über die Fußball-WM

    Was macht eine erfolgreiche Mannschaft aus? Darum geht's im Podcast, genauso wie um die Rolle von Daten und Taktik, die extreme Belastung einer WM und Rassismus in der Kabine. Die Fußballweltmeisterschaft der Herren hat begonnen und beschäftigt auch Moderatorin Carolin Emcke. Als großer Fußballfan spricht sie für diese Folge des Podcasts mit dem ehemaligen Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Sie diskutieren darüber, welche Faktoren eine Mannschaft erfolgreich machen und wie sich der Fußball in den vergangenen Jahren verändert hat. Hitzlsperger, geboren 1982 in München, war Spieler in der Bundesliga und der Premier League. Unter anderem spielte er beim Aston Villa und dem VfB Stuttgart, mit dem er 2007 deutscher Meister wurde. Von 2004 bis 2010 war Hitzlsperger im Kader der deutschen Nationalmannschaft, die in dieser Zeit unter anderem 2006 WM-Dritter wurde. Heute ist er Fußballfunktionär und -experte. Hitzlsperger erklärt im Podcast, worauf es seiner Erfahrung nach bei einem WM-Turnier ankommt und welche Rolle das Mannschaftsgefüge, das Quartier und die Aufstellung auf dem Platz spielen. Er spricht dabei auch über die enormen körperlichen Belastungen, denen Spieler heute ausgesetzt sind. „Für die, die das Spiel organisieren, für die Verbandsvertreter und Vereinsvertreter, für die gibt es nur eine Richtung. Immer nach oben, immer mehr.“ Die Gier nach Umsatz in den Klubs überschatte dabei die Bedürfnisse der einzelnen Spieler. Gleichzeitig versucht der ehemalige Nationalspieler, sich die Freude am sportlichen Wettbewerb zu bewahren. „Dieses Gebaren der Fifa ist teilweise unerträglich“, sagt er im Podcast. Und doch gebe es genug Nationen, die glücklich sind, bei der WM dabei sein zu dürfen, wie Kap Verde, Haiti oder Curaçao. „Ich will zulassen, dass ich mich mit denen freuen kann, weil ich natürlich bei uns wahrnehme, dass jegliche Form der Freude sofort hinterfragt wird. Wie kann man sich jetzt nur freuen mit Trump und Infantino? Doch. Ich will es zulassen.“ Thomas Hitzlsperger spricht auch über Rassismus und Queerfeindlichkeit in der Kabine. Das hören Sie mit SZ Plus im Podcast, auf sz.de/inallerruhe, in der SZ-Nachrichtenapp und hier auf Spotify. Empfehlung von Thomas Hitzlsperger: Er empfiehlt zum einen ein Buch über Fußball, nämlich „Der deutsche Sommer. Als 2006 plötzlich die Leichtigkeit einzog“. Darin untersucht Ronald Reng die Weltmeisterschaft 2006 und das Hochgefühl, das sie in Deutschland auslöste. Wäre das „Sommermärchen“ auch in einem anderen Jahr möglich gewesen? Die zweite Empfehlung von Hitzlsperger ist „Schwebebahnen“ von Hanns-Josef Ortheil. Der Autor schreibt darin semiautobiografisch über das Aufwachsen eines Jungen im Wuppertal der Nachkriegszeit. Moderation, Redaktion: Carolin Emcke Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt Produktion: Imanuel Pedersen Bildrechte Cover: Stephan Rumpf Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.

    1h 9m
  2. „Gefahr für die Demokratie“ – Maike Luhmann bei Carolin Emcke über Einsamkeit

