Morgenimpuls

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

  1. 2h ago

    Für Gott ist jeder Mensch kostbar

    Ich war in den Sommerferien wandern. Und dabei überquerte ich auch die ein oder andere Alm. Es war einfach nur schön, zwischen den Kühen umherzuwandern und die Sonne im Gesicht zu spüren. Die Beine schon etwas schwer vom Aufstieg. Aber dieses Klingeln der Kuhglocken – beruhigend und irgendwie erdend im Ohr. Und da hab ich nochmal gespürt, wie schön und wunderbar entspannend diese Kühe sein können. Und ich musste an die ein oder andere Bibelgeschichte denken, die mich inzwischen ehrlich gesagt nur noch zum Gähnen bringt. Wenn es wieder um Hirten geht. Um Schafe. Um Vieh. Dann hat das oft so gar nichts mit meinem Alltag zu tun, denke ich. Dann langweilt es mich manchmal. Oder es nervt mich sogar. Denn ich will nicht das dumme Schaf sein, das sich verirrt und gefunden werden muss. Aber da oben auf der Alm habe ich es plötzlich ein bisschen besser verstanden. Vielleicht sogar gespürt. Schon beim Aufstieg kam uns ein Schäfer entgegen. Mit einer riesigen Schafherde und mindestens drei Schäferhunden. Ich war so mit dem Aufstieg beschäftigt, dass ich erst gar nicht richtig kapiert habe, dass da neben mir eine Unmenge an Schafen über Stock und Stein hüpfte. Und irgendwann dachte ich: Wie kostbar müssen diese Tiere eigentlich für diesen Schäfer sein? Sie sind sein Lebensunterhalt. Seine Lebensversicherung. Vielleicht ein großer Teil seines Lebens. Und für mich? Für mich waren sie in diesem Moment einfach nur beeindruckend und wunderschön. Ich dachte nicht: „Was für dummes Vieh.“ Und vielleicht habe ich genau da für einen kurzen Moment verstanden, was diese alten Bilder der Bibel eigentlich erzählen wollen. Vielleicht geht es gar nicht darum, dass ich das dumme Schaf bin. Vielleicht geht es darum, dass ich kostbar bin. So kostbar, dass es eben nicht egal ist, wenn ich verloren gehe. So kostbar, dass jemand nach mir schaut. So kostbar, dass einer mich nicht einfach zurücklässt. Da oben auf der Alm, zwischen Kuhglocken, schweren Beinen und einer riesigen Herde Schafe, habe ich für einen kurzen Moment verstanden, wie kostbar du und ich für Gott sein könnten. Und plötzlich fand ich diese alte Geschichte gar nicht mehr so langweilig.

