Musik für einen Gast

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

«Musik für einen Gast» – die besondere Talkshow auf SRF 2 Kultur: Ein Mensch und seine Musik. Persönlichkeiten – ob aus Kultur, Wissenschaft, Sport, Politik oder Wirtschaft – erzählen über ihr Leben, ihren Beruf, ihre Träume und Visionen und vor allem über die Musik, die sie geprägt hat und ihnen wichtig ist.

  1. 3h ago

    Anna Jobin: «Ich höre Saint-Saëns – und bin sofort in Cannes»

    Anna Jobin weiss nach der Schule nicht, was sie beruflich machen soll. Sie reise gern, erzählt sie dem Berufsberater. Der schlägt vor, sie solle Flight Attendant werden. Pilotin erwähnt er nicht. Kaum hat sie bei der Swissair angefangen, folgt das Grounding. Im Herbst 2001 steht alles still. Jobin, die für den Job nach Zürich gezogen ist, findet als Filmfan eine neue Aufgabe: Sie arbeitet bei einem Filmverleih. Regelmässig reist sie zum Filmfestival nach Cannes. Dort schaut sie Weltpremieren an und lässt sich von der Festivalmelodie verzaubern: dem «Aquarium» aus Camille Saint-Saëns’ «Le Carnaval des animaux». Sobald sie genug Geld gespart hat, bricht sie nach Asien auf. Über die Türkei reist sie in den Iran, lernt ein bisschen Persisch und beschliesst, nach ihrer Rückkehr an der Universität Freiburg zu studieren. Doch Jobin will nicht irgendetwas studieren, sondern so viel wie möglich. Ihre Neugier treibt sie an. Sie wählt Soziologie, Volkswirtschaft und Informatik– um, wie sie sagt, die Brücke zwischen Mensch und Technik zu schlagen. Während des Studiums erlebt sie den Aufstieg der sozialen Medien, gründet eine eigene Firma, baut Webseiten für Kundinnen und Kunden und gibt Schulungen. Sie hat die Nase früh im Wind. Heute forscht die Assistenzprofessorin an der Universität Freiburg zu den sozialen Dimensionen künstlicher Intelligenz. Wie sie trotz Uni-Karriere bodenständig bleibt, warum Loslassen für sie funky klingt und wieso soziale Medien unsere Kommunikation nicht zwangsläufig verschlechtern, erzählt Anna Jobin in «Musik für einen Gast» bei Simon Leu. Die Musiktitel: - Camille Saint-Saëns: L’aquarium, aus Le carnaval des animaux (Emmanuel Pahud & Friends) - Googoosh: Komakam kon - Züri West: Römer - Anderson Paak: The Dreamer - Nikka Costa: Like a Feather

    1h 5m
  2. Jun 21

    Judith Holofernes: «Ich wollte nett sein»

    Judith Holofernes kennt man als Sängerin und Texterin der Indie-Rock-Band «Wir sind Helden» und als Autorin. In ihrem aktuellen Buch «Hummelhirn» schaut sie auf ihre Kindheit zurück und stellt sich die Frage, was es mit einem macht, wenn man von Erwachsenen als «komisch» wahrgenommen wird. Ihre frühen Jahre verbringt Judith Holofernes mit ihren getrennten Eltern und anderen Paaren mit Kindern in Westberliner WGs. Dann zieht sie mit ihrer lesbischen Mutter ins damals noch beschauliche Freiburg im Breisgau und eckt überall an. Zu laut, zu schnell, zu berlinerisch. Also beschliesst sie, von nun an nett zu sein. Und bleibt es bis ins Erwachsenenleben und in die Karriere hinein. Bis sie davon krank wird. Zwei Burnouts und eine massive Stimmstörung, die das Karriereende bedeutet, sind die Folge. Also beginnt sie zu schreiben. Auch über ihre Kindheit. Und entdeckt dabei, wie sehr sie die Ausgrenzung geprägt hat. Und noch etwas entdeckt sie: Dass sie ADHS hat, und damit endlich eine Antwort auf die Frage, woher ihr Andersartigkeit in Wirklichkeit kommt. Von all dem und natürlich auch von der Musik, die für sie schlicht alles bedeutet, erzählt die ehemalige Sängerin und Autorin im Gespräch mit Gastgeber Michael Luisier. Die Musiktitel: - Wir sind Helden: The Geek (Shall Inherit) - Peter Sarstedt: Where Do You Go To (My Lovely) - Guitar Crusher: I Can’t Help It - Bob Marley & The Wailers: The Little Birds - The Contours: Do You Love Me