    May 28 • SZ Plus Only

    „Gefahr für die Demokratie“ – Maike Luhmann bei Carolin Emcke über Einsamkeit

    Einsamkeit kann jeden treffen. Aber sie kann auch überwunden werden. Wie das geht, erklärt in dieser Podcastfolge die Psychologin Maike Luhmann. Moderatorin Carolin Emcke spricht mit ihr über die Folgen von Einsamkeit und darüber, warum sie auch ein politisches Problem ist. Außerdem geht es um den Mythos der „Male Loneliness Epidemic“ und über Stadtbüchereien als Mittel gegen das Alleinsein. Luhmann, geboren 1981 in Hannover, lehrt psychologische Methodenlehre an der Ruhr-Universität Bochum. Sie ist Deutschlands bekannteste Einsamkeitsforscherin und beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren mit diesem Thema. Im Podcast spricht sie darüber, warum Einsamkeit nicht nur als ein individuelles, sondern auch als gesellschaftliches Problem gesehen werden sollte, das von verschiedenen Faktoren verstärkt werden kann. Darunter etwa das Verschwinden von sozialen Treffpunkten und öffentlichen Räumen, um mit anderen in Kontakt zu kommen. „Viele Menschen sind von Räumen ausgeschlossen, weil sie das Geld nicht haben“, erklärt die Psychologin. Zudem fehle es häufig an öffentlichen Orten für Jugendliche oder Senioren. Um Einsamkeit entgegenzuwirken, seien deshalb Anstrengungen auf verschiedenen Ebenen notwendig – von persönlichen Beziehungen bis hin zu politischen Maßnahmen. Im Gespräch von Maike Luhmann und Carolin Emcke geht es auch darum, welche Folgen Einsamkeit haben kann. So kann sie etwa anfälliger für Verschwörungsglauben machen. „Soziale Beziehungen sind so wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, und das wiederum ist einfach eine Grundzutat für unsere Demokratie.“ Warum Maike Luhmann Stadtbüchereien als Mittel gegen Einsamkeit empfiehlt, hören Sie mit SZ Plus im Podcast, auf sz.de/inallerruhe, in der SZ-Nachrichtenapp und auf Spotify. Kulturempfehlung von Maike Luhmann: Maike Luhmann empfiehlt „Lux“, das neuste Album der spanischen Sängerin Rosalía. Noch mehr aber empfiehlt sie, ein Konzert von ihr zu besuchen, so wie Luhmann es kürzlich tat. Das sei eine „wunderbare Erfahrung“ gewesen, bei der sie sich mit den anderen Konzertgästen verbunden fühlte. „Man merkte, das ganze Publikum hatte das Gefühl, wir haben hier etwas Besonderes erlebt“, sagt die Psychologin. Moderation, Redaktion: Carolin Emcke Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt Produktion: Imanuel Pedersen Bildrechte Cover: RUB, Kramer Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.

    1h 19m
  3. „Blanker Unsinn“ – Ottmar Edenhofer bei Carolin Emcke über Deutschlands Energiepolitik in der Krise

    May 14 • SZ Plus Only

    „Blanker Unsinn“ – Ottmar Edenhofer bei Carolin Emcke über Deutschlands Energiepolitik in der Krise

    Der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus treiben die Preise für Öl und Gas in die Höhe. So sehr, dass die Notwendigkeit für alternative Energiequellen nicht von der Hand zu weisen ist. Eine Chance für den Klimaschutz und alternative Energiequellen? In dieser Folge des Podcasts spricht Carolin Emcke mit Ottmar Edenhofer, dem Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Der Ökonom ordnet die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs ein, spricht über den in seinen Augen fatalen Unsinn des Tankrabatts und darüber, warum ihm die Europäische Union immer noch Hoffnung macht. Bei seiner Forschung beschäftigt sich Edenhofer, geboren 1961 in Niederbayern, mit dem Einfluss von technischem Wandel auf die Kosten und Strategien des Klimaschutzes. Neben seiner Tätigkeit als Direktor des PIK ist er Professor an der TU Berlin. Dort lehrt er zu der Ökonomie und Politik des Klimawandels. Zudem ist er Vorsitzender des Europäischen Wissenschaftlichen Beirats für Klimawandel. Der Tankrabatt, den die Bundesregierung und andere europäische Regierungen verabschiedet haben, um die Bürgerinnen und Bürger zu entlassen, ist für Edenhofer aus mehreren Gründen eine „dysfunktionale Maßnahme“. Er kritisiert, dass der Tankrabatt die Nachfrage nach fossilen Energien nur weiter ankurble und gleichzeitig deren Preise in die Höhe treibe. „Zehn Prozent des Tankrabatts, mit dem wir eigentlich die Konsumenten entlasten würden, werden über höhere Ölpreise in die Kassen der Ölexporteure geschwemmt.“ Dadurch profitieren auch autokratische Regime wie Russland, die ihr Geld hauptsächlich mit Öl verdienen. Besser wäre eine Entlastungsmaßnahme, die unsere Abhängigkeit von fossilen Energien reduziere, sagt Edenhofer. Und noch etwas andere sei wichtig, um Europas Verwundbarkeit angesichts geopolitischer Krisen zu verringern: Zusammenarbeit. „Wenn dann die Klimapolitik noch stärker ins Spiel kommt, brauchen wir internationale Kooperation“, sagt der Ökonom. „Und dann stellt sich eben die Frage: Was kann Europa tun, um diese Kooperation zu vertiefen?“ Das sei entscheidend, denn anders werde die europäische Klimapolitik nicht überleben. Wie die Energiekrise zu einer Chance für den Klimaschutz werden kann, hören Sie mit SZ Plus im Podcast, auf sz.de/inallerruhe, in der SZ-Nachrichtenapp und auf Spotify. Empfehlung von Ottmar Edenhofer: Ottmar Edenhofer empfiehlt „Papst und Zeit“ von Otto Kallscheuer, einem „cleveren Autor, der die Geschichte der katholischen Kirche ganz fundamental gegen den Strich bürstet“. Kaltscheuer zeigt darin Flexibilitäten und Kontinuitäten innerhalb der katholischen Kirche auf, die bis zum Führungsstil des aktuellen Papstes Leo XIV. reichen. Statt der Apokalypse und des jüngsten Gerichts bekämpfe die Kirche heute eher den weltlichen Nationalismus und andere politische Fragen. „Ein ziemlich bedeutender Beitrag“ in einer Zeit, in der politische Akteure immer häufiger in apokalyptischen Bildern und Endzeitgefechten zu denken scheinen, sagt der Ökonom. Moderation, Redaktion: Carolin Emcke Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt Produktion: Imanuel Pedersen Bildrechte Cover: David Ausserhofer/PIK Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.

