Literaturclub Buchtipps

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

SRF Literatur bietet Orientierung im Bücherdschungel und intelligente Unterhaltung für Leseratten und Bücherwürmer. Zweimal pro Monat legen Redaktorinnen und Redaktoren des Literaturteams diejenigen Bücher auf den Literaturstammtisch, die man unbedingt lesen sollte. Vorgestellt werden aktuelle belletristische Werke aus der Schweiz und aus aller Welt.

  1. vor 2 Tagen

    Aktuelle Buchempfehlungen: Bonnie Garmus und Urs Zürcher

    Bonnie Garmus erzählt von einem jungen Mann, der sich gegen künstliche Intelligenz und für menschliche Kreativität einsetzt. Und der Schweizer Autor Urs Zürcher beleuchtet die rechtsextreme Szene und ihre Verstrickungen in die jüngere Schweizer Geschichte. Nach ihrem Welterfolg «Eine Frage der Chemie» erzählt die US-Amerikanerin Bonnie Garmus in ihrem zweiten Roman «Peck & Peck» von einem jungen Mann, der einen Job in einem renommierten Lyrikverlag ergattert. Obwohl er zunächst in der Kopierabteilung landet, nimmt er mutig den Kampf gegen künstliche Intelligenz auf und setzt sich für Kreativität und Originalität ein. Wie schon in ihrem Debüt zeigt Garmus, wie sich ein vermeintlich unscheinbarer Mensch gegen mächtige Strukturen behaupten kann. Eine politische Lektüre voller Herz und Humor, urteilt Literaturredaktorin Britta Spichiger. Im Juli 1989 sterben beim Brand eines Asylbewerberheims in Chur vier Menschen aus Sri Lanka. Die Täter werden nie ermittelt, doch Spuren führen in rechtsextreme Kreise. Hier setzt Urs Zürchers Roman «Verschwinden» an. Er erzählt die fiktiven Lebensgeschichten dreier möglicher Täter, die aus unterschiedlichen Milieus stammen, aber der Hass auf das Fremde verbindet. Dabei zeichnet Zürcher ein beklemmendes Bild davon, wie sich die rechtsextreme Szene in der Schweiz über Jahrzehnte zu einem weitverzweigten Netzwerk entwickelt hat. Eindrücklich und beängstigend real, urteilt Literaturredaktor Markus Gasser. Buchhinweise: Bonnie Garmus. Peck & Peck. Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. 544 Seiten. Piper, 2026. Urs Zürcher. Verschwinden. 315 Seiten. Bilger, 2026.

  2. 6. Okt.

    Aktuelle Buchempfehlungen: Sven Regener und Sierra Greer

    Sven Regener schickt zwei Brüder durch das verschneite Westberlin der 1980er-Jahre. Und die US-amerikanische Autorin Sierra Greer erzählt von einem weiblichen Roboter, der um seine Freiheit kämpft. Westberlin, 23. Dezember 1980: Die Brüder Frankie und Freddie Lehmann ziehen durch die verschneite Stadt auf der Suche nach einer verschwundenen Tasche. Unterwegs holen sie nach, was sie seit Jahren nicht mehr getan haben: Sie sprechen sich aus. In «Frankie und Freddie» erzählt Sven Regener vom Erwachsenwerden, von Entscheidungen, die man später vielleicht bereut, und vom Leben in einer Stadt, die von der Aussenwelt abgeschnitten ist und allmählich vor die Hunde geht. Diesen Fragen geht Regener in seiner gewohnt eloquenten und unterhaltsamen Art nach. In ihrem Debütroman «Annie Robot» erzählt die US-Amerikanerin Sierra Greer die Geschichte eines weiblichen Roboters namens Annie. Sie lebt in naher Zukunft und gehört dem Mittdreissiger Doug, der glaubt, an der Menschmaschine hemmungslos sein chauvinistisches Frauenbild ausleben zu können. Annie soll putzen, kochen und sich ihm jederzeit sexuell zur Verfügung stellen. Doch dann beginnt sie zu lernen – und damit beginnt ihr Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung. Der packende Roman biete «einen guten Mix aus Unterhaltung und Tiefgang» und sei thematisch «voll auf der Höhe der Zeit», urteilt Literaturredaktor Felix Münger. Buchhinweis: Sven Regener. Franke und Freddie. 288 Seiten. Galiani Berlin, 2026. Sierra Greer. Annie Robot. Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer. 351 Seiten. Liebeskind, 2026.