    1h 4m
  3. Jun 14

    J.-P. Bourquin: «Kinder spüren, ob man ihnen die Wahrheit sagt»

    Jean-Pierre Bourquin ist Kinderonkologe, Forscher und leidenschaftlicher Cellist. Als Leiter der Onkologie am Kinderspital Zürich begleitet er Kinder und ihre Familien in den schwierigsten Momenten ihres Lebens. Gleichzeitig setzt er sich als Direktor des neuen nationalen Kompetenz -zentrums für Kinderkrebsforschung dafür ein, die Behandlung und Heilungschancen krebskranker Kinder weiter zu verbessern. Eine Erkenntnis begleitet ihn seit vielen Jahren: Kinder spüren immer, ob man ihnen die Wahrheit sagt. Ehrlichkeit und Vertrauen seien deshalb die Grundlage jeder Begegnung. Diese Haltung prägt seine Arbeit ebenso wie seine Überzeugung, dass Kinder niemals unterschätzt werden sollten. Geprägt wurde Bourquin von zwei Welten: der Medizin und der Musik. Sein Grossvater war Organist und vermittelte ihm früh die Freude an der Musik. Mit vierzehn Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für das Cello – ein Instrument, das ihn bis heute begleitet. Musik bedeutet für ihn weit mehr als Erholung: Sie eröffnet ihm Räume, die sich mit Worten kaum beschreiben lassen, und verbindet ihn mit den grossen Fragen des Lebens. Trotz der täglichen Konfrontation mit Krankheit, Hoffnung und Verlust empfindet Bourquin seine Arbeit als Privileg. Familien in existenziellen Situationen begleiten zu dürfen, sei für ihn eine Aufgabe von grosser Sinnhaftigkeit. Gleichzeitig treibt ihn die Vision an, durch Forschung die Zukunft von Kindern mit Krebs nachhaltig zu verbessern. In «Musik für einen Gast» bei Eva Oertle spricht Jean-Pierre Bourquin über die Verbindung von Musik und Medizin, über seine Faszination für Kinder und deren Sicht auf die Welt sowie über die Frage, wie man mit Krankheit, Sterblichkeit und den Grenzen des Machbaren umgeht. Er erzählt von seinem Weg zum Cello und von seiner Vision einer besseren Zukunft für Kinder mit Krebs. Die musikalische Reise führt von Johann Sebastian Bach über Johannes Brahms und Ludwig van Beethoven bis nach Kolumbien – Musik, die sein Leben begleitet und geprägt hat. Die Musiktitel: - Johann Sebastian Bach: Prélude aus Cellosuite Nr. 4 Es-Dur (Jean-Guihen Queyras, Violoncello) - Johannes Brahms: Denn alles Fleisch, es ist wie Gras, aus Ein deutsches Requiem (Arnold Schoenberg Chor; Wiener Philharmoniker; Nikolaus Harnoncourt) - Ludwig van Beethoven: Prestissimo, aus Klaviersonate E-Dur op. 109 (Vikingur Olafsson, Klavier) - Carlos Vives: La tierra del olvido - Franz Schubert: Streichquintett C-Dur (Alban Berg-Quartett; Heinrich Schiff, Klavier)

    1h 5m
  4. Jun 7

    Anu Sivaganesan: «Ich möchte einen Beitrag leisten»

