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In "Frisch an die Arbeit" stellen Leonie Seifert und Daniel Erk spannenden Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft Fragen über ihr persönliches Verhältnis zu ihrer Arbeit.

Frisch an die Arbei‪t‬ ZEIT ONLINE

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In "Frisch an die Arbeit" stellen Leonie Seifert und Daniel Erk spannenden Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft Fragen über ihr persönliches Verhältnis zu ihrer Arbeit.

    Wie schreibt man einen Roman, Kirsten Fuchs?

    Wie schreibt man einen Roman, Kirsten Fuchs?

    „Geschrieben habe ich immer” sagt die Schriftstellerin Kirsten Fuchs, die 1977 in Chemnitz geboren wurde und in Berlin-Hellersdorf aufwuchs. “Aber dass es mein Beruf sein könnte? Der Gedanke kam relativ spät.”
    Im Zeit-Online-Podcast “Frisch an die Arbeit” erzählt Fuchs, wie sie schon als Vorschulkind ihrem Vater Geschichten diktierte, später malte sie ihre Geschichten vor allem und hätte sich sogar vorstellen können, als Illustratorin zu arbeiten. Als Jugendliche besuchte sie dann aber doch Workshops für kreatives Schreiben: „Ich wollte Germanistik studieren, aber dafür hat die Note nicht gereicht. Dann habe ich mich für ältere deutsche Literatur und Sprache eingeschrieben – das ging überhaupt nicht gut.” Sie brach das Studium ab und begann eine Ausbildung zur Tischlerin: „Ich wollte das Gegenteil von einem Studium machen. Es sollte konkret, laut und dreckig sein.”

    Um auf ihre Geschichten zu kommen, habe sie ein einfaches Ritual: „Ich muss mich hinlegen, damit ich schreiben kann. Mich 20 Minuten ein bisschen löschen, dann ist die Stimmung da!” Daher schreibe sie zunächst auch immer viel zu viel – zu viel Dialog, zu viel Beschreibungen. Oft sei der erste Entwurf auch nur ein Herantasten, von dem manchmal nur eine Idee oder eine Person übrig bleibe. Aber das störe sie nicht. „Ich bin oft glücklich beim Schreiben” sagt Fuchs. „Das Scheitern beim Schreiben gehört einfach dazu.”

    • 48 min
    Kann man mit Instagram die Welt verbessern, Oğuz Yılmaz?

    Kann man mit Instagram die Welt verbessern, Oğuz Yılmaz?

    „Wir waren bei den Kids damals so bekannt wie die Kanzlerin”, sagt Oğuz Yılmaz, der mit der Commedygruppe Y-Titty einer der ersten Youtube-Stars in Deutschland war und auch bei Harald Schmidt und Stefan Raab auf der Couch saß. „Damals war ich der Eine von Y-Titty – heute fällt vielen erst auf, wenn ich meine Geschichte erzähle: Ach, du bist von denen!”

    Heute managt Yılmaz Influencerinnen wie DariaDaria und Mirella, die Youtuber von Vegan ist ungesund und die Autorin und Journalistin Alice Hasters. „Es geht um Verträge verhandeln, Werbedeals besprechen und strategisch gucken, mit wem man arbeitet”, erklärt Yılmaz im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Sein Mitgründer Felix Hummel und er hätten sich vorgenommen, all die Dinge besser zu machen, die Yılmaz in seiner Zeit als Youtuber unangenehm fand. Sie wollen mit ihren Kundinnen und Kunden Verträge aufsetzen, die transparent machen, wer wieviel verdient und welche Provisionen vermittelt werden. Und sie wollen nur Deals mit Firmen machen, die Umwelt- und Naturschutz ernst nehmen und Diskriminierung aufgrund von Gender, sexueller Orietierung und Hautfarbe ablehnen.

    “Aber es geht für uns nicht nur bei den Brands um Nachhaltigkeit. Sondern auch darum, dass wir den Karriereaufbau nachhaltig planen.” Der wichtigste Tipp sei aber ohnehin: „Nicht zu allem Ja sagen. Die Angebote kommen wieder.”

    • 41 min
    Wie plant man die Stadt der Zukunft, Frau Polinna?

    Wie plant man die Stadt der Zukunft, Frau Polinna?