  3. 15. Sept.

    Aktuelle Buchempfehlungen: Sonja Sophie Kreis, Julia von Lucadou

    «Zeiten erhöhter Gefahr» der deutschen Schriftstellerin Julia von Lucadou und der soeben für die Shortlist des Schweizer Buchpreises nominierte Roman «Das grosse Eis» von Sonja Sophia Kreis sind die aktuellen Buchtipps der SRF-Literaturredaktion. Anna besucht ihren Bruder in Grönland, der aber irgendwo im Landesinnern festsitzt. Beim Warten notiert sie Erinnerungen an ihre Familie. Im Zentrum von «Das grosse Eis» von Sonja Sophia Kreis steht Annas Mutter, die nach dem Krieg von der deutschen auf die Schweizer Bodenseeseite geheiratet hatte und dort unglücklich wurde. Über vier Generationen spannt sich die Erzählung und enthüllt das Bild einer Familie, in der über alles geschwiegen wird und alle einsam sind. Das grosse Eis in Grönland wird so zum Spiegel für die innerlichen Vergletscherungen, sagt Markus Gasser, der das Buch im Gespräch vorstellt. «Zeiten erhöhter Gefahr» von Julia von Lucadou erzählt von einem Mittfünfziger, der von obsessivem Sicherheitsdenken getrieben ist. Er unterhält im Keller seines Hauses einen atombombensicheren Bunker, arbeitet in einer Firma für Festungsanlagen und beschäftigt sich auch in der Freizeit mit Sicherheitsfragen. Als der Mann im Wald eine Leiche entdeckt, gerät seine Welt aus den Fugen. Literarisch geschockt verbindet das Buch das stark verbreitete Gefühl der Verunsicherung aufgrund der globalen Lage mit inneren Konflikten eines Einzelnen - und biete dadurch eine überaus fesselnde Lektüre, sagt Felix Münger. Buchhinweise: Sonja Sophie Kreis. Das grosse Eis. 255 Seiten. Rowohlt Berlin, 2026. Julia von Lucdou. Zeiten erhöhter Gefahr. 221 Seiten. Hanser Berlin, 2026.

  4. 8. Sept.

    Aktuelle Buchempfehlungen: Alain Claude Sulzer und Micha Lewinsky

    Der Basler Autor Alain Claude Sulzer bringt uns das Theater als Lebensweise näher. Und der Zürcher Filmemacher und Schriftsteller Micha Lewinsky erzählt vom Älterwerden und davon, was bleibt, wenn jugendliche Ideale auf die Realität treffen. Ein bedeutender Regisseur und Intendant eines Berliner Thaters stirbt auf tragische Weise. Jetzt treffen sich seine früheren Mitstreiterinnen und Mitstreiter zur Trauerfeier. Alain Claude Sulzers Theaterroman erzählt im Wesentlichen die Biografien der verschiedenen Theaterleute auf dieser Feier. Der Roman überzeugt mitunter dadurch, dass der Autor sehr genau weiss, wovon er spricht, sagt SRF-Literaturredaktor Michael Luisier. Konkret heisst das, dass Alain Claude Sulzer das Theater als das beschreibt, was es tatsächlich ist: eine Lebensweise. Zürich in den 1990er-Jahren: besetzte Häuser, illegale Bars und für viele junge Leute das Gefühl, die Welt neu erfinden zu können. In seinem neuen Roman «Freunde von früher» blickt der Filmemacher und Schriftsteller Micha Lewinsky auf diese Zeit zurück und erzählt die Geschichte von Béla, der auf einmal die Chance hat, zusammen mit seinen alten WG-Kameraden, ein Haus zu kaufen. Ein unterhaltsamer Roman über das Älterwerden und vom Altern jugendlicher Ideale, meint SRF-Literaturredaktorin Jennifer Khakshouri. Buchhinweise: Alain Claude Sulzer. Szenenwechsel. 255 Seiten. Galiani Berlin, 2026. Micha Lewinsky. Freunde von Früher. 272 Seiten. Diogenes, 2026.

  5. 11. Aug.