    Als Kind kam Anu Sivaganesan aus Sri Lanka in die Schweiz. Mit 14 Jahren gründete sie die «Fachstelle Zwangsheirat», die sie bis heute leitet. Ihr ehrenamtliches Engagement findet sie selbstverständlich: «Ich komme aus einer Kultur, in der es nicht nur Menschenrechte gibt, sondern auch Pflichten.» Anu Sivaganesan kann sich noch gut an ihre kalten Füsse erinnern, als sie im November 1999 in der Schweiz ankam: «Ich kaufte mir zuerst einmal hässliche, warme Winterschuhe», erzählt sie und lacht. Dabei fiel es ihr nicht leicht, Sri Lanka zu verlassen. Sie habe dort eine glückliche Kindheit gehabt, obwohl ihr Vater wegen des Bürgerkriegs fliehen musste, als sie zwei Jahre alt war. Erst zehn Jahre später wurde die Familie in der Schweiz wieder vereint. Anu Sivaganesan lernte schnell Deutsch und engagierte sich, zusammen mit ihrem Bruder, in Vereinen und Kommissionen für Menschenrechte. Seit 25 Jahren leitet die Juristin nun schon die «Fachstelle Zwangsheirat». Für ihre Dissertation zu dieser Thematik erhielt sie kürzlich eine Auszeichnung der Schweizerischen Vereinigung für Internationales Recht. In «Musik für einen Gast» erzählt Anu Sivaganesan von ihrer heiklen Arbeit und bringt ihre Playlist mit, die von malischer Musik über klassische Klavierkonzerte bis zu K-Pop reicht. Playlist: - Tatam Bambo Kouyaté: Bambo - Shigeru Umebayashi: Yumeji’s Theme (Soundtrack zum Film «in the Mood for Love») - Sergei Rachmaninoff: 2. Klavierkonzert, op.18, mit Anna Fedorova und dem Sinfonieorchester St. Gallen - BTS: Life goes on - Priya Ragu: Kamali

    59 min
  5. May 31

    Manoush Toth: «Musik ist wie eine Muttersprache für mich»

    Sie sei eine «kompromisslose Künstlerinnenpersönlichkeit»: Zu diesem Schluss kam die Jury im Auswahlprozess für den «Eurovision Young Musicians»-Wettbewerb. Am 6. Juni wird die junge Pianistin Manoush Toth im Finale in Armenien auftreten. Wie kompromisslos findet sie sich selbst? Ruhe. Das empfindet Manoush Toth, wenn sie am Klavier sitzt und einfach alles stimmt. Und gleichzeitig spüre sie die Kraft des Moments; das Wissen, dass genau dieser Moment zähle. Man wünscht Manoush Toth, dass sich diese Ruhe am Abend des 6. Juni in ihr ausbreiten wird. Dann findet in der armenischen Hauptstadt Jerewan das Finale des Musikwettbewerbs «Eurovision Young Musicians» statt, der alle zwei Jahre von der European Broadcasting Union (EBU) ausgerichtet wird und jungen Klassiktalenten eine grosse Bühne bietet. Im Rahmen der Förderung von Schweizer Musiktalenten bei SRF wurde die 19-Jährige von einer Fachjury als Teilnehmerin ausgesucht. Für diesen besonderen Auftritt hat sie sich für ein Stück von Schumann entschieden – allerdings nicht von Robert, sondern von Clara, dessen Ehefrau. «Clara Schumann wird immer mehr aufgeführt. Aber noch immer zu wenig», begründet Manoush Toth ihre Wahl. Dabei gehöre ihr Klavierkonzert zu den wichtigsten des 19. Jahrhunderts. Das verrät viel über Manoush Toth. Und was sie damit meint, wenn sie sagt, dass sie sich einen ernsthaften Zugang zur klassischen Musik wünsche. Weil Ernsthaftigkeit in ihrem Fall vor allem Offenheit und Neugierde bedeutet: «Wenn man die Hintergründe der klassischen Musik kennt, dann öffnet sich einem ein ganz besonderer Schatz.» Sie selbst nahm das erste Funkeln dieses Schatzes bereits im Alter von zwei Jahren wahr. Fast gleichzeitig mit dem Sprechen sei die Musik in ihr Leben gekommen. Und entsprechend vertraut fühle sie sich an, bis heute. Aufgewachsen ist sie zuerst auf den kanarischen Inseln, später im Berner Oberland. Sie und ihre Geschwister gehen nicht zur Schule, werden zu Hause von den Eltern unterrichtet. Paradiesisch sei das gewesen, sagt Manoush Toth. Doch mit dem Eintritt in die Hochschule für Musik Basel stand sie dadurch vor Herausforderungen, die sich anderen jungen Menschen nicht stellen. Im Gespräch mit Melanie Pfändler erzählt Manoush Toth von dieser Zeit, von dem Druck, den sie sich selbst auferlege, von der engen musikalischen Zusammenarbeit mit ihrem Bruder Anatol und ihrer jüngeren Schwester Anouk und von diesem magischen Moment auf der Bühne, wenn alles noch ganz still ist und sie ihre Finger auf die Tasten legt. Die Musiktitel: - W.A. Mozart: 3. Allegro, aus Sinfonie Nr. 31 D-Dur KV 297 «Pariser» (Freiburger Barockorchester; Gottfried von der Goltz, Leitung) - Antonin Antonín Dvořák: 3. Poco adagio, aus Klaviertrio Nr. 3 f-Moll op. 65 (Isabelle Faust, Violine; Jean-Guihen Queyras, Violoncello; Alexander Melnikov, Klavier) - Francis Poulenc: 3. Allegro ma non troppo, aus Doppelkonzert d-Moll (Sylviane Deferne & Pascal Rogé, Klavier; Philharmonia Orchestra; Charles Dutoit, Leitung) - Billy Joel: The Stranger - Franz Schubert: Impromptu Ges-Dur D 899 op. 90 (Radu Lupu, Klavier)

