Perspektiven

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Perspektiven aufs Leben. Der wöchentliche Podcast von SRF Kultur rund um Religion, Spiritualität und Ethik. Hier haben Glaube, Zweifel und Hoffnung Platz. Wir erzählen, erklären, debattieren und sinnieren. Immer nah am Menschen und den grossen Fragen auf der Spur.

  1. vor 5 Tagen

    Daoismus heute: Was wir von Zhuangzi über Gelassenheit lernen (W)

    «Der Weg entsteht, indem er gegangen wird» – das ist einer der vielen Sinnsprüche des chinesischen Gelehrten Zhuangzi, der vor rund 2400 Jahren daoistische Texte weiterentwickelt hat. Das Buch «Zhuangzi besser verstehen» zeigt, wie hilfreich die Lehren des Dao heute sein können. Der Daoismus ist neben dem Konfuzianismus und dem Buddhismus eine der drei grossen Lehren, die China massgeblich geprägt haben. Im Zentrum des Daoismus steht die Idee eines allumfassenden Wirkprinzips, das die Geschicke des Universums lenkt. Gleichzeitig dient das «Dao» – zu Deutsch «der grosse Weg» – auch als Anleitung für ein gelingendes und langes Leben. Der Ursprung des Dao liegt über 2500 Jahre zurück und wird dem chinesischen Gelehrten Laotse zugeschrieben, der der Legende nach Weisheiten im sogenannten «Daodejing», der Gründungsschrift des Daoismus, gesammelt haben soll. Rund hundert Jahre nach Laotse taucht der chinesische Dichter und Philosoph Zhuangzi auf, der die teilweise schwer verständlichen Texte aus dem Daodejing in kurzen, lebhaften Geschichten greifbarer macht. Der Deutsche Didaktiker und Autor Michael Wittschier wagt nun in seinem neuen Buch «Zhuangzi besser verstehen» eine weitere Verständnisstütze, mit der das Prinzip des Dao noch besser ins heute transportiert werden kann. Was können uns die klugen und teilweise auch humorvollen Gleichnisse von Zhuangzi heute vermitteln? Und wie kann uns in Zeiten von Leistungsdruck und Selbstoptimierung die daoistische Kunst des «Nicht-Tuns» Inspiration für mehr Gelassenheit geben? Diesen und anderen Fragen geht diese «Perspektiven»-Sendung nach. Autor: igor Basic

  2. 10. Okt.

    Diverse Schule ohne Diskriminierung: Es gibt noch viel zu tun

    Vielfalt ist eine Bereicherung – das wird an Schweizer Schulen gelehrt. Doch sobald der Islam ins Spiel kommt, wird Diversität oft problematisiert. Was bedeutet das für muslimische Schülerinnen und Schüler und was braucht es, damit sich alle wohlfühlen? Der Schüler, der als aggressiv abgestempelt wird, weil er einen muslimischen Namen hat. Die Schülerin, der abgesprochen wird, Muslimin zu sein, weil sie kein Kopftuch trägt und sich als Feministin bezeichnet. Das Mädchen, dem der Übertritt ins Gymnasium nicht zugetraut wird, weil es einen ausländischen Namen hat. Diskriminierung in der Schule hat viele Gesichter. Die Schule sei ein «massgeblicher Bereich», in denen Schweizer Musliminnen und Muslime Diskriminierung erfahren, konstatiert denn auch der Grundlagenbericht zu antimuslimischem Rassismus in der Schweiz, der im Auftrag des Bundes erstellt wurde. Dabei wird Vielfalt zwar als Bereicherung gelehrt. Gerade der Islam wird dann aber als Gefahr für die erfolgreiche Diversität dargestellt. Das zeigt eine neue Untersuchung des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft. Es brauche mehr Wissen über Religionen, etwa, dass sie sich verändern oder über innerreligiöse Vielfalt. Und es brauche mehr Selbstreflexion im Lehrerzimmer, so die Erkenntnis. Wie also steht es um die Diversität im Klassenzimmer? «Perspektiven» beleuchtet, weshalb es im Schulzimmer um mehr geht als um die Frage des Kopftuches. Autorin: Nicole Freudiger

  3. 3. Okt.

    Heiliger Franziskus: Die revolutionäre Kraft der Mystik

    Zum 800. Todestag von Franz von Assisi zeichnet Kirchenhistoriker Volker Leppin Franziskus als «unbequemen Heiligen». Dessen Naturmystik und radikal alternativer Lebensstil inspirieren bis heute. Das Beispiel Franziskus zeige, wie revolutionär christliche Mystik wirken kann. Mystikerinnen und Mystiker seien meist «unbequem» gewesen: für die Amtskirche ebenso wie für die Gesellschaft. So auch Franz von Assisi: Der stellte mit seiner radikalen Armut den Lebensstil der Mehrheit fundamental infrage. Damit inspiriere Franziskus bis heute, auch wegen seiner Naturmystik. Als der, der den Vögeln predigte, könnte er leicht «verniedlicht» werden. Dabei war Franziskus’ Mystik radikal. Im Gespräch mit Volker Leppin fragt Judith Wipfler, was christliche Mystik so bleibend attraktiv macht, selbst im säkularen Zeitalter. Und weiter: Was ist Mystik überhaupt? Gast in der Sendung: Volker Leppin (59) ist evangelisch-lutherischer Theologe und hat sich an der Universität Tübingen einen internationalen Namen gemacht. So krempelte Leppin die Lutherforschung um, indem er zeigte, wie stark der Reformator von der spätmittelalterlichen Mystik geprägt war. - Heute lehrt Leppin an der Yale University. In seinen Büchern geht er der Wirkung frühneuzeitlicher Mystik in Christentum und Gesellschaft nach. Autorin: Judith Wipfler Buchhinweis: Volker Leppin, Franz von Assisi. Ein unbequemer Heiliger, Herder Verlag 2026. Musik im Podcast: Il cantico delle Creature - nach einem Text von Franz von Assisi, komponiert von Peter Appenzeller, gesungen vom Vokalensemble Cantaurora, produziert vom Tonstudio Lanz 2007.