  2. 1d ago

    Gott nimmt mir den Weg nicht ab

    Im Sommer laufe ich gerne barfuß. Ich mag das Gefühl von warmem Asphalt oder frisch gemähtem Gras unter den Füßen. Im Urlaub passiert mir das ständig. Schuhe aus. Einfach loslaufen. Irgendwie fühlt sich das nach Freiheit an.Jetzt sind die Ferien vorbei. Für viele hat das neue Schuljahr begonnen. Für manche ist es einfach die nächste Klasse. Für andere beginnt etwas ganz Neues: eine neue Schule, neue Mitschüler, neue Lehrer. Oder überhaupt das erste Mal Schule. Und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, was dieses Schuljahr für mich bereithält. Wem ich begegnen werde. Welche Gespräche mich erwarten. Was gelingt und woran ich wachsen muss.Vielleicht fühlt sich jeder Neubeginn ein bisschen an wie barfuß laufen.Barfuß spürt man jeden Stein. Man merkt sofort, wenn der Weg uneben wird. Das macht verletzlich. Gleichzeitig nimmt man den Boden viel bewusster wahr. Man läuft anders. Aufmerksamer.Natürlich könnte ich auch dicke Sicherheitsschuhe anziehen. Die schützen. Aber sie machen die Schritte schwer. Und manchmal habe ich den Eindruck, wir ziehen uns im übertragenen Sinn genau solche Schuhe an. Wir wollen nichts falsch machen. Niemandem wehtun. Bloß nicht stolpern. Bloß nicht auffallen.Ich merke das bei mir selbst.Dabei beginnt ein neuer Weg selten damit, dass ich schon alles weiß. Er beginnt mit einem ersten Schritt.Und dann muss ich mich morgens tatsächlich entscheiden, welche Schuhe ich anziehe. Bequeme Sneaker? Etwas Festliches? Oder Wanderschuhe? Je nachdem, was der Tag von mir verlangt.Vielleicht ist das gar kein schlechtes Bild für den Glauben. Gott nimmt mir den Weg nicht ab. Aber er lädt mich ein, ihn zu gehen. Mal mutig. Mal vorsichtig. Mal leichtfüßig. Und manchmal eben auch barfuß.Ich wünsche mir, dass ich etwas von dieser Leichtigkeit des Sommers mit in den Alltag nehme. Nicht, weil das Leben immer leicht wäre. Sondern weil ich darauf vertraue, dass Gott jeden meiner Schritte kennt – auch die vorsichtigen. Auch barfuß.

  3. 2d ago

    Mit Hass und Hetze kann man kein Land regieren

    Ich bin unruhig und nervös und ein bisschen ängstlich und verwundert und will trotzdem nicht hoffnungslos sein. Am Sonntag ist die Wahl in Sachsen-Anhalt und viele Menschen sind besorgt, dass eine undemokratische Partei scheinbar so viele Menschen überzeugt, dass sie eine gute Wahl wäre. Ich bin aus Thüringen und bekomme auch mit, wie schwierig es ist, zwischen dem lauten Gebrüll der wenigen und deren fremdenfeindlichen Gebaren all die vielen zu sehen und zu hören, die nicht so sind und die sich kümmern um eine freie und vielfältige Gesellschaft. Alles Für und Wider ist in den letzten Monaten hinlänglich besprochen und von allen Seiten angeschaut worden und ich war zwischendurch immer wieder entsetzt, wie, was, wer ganz ungestraft herumbrüllen kann und wie viele Menschen dann johlen und klatschen und gar nicht zu merken scheinen, welchen gefährlichen Leuten sie da auf den Leim gehen. Aber mit Hass und Hetze und populistischen Parolen kann man kein Land regieren. Und so mag ich bei aller Sorge in diesen Tagen vor dieser Wahl ein Gebet mit dir beten, das schon mehr als 110 Jahre alt und aktueller denn je ist: Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist; dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht; dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält; dass ich Licht entzündete, wo Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt. Herr, lass mich trachten nicht nur, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste; nicht nur, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehen; nicht nur, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe. Denn wer sich hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet; wer verzeiht, dem wird verziehen; und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