    1h 13m
  4. "Es ist eine Beschränkung" - Sebastian Guggolz bei Carolin Emcke über Wolfram Weimers Kulturpolitik

    Apr 30 • SZ Plus Only

    "Es ist eine Beschränkung" - Sebastian Guggolz bei Carolin Emcke über Wolfram Weimers Kulturpolitik

    Wolfram Weimers Umgang mit der freien Kultur richtet großen Schaden an, sagt der Chef des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. Im Frühjahr ließ Kulturstaatsminister Wolfram Weimer drei Buchhandlungen von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchhandlungspreis streichen. Er begründete diesen Schritt mit angeblichen verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen, die er aber nicht ausgeführt hat. Öffentlich gemacht hat der Kulturstaatsminister diesen Vorgang erst nach medialem Druck, die betroffenen Buchhandlungen wurden vom Ministerium nicht informiert. Über die Überprüfung der unabhängigen Buchhandlungen durch den Kulturstaatsminister spricht Carolin Emcke im Podcast mit Sebastian Guggolz, dem Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Guggolz, geboren 1982, ist Lektor beim Fischer-Verlag. Zudem ist er Verleger des von ihm gegründeten Guggolz-Verlags, der sich in Vergessenheit geratenen Werken aus Ost- und Nordeuropa widmet. Im vergangenen Herbst wurde Guggolz zum Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gewählt. Im Podcast beschreibt Sebastian Guggolz, wie er und der Börsenverein die Streichung der drei Buchhandlungen von der Nominierungsliste erlebt haben. Er erzählt, dass in den Tagen und Wochen nach dem Bekanntwerden des Vorgangs eine Welle von Anfeindungen die betroffenen Buchhandlungen erreicht hat. Gleichzeitig hätten sich aber auch große Teile der Kulturwelt und auch Unbeteiligte mit ihnen solidarisiert. „Das ist, worauf ich am stolzesten bin im Nachhinein“, sagt Guggolz. „Dass es die gesamte Branche war. Dass die Verlage, die Buchhandlungen und auch die Institutionen gesagt haben: Das geht zu weit.“ Für Guggolz steht der Vorgang für eine generelle Tendenz zur Einschränkung von Kunstfreiheit und Meinungsvielfalt in der Kultur. Das Vorgehen des Kulturstaatsministers habe große Teile der freien Kultur verunsichert und ihnen das Gefühl gegeben, politisch nicht gewollt zu sein. „Ich höre das von ganz vielen Leuten, aus den Jurys auch, die sagen: Können wir jetzt einfach unsere Entscheidungen treffen? Müssen wir unsere Entscheidungen in eine gewisse Richtung lenken oder auf eine bestimmte Weise framen?“ Die ganze Branche misstraue nun dem Ministerium. Warum Wolfram Weimers Kulturpolitik aus der Sicht von Sebastian Guggolz falsche Schwerpunkte setzt, hören Sie mit SZ Plus im Podcast, auf sz.de/inallerruhe, in der SZ-Nachrichtenapp und auf Spotify. Empfehlung von Sebastian Guggolz: Sebastian Guggolz hat zwei Empfehlungen. Da ist zum einen „La Grazia“, der neuen Film des italienischen Regisseurs Paolo Sorrentino. Vor allem aber möchte er den Hörerinnen und Hörern den 1903 geborenen russischen Autor Gaito Gasdanow ans Herz legen. Jüngst ist ein neuer Erzählband von ihm in deutscher Übersetzung erschienen: „Ein zweites Leben“. Guggolz schätzt Gasdanow als Autor, bei dem insbesondere in der Kurzform „der existenzielle Kern ganz besonders zum Vorschein kommt“. Seine Figuren seien immer auf ihre Art „unter die Räder der Weltgeschichte“ geraten. Moderation, Redaktion: Carolin Emcke Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt Produktion: Imanuel Pedersen Bildrechte Cover: Nils Stelte Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.

    1h 18m

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