  4. 19. Sept.

    Stille und Frieden finden im Ranft bei Bruder Klaus (W)

    «Für äusseren Frieden braucht es zuerst inneren Frieden», heisst es im Ranft. Wie aber finde ich zu innerer Ruhe, Stille und gar Frieden? Im Ranft – bekannt durch Bruder Klaus – führen verschiedene Wege dorthin: interreligiöse Meditation, Schweigeseminare, Yoga, Wandern-in-Stille, Friedensgebete. In der Ranftschlucht bei Flüeli OW kommt vieles zusammen: Mächtige Natur, das Brausen des Bergbachs Melchaa, gotische Kirchlein und die Klause vom Schweizer Nationalheiligen Bruder Klaus. Das zieht Stille-Suchende unterschiedlichster Couleur an: von naturreligiösen bis zu traditionell katholischen Menschen. Seit rund 600 Jahren, seit Bruder Klaus hier als Einsiedler Menschen beriet, ist der Ranft auch ein Hotspot politischer Friedensbewegungen. In den 1980ern etwa unterstützten die Dorotheaschwestern den Bau eines Friedensdorfs durch die katholische Jugend. Sie nahmen in Flüeli Asylsuchende auf. Das Areal der Schwestern ist heute ein unabhängiges Mediationszentrum: Als «ZentrumRanft» ist es offen für interreligiöses Meditieren, für Stille- und Selbstfindungsseminare wie auch Yoga-Retreats. An den «Ranfter Gesprächen» sprechen Menschen über Spiritualität als Ressource für nachhaltige Umwelt- und Friedenssicherung. Lassen sich im Ranft tatsächlich Stille und Frieden finden? Was macht die Mystik dieses «Kraftorts» aus? In ihrer Reportage begegnete Judith Wipfler Menschen, mit denen sie hier gar nicht gerechnet hätte. Zu hören sind: · Achtsamkeitstrainerin und Wanderleiterin Karin Breyer · Dorotheaschwestern Rita und Charlotte · Die Ukrainerin Marija Bereznitska, die im «ZentrumRanft» Zuflucht und Frieden fand. · Pfr. Christoph Sigrist aus Zürich und der Blockflötist Hans-Jürgen Hufeisen. · Meditationslehrerin und Präsidentin des «ZentrumRanft» Ursula Bründler Stadler Autorin: Judith Wipfler Wir wiederholen diesen Beitrag von 2024 am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag 2026: Dann überträgt SRF einen Live-Gottesdienst aus der Bruder-Klaus-Wallfahrtskirche in Sachseln OW.

  5. 5. Sept.

    Peter G. Kirchschläger kämpft für Menschenrechte im KI-Zeitalter

    Papst Leo XIV. hat Peter G. Kirchschläger zu seinem Berater in Sachen KI und Menschenrechten ernannt. Der Ethiker von der Universität Luzern berät bereits die UNO, Unternehmen und NGOs im In- und Ausland. - Was ist aktuell am dringendsten? Der Luzerner Ethiker, Philosoph und Theologe Peter G. Kirchschläger erforscht seit Jahrzehnten die gesellschaftlichen und ethischen Folgen von Digitalisierung und sogenannter Künstlicher Intelligenz. 2022 war Peter G. Kirchschläger bereits einmal in Perspektiven zu Gast. Schon damals sprachen wir über Chancen und Risiken von Digitalisierung. In den vergangenen vier Jahren aber hat die digitale Entwicklung extrem Tempo aufgenommen, - ist das noch zu stoppen oder zu lenken? Die sogenannt Künstliche Intelligenz (KI) hat innert kürzester Zeit Einzug gehalten in unser tägliches Leben. Reagieren demokratisch rechtsstaatliche Gesellschaften zu langsam oder falsch darauf? - Wie kann man die Macht von Tech-Giganten eindämmen? Welche Möglichkeiten hat da ein Papst? Und: Was können wir persönlich tun, um Freiheit und Menschlichkeit im KI-Zeitalter zu sichern? Zu Gast in der Sendung: Peter G. Kirchschläger · Seit 2017 Professor für Theologische Ethik und Leiter des Instituts für Sozialethik ISE an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern · Ethik-Experte für nationale und internationale Organisationen (UNO, UNESCO, EU, OSZE, etc.) sowie Unternehmen und NGOs; zudem Präsident der Eidgenössischen Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich EKAH · Seit 2023 Gastprofessor an der Professur für Neuronales Lernen und Intelligente Systeme der ETH Zürich sowie am ETH AI Center · 2024 ausgezeichnet mit einem UNO-Preis für sein forschungsbasiertes Projekt zur Errichtung einer «Internationalen Agentur für datenbasierte Systeme IDA» bei der UNO · Am 18. August 2026 ernannte ihn Papst Leo XIV. zum Konsultor des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen. · Der schweizerisch-österreichische Doppelbürger wurde 1977 in Wien geboren, ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Autorin: Judith Wipfler

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