    Aktuelle Buchempfehlungen: Jérémie Gindre und Lilli Tollkien (W)

    Zwei literarische Stimmen sind zu entdecken: Der Genfer Autor und bildende Künstler Jérémie Gindre, der Frauen beschreibt, die buchstäblich am Rande des Abgrunds stehen. Und die Debütantin Lilli Tollkien mit ihrem Roman über eine Kindheit in einer Berliner Männer-Kommune der 1980er-Jahre. «Tombola» erzählt von Frauen, die einen Schritt aus dem Alltag wagen und dabei konfrontiert werden mit einer Natur und einer Männerwelt, die sie latent bedrohen. Zita wandert mutterseelenallein in den savoyischen Alpen durch Nebel und Schnee - Absturz vorprogrammiert. Saskia besucht nach Jahren ihren cholerischen Vater - Eskalation unumgänglich. Jedesmal passiert dann aber das Unerwartete. Über sieben Erzählungen hält uns der Genfer Autor und bildende Künstler Jérémie Gindre den Spiegel unserer (negativen) Erwartungen vor Augen. Ein ungewöhnliches, sprachlich virtuoses Leseerlebnis zwischen Reiseführer und Abenteuerroman, findet Literaturredaktor Markus Gasser. «Mit beiden Händen den Himmel stützen» ist das Debüt der deutschen Autorin Lilli Tollkien. Und zwar ein «Debüt von grösster Wucht», wie SRF-Literaturredaktorin Katja Schönherr findet, die das Buch auch als «atemlos und temporeich» bezeichnet. In dem Roman geht es um das Mädchen Lale. Es wächst in den 1980ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und Revolutionen geplant werden. Vor allem aber wird getrunken, gekifft und gefeiert. Lale darf wach bleiben, solange sie will, Süssigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen (körperlichen) Grenzen immer wieder übertreten werden. Buchhinweise: Jérémie Gindre. Tombola. Aus dem Französischen von Ruth Gantert und Steven Wyss. 200 Seiten. Die Brotsuppe, 2026. Lilli Tollkien. Mit beiden Händen den Himmel stützen. 255 Seiten. Aufbau, 2026. Wiederholung der Sendung Literaturclub Buchtipps vom 17.03.2026

  6. 4. Aug.

    Aktuelle Buchempfehlungen: Roberto Saviano, Birgit Birnbacher (W)

    Der italienische Bestsellerautor Roberto Saviano erzählt in seinem neuen Roman von Liebe, Mafia und Tod. Und die österreichische Autorin und Soziologin Birgit Birnbacher widmet sich in ihrem neuen Roman dem Thema ADHS. Vor zwanzig Jahren zeigte Roberto Saviano als Investigativjournalist mit seinem Weltbestseller «Gomorrha» die Strukturen und Machenschaften der Camorra auf. Seit dann haben seine Arbeit und sein Erfolg als Autor einen hohen Preis: Saviano lebt unter ständigem Polizeischutz. Nun legt er einen neuen Roman vor. In «Meine Liebe stirbt nicht» erzählt er von Liebe, Mafia und Tod und zwar auf eine Weise, die Saviano-Fans mitreisst, findet Jennifer Khakshouri. Sie empfiehlt das Buch. Wie geht man um mit einem Kind mit ADHS? Wie wehrt man sich gegen Zuschreibungen? Und vor allem: Welche Chancen bietet der «Wildwuchs im Denken» für die Gesellschaft? Die Schriftstellerin und studierte Soziologin Birgit Birnbacher hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt und mit «Sie wollen uns erzählen» einen bedeutenden Beitrag zu einem aktuellen Thema geleistet. Inhaltlich wie literarisch findet Literaturredaktor Michael Luisier. Buchhinweise: Roberto Saviano. Meine Liebe stirbt nicht. Aus dem Italienischen von Anna und Wolf Leube. 400 Seiten. Hanser, 2026. Birgit Birnbacher. Sie wollen uns erzählen. 224 Seiten. Zsolnay, 2026. Wiederholung der Sendung Literaturclub Buchtipps vom 13.01.2026

Bewertungen und Rezensionen

4,3
von 5
4 Bewertungen

Info

SRF Literatur bietet Orientierung im Bücherdschungel und intelligente Unterhaltung für Leseratten und Bücherwürmer. Zweimal pro Monat legen Redaktorinnen und Redaktoren des Literaturteams diejenigen Bücher auf den Literaturstammtisch, die man unbedingt lesen sollte. Vorgestellt werden aktuelle belletristische Werke aus der Schweiz und aus aller Welt.

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