    1h 7m
  6. May 10

    «Jedes Protein klingt anders» - die Biophysikerin Nora Eifler

    Die Biophysikerin Nora Eifler bewegt sich zwischen zwei Welten, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben: Molekularbiologie und Musik. Tagsüber arbeitet sie in der Medikamentenentwicklung eines internationalen Pharmaunternehmens, abends übersetzt sie Proteinsequenzen in Klänge und komponiert. Was passiert, wenn Aminosäuren zu Melodien werden? Und warum klingen manche Proteine fast jazzig oder psychedelisch? In «Musik für einen Gast» bei Eva Oertle erzählt Nora Eifler von einer Kindheit zwischen Heilkräutern, Naturbeobachtung und einer grossen Angst vor Krankheitserregern. Sie spricht über ihre Faszination für das Unsichtbare, über das genaue Zuhören und Nachahmen von Stimmen und Dialekten – und darüber, wie daraus später ein wissenschaftlicher Blick auf Moleküle entstand. Die Sendung führt von frühen musikalischen Erinnerungen mit Bruce Low über Amy Winehouse bis zu Heinrich Schütz. Dazwischen erzählt Nora Eifler von ihren Studienjahren und davon, weshalb sie nicht an der Universität geblieben ist, sondern – trotz eigener Vorurteile – auf der «dark side» in der Pharmaindustrie gelandet ist. Sie spricht über ihre Suche nach Mustern: in Proteinen ebenso wie in der Musik. In der Sendung demonstriert sie zudem, wie aus biologischen Sequenzen Melodien entstehen – und erklärt, warum sie sich den Satz «Life is uncertain, eat dessert first» zu Herzen nimmt. Die Musiktitel: - Bruce Low: Noah Found Grace in the Eyes of the Lord - Amy Winehouse: Tears Dry on Their Own - Juicy Lemon Club: 21st Night of May - Nora Eifler: Aquaporin - Räägedag - Heinrich Schütz: Fili mi, Absalon (Matteo Messori, Bass; Cappella Augustana)

    1h 4m

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