    „Viele Städte wachsen, dazu kommen die Mobilitätswende und die Klimakrise”, sagt Cordelia Polinna, Geschäftsführerin des Berliner Stadtplanungsbüro Urban Catalyst. So entstünden zur Zeit Probleme, die Städte nur lösen könnten, wenn sie langfristige Pläne entwickelten: “Die Kommunen müssen reagieren – und wir helfen ihnen dabei.”
    Die promovierte Stadtplanerin Polinna, 45, wuchs in einer denkmalgeschützten Wohnsiedlung in Berlin auf. Schon als Jugendliche habe sie dort beobachtet, wie die ganze Stadt sich mit ihren Vierteln entwickelte, erzählt sie im Zeit-Online-Podcast “Frisch an die Arbeit”. Schon in der Schule habe sie sich bei einem Erdkunde-Kurs mit der Frage beschäftigt, wo Berlin seinen neuen Flughafen bauen solle. Das habe ihr gezeigt, wie komplex solche Prozesse seien. Heute spricht sie mit ihrem Team viel mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Ihre Erfahrungen sollten genauso berücksichtigt werden wie das, was die Gegend in Zukunft leisten müsse, erzählt sie. Im Schweizerischen Bern etwa verwandelte Polinna einen zentralen, aber etwas verwahrlosten Parkplatz zwischen einem Bahnviadukt und zwei Ausfallstraßen in einen urbanen Platz – mit einem Ideenpavillon und Flächen für Theater, Sport und Spiel. „Aber viele Politikerinnen und Politiker haben eben Angst vor Veränderung.” Für sie selbst sei das manchmal frustrierend: „Wenn ich schlecht drauf bin, denke ich: Wir produzieren eigentlich nur Pdf-Dateien.”
    Als besonders motivierend erlebe sie hingegen, wenn die Prozesse von Politik, Verwaltung und Bürgerinnen und Bürgern eine eigene Dynamik entwickelten. In Bern zum Beispiel habe der Ideenpavillon dazu geführt, dass Stadtverwaltung und Anwohnerinnen und Anwohner die Qualitäten des Platzes erst erkannt hätten. Wo früher billig Autos abgestellt wurden, haben sie plötzlich Tänze gelernt und Feste gefeiert. Die Kinder sausten mit Fahrgeräten ungestört umher. „Am Spannendsten ist, wenn sich der Blick der Beteiligten weitet – und die Menschen mutig werden”, sagt die Stadtplanerin.

    • 38 min
    Wie baut man medizinisches Cannabis an, Herr von der Groeben?

    Wie baut man medizinisches Cannabis an, Herr von der Groeben?

    „Wir werden das erste deutsche Unternehmen sein, das Cannabis anbaut”, sagt der Jurist und Start-up-Gründer Constantin von der Groeben über seine junge Firma Demecan, deren Name ausgeschrieben Deutsches Medizinal-Cannabis lautet. „Ende November haben wir die Betäubungsmittelumgangserlaubis bekommen und 2021 geht es los mit dem kommerziellen Anbau.”

    Von der Groeben, der Jura studiert hat und erst in großen Kanzleien in Deutschland und den USA und dann im Bundeswirtschaftsministerium arbeitete, hat 2017 gemeinsam mit dem Arzt Adrian Fischer und dem Ökonomen Cornelius Maurer Demecan gegründet. Gemeinsam entwickelten sie ein Konzept, um in Deutschland legal Cannabis unter Laborbedingungen anzubauen und als Medikament in die Apotheken zu bringen.
    „Zunächst dachte ich schon: Aha, das klingt ja verrückt”, gibt von der Groeben im Podcast zu. Doch dann habe er gesehen, dass es in einem so sensiblen Markt wie dem mit Cannabis auf die rechtliche Absicherung ankommt.

    • 37 min
    Warum stresst uns Weihnachten so, Eva-Maria Seibel?

    Warum stresst uns Weihnachten so, Eva-Maria Seibel?

    "Ende November, Anfang Dezember gibt es häufig einen Ansturm auf psychotherapeutische Praxen", sagt Eva-Maria Seibel. Sie arbeitet als Diplom-Psychologin, systemische Therapeutin und Familientherapeutin in Berlin. Dass sich jetzt mehr Menschen bei Therapeuten melden, hätte sicher auch mit dem Winter zu tun, erzählt sie im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Die Dunkelheit und der anstehende Rückblick auf das Jahr wirkten zudem belastend. Die Pandemie verstärke dieses Jahresendgefühl noch.

    Seibel, 42, stammt aus dem Pfälzerwald und lebt seit 2005 in Berlin. Ehe sie sich als Therapeutin selbstständig machte, arbeitete sie als Psychologin in der Marktforschung und in der Werbestrategie. "In das Bild der schrulligen Therapeutin will ich reinwachsen", sagt sie im Podcast. In ihrer Praxis seien Familientreffen wie an Weihnachten zum Jahresende ein Thema. Die Beziehung zu den Eltern sei immer eine besondere und manchmal eben auch besonders anstrengend: "Man fährt zur Familie und zwei Tage lang ist es schön – dann kippt man in alte Muster", erklärt Seibel. Man fühle sich wieder als Kind oder rebellischer Teenager und auch die Eltern verhielten sich dementsprechend: "Das sind ganz übliche Abgrenzungsprobleme, die an Weihnachten, aber auch zu anderen Familienanlässen auftreten."