  4. 3d ago

    Knecht der Knechte

    Er oder sie waren ganz Große in ihrer Zeit, ganz früher oder auch heute.Es gibt einige Menschen, denen haben über die Jahrhunderte Menschen den Titel: der oder die Große verliehen und Gregor war einer von ihnen.Er war Diplomat, Politiker, Mönch und dann der erste Mönchspapst der Geschichte, galt als genialer Krisenmanager, hat Europa ein neues Gesicht gegeben, war ein umtriebiger Briefeschreiber, (allein 850 von ihnen sind erhalten) er hat die Versorgung der Armen nach einer Überschwemmungskatastrophe im pestgeplagten Rom krisenfest umorganisiert, und die Liturgie neu geprägt. Von den Menschen seiner Generation wird er bald Gregor der Große genannt. Sich selber aber bezeichnet er ganz anders: Knecht der Knechte Gottes. In einem Brief, den er 39 Missionaren, die er zu den Angelsachsen auf die Insel gesandt hat, schreibt er: „Weder die Beschwerlichkeiten der Reise, noch das Gerede der Leute soll euch also abschrecken, sondern vollendet mit aller Anstrengung und aller Begeisterung, was ihr auf Gottes Antrieb begonnen habt.“ Seit dieser Zeit bis in die nächsten drei Jahrhunderte werden viele tausend Missionare und Wanderprediger nach Europa kommen und Religion, Bildung, Schrift, Verwaltung, Kunst und Kultur des Kontinentes entscheidend prägen.Wenn ich in solchen Lebensbeschreibungen lese, bin ich immer sehr erstaunt, was ein einzelner Mensch mit zunächst ruhigem Studium, dann einem energischen Umschwung in seiner Lebensweise und mit der ihm durch Wahl verliehene Macht erreichen und über Jahrhunderte zum Positiven prägen kann. Mir scheint sein Wort vom „Knecht der Knechte Gottes“ ein Synonym für sein Verständnis von Leitung und Leben im Allgemeinen: ich verstehe meine Arbeit als Dienst, erledige meine Aufgaben in bester Weise, schaue mit Neugier und Eifer in die Heilige Schrift, damit sie mir Ideen für das Zusammenleben der Menschen gibt und verstehe alles, was ich tue als Dienst an den Menschen. Und da bekommt das auch für mich Hand und Fuß und ist geeignet für alle, die nach Orientierung suchen für den Alltag und das normale Leben heute.

  5. 4d ago

    Nicht schweigen oder wegsehen

    Eine junge Frau macht eine Ausbildung zur Krankenschwester und ist im dritten Jahr. Sie hat eine mündliche Zwischenprüfung und ist tagelang unruhig und aufgeregt, lernt viel und gönnt sich kaum Ruhe. Und jede und jeder von uns kann sich aus eigenem Erleben vielleicht daran erinnern. Und bevor sie losfährt, bittet sie darum, gesegnet zu werden, damit sie mit Gottes Segen in die Prüfung gehen kann. Und dann kommt sie strahlend wieder und ich brauche gar nicht zu fragen. Sie hat bestanden, mit Note 1,1. Ich habe unglaublich viel Achtung und Ehrfurcht vor ihr und vielen jungen Leuten, die hier eine Ausbildung machen und vorher erst die Sprache lernen mussten und dann noch, wie in diesem Fall, die vielen oft lateinischen Fachbegriffe. Und meine Beispielfrau ist indische Ordensfrau einer anderen Gemeinschaft, die seit drei Jahren mit uns im Konvent lebt. Und wir leben zusammen und beten, und kochen und essen und feiern und spielen und putzen und waschen und machen alles zusammen, was das Leben ausmacht. Und wir lernen unendlich viel voneinander von der je anderen Kultur und Familientradition, von den anderen Kochkünsten und Traditionen und auch von der jeweils anderen geistlichen Prägung unserer Ordensgemeinschaften. Es ist ein Geben und Nehmen und ein Zusammenhalt, der gut tut. Und nein, sie ist nicht Nutznießerin des Gesundheitssystems, wie der Bundeskanzler kürzlich gegenüber einer Kinderärztin behauptet hat, sondern jemand, die sich, wie viele Hundertausende auch, für Kinder, Kranke und alte Menschen einsetzt und ihr Herzblut, ihre Kraft und Intelligenz einsetzt, um sie zu pflegen und zu unterstützen, in allem, was sie brauchen. Für die Gebetszeiten im Stundenbuch gibt es immer wieder Vorschläge, worum wir beten können. Und heute ist einer der Vorschläge: „Unser Tagewerk sei dir geweiht; - gib, dass wir nichts Böses tun und kein Unrecht gutheißen.“ Nichts Böses tun wollen, ist bei den meisten Menschen die normale Gewissensentscheidung und durch Erziehung und Bildung grundgelegt. Aber die Bitte, uns dabei zu helfen, dass wir kein Unrecht gutheißen, wird immer wichtiger. Das schweigende Hinwegsehen über vieles, was Unrecht ist, ist nicht christlich und bleibt eine Daueranfrage für jede und jeden Christen heute.

  6. 5d ago

    Unbewaffnet, aber nicht hilflos

    Heute ist der erste September. Eigentlich ein normales Datum. Eigentlich.  Aber ehrlicherweise verbinde ich und viele Menschen hierzulande dieses Datum eher mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939. Das Datum ist eingebrannt in unsere Geschichte und in unser einzelnes und kollektives Gedächtnis. Seit den 50er Jahren ist er Antikriegstag und in den 2000ern hatte man das Gefühl, eine breite Friedenspolitik in Europa wird den Frieden auf lange Zeit sichern. Leider wissen wir seit den russischen Überfällen auf die Krim und die Ukraine, dass der Krieg wieder da ist und die Bedrohung wieder näher rückt. Eine wirkliche Friedenspolitik scheint nicht mehr möglich, wenn ein Aggressor nur durch militärische Gegenmacht aufzuhalten ist. Das ist echt entmutigend. Die Botschaft des Papstes zum kommenden Weltfriedenstag lädt die Menschheit dazu ein, die Logik von Gewalt und Krieg abzulehnen und sich für einen echten Frieden einzusetzen, der auf Liebe und Gerechtigkeit basiert. Jeden Tag werden Menschen in Kriegen und Bürgerkriegen verletzt oder getötet. Jeden Tag sterben Menschen an Hunger und Not oder auf der Flucht, verursacht durch Kriege und bewaffnete Gewalt.Viele mühen sich, wenigstens eine Waffenruhe herbeizuführen, eine Basis zu finden, auf der eine friedlichere Zukunft vor Ort aufgebaut werden kann. Oft, viel zu oft, scheint dies völlig nutzlos zu sein. Unsicherheit macht sich breit, Angst. „Was ist zu tun? Ist auch der Friede bei uns bedroht?“, fragen sich viele Menschen.Mitten hinein in diese Situation ruft Papst Leo uns die Friedensbotschaft 2026 zu: „Friede sei mit euch“. So lautet der erste Teil der Botschaft. Zunächst denkt man dann: Diese Botschaft klingt so weit, so wenig spektakulär. Aber die Botschaft geht weiter: „... auf dem Weg zu einem unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“.Mit dem Geschenk des göttlichen Friedens, der auf Gerechtigkeit und Liebe aufbaut, ausgestattet, bin ich aufgefordert, mich auf den Weg zu machen – unbewaffnet, aber nicht hilflos und mit einem klaren Auftrag: für den entwaffnenden Frieden einzutreten und das meinige dafür zu tun, dass er Wirklichkeit werden kann: in Worten und Umgangsformen und in Taten, die friedlich und entgegenkommend sind, ohne Hass und Hetze.