    Es seien viele junge Menschen, die sich bei ihr meldeten. "Sie sind Anfang 20 und wollen sich schon in jungem Alter mit sich selbst auseinandersetzen", sagt Seibel. Ältere Menschen würden seltener ihre Hilfe in Anspruch nehmen: "Sie haben ganz andere Durchhaltestrategien, gerade die, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit sozialisiert wurden." Gefühle runterzuschlucken und wegzudrücken seien Überlebensstrategien. Doch die könnten mit zunehmendem Alter auch stören.

    Für sie als systemische Therapeutin sei wichtig, dass die Menschen, mit denen sie arbeitet, keine Patienten sind – sondern Klienten. Der Mensch werde nicht als krank angesehen. Die Symptome seien Ausdruck eines Problems im System. "Wir schauen: Welche Funktion haben Symptome und Konflikte im System?", sagt Seibel.

    Wenn man zum Beispiel Sorgen wegen Weihnachten habe, müsse man das gesamte Wertesystem der Familie betrachten: "Was wird in der Familie etwa zum Thema Familienzusammenhalt propagiert, was zum Thema Harmonie? Und wie will man sich davon abgrenzen, sanft oder klar?"

    Dann müsse man betrachten, was die betreffende Person erreichen will und welche Muster sie abhalten. "Oft hilft, wenn man sich fragt: Was müsste passieren, dass es an Weihnachten so richtig fetzt?", sagt Seibel. Um danach herauszufinden: "Wie kann man dieses Muster unterbrechen und was anderes ausprobieren?"

    Wichtig sei ihr dabei, dass die Klientinnen und Klienten eigenverantwortlich bleiben. "Ich habe ein sehr großes Vertrauen in die Personen und deren Ressourcen", sagt Seibel. "Ganz viel Lösungspotenzial steckt in den Menschen drin. Man muss das manchmal nur ein bisschen reaktivieren."

    • 35 min
    Wie macht man Basteln zum Beruf, Andrea Potocki?

    Wie macht man Basteln zum Beruf, Andrea Potocki?

    „Ich habe mich anfangs mit dem Wort „basteln“ schwergetan und mich lieber als Gestalterin bezeichnet” sagt Andrea Potocki, die mit WLKMNDYS eines der größten deutschen DIY- und Bastelblogs betreibt. Auf ihrem Blog, erzählt Potocki, bietet sie Entwürfe und Ideen für das ganze Jahr an: von Kostümen an Karneval, über Ideen für Kindergeburtstage, Basteleien zu Ostern, Weihnachten und Halloween, Laternen in Form von Raumschiffen, Einhörnern und Dackeln und Schultüten. “Wir haben immer Saison” sagt Potocki im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Sie sagt auch: “Ich habe mir meine eigene Welt gebastelt.”

    Da sie aus einer Familie kommt, in der immer gebaut, geschneidert und auch gebastelt wurde, gründete sie nach der Geburt ihres dritten Kindes im Jahr 2014 WLKMNDYS, der Name ist die Kurzform von We Like Mondays – zu Deutsch: Wir mögen Montage. “Ich wollte kreativ arbeiten und gleichzeitig nicht riesengroß denken müssen.“ Mittlerweile ist ihr Blog derart erfolgreich, dass Potocki nicht nur Studioräume in Berlin-Kreuzberg bezogen hat, sondern auch eine Assistentin angestellt, und ein Netzwerk an freien Mitarbeiterinnen und Autorinnen aufgebaut hat.

    Wie für das ganze Land war 2020 auch für Andrea Potocki ein spezielles Jahr, erzählt sie. Ihre Bastelsets verkauften sich spürbar besser als erwartet: “Seit März ging die Kurve in Bezug auf Bastelmaterial steil nach oben.” Gerade jetzt vor Weihnachten packe sie ganz schön viele Pakete mit Bastelmaterial statt sich neue Ideen, Entwürfe und Anleitungen auszudenken. “Jeden Tag schließe ich die Tür zu unserem Studio auf und bin wahnsinnig glücklich” sagt sie. “Aber es ist auch ein Geschäft und keine reine Leidenschaft.” Wenn sie Druck verspüre, ziehe sie sich auch einfach mal zurück oder bastle gegen die Anspannung. „Basteln ist mein Yoga“ sagt Andrea Potocki.

    • 37 min

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