  7. 6d ago

    Nicht als Besserwisser und Alleskönner

    Herzlich willkommen zum Gebet am Montag. Ich habe im Urlaub ein dickes Buch zum größten Teil, und hier zu Hause dann zu Ende gelesen. Es geht in diesem historischen Roman um den Dreikönigsschrein im Kölner Dom und seinen Erschaffer, einen Goldschmied aus Frankreich. Diese Geschichte hat mich entführt in die Zeit des 12. Jahrhunderts und das Leben in Köln und in Mitteleuropa damals, um viele echte handelnde und natürlich viele erdachte Personen dazu. Und die Zeitläufe damals waren verwirrend und zum Teil verstörend, geprägt von Kriegen und Feldzügen, von Machtspielen zwischen Erzbischöfen, Kaisern, Königen und Päpsten, zwischen Getreuen und Willkürlichen, zwischen Leben und Überleben, zwischen äußerer Frömmigkeit und wirklichem Glauben, zwischen Mord und Totschlag, zwischen Krankheiten und Katastrophen und Festen und Feierlichkeiten. Unglaublich vielfältig und atemlos scheinend. Und dazwischen dieser Goldschmied, der seinen Auftrag, diesen Dreikönigsschrein zu erschaffen, immer treu bleibt und mit vielen Stellen aus der Bibel seine Wahl der Personen belegt und immer wieder verteidigt, die auf den verschiedenen Seiten des Schreins erstehen sollen. Und an seinem Auftrag entlang erlebt er seinen Glauben und sein Zweifeln, wenn seine Frauen und Kinder ihn und seinen Glauben immer wieder auf die Probe stellen und er manchmal nicht mehr weiß, was wirklich gut und richtig ist. Und immer zwischendurch ist es mir leichtgefallen, Vergleiche zu ziehen zu heute und unserem Leben hier. In vielem, was wir tun und woran wir engagiert arbeiten, gibt es immer wieder Anfragen und Gegenwind und Unterstützung und Hilfe und immer wieder frage ich mich selbst an, wo und wie da meine Position ist. So ist Leben eben.Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth:"Als ich zu euch kam, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten. Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch." In Schwäche und Furcht, schreibt er, also nicht als Besserwisser und Alleskönner will er sein Zeugnis für Gott verbreiten und Christus verkünden. Das kommt dem Hauptdarsteller in meinem Buch und auch meinem und Deinem Verständnis von Leben aus dem Glauben wahrscheinlich ziemlich nahe.

  8. Aug 30

    Aus dem Hören wächst Handeln

    Aus dem Zusammenhang gerissen, das ist eine der häufigsten Floskeln in hitzigen Diskussionen. Ein Satz, ein Zitat, ein Bild wird rein isoliert betrachtet und verliert dann seine eigentliche Bedeutung. Ähnlich geht es oft mit biblischen Texten. Nehmen wir die Geschichte von Martha und Maria: Schnell liest man sie als Gegenüberstellung: aktiv sein oder zuhören, helfen oder einfach da sitzen. Und sofort scheint Maria die Bessere zu sein. Martha bekommt nur noch eine Belehrung ab. Doch, das greift etwas kurz. Die Erzählung gehört in einen größeren Zusammenhang. Lukas schreibt direkt davor: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben und deinen Nächsten wie dich selbst." Zwei Geschichten folgen darauf: der barmherzige Samariter, ein Bild für gelebte Nächstenliebe, und Maria, die Jesus zuhört, ein Bild für gelebte Gottesliebe. Erst im Zusammenspiel wird deutlich: Wahre Liebe zu Gott lebt beides. Wahre Liebe zu den Menschen lebt beides. Martha steht für uns alle, die wir engagiert, pflichtbewusst und hilfsbereit sind, aber innerlich zerrissen, überfordert, hin- und hergerissen von Sorgen. Ihre Liebe ist echt, aber sie verliert das Wesentliche aus den Augen. Jesus ruft sie nicht zur Untätigkeit auf, sondern zur Neuordnung: Sorge nicht zuerst um das Viele, sondern nimm dir Zeit für das Eine.  Maria dagegen zeigt uns: Hören ist der Ursprung der Liebe. Sie setzt sich zu Jesus. Damals ein Platz für männliche Schüler. Und wählt den guten Teil nicht, weil sie besser ist, sondern weil ihre Haltung zeigt, wo alles beginnt: in der Beziehung zu Gott. Wer die Geschichte von Martha und Maria nur isoliert liest, übersieht leicht ihren Sinn. Es geht nicht um ein Gegeneinander von Maria und Martha. Es geht darum, die rechte Ordnung zu finden. Aus der Gottesliebe erwächst die Nächstenliebe. Aus dem Hören wächst das Handeln. Wenn wir das im Blick behalten, dann gerät unsere Liebe nicht in Vergessenheit, dann wird sie ganz, ganz wie das Bild, das Jesus uns vorlebt: Gottesliebe, die uns Nächstenliebe möglich macht, und Nächstenliebe, die uns an die Liebe zu Gott erinnert.

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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